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Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren

Deutsche Herzstiftung, die Europäische und Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie starten Aufklärungskampagne für schnelles Handeln bei
Herzinfarkt und anderen Herzbeschwerden in Corona-Zeiten

Mit der dritten Corona-Welle und steigenden Covid-19-Infektionen
befürchten Herzspezialisten, dass in den kommenden Wochen der Pandemie
Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden erneut Kliniken und Praxen meiden
könnten. Besonders fatal zeigte sich das bereits im ersten Lockdown:
Menschen scheuten bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen notfallartigen
Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die
Notfallambulanz – aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen
befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe in den Kliniken im Zuge
von Verschiebungen vieler elektiver Eingriffe am Herzen.

„Mit jeder Minute, die man mit Symptomen eines Herzinfarkts abwartet ohne
den Notarzt unter der 112 zu alarmieren und den Herzinfarkt sofort
medizinisch versorgen zu lassen, verlässt man das optimale Zeitfenster für
eine Behandlung des Herzinfarkts in der Klinik“, warnt Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung und Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien
(CCB) Frankfurt am Main. „Dadurch steigt das Risiko eines plötzlichen
Herztodes und irreparable Schäden am Herzen bei dauerhaften
Leistungseinbußen werden wahrscheinlicher.“

Kampagne informiert über Herzerkrankungen und ihre häufigsten Warnzeichen
Umso wichtiger ist es, die Menschen über die wichtigsten Symptome von
Herzinfarkt und anderen Herzkrankheiten zu informieren, die sich zum Teil
mit Symptomen von Covid-19 (Luftnot, Brustschmerzen) überschneiden können
(s. Fact Sheet). Ziel ist es auch, dafür zu sensibilisieren, trotz Corona-
Lockdown bei Herzinfarkt-Verdacht wie auch bei Herzbeschwerden generell
medizinische Versorgung in den Kliniken und Praxen in Anspruch zu nehmen.
Aus diesem Grund haben die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche
Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK)
gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European
Society of Cardiology, ESC) und dem Bündnis der Europäischen
Herzstiftungen (European Heart Network, EHN) die Aufklärungskampagne „Ein
krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens
nicht ignorieren“ gestartet. Auf der Kampagnenseite
www.herzstiftung.de/krankesherzwartetnie bieten die Initiatoren
Informationsangebote in Form von Ratgebern, Experten-Beiträgen, Video-Clip
und Illustrationen rund um das Thema Herzinfarkt (Ursachen, Symptome,
Therapie) und richtiges Verhalten im Herznotfall sowie zu Herzerkrankungen
allgemein.

„Nicht nur der akute Herzinfarkt, auch andere lebensbedrohliche
Komplikationen wie bösartige Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall sind
keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern erfordern eine
notfallmedizinische Versorgung durch den Notarzt und die Klinik“, wie
Prof. Dr. med. Andreas Zeiher, Präsident der DGK und Kardiologe am
Universitätsklinikum Frankfurt am Main betont. Ebenso zählen dazu
Durchblutungsstörungen des Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie
Hauptstammstenosen und die instabile Angina pectoris als Vorstufen des
Herzinfarkts sowie die entgleiste (dekompensierte) Herzschwäche, die
hochgradige Aortenklappenstenose und der Bluthochdrucknotfall. „Sie
unterliegen auch in der Pandemie weiterhin selbstverständlich der
Notfallversorgung“, so Zeiher.

Unser Herz sollte aber immer höchste Priorität genießen – auch in diesen
schwierigen Zeiten. „Deshalb unser Appell an chronisch Herzkranke und
Personen mit erstmaligen Herzbeschwerden: Hören Sie auf Ihr Herz, nehmen
Sie medizinische Hilfe in der Klinik oder Praxis in Anspruch. Nehmen Sie
weiterhin Ihre Medikamente und halten Sie Ihre Kontrolltermine ein“, so
der Appell von ESC-Präsident Prof. Dr. med. Stephan Achenbach, Kardiologe
am Universitätsklinikum Erlangen.

