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Krebstherapien können Herz und Gefäße schädigen: Wie schützt man Patienten?

Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute widmet sich dem Schwerpunkt Onkologische Kardiologie.  Titelbild: Carsten Büll  Titelbild: Carsten Büll/; Illustration: Carolin Eitel; Covergesatltung: R. Unguranowitsch
Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute widmet sich dem Schwerpunkt Onkologische Kardiologie. Titelbild: Carsten Büll Titelbild: Carsten Büll/; Illustration: Carolin Eitel; Covergesatltung: R. Unguranowitsch

Zum Weltkrebstag: Herzstiftung informiert über Auswirkungen von
Krebstherapien auf das Herz-Kreislauf-System/ Neue „HERZ heute“ mit
Schwerpunkt Onkologische Kardiologie

Die Therapie von Krebserkrankungen hat in den letzten Jahren große
Fortschritte gemacht. Verbesserte Operationsmethoden, eine präzisere
Strahlenbehandlung und neue Medikamente konnten die Überlebenschancen der
Patienten deutlich verbessern. Doch der Fortschritt hat seinen Preis:
„Viele Krebstherapien können Herz und Kreislauf schädigen – auch die
modernen, zielsicherer an Krebszellen ansetzenden Wirkstoffe können das
Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft ziehen“, warnt der Herzspezialist
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung und Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute in
der aktuellen Ausgabe und betont: „Unter diesen Bedingungen gilt es
sicherzustellen, dass das Langzeitüberleben und die Lebensqualität von
Menschen, die ein Krebsleiden überstanden oder unter Kontrolle gebracht
haben, nicht von einer neu auftretenden oder sich verschlimmernden Herz-
Kreislauf-Erkrankung beeinträchtigt werden.“ Dieser künftig weiter
wachsenden Patientengruppe gilt der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von
HERZ heute 1/2021 „Die Balance halten – Krebspatienten vor Herzschäden
schützen“. Renommierte Kardiologen und Onkologen zeigen die Risiken auf
und erläutern, wie negative Einflüsse der Krebsbehandlung auf Herz und
Kreislauf frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Eine
Herzpatientin, selbst als Kind früh an Krebs erkrankt, berichtet von ihrem
Umgang mit den Folgen der Krebstherapie und ihrem Lebensmut trotz
Krankheit. Ein Probeexemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei bei der
Herzstiftung angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder per Mail
unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Keine Doppelbelastung aus Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankung!
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebsleiden sind nicht nur in ihrer
Häufigkeit als Volksleiden und aufgrund der höchsten Todesrate eng
miteinander verknüpft. Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährung und erhöhte Blutfettwerte
(Cholesterin) sind einerseits Risikofaktoren, die Herz-Kreislauf-
Erkrankungen begünstigen. Andererseits spielen diese Risikokrankheiten
auch beim Entstehen und Fortschreiten von Krebsleiden eine bedeutende
Rolle und sind mitverantwortlich dafür, wenn es unter der Therapie einer
Krebserkrankung vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt. „Heute
sterben mehr Tumorpatienten an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als jemals
zuvor“, berichtet Prof. Dr. med. Stephan Baldus, Direktor des Herzzentrums
der Uniklinik Köln, und einer der Autoren des HERZ heute-Schwerpunkts
Onkologische Kardiologie. Nicht nur das Rauchen ist ein Risikofaktor
sowohl für Krebserkrankungen als auch für die koronare Herzkrankheit
(Arteriosklerose) in den Blutgefäßen, die das Herz versorgen. „Viele
wissen nicht, dass ebenso Bluthochdruck neben seiner Gefahr für Herz und
Gefäße bis hin zu Herzinfarkt und Herzschwäche auch mit einer erhöhten
Krebssterblichkeit in Verbindung gebracht wird“, so Baldus, der auch
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung ist.
Die Einstellung des Blutdrucks und der Blutfettwerte (Cholesterin) nimmt
folglich in der Krebsbehandlung eine wichtige Rolle ein. Studien bei
Brustkrebspatientinnen mit erhöhten Blutfettwerten konnten zeigen, dass
sich die Pumpkraft des Herzens unter der Krebstherapie weniger häufig
verschlechtert, wenn die Patientinnen vor und während der Krebstherapie
ein Statin erhalten. Analog sollte ein zu hoher Blutzuckerspiegel den
Leitlinien gerecht mit blutzuckersenkenden Medikamenten behandelt werden,
weil zu viel Zucker im Blut dem Herzen schadet.

