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Zoster-Impfung senkt das Demenzrisiko und kann womöglich das Fortschreiten einer Demenz verlangsamen

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Kann die Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV), welches
Windpocken und Gürtelrose auslöst, vor einer Demenz schützen? Im Jahr 2025
sind zwei große Studien – eine aus UK, eine andere aus Australien  –
publiziert worden, die beide quasi ein „Real-Life-Experiment“ waren und
einen eindrucksvollen Nachweis liefern.

Nun bestätigt eine aktuelle
Publikation den beobachteten Effekt. Zwar wurde in allen Studien ein
Lebendimpfstoff verwendet, der inzwischen in Deutschland und anderen
Ländern nicht mehr verwendet wird, dennoch gehen DGN-Experten von einem
ähnlichen Effekt des neuen rekombinanten Vakzins aus und raten Menschen ab
60 Jahren zur Impfung.

Im vergangenen Jahr zeigten verschiedene Studien einen interessanten
Zusammenhang: Nach Impfung gegen VZV wurden geringere Demenzraten
verzeichnet.

Beispiel Wales: Dort wurde zum Stichtag 01.09.2013 entschieden, Menschen,
die am 02.09.1933 oder innerhalb eines Jahres danach geboren worden waren,
gegen VZV zu impfen, während vor dem 02.09.1933 Geborene aus dem
Impfprogramm ausgeschlossen blieben. Durch diese offizielle Regelung ergab
sich eine Quasi-Randomisierung in Geimpfte und Ungeimpfte, die es
erlaubte, die Demenzinzidenz von unmittelbar vor und unmittelbar nach dem
Stichtag Geborenen zu vergleichen. Dabei zeigte sich, dass Geimpfte
gegenüber Nicht-Geimpften innerhalb von sieben Jahren ein um 3,5
Prozentpunkte geringeres Risiko hatten, eine Demenz zu entwickeln (95 % CI
0,6-7,1; p=0,019) [1]. Dies entsprach einer relativen Risikoreduktion von
20 % (95 % CI 6,5-33,4). Ein ähnliches „Experiment“ wurde auch in
Australien durchgeführt [2]. Hier war der Stichtag für die Impf-
Berechtigung der 2. November 1936. Auch hier wurde die Demenz-Inzidenz bei
den kurz nach dem 2. November 1936 mit den kurz davor Geborenen
verglichen. Die Studie ergab, dass alleine die Impfberechtigung die
Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 7,4 Jahren eine Demenzdiagnose zu
erhalten, um 1,8 Prozentpunkte (95 % CI, 0,4–3,3 Prozentpunkte; P = 0,01)
reduzierte. Da die Impfquote nicht genau zu ermitteln war, konnte der
absolute Effekt der Impfung nicht bestimmt werden, ist aber höher
einzuschätzen als der der Impfberechtigung.