Über 40 Prozent weniger Herzinfarkte und andere Herzgefäßkomplikationen in
Kliniken
Während des ersten Lockdowns sank allein die Zahl der stationär versorgten
akuten Herzinfarkte um 31 %, das Spektrum auf Durchblutungsstörungen des
Herzens (Ischämien) höherer Dringlichkeit wie Hauptstammstenosen,
instabile Angina pectoris, dekompensierte Herzschwäche, kardiogener Schock
und Herzinfarkt erweitert, kam man sogar auf 42 % weniger stationäre
Behandlungen (1). Eine ESC-Umfrage unter mehr als 3.100 Klinikärzten und
Pflegekräften in 141 Ländern weltweit ergab, dass während der ersten
Corona-Welle im Frühjahr 2020 die Zahl der Herzinfarktpatienten, die
notfallmedizinische Versorgung in den Kliniken in Anspruch nahmen, sogar
um über 50 % sank (2). „Anstatt den Notarzt zu rufen, dürften diese
Menschen einen Herzinfarkt zu Hause erlitten haben mit fatalen Folgen für
ihre Überlebenschancen“, berichtet ESC-Präsident Achenbach. „Trotz der
Corona-Pandemie muss aber unser Herz seine volle Aufmerksamkeit erhalten
wie zu Zeiten vor Corona. Wir Ärzte erleben leider allzu häufig Notfälle,
die durch einen vorzeitigen Arzt- oder Klinikbesuch vermeidbar gewesen
wären.“

Covid-19 war im Jahr 2020 zwar für den Tod von mehr als 1,6 Millionen
Menschen weltweit verantwortlich, über 7 Millionen erliegen einem
Herzinfarkt. Allein in Deutschland starben daran rund 46.200 Menschen im
Jahr 2018 (bei ca. 75.000 Covid-19-Sterbefällen 2020/2021 seit
Pandemiebeginn) (3).

Links zur Kampagne

Website: https://www.herzstiftung.de/ein-krankes-herz-kann-niemals-warten
Shortlink: https://www.herzstiftung.de/krankesherzwartetnie
YouTube-Video
: https://www.youtube.com/watch?v=nedtmtXOYQQ&t=21s
FAQs: https://www.herzstiftung.de/ein-krankes-herz-kann-niemals-warten/faq

Literatur:
(1) Der Untersuchungszeitraum reichte vom 16. März bis 5. April 2020,
siehe WidO-Report: Günster, C, Drogan D, Hentschker C, Klauber J, Malzahn
J, Schillinger G, Mostert C.  WidO-Report: Entwicklung der
Krankenhausfallzahlen während des Coronavirus-Lockdowns. Nach
ICD-10-Diagnosekapiteln und ausgewählten Behandlungsanlässen, Berlin 2020

(2) Pessoa-Amorim G, Camm CF, Gajendragadkar P, et al. Admission of
patients with STEMI since the outbreak of the COVID-19 pandemic. A survey
by the European Society of Cardiology. Eur Heart J Qual Care Clin
Outcomes. 2020;6:210–216. doi: 10.1093/ehjqcco/qcaa046

(3) Deutsche Herzstiftung (Hg.), Deutscher Herzbericht 2019, Frankfurt am
Main 2020; Robert Koch-Institut (RKI)

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Bei diesen Anzeichen eines Herzinfarkts rufen Sie sofort den
Rettungsdienst (112)

Starke Schmerzen und Druckgefühl im Brustkorb: Anzeichen für einen
Herzinfarkt können Schmerzen sein, die überwiegend im Brustkorb oder
häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten. Sie können in
andere Körperteile wie Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder
Schulterblätter ausstrahlen. Brustschmerzen oder Atemnot bei kleinsten
Belastungen oder in Ruhe sind besonders alarmierend. Dahinter könnte die
sogenannte instabile Angina pectoris (Brustenge) stecken, aus der sich
jederzeit ein Herzinfarkt entwickeln kann. Generell gilt: Halten die
Schmerzen länger als fünf Minuten an, sollten Sie sofort handeln.

