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Mehrheit zweifelt daran, ob Informationen über Krankheiten in Medien vertrauenswürdig sind

Prof’in Dr. Doris Schaeffer (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Hertie School, Berlin) untersuchen, wie sich die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland entwickelt.  Foto links: Steffen Roth, Foto rechts: Hertie SchoolWie kompetent ist die deutsche Bevölkerung, wenn es um den Umgang mit
Informationen zur Gesundheit geht? Für das Pandemiejahr 2020 belegt eine
repräsentative Studie, in die mehr als 2.000 Personen im Alter ab 18
Jahren einbezogen waren: Große Teile der Bevölkerung sind nicht
ausreichend vorbereitet, um Gesundheitsrisiken richtig einzuschätzen, zu
beurteilen und im Alltag umzusetzen. „Ein Vergleich unserer Erhebungen
zwischen 2014 und 2020 zeigt, dass sich die Gesundheitskompetenz sogar
noch verschlechtert hat“, sagt die Studienleiterin Professorin Dr. Doris
Schaeffer von der Universität Bielefeld.

Klagten 2014 etwa 54 Prozent der Befragten über große Schwierigkeiten,
sich im unüberschaubaren Angebot von Gesundheitsinformationen zu
orientieren, so waren es 2020 schon fast 60 Prozent. Für die Forschung
kooperieren die Universität Bielefeld und die Hertie School in Berlin.

„Der Grund für den Anstieg liegt nach den Angaben der Befragten in der
Menge, Vielfalt und auch Widersprüchlichkeit der Informationen“, sagt
Doris Schaeffer. „Hinzu kommt, dass auch Falsch- und Fehlinformationen zu
Gesundheitsthemen zugenommen haben, wie wir seit der Coronapandemie
besonders intensiv beobachten können“. Drei Viertel der Befragten finden
es schwierig, Gesundheitsinformationen richtig einzuschätzen. Dabei spielt
zunehmend die Frage eine Rolle, ob die Informationen durch kommerzielle
Interessen geprägt und zuverlässig sind. 76 Prozent halten es
beispielsweise für schwierig zu beurteilen, ob Informationen zu
Krankheiten in den Medien vertrauenswürdig sind. 61 Prozent der Befragten
fühlen sich überfordert, Informationen aus den Medien abzulesen, um sich
vor Krankheiten zu schützen. 56 Prozent tun sich damit schwer,
Informationen zu finden, wie man mit psychischen Problemen umgeht.

Die Schwierigkeiten spitzen sich zu, wenn Menschen nur über einen
niedrigen Bildungsgrad verfügen. „Gesundheitsinformationen sind inzwischen
offenbar so vielfältig und unübersichtlich geworden, dass da nur noch
Menschen mit einer guten Ausbildung durchblicken können. Hier baut sich
eine neue Form von gesundheitlicher Ungleichheit auf“, sagt Professor Dr.
Hurrelmann von der Hertie School. Diese Entwicklung sei auch deshalb ernst
zu nehmen, weil eine geringe Gesundheitskompetenz viele negative Folgen
habe. Sie sei mit ungesundem Verhalten wie geringer Bewegung, schlechter
Ernährung und häufigerem Übergewicht verbunden, ebenso mit mehr
Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten und intensiverer Nutzung von
Notfalldiensten.

Durchgeführt wurden die Untersuchungen unter der Leitung von Doris
Schaeffer vom Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung
(IZGK) der Universität Bielefeld in Kooperation mit dem Arbeitsbereich
Public Health der Hertie School in Berlin unter der Leitung von Klaus
Hurrelmann. Mit Hilfe eines ausführlichen Fragekataloges wurde die
Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland durch repräsentative
Erhebungen bei 2.151 über 18-jährigen Menschen eingeschätzt. Diese Daten
wurden mit der ersten Erhebung aus dem Jahr 2014 verglichen. Um die
Auswirkungen der Coronapandemie zu erfassen, folgte im Herbst 2020 eine
Zusatzerhebung mit 532 Personen. Die Erhebungen wurden von den
Forschungsinstituten Ipsos und Institut für Demoskopie Allensbach
durchgeführt und vom Ministerium für Justiz und für den Verbraucherschutz
und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.

