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Gesucht: Neue Therapie gegen Hirntumore

Hilft das Stoffwechselenzym IL4I1 gegen eine besonders bösartige
Krebserkrankung? Dieser Frage geht der Youtuber Jacob Beautemps in einem
neuen Video seines Kanals „Breaking Lab“ nach. Im Deutschen
Krebsforschungszentrum in Heidelberg besuchte er GlioPATH, eine BMBF-
geförderte und durch den DLR Projektträger begleitete
Nachwuchsforschungsgruppe der Systemmedizin.

Gliome sind bösartige Hirntumore, die bislang nur sehr schwer behandelt
werden können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des
Forschungsverbundes GlioPATH suchen daher im menschlichen Stoffwechsel
nach neuen Therapieoptionen. Dabei haben sie herausgefunden, dass das
Stoffwechselenzym IL4I1 in Tumorzellen vermehrt gebildet wird und deren
Ausbreitung fördert. Es unterdrückt zudem die körpereigene Immunantwort
gegen die Tumore. Wie diese Erkenntnisse helfen könnten, die Krebstherapie
zu verbessern, erläutern die Forschenden im Gespräch mit Jacob Beautemps.

Der Film, der jetzt im Kanal „Breaking Lab“  erschienen ist, wurde durch
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell
unterstützt, seine Umsetzung vom DLR Projektträger begleitet. Er ist der
dritte Film einer YouTube-Reihe, die der DLR-PT in Zusammenarbeit mit dem
Projektträger Jülich im Auftrag des BMBF realisiert. Ziel ist es, junge
Menschen für die Themenvielfalt und interdisziplinäre Zusammenarbeit in
den modernen Lebenswissenschaften zu begeistern. Dafür hat der DLR-PT
Forschungsprojekte ausgewählt und das Team des YouTube-Kanals redaktionell
beraten.

Der aus vier Teilprojekten bestehende Forschungsverbund GlioPATH wurde von
2015 bis 2018 durch das BMBF gefördert. Er ist Teil des Forschungs- und
Förderkonzeptes „e:Med – Maßnahmen zur Etablierung der Systemmedizin“.
Mitarbeitende des DLR-PT brachten bei der Entwicklung des BMBF-
Förderkonzeptes wissenschaftliche Expertise und kommunikatives Know-how
ein. Im Auftrag des Ministeriums übernahm der DLR-PT die Umsetzung des
Konzepts, beriet die Wissenschaftscommunity bei Anträgen zur
Forschungsförderung und unterstützte die Forschenden bei der Umsetzung der
Vorhaben.

„Breaking Lab“ gehört mit rund 300.000 Abonnierenden zu den wichtigsten
deutschen Science-Channels auf Youtube. Regelmäßig setzt der Moderator
Jacob Beautemps aktuelle Themen aus Wissenschaft und Technik informativ
und unterhaltsam um.

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DLR Projektträger

Der DLR Projektträger bietet als einer der größten Projektträger
Deutschlands seit nahezu 50 Jahren um-fassende, wissensbasierte
Dienstleistungen rund um das Management von Forschung, Bildung und
Innovation. Zu seinen Auftraggebern gehören Bundesministerien, die
Europäische Kommission, Bundesländer sowie Wissenschaftsorganisationen und
Verbände. Er berät zu Strategien und Programmen, steuert begleitende
Dialogprozesse, plant und übernimmt die operative Umsetzung von
Förderprogrammen, unterstützt den Wissenstransfer und evaluiert die
Wirkung von Programmen und Initiativen der Auftraggeber. Die rund 1.400
hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DLR-PT betreuen
jährlich rund 12.000 Vorhaben mit einem Fördervolumen von gut 2,3
Milliarden Euro.

Das Themenspektrum des DLR Projektträgers reicht von Bildung,
Chancengleichheit, Gesundheit, Gesellschaft, Innovation, Technologie,
Umwelt und Nachhaltigkeit bis hin zu europäischer und internationaler
Zusammenarbeit und wird je nach Anforderung auch stets inter- und
transdisziplinär angeboten. Sein Portfolio wird abgerundet durch die
Kompetenzzentren Wissenschaftskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit sowie
Analyse und Evaluation.

