DGP: Long-COVID: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie auf dem Weg
Laut RKI-Zahlen gelten 2.383.600 Menschen in Deutschland nach einer
COVID-19-Infektion als genesen. Doch viele von ihnen sind noch nicht
gesund: Schätzungen zufolge haben etwa zehn Prozent mit Langzeitfolgen zu
kämpfen, die unter den Bezeichnungen Post-COVID-Syndrom oder Long-COVID
bekannt sind. Die Betroffenen leiden vor allem an Lungen- und
Herzbeschwerden und fühlen sich häufig extrem erschöpft. Die Vielfalt an
dokumentierten Symptomen macht es behandelnden Ärztinnen und Ärzten
schwer, sie einem klar abgegrenzten Krankheitsbild zuzuordnen.
Eine S1-Leitlinie soll Behandelnden eine diagnostische und therapeutische
Anleitung an die Hand geben. Sie wurde unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) entwickelt
und soll voraussichtlich Ende April erscheinen.
******************************
Immer mehr Menschen – unabhängig davon, ob sie einen milden oder schweren
Krankheitsverlauf hatten – leiden nach Abklingen der akuten
Krankheitsphase an Folgeerscheinungen beziehungsweise fortbestehenden
Symptomen einer Infektion mit SARS-CoV-2. „Studien aus China (1) aus der
ersten Welle zeigen, dass mehr als 75 Prozent von über 1700 Erkrankten
nach sechs Monaten noch mindestens ein Symptom haben“, sagt der Pneumologe
Professor Dr. med. Andreas Rembert Koczulla, federführender Koordinator
der Leitlinie. Vorherrschend seien mangelnde Belastbarkeit, Müdigkeit und
Luftnot. „Bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten treten
zudem häufig Veränderungen der Lunge auf. Das Lungengewebe ist dann so
verändert, dass der Gasaustausch zwischen Blut und Luft in der Lunge
erschwert ist“, so der DGP-Experte. „Daten aus Österreich machen jedoch
Hoffnung auf eine gute Rückbildungstendenz nach 60 beziehungsweise 100
Tagen.“ (2)
Patienten, die glauben, an einem Post-COVID-Syndrom zu leiden, sollten
ihre Symptome genau beobachten und ihren behandelnden Arzt informieren.
„Wenn nach sechs bis acht Wochen noch Atemnot vorherrscht, sollte das
unbedingt untersucht werden“, sagt Professor Dr. med. Claus Vogelmeier,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e. V. (DLS). Ärzte
stehen momentan vor der Herausforderung, die Symptome ihrer Patienten
richtig einzuordnen. „Das Post-COVID-Syndrom ist noch kein umschriebenes
Krankheitsbild. Bisher gibt es nur wenig belastbare Daten. Unseren
Kolleginnen und Kollegen empfehlen wir, vor allem Herz und Lunge in den
Blick zu nehmen“, so Professor Dr. med. Andreas M. Zeiher, Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.
V. (DGK).
Um Behandelnden konkrete Anhaltspunkte zur Diagnostik und Therapie an die
Hand zu geben, entwickelt die DGP gemeinsam mit Psychosomatikern,
Neurologen und Allgemeinmedizinern aktuell eine Leitlinie. Ziel ist es,
eine symptomorientierte Diagnostik und daran adaptierte Therapie zu
ermöglichen. Die bei der AWMF angemeldete S1-Leitlinie erscheint
voraussichtlich Ende April 2021.
Quellen:
(1) Huang C, et al.: 6-month consequences of COVID-19 in patients
discharged from hospital: a cohort study,
<https://doi.org/10.1016/S0140
(2) Sonnweber T, et al.: Development of Interstitial Lung Disease (ILD) in
Patients With Severe SARS CoV 2 Infection (COVID 19) (CovILD),
<https://clinicaltrials.gov/ct