Schädigende Nebeneffekte der Krebstherapie für Herz und Gefäße minimieren
Sowohl die radioaktive Bestrahlung als auch die gegen Krebs gerichteten
Medikamente können das Herz schädigen, Mediziner sprechen von der
Kardiotoxizität. Während der Therapie können dann z. B. akut
Herzrhythmusstörungen oder erhöhte Blutdruckwerte auftreten; nach einer
Strahlenbehandlung kann es zur Verengung von Herzkranzgefäßen (KHK)
kommen. „Die häufigste und schwerwiegendste Folge der medikamentösen
Tumortherapie auf das Herz aber ist eine Herzschwäche, die vorübergehen,
aber auch dauerhaft bestehen bleiben kann. Eine sich im Verlauf oder nach
einer Krebstherapie entwickelnde Herzschwäche gilt es deshalb frühzeitig
zu erkennen und zu behandeln“, unterstreicht Baldus, der auch Sprecher des
Arbeitskreises „Onkologische Kardiologie“ der Deutschen Gesellschaft für
Hämatologie und Medizinische Onkologie ist. Der neue interdisziplinärer
Fachbereich „Onkologische Kardiologie“ will deshalb an der Schnittstelle
von Krebs- und Herz-Kreislauf-Medizin sicherstellen, dass das
Langzeitüberleben und die Lebensqualität von Menschen, die ein Tumorleiden
überstanden bzw. unter Kontrolle gebracht haben, nicht von einer neu
auftretenden oder sich verschlimmernden Herzerkrankung beeinträchtigt
wird. Ziel der Ärzte ist es, möglichst Herzschädigungen zu vermeiden,
aufgetretene frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. „Wir
Kardiologen müssen im engen Austausch mit den Krebsspezialisten sein. Nur
so können wir gemeinsam Risiken minimieren sowie schädliche Einflüsse der
Tumortherapie auf Herz und Kreislauf frühzeitig erkennen und konsequent
behandeln. Damit es eben nicht zur Herzschwäche oder anderen akuten
Ereignissen wie Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen kommt.“

Für Interessierte und Betroffene

Aktuelle HERZ heute: Jetzt Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Weitere Infos zur
Herzgesundheit im Zusammenhang mit Krebstherapien bietet die aktuelle
Zeitschrift HERZ heute 1/2021 mit dem Titel „Die Balance halten:
Krebspatienten vor Herzschäden schützen“. Ein kostenfreies Probeexemplar
ist unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

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Tag der gesunden Ernährung am 7. März: Was und wieviel sollte auf dem Speiseplan stehen?

Wieviel Obst und Gemüse, wieviel Fleisch, Fisch und Milchprodukte sollten wir zu uns nehmen, damit wir uns gesund ernähren? Anlässlich des Tags der gesunden Ernährung am 7. März 2021 gibt die KNAPPSCHAFT einen Überblick, was unbedingt auf dem wöchentlichen Speiseplan stehen sollte und in welcher Menge. Sarah Schwietering, Ernährungsexpertin der KNAPPSCHAFT, sagt dazu: „Die Mischung macht‘s! Das Wichtigste ist ein abwechslungsreicher Speiseplan, der sich aus möglichst naturbelassenen und unverarbeiteten Grundprodukten zusammensetzt.“ Eine ausgewogene Ernährung sieht folgende Lebensmittel und Mengen vor:

Molkereiprodukte: Naturjoghurt, Buttermilch, Quark, Käse und Milch sollten in Summe etwa 250 Gramm pro Tag ausmachen.