Der DLR-PT ist eine zentrale Säule des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR) und ergänzt dessen wissenschaftliche Ausrichtung. So
engagiert sich der DLR-PT seit mehr als vier Jahrzehnten als Dienstleister
für einen starken Forschungs-, Bildungs- und Innovationsstandort
Deutschland.

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DDG: Amputation bei DFS wird in die Zweitmeinungsrichtlinie aufgenommen

AG Diabetischer Fuß begrüßt Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses
Amputation bei Diabetischem Fußsyndrom wird nach jahrelangem
Entscheidungsprozess in die Zweitmeinungsrichtlinie aufgenommen

Diabetes-Patientinnen und -Patienten mit einem Diabetischen Fußsyndrom
(DFS) sollen vor einer drohenden Amputation an den unteren Extremitäten
zukünftig eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen dürfen. Seit
Jahren setzt sich die Arbeitsgemeinschaft „Diabetischer Fuß“ der Deutschen
Diabetes Gesellschaft (DDG) für einen rechtlichen Anspruch auf eine solche
Zweitmeinung ein. Ein überarbeiteter Beschluss des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) wird voraussichtlich im Frühling in Kraft treten.
Der G-BA-Beschluss legt zudem fest, dass Fachärzte aus acht Fachrichtungen
als Zweitmeiner die medizinische Notwendigkeit des geplanten Eingriffs
überprüfen dürfen, sofern sie zusätzliche Qualifikationen nachweisen. Die
AG „Diabetischer Fuß“ der DDG begrüßt den Beschluss, denn er entlastet
nicht nur Patienten, sondern hilft auch den behandelnden Ärzten, die diese
schwerwiegenden Entscheidungen treffen müssen.
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Hierzulande werden jährlich bis zu 50.000 Amputationen aufgrund eines
diabetischen Fußsyndroms (DFS) - eine der häufigsten Folgeerkrankungen bei
Diabetes - vorgenommen. Die Arbeitsgemeinschaft „Diabetischer Fuß“ der
Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) kämpft schon lange darum, dass solch
schwerwiegende medizinische Entscheidungen durch eine Zweitmeinung
abgesichert werden. Dazu liegt nun ein überarbeiteter Beschluss des
Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) dem Bundesgesundheitsministerium vor.
„Wir betrachten die G-BA-Entscheidung als vollen Erfolg“, erklärt Dr. med.
Michael Eckhard, Vorsitzender der AG „Diabetischer Fuß“. Die
Arbeitsgemeinschaft setzt sich auch im Rahmen des
Zertifizierungsverfahrens von Behandlungseinrichtungen dafür ein,
amputationsbedrohte Extremitäten bei Menschen mit Diabetes zu erhalten.
„Der Rechtsanspruch auf die Einholung einer unabhängigen ärztlichen
Zweitmeinung soll Betroffene unterstützen, eine Entscheidung zur möglichen
Auswahl vorgeschlagener Behandlungsmöglichkeiten zu treffen und damit
gegebenenfalls eine medizinisch nicht gebotene Amputation zu vermeiden“,
erklärt der Diabetologe.

