S3-Leitlinie Hauptkrebsprävention aktualisiert
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e. V. (ADP) und der
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e. V. (ADB) die
S3-Leitlinie Hautkrebsprävention aktualisiert und 61 neue Empfehlungen
aufgenommen. 43 weitere Empfehlungen wurden angepasst.
Aktualisierungen betreffen sowohl Empfehlungen zur Primär- als auch zur
Sekundärprävention. Die Kapitel „Klimawandel und UV-Strahlung“ sowie
„Berufsbedingter Hautkrebs“ sind neu in die Leitlinie integriert. Um
begriffliche Unklarheiten im Bereich Prävention, Früherkennung und
Screening zu beseitigen, ist darüber hinaus in einem weiteren
eigenständigen Kapitel eine begriffliche Einordnung ergänzt worden. In
dieser werden relevante Definitionen und Konzepte der Prävention
eingeordnet und voneinander abgrenzt.
UV-Strahlen – sei es durch Solarien oder durch natürliche
Sonneneinstrahlung – steigern das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.
„Solariumbesucher und -besucherinnen erkranken häufiger an Hautkrebs, dies
gilt auch für das besonders gefährliche maligne Melanom. Das
Erkrankungsrisiko steigt außerdem mit der Häufigkeit an Solarienbesuchen.
Je jünger der Solariennutzer beim ersten Besuch gewesen ist, desto höher
das Risiko“, sagt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Arbeitsgemeinschaft
Dermatologische Prävention e.V. Zusammen mit Prof. Dr. Andrea Bauer,
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e.V., koordinierte
er die Erstellung der S3-Leitlinie. In der Leitlinie sind beispielsweise
zielgruppenspezifische Empfehlungen zur Verhaltensprävention bei
künstlicher UV-Strahlung erarbeitet worden. „Um das Hautkrebsrisiko zu
reduzieren, empfehlen wir, generell auf Solariumbesuche zu verzichten“, so
Breitbart.
Neu in der Leitlinie ist unter anderem das Kapitel „Berufsbedingter
Hautkrebs“. Nach dem aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen
Kenntnisstand werden bestimmte Hautkrebsarten durch arbeitsbedingte solare
UV-Strahlungsexposition wesentlich mitverursacht und sind damit als
Berufskrankheit anerkannt. „Hierzu zählen Plattenepithelkarzinome der Haut
sowie die Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms, die aktinischen
Keratosen, wenn sie multipel sind. Das heißt, dass die aktinischen
Keratosen in einer Anzahl von mehr als fünf pro Jahr einzeln oder in einer
zusammenhängenden Fläche von größer als 4cm² auftreten“, so Bauer. Zur
Prävention sollten Arbeitgeber*innen daher für Mitarbeiter*innen, die im
Freien tätig sind, entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Wirksame
Maßnahmen sind zum Beispiel die Schaffung von Schattenplätzen, die
Vermeidung von Außenarbeiten unter freiem Himmel in der Mittagssonne und
die Ausgabe geeigneter Schutzkleidung.
In dem ebenfalls neu hinzugefügten Kapitel „Klimawandel und UV-Strahlung“
wird der aktuelle Wissensstand zu diesem Thema dargelegt. Die
Leitlinienautor*innen zeigen unter anderem städtebauliche Maßnahmen auf,
mit denen gesundheitliche Schäden durch Hitze und UV-Strahlung verringert
werden können.
Neben der Risikovermeidung (primäre Prävention) beschäftigt sich die
Leitlinie auch mit dem Thema der Früherkennung von Hautkrebs (sekundäre
Prävention). Gesetzlich Versicherte haben ab dem 35. Lebensjahr alle zwei
Jahre Anspruch auf ein Hautkrebsscreening. Die Leitlinienautor*innen
empfehlen neben dem standardisierten Hautkrebsscreening zudem die
Selbstuntersuchung der Haut.
Erstmalig liefert die Leitlinie zudem eine umfassende Aufarbeitung
gesundheitsökonomischer Bewertungen von primärpräventiven Maßnahmen sowie
ein systematisches Literaturreview zur Kosteneffektivitätsanalyse der
sekundären Prävention von Hautkrebs.
Zu den häufigsten Hautkrebsarten zählen das Basalzell- und das
Plattenepithelkarzinom (heller Hautkrebs). Laut der Gesellschaft der
Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) erkrankten im Jahr
2017 etwa 235.000 Menschen an hellem Hautkrebs und 40.455 am Malignen
Melanom.
An der S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs waren insgesamt 77
ehrenamtlich arbeitende Fachexpert*innen aus 46 Fachgesellschaften und
Organisationen beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm
praevention/
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm
Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 28 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP)
Der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V. setzt sich
aus Experten verschiedener Fachgebiete der Prävention zusammen.
Gründungsziel war es, den Gedanken der dermatologischen Prävention auf
breiter Basis sowohl medizinischen Laien als auch Ärzt*innen und
Wissenschaftler*innen nahezubringen. Neben wissenschaftlichen Projekten
führt die ADP auch bundesweite Interventionen zur Hautkrebsprävention
durch und ist mit anderen Akteuren auf dem Gebiet vernetzt. Die
Tätigkeiten werden ausschließlich durch eingeworbene Drittmittel
finanziert. https://www.unserehaut.de/de/
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie
Die Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) ist in
der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zuständig für die
beruflichen und umweltbedingten Hautkrankheiten. Sie hat derzeit mehr als
900 aktive Mitglieder. Die ABD widmet sich und fördert die klinischen und
wissenschaftlichen Interessen dieser Gebiete. https://www.abderma.org/