Fleisch: Frisch und unverarbeitet darf es sein, mit möglichst niedrigem Fettanteil von Schwein, Geflügel, Rind oder Wild. Eine Portion liegt dabei etwa bei 120 Gramm und ist dreimal pro Woche erlaubt. Wichtig: Auch Aufschnitt und Wurst gehören dazu.

Fisch: Fetten Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele als naturbelassene Ware sollte mindestens einmal pro Woche auf den Tisch kommen. Zusätzlich darf fettarmer Fisch wie Kabeljau, Seelachs oder Rotbarsch – ebenfalls unverarbeitet – den wöchentlichen Speiseplan ergänzen.

Obst und Gemüse: „Nimm fünf am Tag“ – so lautet die Devise. Idealerweise sollten es zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse sein. Eine Portion entspricht dabei einer großen Hand voll. Die Auswahl sollte möglichst bunt und abwechslungsreich sein. Außerdem lohnen sich saisonale und regionale Produkte, da der Nährstoffverlust durch kurze Lager- und Transportzeiten gering ist.

Eier: Mit bis zu drei Eiern pro Woche liegt man prima im Soll.

Getreideprodukte und Kartoffeln: Klasse statt Masse lautet hier das Motto, denn hochwertige – und leider auch manchmal etwas teurere – Produkte lohnen sich. Vollkornnudeln und Vollkornbrot sind gesunde Alternativen zu Weißbrot und Eiernudeln. Und es gibt ein Trostpflaster: Da Vollkornprodukte durch ihren hohen Ballaststoffanteil schnell sättigen, benötigt man pro Portion weniger. So fällt der Preisunterschied nicht so sehr ins Gewicht. Mehr als vier Portionen sollen es am Tag ohnehin nicht sein.

Fette: Fett ist bedeutend gesünder als sein Ruf – wenn es das richtige ist und die Menge stimmt. Gesunde ungesättigte Fettsäuren stecken in Raps- oder Distelöl. Auch Olivenöl sollte immer im Haus sein. Als Streichfett eignet sich Butter oder Margarine. Die Gesamtfettmenge sollte dabei zwei Teelöffel pro Tag nicht überschreiten.

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DGVS: Vorsorgekoloskopie wahrnehmen - Darmkrebs macht keine Pandemie-Pause

Darmkrebs wird häufig erst spät bemerkt, mit oft gravierenden Folgen: Fünf
Jahre nach der Diagnose Darmkrebs lebt, nach Zahlen des Krebsregisters,
nur noch die Hälfte der Erkrankten. Bei einer Darmspiegelung, einer
sogenannten Koloskopie, können bereits harmlose Frühstadien der Erkrankung
erkannt und schonend entfernt werden. Ab dem 50. Lebensjahr haben
gesetzlich Versicherte Anspruch auf diese Vorsorgeuntersuchung. Zum
Darmkrebsmonat März appelliert die Deutsche Gesellschaft für
Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS),
den nachweislich lebensrettenden Termin wahrzunehmen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Zahl der Vorsorgekoloskopien aus
Angst vor einer Infektion mit dem Virus rückläufig. Die Sorge vor einer
Ansteckung sei jedoch unbegründet.

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Laut Zahlen des Krebsregisters erkrankt jede Zwanzigste und jeder
Siebzehnte im Laufe seines Lebens an Darmkrebs. Er entwickelt sich in
ungefähr 90 Prozent der Fälle aus zunächst gutartigen Polypen der
Darmschleimhaut. Im Regelfall wachsen diese langsam über einen Zeitraum
von 10 bis 15 Jahren und verursachen keinerlei Symptome. Deswegen ist die
Koloskopie und das damit verbundene Abtragen von Darmpolypen eine der
wenigen Vorsorgeuntersuchungen, die Krebs verhindern können.