Aktuelle Studie stärkt Datenbasis
Eine aktuelle in „Lancet Neurology“ publizierte Studie [3] belegt die
Evidenz noch weiter: Wie in Wales und Australien wurde dort ein
natürliches Experiment mit Einführung der Impfung in Ontario (Kanada)
durchgeführt, das methodisch aber noch ausgefeilter war: Hier hatten
Personen, die nach dem 1. Januar 2017 ihren 71. Geburtstag hatten,
Anspruch auf eine Herpes-Zoster-Impfung, während diejenigen, die vor
diesem Datum 71 Jahre alt geworden waren, nicht anspruchsberechtigt waren.
Im Gegensatz zu den Studien aus Wales und Australien wurde nicht nur die
Demenzrate dieser beiden Gruppen verglichen, sondern von dreien: (1)
Personen, die keinen Anspruch auf die Impfung hatten, weil sie vor dem 1.
Januar 1945 geboren worden waren, (2) Personen, die nur 3,5 Monate lang
anspruchsberechtigt waren, weil sie im Jahr 1945 geboren worden waren, und
(3) jene, die mindestens 1 Jahr und 3,5 Monate anspruchsberechtigt waren,
weil sie zwischen dem 1. Januar 1946 und dem 15. September 1951 geboren
worden waren. In einer Sekundäranalyse wurden die drei Gruppen dann noch
mit den entsprechenden Geburtskohorten von anderen kanadischen Provinzen
verglichen, die kein Impfprogramm hatten, um einen möglichen Bias durch
eine unterschiedliche Entwicklung der Demenzinzidenzen in den jeweiligen
Zeiträumen auszuschließen. Die Studie zeigte, dass allein die
Impfberechtigung in einem Beobachtungszeitraum von 5,5 Jahren zu einer
signifikanten Senkung des Demenzrisikos von 2 Prozentpunkten führte, wenn
man die unmittelbar vor und nach dem 1. Januar 1946 Geborenen verglich.
Wenn man den 1. Januar 1945 als Stichtag nutze, betrug der vorher-nachher-
Unterschied ebenfalls 2 Prozentpunkte. Auch waren nach Beginn des
Programms neue Demenzdiagnosen unter den Geburtskohorten, die für eine
Herpes-Zoster-Impfung in Ontario in Frage kamen, deutlich seltener als in
den gleichen Geburtskohorten in anderen kanadischen Provinzen, die kein
Herpes-Zoster-Impfprogramm hatten. Die wirklichen Effekte sind vermutlich
noch deutlich größer, da die Zahl der wirklich Geimpften nicht ermittelt
werden konnte und die Bezugsgröße nur die Impfberechtigten sind. Die Daten
belegen nach Ansicht der Studiengruppe einen kausalen Zusammenhang
zwischen der Impfung und dem Schutz vor Demenz.

„Zusammengenommen stellen alle drei Studien eine solide Datenbasis dar und
zeigen populationsbasiert, dass die Impfung gegen Herpes zoster mit einem
geringeren Demenzrisiko verbunden ist“, erklärt Prof Dr. Peter Berlit,
DGN-Generalsekretär.

Allerdings stellt sich die Frage nach dem Pathomechanismus: Handelt es
sich bei den beobachteten Demenz-protektiven Effekten um spezifische
Effekte gegen Zoster-Viren – schließlich stehen Herpes-Viren stehen schon
länger im Verdacht, eine Demenz zu begünstigen  – oder um unspezifische
immunologische Effekte einer Impfung?

Die neuen Daten legen einen spezifischen Zoster-Effekt nahe
„Meines Erachtens sprechen die Daten eher für einen spezifischen Zoster-
Effekt“, erklärt Prof. Dr. Jörg Schulz, Sprecher der Kommission Demenzen
der DGN. „Denn in einer anderen Studie [4] wurden auch die Effekte von
zwei weiteren Impfungen untersucht, einer Influenza-Impfung und einer
kombinierten Influenza/Tetanus/Diphtherie-Impfung. Diese hatte keinen
‚Demenzschutz‘, so dass dies als spezifischer Effekt der Zoster-Impfung
angenommen werden kann.“ Warum aber dann eine medikamentöse antivirale
Therapie mit Valacyclovir bei Menschen mit früher symptomatischer
Alzheimer-Krankheit und positiver Herpes-Serologie keinen Einfluss auf den
kognitiven Abbau hatte [5], erklärt der Experte folgendermaßen: „Die
Erkrankung war in der Studie wahrscheinlich bereits zu weit
fortgeschritten. Auch bietet eine Impfung immer einen Schutz vor
Infektion, während eine antivirale Therapie erst zum Einsatz kommt, wenn
Viren womöglich schon einen schädigenden Mechanismus in Gang gesetzt
haben.“

Hervorgehoben werden muss aber, dass in den drei Studien [1, 2, 3] ein
Lebendimpfstoff verwendet wurde, der in den USA und vielen europäischen
Staaten, so auch bei uns in Deutschland, gar nicht mehr verfügbar ist.
Dennoch geht Prof. Schulz auch von einem ähnlichen Effekt des bei uns
verfügbaren Impfstoffs aus. „Wenn die Herpes-Viren eine Demenz
begünstigen, ist es egal, welche Art der Impfung die Infektion verhindert,
Hauptsache, sie schützt effektiv vor der Infektion. Hinzu kommt, dass in
der Studie von Taquet et al. [4] der rekombinante Todimpfstoff mit dem
abgeschwächten Lebendimpfstoff verglichen wurde und sich diesem
hinsichtlich der Demenzprävention sogar überlegen zeigte.