Besondere Expertise und langjährige Erfahrung machen die Qualifikation aus

Einen Antrag auf Zulassung zum Zweitmeinungsverfahren zu einem möglichen
Amputationserfordernis aufgrund eines DFS können grundsätzlich Fachärzte
aus acht Disziplinen stellen. Dazu gehören folgende Fachrichtungen: Innere
Medizin und Angiologie, Innere Medizin und Endokrinologie und
Diabetologie, Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie,
Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie, Gefäßchirurgie,
Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädie oder Chirurgie mit Schwerpunkt
Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie sowie Plastische, Rekonstruktive und
Ästhetische Chirurgie. Außerdem wird es möglich sein, auch Angehörige
nichtärztlicher Fachberufe in die Zweitmeinungsberatungen einzubeziehen,
die zum multiprofessionellen Behandlungsteam von Menschen mit DFS gehören.
Dazu zählen unter anderem Podologen, Orthopädieschuhmacher sowie
Orthopädietechniker und Orthopädiemechaniker. Von allen Zweitmeinern wird
der Nachweis einer besonderen Kompetenz gefordert, die zeigt, dass sie
„für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms besonders qualifiziert
sind, und dass deren Expertise bei Abgabe der Zweitmeinung bei Bedarf
genutzt werden kann“, so der Wortlaut des Beschlusses. Als besonders
qualifiziert gilt laut der Zweitmeinungsrichtlinie, wer mindestens bereits
fünf Jahre regelmäßig aktiv in der Versorgung von Patienten mit DFS tätig
ist und so mindestens 30 DFS-Patienten in einem multidisziplinären Setting
behandelt. „Der künftig geforderte Nachweis dieser besonderen Expertise
für das DFS ist sehr zu begrüßen, weil allein der Erwerb eines
Facharztstatus noch lange nicht Beleg dafür ist, dass jemand wirklich über
eine besondere Qualifikation in diesem speziellen Teilbereich verfügt“, so
Eckhard. Die Zweitmeinungsrichtlinie zur Amputation bei DFS muss nun noch
durch das Bundesgesundheitsministerium ratifiziert werden, was als
Formalie gilt.

Muss ein Zeh, ein Teil des Fußes oder gar ein ganzes Bein aufgrund eines
DFS amputiert werden, ist dies nicht nur für betroffene Patienten, sondern
auch für behandelnde Ärzte belastend. „Deshalb begrüßen auch wir diesen
Beschluss, denn so schwerwiegende Entscheidungen sollten nicht von einem
Arzt allein getragen werden“, erklärt PD Dr. med. Kilian Rittig,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes & Angiologie“ der DDG. Er
dankt der AG „Diabetischer Fuß“ für den außerordentlichen Einsatz über die
vielen Jahre. „Dieser kommt jetzt den Patienten zugute.“

Literatur:

DDG Pressemitteilung: Diabetischer Fuß: etwa jede zweite Amputation
unnötig: Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (<deutsche-diabetes-
gesellschaft.de>)

G-BA-Beschluss: Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren: Aufnahme des
Eingriffs Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom sowie weitere Änderung
der Richtlinie - Gemeinsamer Bundesausschuss (<g-ba.de>)
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Jetzt bewerben für die DDG Medienpreise 2021!
Diabetes in Corona-Zeiten: Risiken und Versorgungslage für chronisch
Kranke in der Pandemie – so lautet das Motto der diesjährigen DDG-
Medienpreisausschreibung. Die DDG vergibt im Jahr 2021 bereits zum achten
Mal ihre Medienpreise – und zwar in vier Kategorien, die mit insgesamt
6.000 Euro dotiert sind. Es können Print-, Fernseh- und Hörfunk sowie
Online-Beiträge (Websites, Blogs oder Online-Videos) eingereicht werden,
die zwischen dem 1. August 2020 und dem 31. Juli 2021 publiziert wurden.
Einsendeschluss ist der 31. Juli 2021. Weitere Informationen finden Sie
auf der DDG Webseite.
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Gesund und fit bis ins hohe Alter – Wie gut werden in Sachsen-Anhalt Präventionsmaßnahmen im Alter genutzt?

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD  Sarah Kossmann  Universitätsmedizin Magdeburg
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können. Foto Sarah Kossmann_UMMD Sarah Kossmann Universitätsmedizin Magdeburg