- Massives Engegefühl: Viele Menschen spüren als Anzeichen für einen
Herzinfarkt einen heftigen Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl
im Brustkorb – so, als würde ihnen „ein Elefant auf der Brust stehen“.

- Heftiges Brennen: Im Brustkorb kann ein starkes Brennen auftreten.
- Angstschweiß mit kalter, fahler Haut: Menschen, die einen Herzinfarkt
erleiden, spüren häufig starke Angst, die durch blasse Gesichtshaut und
kalten Schweiß auch sichtbar wird.

- Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch: Die Anzeichen für
einen Herzinfarkt können zudem recht unspezifisch sein – vor allem bei
Frauen. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch diese Symptome nicht zu
übersehen, gilt die Empfehlung, immer dann einen Rettungswagen mit Notarzt
(112) zu rufen, wenn die Beschwerden in einem noch nie zuvor erlebten
Ausmaß auftreten.

Achtung: Auch wenn bei vielen Patienten der Herzinfarkt plötzlich und ohne
Vorboten kommt, so treten nach neueren Daten bei ca. 50 % der
Herzinfarktpatienten Symptome auch 24-48 Std. vor dem eigentlichen
Herzinfarkt auf. Die Betroffenen berichten über kurze Phasen von
Brustkorbenge oder Brennen hinter dem Brustbein. Dies kann in Ruhe oder
bei leichter Belastung auftreten, gelegentlich tritt auch nächtliches
Erwachen mit diesen Beschwerden auf.

Bei diesen Warnzeichen für Herzerkrankungen sofort zum Arzt!
Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum
Internisten oder Kardiologen. Sie können untersuchen, ob z. B. eine
Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit
(Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder anderer Herzerkrankungen wie
Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt
können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen,
Komplikationen führen:

- Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina
pectoris) und/oder Luftnot
- Nächtliches Erwachen mit Druck im Brustkorb
- Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
- Hartnäckiges Herzstolpern
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
- Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Diese Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen
zugleich sein. Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine
fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein,
aber auch Anzeichen eines operationsbedürftigen Herzklappenfehlers.
Atemnot und Leistungsschwäche sind typische Symptome für eine Herzschwäche
oder eine Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder Vorhofflimmern.
Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch
Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein.

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Neuer Ansatzpunkt für die Entwicklung einer medikamentösen Behandlung von Adipositas und Folgeerkrankungen

Das Protein Asc-1 steuert, ob sich fettverbrennende beige oder
fettspeichernde weiße Fettzellen bilden, welche die Entstehung von
Stoffwechselerkrankungen begünstigen können. Das zeigt eine aktuelle
Studie des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Zentrums für
Diabetesforschung (DZD). Die Ergebnisse eröffnen neue Ansatzpunkte, um die
Entwicklung von Folgeerkrankungen der Adipositas zu verhindern. Die Studie
ist jetzt in ‚Nature Communications‘ erschienen.

Fett ist nicht gleich Fett: Es gibt weißes, braunes und beiges
Fettgewebe*. Während weiße Fettzellen als Energiespeicher dienen, wird in
braunem und beigem Fettgewebe überschüssige Energie verbrannt. Zu viel
weißes Fett gilt als ungesund. Nimmt das weiße Fettgewebe bei Erwachsenen
mit Adipositas deutlich zu, können auch Stoffwechselerkrankungen wie
Diabetes oder das metabolische Syndrom entstehen. Anders sieht es bei
Kindern aus: Dort ist die Entwicklung des weißen Fettgewebes Voraussetzung
für einen gesunden Stoffwechsel. Doch wie unterscheidet sich jugendliches
Fettgewebe vom erwachsenen weißen Fettgewebe? Um diese Frage zu
beantworten, haben Forschende im Tiermodel die Zusammensetzung des weißen
Fettgewebes von jungen und erwachsenen Mäusen mithilfe der Einzelzell-RNA-
Sequenzierung** (single cell RNA sequencing) untersucht.

