Aktiv gegen Krebs: Erfolgreiche Wege, um das persönliche Krebsrisiko zu senken
Etwa jeder zweite Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Das
sind rund 510.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr. Experten rechnen mit
einem Anstieg auf 600.000 bis 2030. Laut Robert Koch-Institut leben in
Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung, die in
den letzten 5 Jahren diagnostiziert wurde. Zum Weltkrebstags (4. Februar)
informieren Experten der Technischen Universität München (TUM), des
Comprehensive Cancer Center (CCC) München, der Bayerischen
Krebsgesellschaft und der Felix Burda Stiftung über erfolgreiche Wege, um
das Krebsrisiko zu senken.
„Durch Krebsprävention und Früherkennung lässt sich die Sterblichkeit
deutlich reduzieren. Voraussetzung dafür ist eine hohe Akzeptanz der
Vorsorgeprogramme in der Bevölkerung. Es nehmen aber nur etwa 67 Prozent
der Frauen (ab 20 Jahre) und rund 40 Prozent der Männer (ab 35 Jahre)
daran teil. Deshalb raten wir: Nehmen Sie Krebsvorsorge ernst und fördern
Sie Ihre Gesundheit durch einen gesunden Lebensstil“, betont Prof. Dr.
med. Hana Algül, Direktor des CCC München und Professor für
Tumormetabolismus an der TU München.
„Forscherinnen und Forscher sehen europaweit großes Potential in der
Krebsprävention. Würde das Zusammenspiel von Prävention und Früherkennung
optimiert, könnten 50-70 Prozent der Krebstodesfälle in Europa vermieden
werden.* Durch flächendeckende Präventionsprogramme verbunden mit
translationaler Krebsforschung und einer verbesserten onkologischen
Versorgung wäre im Jahr 2030 in Europa ein krebsspezifisches 10-Jahres-
Überleben von etwa 75 Prozent möglich“, erklärt Prof. Dr. med. Volker
Heinemann, Direktor des CCC München und Oberarzt am Klinikum der
Universität München (LMU).
* Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen dazu siehe:
https://febs.onlinelibrary.wil
„Durch einen gesunden Lebensstil könnten 40 Prozent aller
Krebserkrankungen verhindert werden. Körperliche Inaktivität, Übergewicht,
ungesunde Ernährung, Genussmittel und Schutz vor UV-Strahlung sind
beeinflussbare Risikofaktoren für Krebs.* Diese gilt es in der
Primärprävention zu reduzieren, damit Krebs gar nicht erst entsteht. Die
Sekundär- und Tertiär-Prävention zielt darauf ab, ein Fortschreiten der
Erkrankung zu verhindern und krankheits- oder therapiebedingte
Nebenwirkungen und Spätfolgen zu mildern. Das gilt in der Krebs-Nachsorge,
aber auch für krebskranke Kinder und Jugendliche, bei denen der Lebensstil
nicht Ursache für den Krebs ist“, berichtet Prof. Dr. med. Renate
Oberhoffer-Fritz, Dekanin und Ordinaria am Lehrstuhl für Präventive
Pädiatrie, Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der TU
München.
* Siehe Europäischer Krebskodex - Regeln gegen Krebs:
https://cancer-code-europe.iar
Sport senkt das Krebsrisiko
„Die Wirkung des Sports für die Krebsprävention lässt sich am Beispiel
Darmkrebs erklären: Wir wissen heute, dass die Muskulatur bestimmte
Botenstoffe über das Blut in unterschiedliche Organsysteme aussendet. Wird
die Muskulatur belastet, werden zum Beispiel im Darm bestimmte
Muskelhormone freigesetzt. Gelangen sie in die Darmschleimhaut, hemmen sie
die Entwicklung von Darmpolypen“, sagt Prof. Dr. med. Martin Halle,
Ärztlicher Direktor und Ordinarius Lehrstuhl und Poliklinik für Präventive
und Rehabilitative Sportmedizin, Klinikum rechts der Isar TU München.
Sport beeinflusst indirekt auch Mechanismen des Zuckerstoffwechsels und
des Insulinspiegels und er stimuliert das Immunsystem. Durch Bewegung
erhöht sich die Zahl der natürlichen Killerzellen, die Krebszellen abtöten
können. „Um die Immunkompetenz zu fördern, sollten wir täglich mindestens
10 Minuten höher intensiv trainieren und richtig ins Schwitzen kommen, um
die Muskulatur zu aktivieren“, erläutert Prof. Halle.
