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Wie Fluoride Kinderzähne schützen

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Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die aktuelle Strategie zum
Vorbeugen von Karies im Kindesalter.

Zahnkaries ist eine der häufigsten Gesundheitsstörungen von Kindern auf
der ganzen Welt. Bei diesem langsam fortschreitenden Verfall der harten
Zahnsubstanzen bilden bestimmte Mundbakterien aus Kohlenhydraten
organische Säuren, die den harten Zahnschmelz auflösen und Löcher in die
Zähne fressen können. Dabei fördern in erster Linie Zucker, Süßigkeiten
und zuckerhaltige Getränke, z. B. in Nuckel-Fläschchen, den Zahnverfall,
berichtet die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme.

Die wissenschaftlichen Gesellschaften von Zahnärzten und Kinder- und
Jugendärzten weisen immer wieder auf die drei Säulen der Zahngesundheit
hin:

•       Auf zahngesunde Ernährung (vor allem mit Verzicht auf Süßes
zwischendurch),

•       auf regelmäßiges Zähneputzen schon bei älteren Säuglingen und
Kleinkindern, und

•       auf den Einsatz von Fluoriden.

„An der schützenden Wirkung dieser natürlichen Salze aus der Erdkruste
gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Zweifel“, betont Professor Dr.
Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Fluoride
härten den Zahnschmelz und machen die Zähne widerstandsfähiger. Sie hemmen
gleichzeitig die Ansiedlung und den Stoffwechsel von Bakterien im
Zahnbelag und schützen so den Zahnschmelz vor Zerstörung. Deshalb
empfehlen wir Kinder- und Jugendärzte in großer Einmütigkeit mit
Zahnärzten und Ernährungsexperten die Anwendung von Fluoriden schon für
Babys, Kleinkinder und Vorschulkinder zur Vorbeugung gegen Karies“.

Zu viel des Guten ist nicht gesund

Wie so oft, gilt aber auch hier: Zu viel des Guten ist nicht gesund. Nimmt
ein Kind zu viele Fluoride auf (z.B. weil es immer wieder große Mengen von
fluoridhaltiger Zahncreme beim Zähneputzen schluckt), können auf den
Zähnen weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen entstehen. Manchmal sind
nur schmale, weiße Linien zu sehen, in anderen Fällen dagegen kalkige,
bräunliche Flecken. Die Verfärbungen werden als Zahnfluorose,
Schmelzfluorose oder Dentalfluorose bezeichnet.

Um diese meist harmlose, aber unter Umständen kosmetisch störende
Verfärbungen zu vermeiden, und gleichzeitig einen optimalen Schutz vor
Karies zu erzielen, haben jetzt wissenschaftliche Gesellschaften von
Kinder- und Jugendärzten, Zahnärzten und Ernährungswissenschaftlern mit
dem bundesweiten Netzwerk „Gesund ins Leben“ gemeinsame
Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen
Kindesalter erarbeitet.

Die empfohlenen Fluoridmengen sollen wirksam und zugleich sicher sein. Aus
diesem Grund enthalten die neuen Handlungsempfehlungen zum ersten Mal
nicht nur abstrakte Dosierungsangaben für die Zahncreme in Milligramm-
Mengen, sondern für alle Eltern verständliche und bildhafte Mengenangaben,
abgestimmt nach Altersstufen:

Von der Geburt bis zum Durchbruch der Milchzähne
Babys sollten bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich ein
Kombinationspräparat aus Fluorid und Vitamin D in Tablettenform erhalten.
Das Vitamin D schützt das Kind vor der gefährlichen Knochenerweichung
Rachitis. Professor Berthold Koletzko: „Mit der Einnahme dieser Tablette
kann die empfohlene und sichere Dosis von Fluorid am zuverlässigsten
eingehalten werden“.

Vom Durchbruch der Milchzähne bis 12 Monate
Zusätzlich zur Fluoridtablette sollten die Eltern von den ersten Zähnchen
an das Kind allmählich und spielerisch an das Zähneputzen heranführen,
damit das Kind es gern geschehen lässt und sich an ein regelmäßiges
Zähneputzen gewöhnt.
Wichtig: Fluoridhaltige Tabletten sollten nicht mit einer fluoridhaltigen
Zahnpasta kombiniert werden!

Die neuen Handlungsempfehlungen bieten dazu zwei Vorgehensweisen an:

•       Bekommt das Kind weiterhin die kombinierte Tablette aus Fluorid
und Vitamin D, sollten die Zähne entweder ohne Zahnpasta oder nur mit
einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid geputzt werden.

•       Die zweite Möglichkeit: Die Rachitis-Prophylaxe wird mit einer
täglichen Tablette Vitamin D ohne Fluorid fortgeführt und die Zähne des
Kindes bis zu zweimal täglich mit einer sehr geringen Menge einer
Kinderzahnpasta mit Fluorid (mit 1.000 ppm Fluorid) geputzt. Doch Achtung:
wenn diese Option gewählt wird, ist genau darauf zu achten, lediglich eine
„reiskorngroße“ Menge (also höchstens 0,125 Gramm Zahnpasta) zu verwenden!