Schub für Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationen infolge der
Pandemie

Erstmals wurde auch die digitale Gesundheitskompetenz der Bevölkerung
untersucht. „Die digitale Gesundheitskompetenz wird zunehmend wichtig –
auch angesichts der jetzt umzusetzenden Digitalisierungsgesetze“, so
Schaeffer und Hurrelmann. „Auffällig ist, dass die digitale
Gesundheitskompetenz sehr schwach ausgeprägt ist – das belegt unsere
Studie deutlich.“ Rund 75 Prozent der Befragten weisen hier eine geringe
Kompetenz auf und sehen sich vor enorme Schwierigkeiten im Umgang mit
digitaler Information gestellt. Das zeigt sich auch daran, dass digitale
Informationsmöglichkeiten nur sehr zurückhaltend genutzt werden. 36
Prozent der Befragten greifen nie auf sie zurück. Das gilt besonders für
Menschen über 65 Jahre. „Während der Coronapandemie hat die Bevölkerung
offenbar im Schnellverfahren gelernt, besser mit digitalen
Gesundheitsinformationen umzugehen“, so die Studienleiter.

Um sich um die eigene Gesundheit kümmern zu können, müssen sich Menschen
im Gesundheitssystem zurechtfinden. Das wird vom Forscherteam als
„navigationale Gesundheitskompetenz“ bezeichnet. Nahezu vier Fünftel der
Bevölkerung haben in diesem Bereich eine geringe Gesundheitskompetenz und
finden es schwierig, Informationen zum Gesundheitssystem zu verstehen.
Doris Schaeffer: „Eine solche Unübersichtlichkeit ist gerade in einer
Pandemie problematisch, wenn Menschen zum Beispiel klären wollen, wo sie
sich auf eine Infektion testen lassen können.“

Mit der Zusatzerhebung im Spätherbst 2020 erfasste das Forschungsteam
Veränderungen der Gesundheitskompetenz während der Pandemie. Die Befragung
zeigt, dass die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sich seither leicht
verbessert hat. „Am Beispiel der Coronapandemie wird sichtbar, dass
umfangreiche, verständliche und wiederholte Gesundheitsinformationen sich
rasch auf die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung auswirken“, so Doris
Schaeffer.

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Pflegedirektorin des Dresdner Uniklinikums als Pflegemanagerin des Jahres ausgezeichnet

Jana Luntz, Pflegedirektorin des Dresdner Uniklinikums wurde als
Jana Luntz, Pflegedirektorin des Dresdner Uniklinikums wurde als "Pflegemanagerin des Jahres" ausgezeichnet. Thomas Albrecht Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Der Bundesverband Pflegemanagement zeichnet Jana Luntz, Pflegedirektorin
am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, als Pflegemanagerin des
Jahres aus. Das gab der Verband im Rahmen des Kongresses Pflege am
Nachmittag des 28. Januars in Berlin bekannt. Mit dem Preis werden
Pflegemanager der Top-Ebene geehrt, die die pflegerische
Gesamtverantwortung für eine Einrichtung innehaben, durch nachhaltiges und
innovatives Handeln überzeugen, ganzheitlich und ergebnisorientiert denken
sowie Vorbildcharakter für andere Manager und Einrichtungen haben.

„Heute ist ein guter Tag für unser Universitätsklinikum sowie die
Hochschulmedizin und die Pflege in ganz Deutschland“, sagt Prof. Michael
Albrecht, medizinischer Vorstand des Uniklinikums. „Ich bin sehr stolz auf
diesen Preis, der zu allererst eine Auszeichnung an mein Team sowie die
Pflegenden am Uniklinikum ist“, sagt die Preisträgerin Jana Luntz. „Ohne
deren Engagement und die großartige Teamarbeit wäre ein erfolgreiches
Pflegemanagement nicht möglich.“