Die Impfung konnte sogar das Fortschreiten der Erkrankung bei Menschen mit
Demenz verzögern
Eine aktuelle Analyse [6] der Arbeitsgruppe, die die Daten aus Wales und
Australien ausgewertet hatte, kam außerdem zu einem besonders
interessanten Ergebnis: Wie sich zeigte, reduzierte die Impfung die Zahl
neuer MCI-Diagnosen („mild cognitive impairment“) von insgesamt 7,3 %
innerhalb von neun Jahren im Gesamtkollektiv um 3 %. Die Zahl der Demenz-
bedingen Todesfälle nahm sogar um 30 % ab: die Impfung zeigte also auch
einen Effekt bei Menschen, die bereits an Demenz litten. „Das ist ein
interessanter Aspekt. Die VZV-Impfung könnte somit auch bei beginnender
Demenz eingesetzt werden, um den neurodegenerativen Prozess zu
verlangsamen“, so Prof. Berlit.

Der Demenz-protektive Effekt der VZV-Impfung ist insgesamt so überzeugend,
dass die DGN wie auch die STIKO diese Impfung allen Menschen über 60
Jahren empfiehlt, auch wenn bereits erste kognitive Einschränkungen
vorliegen. „Sie ist offensichtlich doppelt effektiv: Sie schützt vor einer
schmerzhaften Gürtelrose und reduziert darüber hinaus das Demenzrisiko
bzw. verlangsamt eine vorliegende Demenzerkrankung“, fasst DGN-
Generalsekretär Prof. Berlit zusammen.

[1] Eyting M, Xie M, Michalik F et al. A natural experiment on the effect
of herpes zoster vaccination on dementia. Nature. 2025
May;641(8062):438-446. doi: 10.1038/s41586-025-08800-x. Epub 2025 Apr 2.
PMID: 40175543; PMCID: PMC12058522.
[2] Martins D, McCormack D, Tadrous M et al. Impact of a Publicly Funded
Herpes Zoster Immunization Program on the Burden of Disease in Ontario,
Canada: A Population-based Study. Clin Infect Dis. 2021 Jan
27;72(2):279-284. doi: 10.1093/cid/ciaa014. PMID: 31922540; PMCID:
PMC7840108.
[3] Pomirchy M, Chung S, Bommer C et al. Herpes zoster vaccination and
incident dementia in Canada: an analysis of natural experiments. Lancet
Neurol. 2026 Feb;25(2):170-180. doi: 10.1016/S1474-4422(25)00455-7. PMID:
41579903.
[4] Taquet M, Dercon Q, Todd JA, Harrison PJ. The recombinant shingles
vaccine is associated with lower risk of dementia. Nat Med. 2024
Oct;30(10):2777-2781. doi: 10.1038/s41591-024-03201-5. Epub 2024 Jul 25.
PMID: 39053634; PMCID: PMC11485228.
[5] Devanand DP, Wisniewski T, Razlighi Q et al. Valacyclovir Treatment of
Early Symptomatic Alzheimer Disease: The VALAD Randomized Clinical Trial.
JAMA. 2025 Dec 17:e2521738. doi: 10.1001/jama.2025.21738. Epub ahead of
print. PMID: 41405855; PMCID: PMC12712832.
[6] Xie M, Eyting M, Bommer C, Ahmed H, Geldsetzer P. The effect of
shingles vaccination at different stages of the dementia disease course.
Cell. 2025 Dec 11;188(25):7049-7064.e20. doi: 10.1016/j.cell.2025.11.007.
Epub 2025 Dec 2. PMID: 41338191.


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