Seit dem 1. Juli 2019 hat sich das Verfahren zur Darmkrebsvorsorge
verändert. Gesetzlich Krankenversicherte werden ab dem 50. Lebensjahr nun
aktiv zur Koloskopie eingeladen. „Wir freuen uns, dass seither die Zahl
der Koloskopien 2019 im Vergleich zu 2018 um 25 Prozent gestiegen ist.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen. Das zeigt, dass
wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Dr. med. Ullrich Tappe,
Niedergelassener Gastroenterologe und DGVS-Experte. „Gleichzeitig gibt es
immer noch Raum für Verbesserungen: Die Zahl derjenigen, die an Darmkrebs
sterben, könnte deutlich niedriger sein, würden die Vorstufen und frühe
Erkrankungs-Stadien rechtzeitig erkannt“, so Tappe weiter.

Doch warum wird die Vorsorge-Koloskopie nicht von mehr Menschen in
Anspruch genommen? Dr. med. Dietrich Hüppe, Niedergelassener
Gastroenterologe und DGVS-Experte, sieht hier noch Verbesserungspotenzial
auf mehreren Ebenen. So sollte das Einladungsverfahren der gesetzlichen
Krankenkassen durch ein Erinnerungsschreiben ergänzt werden. „Wurde die
Untersuchung nicht wahrgenommen, vergehen sonst fünf weitere Jahre bis zur
nächsten Einladung.“ Weiteres Verbesserungspotenzial sieht Hüppe bei der
Aufklärung selbst. Diese sollte alle Zielgruppen adressieren. Das ist
seiner Meinung nach mit der bislang verfügbaren 18-seitigen und sehr
textlastigen Broschüre nicht gegeben. „Diese könnte auf viele abschreckend
wirken.“

Sorge bereitet Hüppe auch die in der ersten Welle der Pandemie im Jahr
2020 zurückgegangene Nachfrage nach Koloskopien. „Viele Patienten haben
uns erklärt, dass Sie Angst vor einer Ansteckung in der Praxis hätten.“ Er
beruhigt: „In den Kliniken und Praxen greifen strenge Hygienekonzepte, wie
Corona-Testungen bei der Aufnahme, Isolierung von Risikopatienten und
umfassende Quarantäneregeln. Dazu kommen regelmäßige Testungen von
Personal und Patienten. Für Patienten besteht bei einer Koloskopie kein
erhöhtes Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Das Risiko, dass
ein Tumor im Frühstadium wegen einer unterlassenen Vorsorge übersehen
wird, ist viel größer.“

Quellen:
<https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html>
<https://www.darmkrebs.de/ueberblick/was-ist-darmkrebs/wie-entsteht-
darmkrebs>
<https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Publikationen/Trendreport_3_Leistungsinanspruchnahme_COVID_final.pdf>
<https://www.zi.de/presse/presseinformationen/10-juli-2020>

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Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche
Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute
vereint sie mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler aus der
Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich
wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und
Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein
besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und
Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der
Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

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DDG informiert über Risiken, Prävention und Auswirkungen der Coronapandemie für Menschen mit Diabetes

Menschen mit einem Diabetes mellitus wurden bereits früh im Verlauf der
Coronapandemie als Risikopatienten erkannt, die bei einer
COVID-19-Erkrankung besonders schwer betroffen sein können. In zahlreichen
Studien hat sich dies zwar im Wesentlichen bestätigt – gleichwohl zeigt
sich aber auch, dass das Vorliegen eines Diabetes nicht allein über den
Verlauf einer COVID-19-Erkrankung entscheidet.