Eine Studie mit einer großangelegten Einwohnerbefragung von 4.000 Personen
soll wichtige Daten liefern
Neben einer gesunden Lebensführung ist auch Vorsorge das A und O, um viele
alterstypische Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig
behandeln zu können oder gar nicht erst auftreten zu lassen. In der Studie
„Prävention im Alter Sachsen-Anhalt – PrimA LSA“ untersuchen das Institut
für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) der Medizinischen
Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Fachbereich
Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien der Hochschule Magdeburg-Stendal, in
welchem Umfang sogenannte Präventionsleistungen, wie beispielsweise
Impfungen, Krebsfrüherkennung und der Gesundheits-Check-up in der
Altersgruppe der über 55-Jährigen in Anspruch genommen werden. Dazu ist ab
April 2021 eine großangelegte Einwohnerbefragung in Magdeburg, Halle
(Saale), Sangerhausen und Wanzleben-Börde geplant. Ziel ist es, insgesamt
4.000 Personen ab einem Alter von 55 Jahren zu befragen. Die Personen
wurden per Zufall von den jeweiligen Einwohnermeldeämtern als Teilnehmende
für die Befragung ausgewählt.  Die Ergebnisse sollen dabei helfen,
Präventionsangebote weiter zu verbessern sowie deren Inanspruchnahme zum
Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität zu fördern. Die Studie wird vom
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zählen
zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Im Jahr 2018 waren laut
Krankenhausdiagnosestatistik 8,5 % aller vollstationären Krankenhausfälle
auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. In Sachsen-Anhalt ist die
vollstationäre Hospitalisierungsrate im Vergleich zum Bundesdurchschnitt
um 17,2 % erhöht (Quelle: Deutscher Herzbericht 2019).

„Es gibt viele Faktoren, die sich entscheidend auf die Gesundheit der
Menschen auswirken. Durch erfolgreiche Präventionsmaßnahmen ließe sich
diese Krankheitslast verringern. Für Sachsen-Anhalt liegen aber bisher
keine fundierten Daten zur Inanspruchnahme präventiver Leistungen vor, die
auch die Sicht der Einwohnerinnen und Einwohner einschließen. In unserer
Untersuchung interessieren uns daher vor allem die Gründe, weshalb
spezielle Angebote von dieser Bevölkerungsgruppe gut oder nicht genutzt
werden“, erklärt Studienleiter Privatdozent Dr. Enno Swart vom ISMG der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. „Dazu befragen wir Einwohnerinnen
und Einwohner aus städtisch und ländlich geprägten Gemeinden und erhoffen
uns eine repräsentative Stichprobe. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen
dabei helfen, Angebote der Prävention sowie deren Inanspruchnahme weiter
zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. Stefanie March von der Hochschule
Magdeburg-Stendal.

Die 4.000 zufällig ausgewählten Personen erhalten per Post Fragebögen zum
Ausfüllen. Gefragt wird zum Beispiel nach dem individuellen Impfverhalten
oder ob die jährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt regelmäßig in
Anspruch genommen wird. Die Teilnahme ist freiwillig und die Auswertung
der Daten erfolgt anonymisiert.

Neben der Befragung werden in den kommenden anderthalb Jahren zusätzlich
Abrechnungsdaten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung
und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts anonym und unter
Wahrung des Datenschutzes ausgewertet. Neben diesen statistischen
Auswertungen sollen Einwohnerinnen und Einwohner sowie Akteure des
Gesundheitswesens ab dem Sommer 2021 vertiefend zu fördernden und
hemmenden Faktoren bei der Inanspruchnahme präventiver Leistungen von den
Projektmitarbeiterinnen interviewt werden. Zudem sollen die
Informationsangebote gesetzlicher Krankenkassen zu diesem Thema analysiert
und deren Qualität bewertet werden.

Beide Wissenschaftler betonen: „Der steigende Bedarf gerade bei der
medizinischen Versorgung der alternden Bevölkerung macht es zwingend
notwendig, bereits frühzeitig den Blick auf gezielte Maßnahmen der
Prävention zu richten.“ Sachsen-Anhalt ist als ländlich geprägtes
Bundesland stärker vom demografischen Wandel betroffen, als andere
Bundesländer. Obwohl sich die Arztdichte seit den 1980er Jahren mehr als
verdoppelt hat, gilt Sachsen-Anhalt laut Daten der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung mit nur 188-195 Ärzten je 100.000 Einwohnern als
unterversorgtes Bundesland und zählt zu den Schlusslichtern im
bundesweiten Ranking.

