Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren
Deutsche Herzstiftung, die Europäische und Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie starten Aufklärungskampagne für schnelles Handeln bei
Herzinfarkt und anderen Herzbeschwerden in Corona-Zeiten
Mit der dritten Corona-Welle und steigenden Covid-19-Infektionen
befürchten Herzspezialisten, dass in den kommenden Wochen der Pandemie
Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden erneut Kliniken und Praxen meiden
könnten. Besonders fatal zeigte sich das bereits im ersten Lockdown:
Menschen scheuten bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen notfallartigen
Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die
Notfallambulanz – aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen
befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe in den Kliniken im Zuge
von Verschiebungen vieler elektiver Eingriffe am Herzen.
„Mit jeder Minute, die man mit Symptomen eines Herzinfarkts abwartet ohne
den Notarzt unter der 112 zu alarmieren und den Herzinfarkt sofort
medizinisch versorgen zu lassen, verlässt man das optimale Zeitfenster für
eine Behandlung des Herzinfarkts in der Klinik“, warnt Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung und Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien
(CCB) Frankfurt am Main. „Dadurch steigt das Risiko eines plötzlichen
Herztodes und irreparable Schäden am Herzen bei dauerhaften
Leistungseinbußen werden wahrscheinlicher.“
Kampagne informiert über Herzerkrankungen und ihre häufigsten Warnzeichen
Umso wichtiger ist es, die Menschen über die wichtigsten Symptome von
Herzinfarkt und anderen Herzkrankheiten zu informieren, die sich zum Teil
mit Symptomen von Covid-19 (Luftnot, Brustschmerzen) überschneiden können
(s. Fact Sheet). Ziel ist es auch, dafür zu sensibilisieren, trotz Corona-
Lockdown bei Herzinfarkt-Verdacht wie auch bei Herzbeschwerden generell
medizinische Versorgung in den Kliniken und Praxen in Anspruch zu nehmen.
Aus diesem Grund haben die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche
Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK)
gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European
Society of Cardiology, ESC) und dem Bündnis der Europäischen
Herzstiftungen (European Heart Network, EHN) die Aufklärungskampagne „Ein
krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens
nicht ignorieren“ gestartet. Auf der Kampagnenseite
www.herzstiftung.de/krankesher
Informationsangebote in Form von Ratgebern, Experten-Beiträgen, Video-Clip
und Illustrationen rund um das Thema Herzinfarkt (Ursachen, Symptome,
Therapie) und richtiges Verhalten im Herznotfall sowie zu Herzerkrankungen
allgemein.
„Nicht nur der akute Herzinfarkt, auch andere lebensbedrohliche
Komplikationen wie bösartige Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall sind
keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern erfordern eine
notfallmedizinische Versorgung durch den Notarzt und die Klinik“, wie
Prof. Dr. med. Andreas Zeiher, Präsident der DGK und Kardiologe am
Universitätsklinikum Frankfurt am Main betont. Ebenso zählen dazu
Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie
Hauptstammstenosen und die instabile Angina pectoris als Vorstufen des
Herzinfarkts sowie die entgleiste (dekompensierte) Herzschwäche, die
hochgradige Aortenklappenstenose und der Bluthochdrucknotfall. „Sie
unterliegen auch in der Pandemie weiterhin selbstverständlich der
Notfallversorgung“, so Zeiher.
Unser Herz sollte aber immer höchste Priorität genießen – auch in diesen
schwierigen Zeiten. „Deshalb unser Appell an chronisch Herzkranke und
Personen mit erstmaligen Herzbeschwerden: Hören Sie auf Ihr Herz, nehmen
Sie medizinische Hilfe in der Klinik oder Praxis in Anspruch. Nehmen Sie
weiterhin Ihre Medikamente und halten Sie Ihre Kontrolltermine ein“, so
der Appell von ESC-Präsident Prof. Dr. med. Stephan Achenbach, Kardiologe
am Universitätsklinikum Erlangen.
Über 40 Prozent weniger Herzinfarkte und andere Herzgefäßkomplikationen in
Kliniken
Während des ersten Lockdowns sank allein die Zahl der stationär versorgten
akuten Herzinfarkte um 31 %, das Spektrum auf Durchblutungsstörungen des
Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie Hauptstammstenosen,
instabile Angina pectoris, dekompensierte Herzschwäche, kardiogener Schock
und Herzinfarkt erweitert, kam man sogar auf 42 % weniger stationäre
Behandlungen (1). Eine ESC-Umfrage unter mehr als 3.100 Klinikärzten und
Pflegekräften in 141 Ländern weltweit ergab, dass während der ersten
Corona-Welle im Frühjahr 2020 die Zahl der Herzinfarktpatienten, die
notfallmedizinische Versorgung in den Kliniken in Anspruch nahmen, sogar
um über 50 % sank (2). „Anstatt den Notarzt zu rufen, dürften diese
Menschen einen Herzinfarkt zu Hause erlitten haben mit fatalen Folgen für
ihre Überlebenschancen“, berichtet ESC-Präsident Achenbach. „Trotz der
Corona-Pandemie muss aber unser Herz seine volle Aufmerksamkeit erhalten
wie zu Zeiten vor Corona. Wir Ärzte erleben leider allzu häufig Notfälle,
die durch einen vorzeitigen Arzt- oder Klinikbesuch vermeidbar gewesen
wären.“
Covid-19 war im Jahr 2020 zwar für den Tod von mehr als 1,6 Millionen
Menschen weltweit verantwortlich, über 7 Millionen erliegen einem
Herzinfarkt. Allein in Deutschland starben daran rund 46.200 Menschen im
Jahr 2018 (bei ca. 75.000 Covid-19-Sterbefällen 2020/2021 seit
Pandemiebeginn) (3).