Welche Faktoren für die komplexe Interaktion zwischen Diabetes und einer
SARS-CoV-2-Infektion entscheidend sind, was das für die Prävention
bedeutet und welche Auswirkungen die Pandemie für Menschen mit Diabetes
hat, darüber diskutieren Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG) auf der virtuellen Jahrespressekonferenz am Dienstag, den 2. März
2021 (zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.com/register/3782309417170438416>).
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und starkes Übergewicht
treten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes deutlich häufiger als in der
stoffwechselgesunden Bevölkerung auf. „Vor allem durch diese weiteren
Krankheitsbilder sind Menschen mit einem Typ-2-Diabetes besonders
gefährdet, im Fall einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus einen
ungünstigen Krankheitsverlauf zu erleiden“, sagt Professor Dr. med.
Wolfgang Rathmann, MSPH (USA), stellvertretender Direktor des Instituts
für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ),
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf. Hinzu komme, dass Diabetes-Patienten häufig älter sind, was
ebenfalls ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist. Wenn der
Glukosestoffwechsel ungenügend eingestellt ist, verschlechtert dies weiter
die Prognose.

Studien haben gezeigt, dass Diabetes-Patienten mit einem konstant normalen
oder lediglich leicht erhöhten Blutglukosewert während eines COVID-
bedingten Klinikaufenthalts ein sehr viel geringeres Sterberisiko hatten
als Patienten mit schlechter Blutzuckerkontrolle und in der Folge
schlechten Werten. „Weiterhin waren überhöhte Blutglukosewerte auch bei
Menschen ohne zuvor bekannten Diabetes ein Risikofaktor für schwere oder
sogar tödliche COVID-Verläufe“, so Rathmann. Eine Messung des Nüchtern-
Blutzuckers und Kontrolle des Blutzuckerverlaufs sei daher bei allen
stationären COVID-19-Patienten zu empfehlen – auch dann, wenn kein
Diabetes bekannt sei.

„Der Zusammenhang zwischen der Blutglukoseeinstellung und dem Verlauf
einer COVID-19-Erkrankung macht deutlich, wie wichtig die Prävention und
Früherkennung eines Diabetes-Typ-2 gerade während der Pandemie sind“,
betont Professor Dr. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes
Gesellschaft (DDG) und Ärztliche Direktorin der Klinik für Innere Medizin
I am Marienhospital Stuttgart. Gerade die Früherkennung des Diabetes habe
in der ersten Phase der Pandemie jedoch gelitten – eine der indirekten
Folgen des Lockdowns im vergangenen Frühjahr, auf die die Präsidentin der
DDG aufmerksam macht. Das gilt nicht nur für Menschen mit Diabetes Typ-2,
sondern auch mit Diabetes Typ-1. „In dieser Zeit hat sich offenbar die
Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen verzögert,
so dass ein wesentlich größerer Anteil der Betroffenen bereits bei der
Diagnose schwere Blutzuckerentgleisungen aufwies“, bestätigt auch
Rathmann. „Eltern und Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten,
sind aufgefordert, Warnsignale einer Diabetesmanifestation wie
gesteigerten Durst, Harndrang und Müdigkeit ernst zu nehmen“, fügt der
Diabetesforscher hinzu. Bei Auftreten dieser Symptome muss umgehend eine
ärztliche Untersuchung erfolgen.

In vielen medizinischen Bereichen sei eine starke Zurückhaltung der
Patienten zu beobachten gewesen, Arztpraxen oder Kliniken aufzusuchen.
Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wurden abgesagt oder verschoben,
aber auch Herz-Kreislauf-Notfälle wurden zum Teil erst verzögert einem
Arzt vorgestellt. „Praxen und Kliniken haben jedoch effektive
Hygienekonzepte, und auch die Angebote im telemedizinischen Bereich wurden
ausgebaut“, so der Düsseldorfer Diabetes-Epidemiologe. Gerade angesichts
der Bedeutung, die die Blutzuckereinstellung für die COVID-19-Prognose
habe, sollten Behandlungs- und Vorsorgetermine daher unbedingt
wahrgenommen werden.

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