Kopf-Hals-Tumorzentrum setzt auf personalisierte und interdisziplinäre Krebsmedizin
Zunehmend jüngere Menschen erkranken an Tumoren im Kopf-Hals-Bereich.
Komplexe Fälle in der Kopf-Hals-Onkologie und veränderte Patientenprofile
erfordern individuellere
Therapie. Zentrum setzt auf interdisziplinären Austausch mit
Zuweisenden und Fachkollegen.
Bis zu 25.000 Menschen in Deutschland erkranken pro Jahr an einem Tumor im
Kopf-Hals-Bereich. Dabei registrieren Medizinerinnen und Mediziner in den
vergangenen Jahren weniger Tumore, die durch Rauchen oder Alkoholkonsum
verursacht wurden – obwohl dies noch immer eine der Hauptursachen für
diese Tumorentität ist. Gleichzeitig steigt der Anteil der mit Humane
Papillomviren (HPV) assoziierten Tumoren, vor allem im Mund- und
Rachenbereich, deutlich an. In Deutschland werden inzwischen mehr als 50
Prozent der Oropharynxkarzinome als HPV-assoziiert eingeschätzt. Dabei
gehören Kopf-Hals-Tumoren zu den komplexesten Krebserkrankungen überhaupt:
Sie betreffen häufig zentrale Funktionen wie Sprechen, Kauen, Schlucken,
Atmen oder Riechen und verlangen eine hochspezialisierte,
interdisziplinäre Behandlung. Das Kopf-Hals-Tumorzentrum am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bündelt dafür die Expertise
zahlreicher Fachbereiche unter einem Dach und hat sich als überregionales
Zentrum für die personalisierte Kopf-Hals-Onkologie etabliert. Seit seiner
Gründung im Jahr 2019 verzeichnet das Zentrum kontinuierlich steigende
Patientenzahlen. Durchschnittlich werden hier rund 235 Patientinnen und
Patienten pro Jahr behandelt.
Das Kopf-Hals-Tumorzentrum am Universitätsklinikum Dresden vereint
Spezialistinnen und Spezialisten aus der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde,
der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Radioonkologie, aus der
Medizinischen Onkologie, Radiologie, Nuklearmedizin, Pathologie,
Psychoonkologie und Ernährungsmedizin. Diagnostik, Tumorboard, operative
Therapie, Rekonstruktion, Strahlentherapie und Nachsorge erfolgen eng
abgestimmt. „Die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren ist heute weit mehr als
eine Operation meist in Kombination mit der Bestrahlung“, sagt Prof.
Günter Lauer, Zentrumsleiter und Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer-
und Gesichtschirurgie. „Unser Ziel ist eine möglichst präzise und
individuell abgestimmte Therapie, die den Tumor wirksam bekämpft und
gleichzeitig Funktionen sowie Lebensqualität erhält.“ „Entscheidend ist
dabei, schnell und interdisziplinär die richtige Therapieentscheidung für
jeden einzelnen Patienten zu treffen“, betont Thomas Zahnert,
Zentrumsleiter und Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde. „Bei Tumorerkrankungen zählt oft jeder Tag.“
„Das Kopf-Hals-Tumorzentrum verdeutlicht, welchen Mehrwert
interdisziplinäre Strukturen in der Universitätsmedizin Dresden bieten.
Wenn unterschiedliche Fachbereiche eng zusammenarbeiten, entstehen daraus
nicht nur innovative Therapiekonzepte, sondern vor allem Vorteile für die
Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer
Vorstand am Universitätsklinikum Dresden. Dabei setzen die Dresdner auf
kurze Wege und die enge Verbindung zu beteiligten Fachgebieten.
Patientinnen und Patienten finden auf dem Dresdner Campus alle
Ansprechpartner und Versorgungseinrichtungen für Diagnostik, Operation,
Therapie, Bestrahlung und zur rekonstruktiven, plastischen Chirurgie.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf modernen Verfahren der
Präzisionsmedizin. Modernste Bildgebung zur Darstellung von Anatomie und
Tumoreigenschaften (wie MRT und PET-CT), molekulare Diagnostik,
Immunmarker-Analysen und genetische Untersuchungen helfen dabei, für jeden
Betroffenen den optimalen Therapiepfad festzulegen. Ein weiteres
Alleinstellungsmerkmal ist der Zugang zu innovativen klinischen Studien.
Dazu gehören neue Ansätze der Immuntherapie ebenso wie Studien zur
schonenderen Bestrahlung, etwa bei HPV-positiven Tumoren. „Ziel ist es,
Nebenwirkungen der Therapie und Bestrahlung zu reduzieren und gleichzeitig
die Wirksamkeit der Therapie zu erhalten“, sagt Prof. Esther Troost, eine
der beiden Direktorinnen der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie
und Radioonkologie. Die Protonentherapie spiele dabei für ausgewählte
Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle. Durch die hochpräzise
Bestrahlung kann gesundes Gewebe besser geschont werden – ein
entscheidender Vorteil insbesondere in der empfindlichen Kopf-Hals-Region.
Neben der Tumorkontrolle und Nachsorge steht die funktionelle und
ästhetische Rehabilitation im Fokus. Das Zentrum begleitet Betroffene bei
Rekonstruktionen, Zahnersatz, Schluck- und Sprachrehabilitation sowie
psychoonkologischen und ernährungsmedizinischen Fragestellungen. Ziel ist
die möglichst vollständige Wiederherstellung zentraler Alltagsfunktionen.
Das Kopf-Hals-Tumorzentrum ist nach den Kriterien der Deutschen
Krebsgesellschaft zertifiziert und arbeitet eng mit niedergelassenen HNO-
Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie Hausarztpraxen zusammen.
Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen fördern den Austausch mit den
Zuweisenden und bringen aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse aus dem
Fachgebiet schneller in die Versorgung. „Die Zukunft der Kopf-Hals-
Onkologie liegt in der personalisierten Medizin“, sagt Prof. Günter Lauer.
„Je genauer wir die Tumoren biologisch verstehen, desto gezielter und
schonender können wir behandeln.“
Update Kopf-Hals-Onkologie
Die nächste Zuweiserveranstaltung des Kopf-Hals-Tumorzentrums findet am
24. Juni 2026, 16 bis 19 Uhr statt. Bei der Fortbildungsveranstaltung
werden praxisnahe Beiträge zu aktuellen therapeutischen Entwicklungen, zur
Versorgung und Rehabilitation von Patientinnen und Patienten mit Kopf-
Hals-Tumorerkrankungen sowie anschauliche Fallbeispiele gezeigt. Im
Mittelpunkt stehen dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit, der
fachliche Austausch sowie Informationen zu praxisrelevanten Neuerungen.
Anmeldung unter: 0351 458 17669 oder