Gesunde Ernährung fördert die Gesundheit
„Man darf die krebspräventive Wirkung der Ernährung sowie einzelner
Nahrungsmittel aber nicht isoliert betrachten. Erst im Zusammenspiel mit
Bewegung und einem gesunden Lebensstil kommt sie zum Tragen. Jemand, der
sich gut ernährt, aber raucht und keinen Sport treibt, hat dennoch ein
erhöhtes Krebsrisiko“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Dr. rer. biol.
hum Nicole Erickson, Koordinatorin für Gesundheitskompetenz und E-health
am Klinikum der LMU München.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine ausgewogene
Mischkost: mindestens 400 g Gemüse und 250 g Obst am Tag,
Vollkornprodukte, täglich max. 150 g Milchprodukte wie Joghurt und Käse.
Fisch ein- bis zweimal pro Woche, unverarbeitetes Fleisch 300-max. 600 g
pro Woche, wenig Alkohol: 10 g pro Tag (ein kleines Glas Wein) für Frauen
und 20 g pro Tag (ein halber Liter Bier) für Männer. Verarbeitetes, rotes
Fleisch gilt als krebserregend, vor allem gepökelte und geräucherte
Wurstwaren.
Effektive Vorsorge
Die Darmkrebsprävention ist mit dem immunologischen Stuhltest und der
Darmspiegelung (Koloskopie) eine effektive Vorsorgemaßnahme. „Bei der
Entstehung von Darmkrebs kennen wir gutartige Vorstufen, sogenannte
Darmpolypen. Diese können bei einer Darmspiegelung entfernt werden. Damit
wird verhindert, dass sie später zu Krebs entarten können,“ sagt Dr.
Berndt Birkner, Facharzt für Gastroenterologe, Internist und Kurator der
Felix Burda Stiftung und Vizepräsident des Netzwerks gegen Darmkrebs e.V.
Um möglichst viele Darmkrebserkrankungen zu verhindern oder in einem
frühen und somit heilbaren Stadium erkennen zu können, müssten allerdings
wesentlich mehr Versicherte die von den Krankenkassen angebotenen
Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen in Anspruch nehmen als es jetzt noch
der Fall ist. Die Teilnahme an einem immunologischen Stuhltest ist ein
erster wichtiger Schritt zum Verhindern von Darmkrebs. Wenn dieser positiv
ist und damit Blut im Stuhl gefunden wird, sollte die Ursache hierfür
unbedingt durch eine Darmspiegelung beim Magen-Darm-Arzt abgeklärt werden.
Für Risikogruppen wie z.B. Angehörige von Darmkrebspatienten – die
familiäre Risikogruppe – ist die Teilnahme an der Darmkrebsfrüherkennung
noch bedeutsamer, da diese Risikogruppe gegenüber der
Durchschnittsbevölkerung ein 4-8-fach erhöhtes Risiko hat, an Darmkrebs zu
erkranken.
Prävention gynäkologischer Krebserkrankungen
Die Prävention und Früherkennung von gynäkologischen Krebserkrankungen ist
sehr wichtig, denn etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen bei Frauen
stammt aus der Gynäkologie. So ist Brustkrebs mit rund 70.000
Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. „Die
Sterblichkeit an Brustkrebs sinkt seit den 90er Jahren kontinuierlich, da
bei der Mammographie viele Tumore bereits in einem Frühstadium entdeckt
werden. Aber auch die frühe Etablierung von zertifizierten Krebszentren
trägt zur verbesserten onkologischen Versorgung der Frauen bei“, erklärt
Prof. Dr. med. Sven Mahner, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LMU Klinikum der Universität München.
Mit Einführung des PAP-Abstrichs 1971 konnte die Zahl der jährlichen
Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs, dem häufigsten bösartigen Tumor
bei jungen Frauen, von 16.000 auf 4.300 Fälle gesenkt werden. „Auch die
Impfung gegen HPV ist eine Erfolgsgeschichte. Bei einer hohen
Durchimpfungsrate bei Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren könnten wir die
Zahl der Neuerkrankungen fast auf 0 Prozent senken“, so Prof. Mahner.
Folgerisiko Fatigue
Eine Studie evaluiert die Fatigue-Sprechstunde der Bayerischen
Krebsgesellschaft. Sie ist auf drei Jahre angelegt und analysiert das
Angebot der Fatigue-Sprechstunde in 10 Psychosozialen
Krebsberatungsstellen sowie den Bedarf für Patienten. Betroffene leiden
oft an tumorbedingter Fatigue, die sich u.a. durch große Müdigkeit und
Erschöpfung, Schlafstörungen, Leistungsabfall oder Depressionen äußern
kann.
„Rund 30 Prozent aller Krebspatienten entwickeln eine tumorbedingte
Fatigue, die das Leben der Betroffenen sehr belastet“, sagt
Diplompsychologe Markus Besseler, Geschäftsführer der Bayerischen
Krebsgesellschaft. Die Studie ist durch das Bayerische Staatsministerium
für Familie, Arbeit und Soziales gefördert und wird wissenschaftlich durch
das Zentrum für Klinische Studien am Universitätsklinikum Regensburg
begleitet.