„Jana Luntz gilt als wahre Vorreiterin ihrer Profession. Neue Akzente und
Innovationen bringt sie mit dem erforderlichen Fingerspitzengefühl und
einer klaren Zielorientierung ein. Dabei behält sie stets den Blick für
das große Ganze. Jana Luntz gehört zu den Pflegemanagern, die den
Unterschied machen. Bei allen Projekten geht es ihr immer um die
Weiterentwicklung der Pflege als solches“, heißt es in der Begründung der
Jury. 2015 übernahm Jana Luntz die Position der Pflegedirektion am
Universitätsklinikum Dresden. Mit ihrer großen Expertise ist sie intern
und extern gefragte Gesprächspartnerin und Gestalterin einer modernen,
innovativen Pflege. Dabei ist ihr die interprofessionelle Zusammenarbeit
zwischen Medizin und Pflege, aber auch zwischen Theorie und Praxis sowie
Ausbildung und beruflichem Wirken wichtig. Dieser Anspruch lässt sich nur
im Rahmen neu geschaffener Strukturen realisieren. Jana Lutz hat dazu in
den vergangenen Jahren unter anderen Stabsstellen zu den Themenkomplexen
Innovationsmanagement, Pflegewissenschaft und sowie -forschung und
Pflegecontrolling geschaffen. „Nur gemeinsam können wir gute Ideen
entwickeln, umsetzen und so die Zukunft der Pflege aktiv gestalten“, sagt
sie. Dabei komme es mehr denn je darauf an, die Aufgaben und Verantwortung
klar zu benennen und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. „So können
wir den Nachwuchs für die Pflege begeistern.“ Die gelernte
Krankenschwester sowie studierte Pflegewissenschaftlerin und
Gesundheitsökonomin weiß, wovon sie spricht. Ihre berufliche Karriere hat
sie in Hoyerswerda begonnen. Danach arbeitete sie in Halle, wo sie am
dortigen Uniklinikum als stellvertretende Pflegedirektorin tätig war. 2008
kam sie in selber Funktion nach Tübingen und löste 2010 den dortigen
Pflegedirektor im Rahmen der Altersnachfolge ab. 2015 übernahm sie gleiche
Funktion am Uniklinikum Dresden. Die gebürtige Görlitzerin kehrte damit in
ihre sächsische Heimat zurück.

Der Geschäftsbereich Pflege, Service und Dokumentation hat seitdem eine
neue Struktur bekommen. Durch das Zusammenspiel der Experteninnen und
Experten kann die Pflege auf den Stationen optimal organisiert und immer
wieder neu erfunden werden. Das deutschlandweit einmalige
Innovationsmanagement prüft und etabliert beispielsweise immer wieder neue
Programme und Projekte, um die Arbeit der Pflegenden zu unterstützen und
aktiv die Qualität in der Krankenpflege zu sichern. Insbesondere auf dem
Gebiet technischer Innovationen ist die Zusammenarbeit mit regionalen
Unternehmen und StartUps wichtig. So werden derzeit textile Exoskelette in
der Praxis erprobt. Ein weiteres dieser innovativen Projekte soll Vorteile
des Einsatzes einer Dienstplanung gestützt auf Künstliche Intelligenz
zeigen. „Durch die Arbeit der Experten in den Stabstellen können wir die
Pflegedienstleistungen optimal unterstützen und innovative Impulse in der
täglichen Pflegearbeit setzen. Die Teamarbeit ist dabei besonders
wichtig“, sagt Jana Luntz.

Zudem kommt es natürlich auch darauf an, den Nachwuchs für die Pflege zu
begeistern. Wichtiger Partner dabei ist die klinikumseigene Carus
Akademie. Die Lernenden erfahren hier praxisnah neuestes Wissen zu ihren
Berufen oder erlernen diese in Theorie und Praxis von Grund auf. Schon vor
dem Start in eine Ausbildung bietet das Uniklinikum Schülern Praxistage
an, lädt Schulklassen ein und informiert in den Schulen über Berufswege in
der Pflege. Leitender Gedanke dabei: Unterschiedliche Professionen
zusammenbringen und voneinander lernen. „Mein Dank geht deshalb
zuallererst an alle Mitarbeitenden der Pflege, in der Apotheke, beim
Transport, dem Service, in der Reinigung und Logistik sowie den Ärztinnen
und Ärzten“, sagt sie. „Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie erfahren
wir jeden Tag, wie wichtig es ist, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Nur so gelingt es uns, die Herausforderungen zu meistern“, sagt Prof.
Michael Albrecht.

