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Gesund und fit bis ins hohe Alter – Wie gut werden in Sachsen-Anhalt Präventionsmaßnahmen im Alter genutzt?

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD  Sarah Kossmann  Universitätsmedizin Magdeburg
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD Sarah Kossmann Universitätsmedizin Magdeburg
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Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD  Sarah Kossmann  Universitätsmedizin Magdeburg
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD Sarah Kossmann Universitätsmedizin Magdeburg

Eine Studie mit einer großangelegten Einwohnerbefragung von 4.000 Personen
soll wichtige Daten liefern
Neben einer gesunden Lebensführung ist auch Vorsorge das A und O, um viele
alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig
behandeln zu können oder gar nicht erst auftreten zu lassen. In der Studie
„Prävention im Alter Sachsen-Anhalt – PrimA LSA“ untersuchen das Institut
für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) der Medizinischen
Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Fachbereich
Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien der Hochschule Magdeburg-Stendal, in
welchem Umfang sogenannte Präventionsleistungen, wie beispielsweise
Impfungen, Krebsfrüherkennung und der Gesundheits-Check-up in der
Altersgruppe der über 55-Jährigen in Anspruch genommen werden. Dazu ist ab
April 2021 eine großangelegte Einwohnerbefragung in Magdeburg, Halle
(Saale), Sangerhausen und Wanzleben-Börde geplant. Ziel ist es, insgesamt
4.000 Personen ab einem Alter von 55 Jahren zu befragen. Die Personen
wurden per Zufall von den jeweiligen Einwohnermeldeämtern als Teilnehmende
für die Befragung ausgewählt.  Die Ergebnisse sollen dabei helfen,
Präventionsangebote weiter zu verbessern sowie deren Inanspruchnahme zum
Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität zu fördern. Die Studie wird vom
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zählen
zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Im Jahr 2018 waren laut
Krankenhausdiagnosestatistik 8,5 % aller vollstationären Krankenhausfälle
auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. In Sachsen-Anhalt ist die
vollstationäre Hospitalisierungsrate im Vergleich zum Bundesdurchschnitt
um 17,2 % erhöht (Quelle: Deutscher Herzbericht 2019).

„Es gibt viele Faktoren, die sich entscheidend auf die Gesundheit der
Menschen auswirken. Durch erfolgreiche Präventionsmaßnahmen ließe sich
diese Krankheitslast verringern. Für Sachsen-Anhalt liegen aber bisher
keine fundierten Daten zur Inanspruchnahme präventiver Leistungen vor, die
auch die Sicht der Einwohnerinnen und Einwohner einschließen. In unserer
Untersuchung interessieren uns daher vor allem die Gründe, weshalb
spezielle Angebote von dieser Bevölkerungsgruppe gut oder nicht genutzt
werden“, erklärt Studienleiter Privatdozent Dr. Enno Swart vom ISMG der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. „Dazu befragen wir Einwohnerinnen
und Einwohner aus städtisch und ländlich geprägten Gemeinden und erhoffen
uns eine repräsentative Stichprobe. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen
dabei helfen, Angebote der Prävention sowie deren Inanspruchnahme weiter
zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. Stefanie March von der Hochschule
Magdeburg-Stendal.

Die 4.000 zufällig ausgewählten Personen erhalten per Post Fragebögen zum
Ausfüllen. Gefragt wird zum Beispiel nach dem individuellen Impfverhalten
oder ob die jährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt regelmäßig in
Anspruch genommen wird. Die Teilnahme ist freiwillig und die Auswertung
der Daten erfolgt anonymisiert.

Neben der Befragung werden in den kommenden anderthalb Jahren zusätzlich
Abrechnungsdaten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung
und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts anonym und unter
Wahrung des Datenschutzes ausgewertet. Neben diesen statistischen
Auswertungen sollen Einwohnerinnen und Einwohner sowie Akteure des
Gesundheitswesens ab dem Sommer 2021 vertiefend zu fördernden und
hemmenden Faktoren bei der Inanspruchnahme präventiver Leistungen von den
Projektmitarbeiterinnen interviewt werden. Zudem sollen die
Informationsangebote gesetzlicher Krankenkassen zu diesem Thema analysiert
und deren Qualität bewertet werden.

Beide Wissenschaftler betonen: „Der steigende Bedarf gerade bei der
medizinischen Versorgung der alternden Bevölkerung macht es zwingend
notwendig, bereits frühzeitig den Blick auf gezielte Maßnahmen der
Prävention zu richten.“ Sachsen-Anhalt ist als ländlich geprägtes
Bundesland stärker vom demografischen Wandel betroffen, als andere
Bundesländer. Obwohl sich die Arztdichte seit den 1980er Jahren mehr als
verdoppelt hat, gilt Sachsen-Anhalt laut Daten der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung mit nur 188-195 Ärzten je 100.000 Einwohnern als
unterversorgtes Bundesland und zählt zu den Schlusslichtern im
bundesweiten Ranking.

Das Projekt „Prävention im Alter Sachsen-Anhalt – PrimA LSA“
(Förderkennzeichen ZS/2019/07/99610 und ZS/2020/06/145442) wird als
Teilprojekt im Forschungsverbund Autonomie im Alter vom Europäischen Fonds
für regionale Entwicklung und dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft
und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.aia.ovgu.de