„Wird eine Zahnpasta mit Fluoridzusatz verwendet, ist eine genaue
Dosierung der empfohlenen Zahnpastamenge entscheidend, um eine zu hohe
Fluoridaufnahme und unerwünschte Wirkungen zu vermeiden“, betont Professor
Dr. Berthold Koletzko mit großem Nachdruck. „Babys und Kleinkinder können
Zahnpasta nämlich noch nicht ausspucken und verschlucken deshalb einen
großen Teil. Hinzu kommt die Gewohnheit vieler Eltern in Deutschland, beim
Putzen der Zähne ihres Kindes reichlich Zahnpasta zu verwenden, oft mehr
als das Vierfache der empfohlenen Mengen. Beim zweimal täglichen Putzen
können so zu große Mengen an Fluoriden im Kindermagen landen.“

12 bis 24 Monate: „Reiskorngroße“ Menge genau dosieren!
Es bleibt auch jetzt beim zweimal täglichen Putzen mit einer
reiskorngroßen Menge einer Kinderzahnpasta (mit 1.000 ppm Fluorid). Sie
sollte von den Eltern in einer möglichst korrekt dosierten Menge
aufgetragen werden, um eine zu hohe Aufnahme zuverlässig zu vermeiden.

Wünschenswert wäre jetzt auch eine fachliche Beratung und Schulung der
Familien über Mundhygiene, zahnschonende Ernährung, behutsame Zahnpflege
und korrekt dosierte Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta. Den geeigneten
Rahmen dazu bieten die Vorsorgetermine U6 und U7 beim Kinder- und
Jugendarzt sowie die zahnärztlichen Früherkennungs-Untersuchungen zwischen
dem 13. und 24. Lebensmonat, heißt es dazu in den neuen
Handlungsempfehlungen für das Netzwerk „Gesund ins Leben“.

24 Monate bis 72 Monate: Nun eine „erbsengroße“ Menge Zahncreme
In diesem Alter kommt zum morgendlichen und abendlichen Zähneputzen für
die meisten Kinder ein weiterer Putztermin in der KiTa oder im
Kindergarten hinzu. So bekommen neben den Eltern auch die dortigen
Betreuungspersonen die wichtige Aufgabe, beim Putzen auf die korrekte
Dosierung der Zahnpasta zu achten, nämlich auf eine lediglich
„erbsengroße“ Menge.

Karies auf dem Rückzug, trotzdem noch viel zu tun

Dank einer guten Versorgung durch Pädiater und Zahnärzte und dem breiten
Einsatz von Fluoridtabletten, später fluoridierten Zahncremes, sowie der
Verwendung von fluoridiertem Kochsalz im Haushalt, geht die
Karieshäufigkeit bei Kindern in Deutschland schon seit geraumer Zeit
eindrucksvoll zurück, berichtet die Stiftung Kindergesundheit erfreut. So
haben 12jährige Kinder heute im Mittel nur noch 0,5 kariöse, wegen Karies
gefüllte oder fehlende Zähne. 1997 lag dieser Wert noch bei 1,7. Im
internationalen Vergleich steht Deutschland damit sogar an einer
Spitzenposition, was die Zahnqualität von Kindern und Jugendlichen angeht.
Häufiger sind jedoch die Milchzähne angegriffen, die einen viel dünneren
Zahnschmelz aufweisen. Eine Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für
Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) zeigte bei jedem zehnten Dreijährigen (11,4
Prozent) ein behandlungsbedürftiges Gebiss.

Soziales Gefälle in der Zahngesundheit

Ein erhöhtes Kariesrisiko besteht nach allen aktuellen Studien für Kinder
aus Familien mit problematischem Ernährungs- und Mundhygieneverhalten und
mit niedrigem sozioökonomischem Status, außerdem für Kinder mit
Behinderungen und chronischen Krankheiten, betont die Stiftung
Kindergesundheit.

So zeigen die Ergebnisse der großen Kindergesundheitsstudie KiGGS Welle 2,
dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien seltener die Empfehlungen
zum täglichen Zähneputzen befolgen. Auch Kinder aus Familien mit
Migrationshintergrund erreichen seltener das empfohlene tägliche
Zähneputzen und nehmen auch seltener Fluoridsupplemente ein als Kinder aus
Familien ohne Migrationshintergrund.

Werbung verführt zu Überdosierung

Die Einhaltung der aktuellen Handlungsempfehlungen ist keine leichte
Aufgabe, betont die Stiftung Kindergesundheit. In der Werbung für
Zahncreme und sogar in Aufklärungsbroschüren werden immer wieder ganze
Zahnpasta-Stränge auf Zahnbürsten abgebildet (vgl. Bild). Dies sei eine
übertriebene Darstellung, die als Vorbild zu einer Überdosierung von
Fluoriden führen kann. Außerdem sind die vorgeschlagenen Mengen wie
„reiskorngroß“ (0,125 g) oder „erbsengroß“ (0,25 g) mit den derzeit
üblichen Tuben von Zahncremes nicht genau abmessbar.

Wünschenswert wären deshalb Produkte, die eine genaue Dosierung der
empfohlenen Höchstmenge an Zahnpasta ermöglichen:

•       Tuben für Kinderzahnpasta mit einem sehr kleinen Loch, sodass nur
ein sehr dünner Strang (Reiskorndurchmesser) aufgetragen werden kann;

•       eine klare, maßstabsgerechte Darstellung eines Reiskorns und einer
Erbse auf der Tube von Kinderzahncremes;

•       die feste Anbringung eines Dosierspenders an der Tube, um eine
präzise und richtige Dosierung zu ermöglichen.