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Hirngesund durchs neue Jahr: „Ausreichend Bewegung ist bereits die halbe Miete“

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Alzheimer und Schlaganfall sind zwei häufige und gefürchtete neurologische
Krankheiten. Doch man kann aktiv vorbeugen und damit sein persönliches
Risiko, eine der beide Diagnosen zu erhalten, deutlich absenken. Gerade
Bewegung und Sport lohnen sich. Das zeigte eine aktuell zu Weihnachten
publizierte Studie aus „BMC Public Health“ [1]. Ein aktiver Lebensstil und
ausreichend Schlaf hatten sogar einen schützenden Effekt bei Menschen mit
genetischer Vorbelastung für diese Krankheiten. Diese Maßnahmen lohnen
sich also für alle Menschen und sollten ganz oben auf der Liste der guten
Vorsätze für 2026 stehen.



In den nächsten Jahren wird ein dramatischer Anstieg von Demenz-
Erkrankungen erwartet: Derzeit leben in Deutschland etwa 1,8 Millionen
Menschen mit einer diagnostizierten Demenz. Nach Angaben des Deutsches
Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) könnte diese Zahl
im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen ansteigen, im Jahr 2040 auf bis zu
2,3 Millionen und im Jahr 2050 bis zu 2,7 Millionen erreichen [2]. Auch im
Hinblick auf den Schlaganfall wird mit einem Anstieg der Fallzahlen
gerechnet. Derzeit erleiden jährlich in Deutschland rund 270.000 Menschen
einen Schlaganfall. Gemäß dem Report der „Stroke Alliance for Europe“
(SAFE) [3] wird die Zahl der Menschen, die mit den Folgen eines
Schlaganfalls leben müssen, zwischen 2017 und 2040 allein um 35 %
ansteigen.

Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie aus Großbritannien [1]
untersuchte, wie viel Einfluss der Lebensstil auf das Schlaganfall- und
Demenzrisiko nehmen kann. Aus der „UK-Biobank“ wurden 474.983 Personen im
Alter von 37–73 Jahren ohne vorbekannten Schlaganfall oder Demenz
untersucht. Für jeden Teilnehmenden wurde ein Score (0 - 4 Punkte)
berechnet, je nach Lebensstil. Darin flossen regelmäßige körperliche
Aktivität, eine Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden pro Tag, eine tägliche
Sitzdauer von weniger als 6 Stunden und eine Handgriffstärke über dem
geschlechsspezifischen Medianwert als Marker für die allgemeine
Muskelkraft. Regelmäßige körperliche Aktivität wurde dabei definiert als
mindestens 150 Minuten moderate Aktivität oder 75 Minuten intensive
Aktivität pro Woche (oder eine gleichwertige Kombination aus beidem) oder
moderate Aktivität an mindestens 5 Tagen pro Woche oder intensive
Aktivität an mindestens 3 Tagen pro Woche (jeweils ≥ 10 Minuten am Stück).

Das Follow-up betrug im Median 10,1 Jahre.  Als primäre Endpunkte wurden
inzidente Schlaganfälle und Demenzdiagnosen (mit Subtypen wie Alzheimer-
und vaskuläre Demenz) erfasst. Im Verlauf der Studie traten 4.992
Schlaganfälle und 2.120 Demenzerkrankungen auf. Und die Analyse belegte
einen deutlichen Schutz durch den Lebensstil; je mehr gesunde Faktoren
erfüllt waren, desto höher war der Schutzeffekt. Das Schlaganfall-Risiko
nahm um 15 % ab, wenn 2 der 4 Kriterien erfüllt wurden, sank um 29 % bei 3
Kriterien und bei Erfüllung aller 4 Kriterien sogar um 35 %. Noch größer
waren die Effekte auf das Demenzrisiko. Bei Erfüllung von 2 Kriterien sank
das Risiko um 26 %, bei 3 um 36 % und bei 4 Kriterien um 57 %.

Offensichtlich kann man sein persönliches Erkrankungsrisiko auch bei
genetischer Prädisposition maßgeblich beeinflussen

„Das sind sehr beeindruckende Zahlen“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof.
Dr. Peter Berlit. „Wer über zehn Jahre konsequent körperlich aktiv ist,
also regelmäßig Sport treibt, am Tag wenig sitzt und darüber hinaus
ausreichend schläft, kann dieser aktuelle Erhebung zufolge sein
Demenzrisiko mehr als halbieren.“ Besonders aufschlussreich sei zudem,
dass diese Schutzwirkungen auch bei Personen beobachtet wurden, die als
genetisch vorbelastet gelten. Die Vorteile eines gesünderen Lebensstils
auf Schlaganfall und Demenz zeigten sich unabhängig vom Vorliegen der
APOE-ε4-Genvariante, die für die Entwicklung von Demenz-Erkrankungen und
neuen Erkenntnissen zufolge auch mit Schlaganfällen bei jüngeren Menschen
[4] in Zusammenhang steht. „In der Studie hatten die Lebensstilmaßnahmen
auch bei Menschen mit diesem Risiko-Gen signifikante Schutzwirkungen. Das
bedeutet, dass man sein persönliches Erkrankungsrisiko trotz genetischer
Prädisposition maßgeblich beeinflussen kann.“

Ein körperlich aktiver Lebensstil ist die halbe Miete

Mut mache das hohe Ausmaß der Schutzwirkung von lediglich zwei Maßnahmen,
einem körperlich aktiven Lebensstil und ausrechender Schlafdauer. Den
großen Effekt von Bewegung hatte bereits eine Anfang November im
Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie [5] gezeigt, in der
bei 296 kognitiv unbeeinträchtigten Personen longitudinal über einen
Zeitraum von bis zu 14 Jahren die mittels Schrittzähler gemessene
körperliche Aktivität, Aβ- und Tau-PET-Daten sowie die Ergebnisse der
jährlichen kognitiven Untersuchung ausgewertet wurden. Analysiert wurde,
ob körperliche Aktivität mit einem langsameren kognitiven und
funktionellen Rückgang durch unterschiedliche Ausprägung der Aβ- und Tau-
Akkumulation verbunden ist. Diese Hypothese bestätigte sich im Ergebnis.
Es zeigte sich eine „dosisabhängige“ Wirkung von Bewegung bei einem
täglichen Pensum von 5.000 bis 7.500 Schritten, und der Effekt dieses im
Verhältnis moderaten Bewegungspensums war enorm: Im Vergleich zu inaktiven
Personen war der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität bis
zu 51 % geringer.

„Beide Studien zeigen, dass ausreichend Bewegung bereits die halbe Miete
in Sachen Demenzprävention ist“, fasst DGN-Generalsekretär Berlit
zusammen. Neben Bewegungsmangel sind viele weitere Demenzrisikofaktoren
bekannt, wie z. B. schlechtes Seh- oder Hörvermögen, soziale Isolation
oder ungesunde Ernährung. „Das alles sind Stellschrauben, über die jeder
sein persönliches Demenzrisiko beeinflussen kann. Und die Korrektur vieler
dieser Risikofaktoren schützt auch vor anderen neurologischen Krankheiten
wie Schlaganfall oder Parkinson. Ein gesunder Lebensstil lohnt sich also
für alle!“