Asc-1 begünstigt Bildung weißer Fettzellen
Dabei stellten die Forschenden fest, dass sich jugendliches Fettgewebe vor
allem in den Eigenschaften und der Zusammensetzung der Fettvorläuferzellen
stark vom erwachsenen weißen Fett unterscheidet. Die Forschenden
entdeckten im jugendlichen Fettgewebe eine spezielle Untergruppe von
Fettvorläuferzellen, die das Protein Asc-1 enthalten, welches ansonsten in
reifen Fettzellen vorhanden ist. Diese Vorläuferzellen differenzieren sich
vorwiegend in weiße Fettzellen, die Bildung von "gesunden" beigen
Fettzellen ist aktiv unterdrückt. In weiteren zellbiologischen
Untersuchungen konnte das Team um Erstautorin Lisa Suwandhi zeigen, dass
der Verlust der Asc-1-Funktion die Bildung von beigen Fettzellen fördert.

„Diese Einblicke in die physiologischen Prozesse des Fettgewebswachstums
ermöglichen es uns, neue Strategien zu entwickeln, um die schädlichen
metabolischen Folgen der Adipositas zu vermeiden“, sagt Letztautor Dr.
Siegfried Ussar. Daran arbeiten die Forschenden bereits. Derzeit
etablieren sie Strategien zur Modulation der Asc-1-Funktion im Fettgewebe
im lebenden Organismus und erforschen Wege, die eine gesunde Expansion des
Fettgewebes fördern. Ziel ist es, künftig Adipositas-Patienten zu helfen,
einen gesunden Stoffwechsel aufrechtzuerhalten und somit Zeit zu gewinnen,
um das Übergewicht mit einem ganzheitlichen Ansatz zu behandeln.

* Fettgewebe
Es gibt unterschiedliche Arten von Fettgewebe: weißes, braunes und beiges.
Jedes dieser Gewebe hat spezifische Funktionen und spielt eine jeweils
eigene Rolle im Stoffwechsel. Im menschlichen Körper stellt das weiße
Fettgewebe den größten Anteil dar. Es dient in erster Linie als
Energiespeicher. Zellen des braunen Fettgewebes sind reich an
Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle). Sie verbrennen freie Fettsäuren und
erzeugen so Wärme. Vor allem Säuglinge haben braunes Fettgewebe. Im
erwachsenen menschlichen Körper ist es jedoch nur an wenigen Stellen zu
finden. Beige Fettzellen entstehen innerhalb des weißen Fettgewebes. Die
Zellen enthalten jedoch mehr Mitochondrien als weißes Fett. Da beige
Fettzellen ähnlich wie braune Fettzellen überschüssige Energie verbrennen,
sind sie ein interessanter Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer
medikamentöser Therapien zur Behandlung von Adipositas und der daraus
resultierenden Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes.

** Einzelzell-RNA-Sequenzierung
Mit der Einzelzell-RNA-Sequenzierung lässt sich vereinfacht gesagt,
nachvollziehen, welche Gene in einer einzelnen Zelle gerade an- oder
ausgeschaltet sind.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs
Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem
Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung,
Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen
neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur
erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des
Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz
Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt,
das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für
Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für
Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum
München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-
Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner
an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München
sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: <www.dzd-ev.de>

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose,
Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes
mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das
Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz
des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum
München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-
Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-
biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.
<www.helmholtz-muenchen.de>

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Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt: Faktoren erfolgreicher Rückkehr aus Sicht der Betroffenen

Die Rückkehr in den Betrieb oder Return to Work (RTW) nach einer
psychischen Krise ist ein komplexer, jedoch nicht hinlänglich erforschter
Prozess. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) analysierte das Erleben, Verhalten und Handeln der
zurückkehrenden Beschäftigten im RTW-Prozess. Die qualitative Teilstudie
betrachtet den Prozess von der Behandlung nach einer psychischen Krise bis
zur Rückkehr in den Betrieb aus Sicht der Rückkehrenden. Die BAuA hat
jetzt den Bericht „Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt:
Betriebliche Wiedereingliederung aus der Perspektive der Zurückkehrenden“
veröffentlicht.