Dabei setzt Jana Luntz auf eine enge Verbindung von Pflege und Service.
Ihr Geschäftsbereich umfasst beide Bereiche – gleichberechtigt im
Dreiklang mit der Dokumentation. Dazu gehören zum Beispiel das Qualitäts-
und Risikomanagement ebenso wie die Verantwortung des Personalbudgets, die
berufsübergreifende Zusammenarbeit, Pflegestandards, neue Berufsbilder
sowie die Aus- und Weiterbildung in den Pflegeberufen. „Gute Pflege hat
immer auch etwas mit Service zu tun, Service an den und für die Patienten,
Service in der Aus- und Weiterbildung, Service bei der Betreuung der
Mitarbeitenden“, sagt sie. Ein Beispiel dafür ist das Sturzmanagement, in
dem Stürze von Patientinnen und Patienten auf Station dokumentiert und
ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage sind Handlungsempfehlungen
entstanden, wie Pflegende Stürze verhindern können.

Als Vorsitzende der Betriebsleitung ist Jana Luntz schließlich auch
verantwortlich für Organisation und Prozesse, die alle anderen Bereiche
des Klinikums einschließen. Auf diese Weise zeigt sie Verantwortung und
Mut für Innovationen auch in Bezug auf das gesamte Unternehmen. Dies gilt
ebenso für ihr Engagement als Aufsichtsratsvorsitzende der Uniklinikums-
Tochtergesellschaft UKD Service GmbH. Über ihr Wirken im Uniklinikum
Dresden hinaus engagiert sich Jana Luntz zudem im Vorstand der Dresdner
Kinderhilfe e.V., ist Mitglied in der Expertenkommission „Gesundheitsstadt
Berlin 2030“ und im Deutschen Pflegerat sowie Stellvertretende
Vorstandsvorsitzende im Verband der Pflegedirektorinnen und
Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen
Deutschlands e.V.

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Empfehlungen zur Covid-19-Schutzimpfung bei Krebspatient*innen

Expert*innen aus der Onkologie und Hämatoonkologie haben zur Unterstützung
von Behandler*innen Empfehlungen zur Covid-19-Schutzimpfung bei
Krebspatient*innen entwickelt und konsentiert. Die Empfehlungen entstanden
vor dem Hintergrund der Ergebnisse von bisherigen Untersuchungen zur SARS-
CoV-2-Impfung an der Allgemeinbevölkerung sowie den Erkenntnissen von
Impfungen gegen andere Viren und Bakterien, beispielsweise gegen das
Influenza-Virus oder gegen Pneumokokken.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass auch in der aktualisierten Impfverordnung
Betroffene mit einer behandlungsbedürftigen Krebserkrankung mit hoher
Priorität bei der COVID19-Schutzimpfung berücksichtigt werden. Die
vorliegenden Empfehlungen liefern Anhaltspunkte, um das ärztliche
Fachpersonal bei der Beratung der Betroffenen zu unterstützen“,
kommentiert Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen
Krebsgesellschaft, die Arbeit der Expertengruppe. „Krebsbehandlungen sind
sehr komplex und gehen häufig mit einer Suppression des Immunsystems
einher. Zwar liegt aktuell kein gesichertes Wissen für die Wirksamkeit
oder die Verträglichkeit einer COVID19-Schutzimpfung bei
Krebspatient*innen vor. Dennoch lassen sich aus Analogschlüssen zu anderen
Schutzimpfungen Empfehlungen auf die Anwendung einer COVID19-Schutzimpfung
bei Krebspatient*innen ableiten.“

Die Empfehlungen der Gruppe aus 20 Krebsexpert*innen und Infektiolog*innen
werden regelmäßig an den aktuellen Stand des Wissens angepasst und
aktualisiert. Sie sind unter folgendem Link abrufbar:
https://www.krebsgesellschaft.de/krebs-und-covid19.html