Das Projekt „Prävention im Alter Sachsen-Anhalt – PrimA LSA“
(Förderkennzeichen ZS/2019/07/99610 und ZS/2020/06/145442) wird als
Teilprojekt im Forschungsverbund Autonomie im Alter vom Europäischen Fonds
für regionale Entwicklung und dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft
und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.aia.ovgu.de

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Herz- und Gefäßkomplikationen in der Pandemie: Wie sich Herzpatienten davor schützen

Kardiologe und Intensivmediziner erläutert, mit welchen teils leichten
Schritten sich Risiken für schweren Covid-19-Verlauf senken lassen

Die Corona-Pandemie und ihre Dynamik mit steigenden Infektionsraten und
SARS-CoV-2-Mutationen stellt den Alltag von Millionen Herz-Kreislauf-
Patienten in Deutschland vor enorme Herausforderungen mit vielen Ängsten
und offenen Fragen. Wie gefährlich eine Covid-19-Ansteckung bei
bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, variiert von Fall zu
Fall. Die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei schweren
Covid-19-Verläufen beläuft sich nach Schätzungen derzeit auf fünf bis zehn
Prozent der Covid-19-Erkrankten. „Bei einer massiven Herzschwäche kann es
gefährlich werden“, warnt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Jüngere Untersuchungen von Krankenhausdaten zeigen außerdem,
dass bei den beatmungspflichtigen Covid-19-Patienten, d. h. mit schweren
Verläufen, der Anteil von Patienten mit Bluthochdruck,
Herzrhythmusstörungen, Diabetes und Herzinsuffizienz deutlich höher liegt
als bei den nicht-beatmungspflichtigen (1). „Betroffene mit diesen und
anderen Herzerkrankungen wie Koronare Herzkrankheit,
Herzklappenkrankheiten und angeborene Herzfehler sollten mit ihrem
Facharzt besprechen, ob ihr Risiko bei einer Covid-19-Infektion ebenfalls
besonders ausgeprägt sein könnte“, so Voigtländer. Ansonsten verweist der
Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt am
Main auf das Alter als weiteren Risikofaktor. Schützen müssten sich vor
allem ältere Menschen ab 60, 65 Jahren, da deren Immunsystem sich
schlechter gegen das Virus wehren kann. Fakt ist: Das Herz erlaubt bei
akuten Beschwerden grundsätzlich keinen Aufschub für eine medizinische
Versorgung. „Ein krankes Herz kann niemals warten“, warnt der
Herzspezialist mit dem Motto der aktuellen Aufklärungskampagne der
Herzstiftung und der Europäischen (ESC) und Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie (DGK) unter www.herzstiftung.de/krankesherzwartetnie

Falsche Scheu vor Kliniken: Bei akuten Herzbeschwerden immer zum Arzt!
Kommt es bei bestehender Herz- oder Kreislauferkrankung zu Beschwerden,
sollten Patienten unbedingt zum Arzt in die Klinik oder in die Praxis
gehen und bei notfallartigen Warnzeichen für einen Herzinfarkt sofort den
Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren (www.herzstiftung.de/herzinfarkt-
anzeichen). „Zu langes Warten und Aushalten von Herzbeschwerden wie
Brustschmerzen, Luftnot oder Herzrasen zu Hause kann zu lebensgefährlichen
Komplikationen führen. Solche Symptome müssen umgehend abgeklärt werden“,
warnt Voigtländer. Dass es während eines strikten Lockdowns zu einem
Anstieg der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gekommen ist,
hat eine Untersuchung von Daten hessischer Krankenhäuser im Zeitraum 23.
März bis 26. April 2020 (2) gezeigt. 7,6 % mehr Menschen als im selben
Zeitraum des Vorjahres starben an einer Herz-Kreislauf-Komplikation,
während die Sterblichkeit allein durch eine Herzerkrankung um 11,8 % höher
war. Im selben Zeitraum sank in den 26 Kliniken, die an der Untersuchung
teilnahmen, die Zahl der Herzkathetereingriffe um 35 % gegenüber dem
Vorjahr. Die Studienautoren vermuten, dass der Sterblichkeitsanstieg nicht
allein mit SARS-CoV-2-Infektionen zu erklären ist, sondern dass Patienten
viel später als üblich in die Kliniken kamen und dadurch erst deren Herz-
oder Gefäßkomplikationen verzögert medizinisch versorgt wurden. „Die
Ergebnisse der Arbeit deuten darauf hin, dass Patienten mit
Herzbeschwerden aus Angst vor einer Covid-19-Infektion oder wegen
vermeintlicher Kapazitätsengpässe die Notfallambulanz oder den Besuch
einer Klinik mieden. Das müssen wir zukünftig vermeiden“, erklärt der
Kardiologe Voigtländer.

