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AWMF: Medizinische Versorgungsstrukturen müssen verlässlich vorgehalten werden

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AWMF fordert Corona-Lehren ernst zu nehmen und einen intensivierten Dialog
zwischen Politik und wissenschaftlicher Medizin

Berlin – Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell das
Gesundheitssystem an seine Grenzen kommt. Künftig müssen
Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen besser geplant und vorgehalten
werden, um im Krisenfall verlässlich agieren und viele Menschen zur
gleichen Zeit behandeln zu können. Das fordert die Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. mit Blick
auf die bevorstehende Bundestagswahl.

In einem Forderungspapier, in dem die AWMF ihre Positionen zur
Gesundheitspolitik für die neue Legislaturperiode benennt, betont sie
auch, dass sich die gesamte Gesundheitspolitik mehr als bisher an der
evidenzbasierten Medizin orientieren muss. So sollen wissenschaftlich-
medizinische Fachgesellschaften mit ihrem Wissen und den von ihnen
erarbeiteten Leitlinien-Empfehlungen noch stärker als bisher in politische
Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, unser
Gesundheitssystem mit ausreichend Ressourcen auszustatten – vor allem
personell, aber auch strukturell und finanziell“, sagt Professor Dr. med.
Fred Zepp, Präsidiumsmitglied der AWMF. Bei der Bewältigung der
COVID-19-Pandemie waren alle Bereiche im Gesundheitswesen gefordert,
angefangen bei der Forschung über die Gesundheitsämter bis zu den
Kliniken, die eine besonders große Last zu bewältigen hatten. „Es kommt
jetzt darauf an, Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen. Dazu gehört auch,
dass die Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen ausreichend
ausgestattet und vorgehalten werden. Das muss sich ein Gesundheitssystem,
das sich zu den besten zählt, leisten können. Nicht alles darf auf Kante
geplant werden“, so Zepp. Es brauche einen größeren Puffer für die
medizinische Versorgung von Menschen in Notsituationen, wie beispielsweise
einer Pandemie oder anderen Katastrophen, wie die gerade stattgefundene
Flutkatastrophe. „Es kann beispielsweise nicht sein, dass die Versorgung
chronisch kranker Patient*innen in solchen Phasen leidet oder notwendige
Operationen um Monate verschoben werden müssen“, sagt Professor Dr. med.
Dr. med. dent. Henning Schliephake, stellvertretender Präsident der AWMF.

Entscheidend für eine Gesundheitspolitik, die eine Verbesserung der
Qualität in der medizinischen Versorgung zum Ziel hat, ist aus Sicht der
AWMF die kontinuierliche und ernsthafte Kommunikation der Politik mit
Expert*innen, Mediziner*innen und Forschenden. Die AWMF repräsentiert das
gesamte Spektrum der modernen Lebenswissenschaften. Sie vereint aktuell
180 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften unter ihrem Dach und
damit über 280 000 Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen und Angehörige
anderer Heilberufe. „Dieser gut organisierte Expertenpool sollte in
Zukunft verstärkt von der Politik wahrgenommen und konstruktiv in die
Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Über den gezielten Austausch mit
den Fachgesellschaften unter dem Dach der AWMF können eine größere
Transparenz, eine fundierte problemorientierte wissenschaftliche Basis,
ein breiterer Konsens und letztendlich bessere politische Entscheidungen
erzielt werden, als beispielsweise durch Beratungen mit einer begrenzten
Zahl ausgewählter Expert*innen“, sagt Professor Dr. med. Rolf-Detlef
Treede, stellvertretender Präsident der AWMF.

Hierfür gibt es aus der Corona-Pandemie ein Positivbeispiel: Zu Beginn des
Lockdowns 2020 hat die AWMF eine Task-Force gegründet, die Leitlinien rund
um SARS-CoV-2 und dessen klinischem Erkrankungsbild gesammelt und einem
strukturierten Konsensprozess zugeführt hat. „Hier haben wir als AWMF gut
mit der Gesundheitspolitik zusammengearbeitet. Dies sollte in Zukunft auch
in anderen Handlungsfeldern erfolgen. Denn gesetzgeberisch getroffene
Maßnahmen müssen auf wissenschaftlich überprüfbaren Fakten basieren. Nur
so kann Gesundheitspolitik im Sinne der Patient*innen verantwortungsvoll
gestaltet werden“, so Zepp.

Hier gelangen Sie zum Forderungspapier der AWMF:
https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Stellungnahmen/Resolution_Forderungen/AWMF_Gesundheitspolitik_2021_Position_f.pdf