Die Deutsche Krebsgesellschaft
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation
des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte
wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum.
In der DKG vertreten sind rund 8.000 Einzelmitglieder in 25
Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von
Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und
35 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf
Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten
Qualitätsstandards, ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans und
Partnerin der „Nationalen Dekade gegen Krebs". Mehr:
https://www.krebsgesellschaft.de/

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DGP: Long-COVID: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie auf dem Weg

Laut RKI-Zahlen gelten 2.383.600 Menschen in Deutschland nach einer
COVID-19-Infektion als genesen. Doch viele von ihnen sind noch nicht
gesund: Schätzungen zufolge haben etwa zehn Prozent mit Langzeitfolgen zu
kämpfen, die unter den Bezeichnungen Post-COVID-Syndrom oder Long-COVID
bekannt sind. Die Betroffenen leiden vor allem an Lungen- und
Herzbeschwerden und fühlen sich häufig extrem erschöpft. Die Vielfalt an
dokumentierten Symptomen macht es behandelnden Ärztinnen und Ärzten
schwer, sie einem klar abgegrenzten Krankheitsbild zuzuordnen.

Eine S1-Leitlinie soll Behandelnden eine diagnostische und therapeutische
Anleitung an die Hand geben. Sie wurde unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) entwickelt
und soll voraussichtlich Ende April erscheinen.

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Immer mehr Menschen – unabhängig davon, ob sie einen milden oder schweren
Krankheitsverlauf hatten – leiden nach Abklingen der akuten
Krankheitsphase an Folgeerscheinungen beziehungsweise fortbestehenden
Symptomen einer Infektion mit SARS-CoV-2. „Studien aus China (1) aus der
ersten Welle zeigen, dass mehr als 75 Prozent von über 1700 Erkrankten
nach sechs Monaten noch mindestens ein Symptom haben“, sagt der Pneumologe
Professor Dr. med. Andreas Rembert Koczulla, federführender Koordinator
der Leitlinie. Vorherrschend seien mangelnde Belastbarkeit, Müdigkeit und
Luftnot. „Bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten treten
zudem häufig Veränderungen der Lunge auf. Das Lungengewebe ist dann so
verändert, dass der Gasaustausch zwischen Blut und Luft in der Lunge
erschwert ist“, so der DGP-Experte. „Daten aus Österreich machen jedoch
Hoffnung auf eine gute Rückbildungstendenz nach 60 beziehungsweise 100
Tagen.“ (2)

Patienten, die glauben, an einem Post-COVID-Syndrom zu leiden, sollten
ihre Symptome genau beobachten und ihren behandelnden Arzt informieren.
„Wenn nach sechs bis acht Wochen noch Atemnot vorherrscht, sollte das
unbedingt untersucht werden“, sagt Professor Dr. med. Claus Vogelmeier,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e. V. (DLS). Ärzte
stehen momentan vor der Herausforderung, die Symptome ihrer Patienten
richtig einzuordnen. „Das Post-COVID-Syndrom ist noch kein umschriebenes
Krankheitsbild. Bisher gibt es nur wenig belastbare Daten. Unseren
Kolleginnen und Kollegen empfehlen wir, vor allem Herz und Lunge in den
Blick zu nehmen“, so Professor Dr. med. Andreas M. Zeiher, Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.
V. (DGK).

Um Behandelnden konkrete Anhaltspunkte zur Diagnostik und Therapie an die
Hand zu geben, entwickelt die DGP gemeinsam mit Psychosomatikern,
Neurologen und Allgemeinmedizinern aktuell eine Leitlinie. Ziel ist es,
eine symptomorientierte Diagnostik und daran adaptierte Therapie zu
ermöglichen. Die bei der AWMF angemeldete S1-Leitlinie erscheint
voraussichtlich Ende April 2021.

Quellen:
(1) Huang C, et al.: 6-month consequences of COVID-19 in patients
discharged from hospital: a cohort study,
<https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32656-8>
(2) Sonnweber T, et al.: Development of Interstitial Lung Disease (ILD) in
Patients With Severe SARS CoV 2 Infection (COVID 19) (CovILD),
<https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04416100>

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