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„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ - Digitales Selbstmonitoring der Multiplen Sklerose mit Konectom

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Das Multiple Sklerose Zentrum (MSZ) an der Klinik für Neurologie des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden baut seine Digital-Health-
Expertise bei Therapie und Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) mit
einem weiteren wissenschaftlichen Projekt aus. Aufbauend auf zahlreichen,
vor allem in der Diagnostik erfolgreich integrierten digitalen
Instrumenten startet das ärztliche Team jetzt damit, mit einer eigenen
Smartphone App für MS-Patientinnen und Patienten den Weg zum „MS-
Management 2.0“ zu ebnen, mit der die Anwendenden mit MS sich selbst
überwachen können.

Als Vorreiter bei der Umsetzung von Digital Health-Konzepten sammelt das
MS-Zentrum seit rund 20 Jahren kontinuierlich Patientendaten im Zentrum
und wertet diese aus. Dies ist eine gute Grundlage für die weitere
Entwicklungsarbeit. Auf diese Weise profitieren MS- Patientinnen und
Patienten künftig noch mehr von den Konzepten der digitalen Neurologie.

Mit der Konectom-App, die in Dresden als Weltpremiere im Rahmen eines
Teilprojektes des etablierten internationalen Forschungsnetzwerks MS PATHS
zusammen mit renommierten Partnern wie der Cleveland Klinik oder John
Hopkins Universität in den USA zum Einsatz kommt, führen Patientinnen und
Patienten regelmäßig digitale Funktionstests auf ihrem Smartphone durch
und bekommen direkt im Anschluss ihre Ergebnisse angezeigt. Das MS-Zentrum
Dresden startete bereits 2017 als erstes europäisches Zentrum im Netzwerk
und geht auch bei diesem Teilprojekt wieder voran: Die App wird in dieser
Form bei MS- Patientinnen und Patienten weltweit als erstes in Dresden
eingesetzt.

„Mit der KONECTOM App zünden wir für unsere Patientinnen und Patienten die
nächste Stufe unseres Digital Health-Konzepts“, sagt Prof. Tjalf Ziemssen,
Gründer und Leiter des MS-Zentrums an der Klinik für Neurologie. Die
Voraussetzungen sind gut: Mit monatlich rund 1.000 Patientinnen und
Patienten ist es eines der größten akademischen Multiple-Sklerose-Zentren
Deutschlands und verfügt seit nunmehr gut 20 Jahren über ein
kontinuierlich ausgebautes MS-spezifisches Patientendokumentationssystem
sowie zahlreiche digitale Anwendungen im Versorgungsalltag, die erprobt
und routinemäßig eingesetzt werden. Dazu gehört nicht nur die Tablet-
gestützte Abfrage von subjektiven Symptomen wie zum Beispiel der häufig
bei MS auftretenden Müdigkeit, sondern auch digitale, teilweise von den
Betroffenen selbst vorgenommenen Tests zu Konzentration, Geh- und
Sehfähigkeit sowie Geschicklichkeit der Hände. Eine detaillierte
Untersuchung der Gehfunktion wird darüber hinaus halbjährlich mit
speziellen Sensoren vorgenommen, um etwaige Gangstörungen im Verlauf
erkennen zu können. Neben digitalisierten Testverfahren findet auch die
regelmäßige Dokumentation des Ist-Zustandes und die Kontrolle des
Krankheitsverlaufs ebenso überwiegend digital statt wie das Verwalten der
Daten im Rahmen der MS-Versorgung.

Bei Konectom handelt es sich um eine App, die als Medizinprodukt der
Klasse 1 in der EU zugelassen ist. Patientinnen und Patienten können sich
diese auf ihrem Smartphone installieren und personalisieren. Um den
Datenaustausch mit den behandelnden Neurologen des MS-Zentrums sowie der
Forschungsdatenbank zu gewährleisten, erhält jeder Anwendende sein
individuelles Login. Zu jeder Arztvisite führen Patientinnen und Patienten
einmal alle Tests im Zentrum auf dem eigenen Smartphone durch und
beantworten kurze Fragen hinsichtlich Stimmung sowie subjektiver Bewertung
der körperlichen Verfassung unkompliziert über Emojis. Anschließend sind
sie angehalten, zu Hause regelmäßig die App zu verwenden. Bis zur nächsten
Visite am MS-Zentrum sollte die App mindestens zweimal pro Woche
durchgeführt werden, eine tägliche Nutzung ist möglich.

Der Nutzen einer solchen App liegt klar auf der Hand: Während bisher
funktionelle Fähigkeiten des Gleichgewichts oder Gehens, der Feinmotorik
der Hände sowie der Konzentration nur zu den regulären meistens
dreimonatlichen neurologischen Kontrollterminen erfasst werden, ermöglicht
Konectom die kontinuierliche Dokumentation in den dazwischenliegenden
Zeiträumen. Die diagnostische Lücke zwischen den Untersuchungsterminen
kann damit hinsichtlich potentieller Funktionseinschränkungen und deren
Veränderung über die Zeit geschlossen werden. Das ermöglicht dem
behandelnden Neurologen, schneller und gezielter auf Krankheitsschübe oder
das Fortschreiten der Erkrankung zu reagieren. Und auch für MS
Patientinnen und Patienten zeigen sich klare Vorteile: Mit Hilfe der App
kann die MS selbst vermessen werden, jeden Monat gibt es ein individuelles
Feedback des MS Zentrums. Gerade bei einer chronischen Erkrankung wie der
Multiple Sklerose ist eine schnelle Reaktion auf neuaufgetretene
neurologische Symptome und Funktionsstörungen von großer Bedeutung. Mit
einer übersichtlichen Darstellung auf einem Dashboard kann die Ärztin oder
der Arzt die zu Behandelnden optimal beraten.