Unbedingt gegen Covid-19 impfen lassen – Hausarztpraxen effektiver
einbinden
Unnötige und zusätzliche Risiken, die eine Herz- oder Gefäßkomplikation
begünstigen könnten, sollten Herzkranke ebenso grundsätzlich vermeiden.
„Wer Anspruch auf eine Covid-19-Schutzimpfung hat, sollte sich unbedingt
impfen lassen“, appelliert Voigtländer an alle Herzpatienten und auch an
Gesunde. Die Schutzwirkung der in der EU zugelassenen Impfstoffe vor einem
schwerwiegenden Covid-19-Krankheitsverlauf überwiege die Risiken von
Nebenwirkungen. „Damit aber dieser Schutzmechanismus rasch und
flächendeckend in Deutschland greifen kann, muss die Einbindung der
Hausarztpraxen effektiver ablaufen, indem diese noch schneller mit
ausreichend Impfstoff ausgestattet werden“, fordert der Vorstand der
Deutschen Herzstiftung. „Hausarztpraxen haben hier neben den Impfzentren
eine enorm wichtige Schlüsselposition.“

Gegen Bluthochdruck und Übergewicht mit Bewegung und gesunder Ernährung
Neben den bekannten Hygiene- und Abstandsmaßnahmen (AHA+L-Regel), die man
unbedingt umsetzen sollte, rät der Frankfurter Herzspezialist zum Verzicht
auf Reisen in stark frequentierte Gebiete. Menschen mit einer Herz-
Kreislauf-Erkrankung sollten sich zudem auch gegen das Influenzavirus
impfen lassen, ebenso gegen Pneumokokken, die Haupterreger einer
Lungenentzündung. Was kann man als Herzpatient (und als Gesunder) am
besten tun, um sein Immunsystem zu stärken und sich so gut wie möglich zu
schützen? „Entscheidend ist ein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung
und vor allem Bewegung“, unterstreicht der Kardiologe und rät zu
Ausdauersport – mindestens dreimal die Woche, je nach Belastbarkeit und
nach Rücksprache mit dem Arzt, etwa eine Stunde walken, radfahren oder 30
Minuten joggen. „Wer das nicht kann, der macht etwas anderes. Jede
Bewegung ist besser als keine Bewegung“. Mit gesunder Ernährung und
Bewegung nimmt jeder Mensch einen weiteren wichtigen Risikofaktor für
Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall effektiv in die Zange:
Übergewicht. „Alles was insgesamt für die Herzgesundheit gut ist, stärkt
auch die Abwehrkräfte des Körpers und unterstützt das Immunsystem.“

Links zur Kampagne
Website: https://www.herzstiftung.de/ein-krankes-herz-kann-niemals-warten
Shortlink: https://www.herzstiftung.de/krankesherzwartetnie
YouTube-Video
: https://www.youtube.com/watch?v=nedtmtXOYQQ&t=21s
FAQs: https://www.herzstiftung.de/ein-krankes-herz-kann-niemals-warten/faq

Literatur:
(1)     Pressemitteilung zu WIdO-Auswertungen für den Krankenhaus-Report
2021: https://www.aok-
bv.de/imperia/md/aokbv/hintergrund/dossier/krankenhaus/ 03_pm_wido_
(2)     Nef, H.M. et al, Impact of the COVID-19 pandemic on cardiovascular
mortality and catherization activity during the lockdown in central
Germany: an observational study. Clin Res Cardiol 110, 292–301 (2021).
https://doi.org/10.1007/s00392-020-01780-0

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