DGIM-Kongress: Gesundheitsfolgen des Klimawandels
127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: „Von der
Krise lernen“
Gefahren von Epidemien und Hitzewellen
Gesundheitsfolgen des Klimawandels – Was können Ärztinnen und Ärzte tun?
Ein Virus, das mutmaßlich von Fledermäusen auf den Menschen übergegangen
ist, hält derzeit die ganze Welt in Atem. Doch am Horizont zieht mit dem
Klimawandel die noch deutlich einschneidendere globale Krise herauf. Beide
werfen ein Schlaglicht auf unseren Umgang mit Natur und Ressourcen und die
Folgen daraus. Denn die Veränderung des Lebensraums von Tieren begünstigt
die Übertragung tierischer Erreger auf den Menschen und Ausbrüche von
Epidemien. Und die Umwelt- und Klimakrise bringt noch weitere Bedrohungen
mit sich, etwa zunehmende Hitzewellen und Luftverschmutzung. Die
gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, die Frage, wie Ressourcen- und
Umweltschutz in Klinik und Praxis im Alltag aussehen kann und die
besondere Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten, sowohl in der aktuellen
Coronapandemie als auch in der Klimakrise, sind zentrale Themen des 127.
Internistenkongresses, der vom 17. bis 20. April 2021 digital stattfindet.
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Nicht nur aus Sicht von Umweltschützern, sondern auch der von Medizinern
stellen der Klimawandel und die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur
zunehmend ein Problem dar: Unter anderem steigt damit das Risiko, dass
Erreger auf den Menschen übergehen und sich in Epidemien und Pandemien
verbreiten. Diese Zusammenhänge sind seit Längerem bekannt, französische
Wissenschaftler bestätigen sie in einer aktuellen Untersuchung einmal
mehr. Gleichzeitig sind die Folgen von Treibhauseffekt und Erderwärmung in
Krankenhäusern und Arztpraxen heute schon angekommen. „Wir beobachten in
den vergangenen Jahren, dass immer mehr Menschen mit internistischen
Erkrankungen etwa der Lunge oder des Herzens zu uns kommen, deren Ursache
oder Verlauf direkt oder indirekt am Klimawandel liegen können“, sagt
Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM.
Eine Ursache vieler Entgleisungen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen:
Hitzewellen mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius haben nach Angaben
des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland seit den 1990er Jahren
deutlich zugenommen. „Solche Hitzewellen machen sich auch in unseren
Notaufnahmen bemerkbar“, berichtet Ertl. „Im vergangenen Jahrzehnt traten
etwa deutlich mehr Herzinfarkte im Zusammenhang mit Hitzewellen auf als in
den zehn Jahren davor“, erklärt der Würzburger Kardiologe. Statistiken
zeigen außerdem, dass an Tagen mit einer Temperatur über 30 Grad Celsius
die Sterbequote um etwa zehn Prozent und die der Krankenhauseinlieferungen
um fünf Prozent ansteigt. Mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels
werden vor allem zukünftige Generationen zu kämpfen haben. „Hitzewellen,
Luftverschmutzung, die Ausbreitung neuer Infektions-krankheiten oder die
Verlängerung der Allergie-Perioden sind nur einige der Auswirkungen des
Klimawandels, die sich in Zukunft noch stärker als bisher zeigen werden“,
erklärt Dr. med. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz
Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG). Der Verein klärt über die
gesundheitlichen Folgen des Klimawandels auf und organisiert dafür auf dem
127. Internistenkongress mehrere Veranstaltungen.
Den „ökologischen Fußabdruck“ in Klinik und Praxis reduzieren
Der KLUG-Vorsitzende Herrmann sieht den Gesundheitssektor im Klimawandel
in einer besonderen Verantwortung. „Der Gesundheitssektor verursacht mehr
als fünf Prozent der deutschen Klima-Emissionen und ist für fünf Prozent
des Rohstoffverbrauchs verantwortlich“, erklärt Herrmann. Nach einem
Bericht des Umweltbundesamtes besteht vor allem in den Feldern
Arzneimittel, Medizinprodukte, Bauen sowie Lebensmittel- und
Getränkeversorgung Potenzial, den Rohstoffverbrauch zu senken. Aus
hygienischen Gründen kommen im Medizinbetrieb viele Einwegprodukte zum
Einsatz. „Damit fallen enorme Mengen Sondermüll an. Hier müssen wir
umweltverträgliche Alternativen vorantreiben, mit denen gleichzeitig die
Hygiene-Standards gewahrt werden können“, sagt DGIM-Generalsekretär Ertl.
„Denn auch wir Mediziner müssen uns bemühen, im Krankenhaus oder der
Arztpraxis den ‚ökologischen Fußabdruck’ zu reduzieren“, so der Würzburger
Experte. Die DGIM könne hier mit ihren 27 000 Mitgliedern einen deutlichen
Beitrag leisten.
Stellung beziehen in der öffentlichen Diskussion – Parallelen zur
Coronakrise
Aufgrund ihres hohen gesellschaftlichen Ansehens kommt Ärztinnen und
Ärzten in der hoch emotionalisierten und stark politisch motivierten
Debatte um die Folgen des Klimawandels eine besondere Rolle zu. Hier
zeigen sich Parallelen zur aktuellen Krise: „Genau wie in der
Coronapandemie, gibt es beim Thema Klimawandel Personen, die ihn ganz
abstreiten oder seine Folgen klein reden“, sagt Professor Dr. med.
Sebastian Schellong, Präsident des 127. Internistenkongresses. „Als
Mediziner und Wissenschaftler ist es unsere Verantwortung, diesen
Strömungen immer wieder die Erkenntniswege und Fakten der Wissenschaft
entgegenzusetzen“, so der Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am
Städtischen Klinikum Dresden. Denn letztere seien eindeutig: Der
Klimawandel stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Gesundheit
dar. Medizinerinnen und Mediziner seien in einer besonderen Verantwortung
gegenüber Patienten und der Öffentlichkeit, auf wissenschaftliche Fakten
hinzuweisen und so auch für Nachhaltigkeit und globalen Gesundheitsschutz
zu werben.
Quellen:
-Karliner J, Slotterback S, Boyd R, Ashby B, Steele K (2019) Health care
climate footprint report. <https://noharm-global.org/sit
/documents-files/5961/HealthCa
-Morand S, Lajaunie C (2021) Outbreaks of Vector-Borne and Zoonotic
Diseases Are Associated With Changes in Forest Cover and Oil Palm
Expansion at Global Scale. Front. Vet. Sci. 8:661063. doi:
10.3389/fvets.2021.661063
-Ostertag K, Bratan T, Gandenberger C, Hüsing B, Pfaff M (2021)
Ressourcenschonung im Gesundheitssektor - Erschließung von Synergien
zwischen den Politikfeldern Ressourcenschonung und Gesundheit. ISSN
1862-4804.
<https://www.umweltbundesamt.d
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