Links zur Kampagne
Website: https://www.herzstiftung.de/ei
Shortlink: https://www.herzstiftung.de/kr
YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?
FAQs: https://www.herzstiftung.de/ei
Literatur:
(1) Der Untersuchungszeitraum reichte vom 16. März bis 5. April 2020,
siehe WidO-Report: Günster, C, Drogan D, Hentschker C, Klauber J, Malzahn
J, Schillinger G, Mostert C. WidO-Report: Entwicklung der
Krankenhausfallzahlen während des Coronavirus-Lockdowns. Nach
ICD-10-Diagnosekapiteln und ausgewählten Behandlungsanlässen, Berlin 2020
(2) Pessoa-Amorim G, Camm CF, Gajendragadkar P, et al. Admission of
patients with STEMI since the outbreak of the COVID-19 pandemic. A survey
by the European Society of Cardiology. Eur Heart J Qual Care Clin
Outcomes. 2020;6:210–216. doi: 10.1093/ehjqcco/qcaa046
(3) Deutsche Herzstiftung (Hg.), Deutscher Herzbericht 2019, Frankfurt am
Main 2020; Robert Koch-Institut (RKI)
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Bei diesen Anzeichen eines Herzinfarkts rufen Sie sofort den
Rettungsdienst (112)
Starke Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb: Anzeichen für einen
Herzinfarkt können Schmerzen sein, die überwiegend im Brustkorb oder
häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten. Sie können in
andere Körperteile wie Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder
Schulterblätter ausstrahlen. Brustschmerzen oder Atemnot bei kleinsten
Belastungen oder in Ruhe sind besonders alarmierend. Dahinter könnte die
sogenannte instabile Angina pectoris (Brustenge) stecken, aus der sich
jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln kann. Generell gilt: Halten die
Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollten Sie sofort handeln.
- Massives Engegefühl: Viele Menschen spüren als Anzeichen für einen
Herzinfarkt einen heftigen Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl
im Brustkorb – so, als würde ihnen „ein Elefant auf der Brust stehen“.
- Heftiges Brennen: Im Brustkorb kann ein starkes Brennen auftreten.
- Angstschweiß mit kalter, fahler Haut: Menschen, die einen Herzinfarkt
erleiden, spüren häufig starke Angst, die durch blasse Gesichtshaut und
kalten Schweiß auch sichtbar wird.
- Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch: Die Anzeichen für
einen Herzinfarkt können zudem recht unspezifisch sein – vor allem bei
Frauen. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch diese Symptome nicht zu
übersehen, gilt die Empfehlung, immer dann einen Rettungswagen mit Notarzt
(112) zu rufen, wenn die Beschwerden in einem noch nie zuvor erlebten
Ausmaß auftreten.
Achtung: Auch wenn bei vielen Patienten der Herzinfarkt plötzlich und ohne
Vorboten kommt, so treten nach neueren Daten bei ca. 50 % der
Herzinfarktpatienten Symptome auch 24-48 Std. vor dem eigentlichen
Herzinfarkt auf. Die Betroffenen berichten über kurze Phasen von
Brustkorbenge oder Brennen hinter dem Brustbein. Dies kann in Ruhe oder
bei leichter Belastung auftreten, gelegentlich tritt auch nächtliches
Erwachen mit diesen Beschwerden auf.
Bei diesen Warnzeichen für Herzerkrankungen sofort zum Arzt!
Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum
Internisten oder Kardiologen. Sie können untersuchen, ob z. B. eine
Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit
(Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder anderer Herzerkrankungen wie
Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt
können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen,
Komplikationen führen:
- Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina
pectoris) und/oder Luftnot
- Nächtliches Erwachen mit Druck im Brustkorb
- Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
- Hartnäckiges Herzstolpern
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
- Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten
Diese Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen
zugleich sein. Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine
fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein,
aber auch Anzeichen eines operationsbedürftigen Herzklappenfehlers.
Atemnot und Leistungsschwäche sind typische Symptome für eine Herzschwäche
oder eine Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder Vorhofflimmern.
Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch
Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein.
