Leitlinienempfehlungen zum Pankreaskarzinom: Mindestmengen bei Operationen
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat seine S3-Leitlinie zum exokrinen
Pankreaskarzinom aktualisiert. Die überarbeitete Fassung enthält unter
anderem neue Empfehlungen zur Diagnostik, kurativen und palliativen
Therapie des Bauchspeicheldrüsenkrebses sowie zu Mindestmengen bei
operativen Eingriffen. Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der
Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und unter Mitwirkung von 29
Fachgesellschaften und Organisationen. Ziel ist es, evidenzbasierte
Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die Therapie von Patient*innen
mit Pankreaskarzinom zu verbessern.
Der Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Tumoren mit einer sehr
schlechten Prognose. Da bösartige Erkrankungen an der Bauchspeicheldrüse
im Frühstadium kaum Beschwerden verursachen und es bisher keine
Möglichkeiten zur Früherkennung dieser Tumoren gibt, werden
Pankreaskarzinome oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium
diagnostiziert. Laut dem Robert Koch-Institut sind im Jahr 2018 9.160
Frauen und 9.860 Männer am Pankreaskarzinom erkrankt. Im selben Jahr
verstarben wiederum 9.143 Frauen und 9.189 Männer. Die Zahl der
Neuerkrankungen an Pankreaskarzinomen in Deutschland nimmt – im Gegensatz
zu vielen anderen Tumorerkrankungen – Jahr für Jahr zu.
Durch den alleinigen Einsatz von Chemo- und Strahlentherapie kann keine
Heilung erzielt werden. Eine Operation ist bisher die einzige
Therapieoption beim Pankreaskarzinom, die eine Aussicht auf Heilung
bietet. Doch dieser chirurgische Eingriff ist hochkomplex und erfordert
neben einem exzellenten Operateur auch ein in der Betreuung der
Patient*innen nach der Operation sehr erfahrenes Team. „Studien zeigen,
dass Patient*innen, die an Kliniken oder Zentren mit höheren Fallzahlen
operiert werden, eine bessere Prognose haben. Deshalb wird in der
S3-Leitlinie erstmals eine Mindestfallzahl von 20 Pankreasresektionen pro
Jahr für Krankenhäuser empfohlen“, sagt Prof. Dr. Thomas Seufferlein,
Universitätsklinikum Ulm. Er ist Koordinator der S3-Leitlinie.
In der Leitlinie wurden darüber hinaus die Empfehlungen zu genetischen
Untersuchungen für Angehörige mit familiärem Risiko für
Bauchspeicheldrüsenkrebs, sowie die Therapiekonzepte für fortgeschrittene
und metastasierte Tumoren aktualisiert. Die S3-Leitlinie zum exokrinen
Pankreaskarzinom ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm
Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 31 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten e.V.
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft
zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als
6500 in Klinik und Forschung tätige Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach.
Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien,
veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den
wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die
Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und
Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle der
Patientinnen und Patienten. https://www.dgvs.de/