Der Bericht benennt zentrale Faktoren, die das Handeln der zurückkehrenden
Beschäftigten bei der Wiedereingliederung positiv beeinflussen. Zudem
zeigt er Indikatoren für einen nachhaltigen RTW-Prozess auf.

Der BAuA-Bericht präsentiert ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen
Teilstudie, die in eine Mixed-Methods Längsschnittstudie eingebettet ist.
Dabei wurden mit 32 zurückkehrenden Beschäftigten narrativ fundierte
Interviews zu drei Erhebungszeitpunkten geführt und wissenschaftlich
ausgewertet. Ziel war es, psychische Krisen besser zu verstehen und die
Wiedereingliederung sowie Nachhaltigkeit der Rückkehr zu verbessern – von
der Behandlung in der Klinik bis zur Rückkehr in den Betrieb.

Aus Sicht der Zurückkehrenden lässt sich ihre Krise auf die Arbeit und die
Einstellung zur Arbeit, private biografische Umstände oder eine
Kombination aus beiden Faktoren zurückführen. Dabei beschreiben die
Zurückkehrenden den Entstehungsprozess, der sich über ein bis zwei Jahre
hinzieht, als schleichend. Insgesamt lassen sich aus den Interviews drei
Risikomuster der Rückkehr ableiten sowie sechs Typen rekonstruieren, die
für den Weg in die Krise stehen.

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Wiedereingliederung positiv aus
Sicht der Zurückkehrenden. Dazu gehören Selbstwirksamkeit und ein
prosoziales Coping der Zurückkehrenden, beispielsweise in dem sie sich um
andere bemühen oder ihre Hilfe suchen. Ebenfalls förderlich sind die
soziale Unterstützung von Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie die
Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Für Zurückkehrende mit besonderen
Bedarfen kann ein professionelles Coaching hilfreich sein.

Die Nachhaltigkeit der Rückkehr wird nach einem Jahr an einer Reihe von
Faktoren festgemacht. Dann berichten die Interviewten über einen insgesamt
positiven Return to Work Verlauf und einem guten Klima im Arbeitsteam.
Zudem zeigen sie eine positive Einstellung gegenüber der Arbeit und einen
souveränen Umgang mit der Erkrankung. Ihre Leistungs- und
Belastungsfähigkeit hat sich verbessert und sie verfügen über eine stabile
Selbstwirksamkeit, während sich Arbeit und Privatleben in einer guten
Balance befinden.

Return to Work lässt sich aus Sicht der Zurückkehrenden als ein
zusammenhängender und kontinuierlicher Prozess verstehen. Dabei bestimmt
ein Wechselspiel aus individuellen, sozialen und betrieblichen Faktoren
diesen Prozess, der sich an Ressourcen orientiert, um nachhaltig und
erfolgreich zu sein. Darüber hinaus können die Erkenntnisse der Studie für
die Weiterentwicklung der Früherkennung und Prävention von psychischen
Krisen im betrieblichen Kontext genutzt werden.

„Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt: Betriebliche
Wiedereingliederung aus der Perspektive der Zurückkehrenden“; Ralf
Stegmann, Inga L. Schulz, Ute B. Schröder; Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin 2021; 70 Seiten; doi:10.21934/baua:bericht20210127. Den
Bericht gibt es im PDF-Format im Internetangebot der BAuA unter
<www.baua.de/dok/8854882>.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des
BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den
Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und
bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden
sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 750 Beschäftigte.
<www.baua.de>

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S3-Leitlinie Hauptkrebsprävention aktualisiert

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e. V. (ADP) und der
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e. V. (ADB) die
S3-Leitlinie Hautkrebsprävention aktualisiert und 61 neue Empfehlungen
aufgenommen. 43 weitere Empfehlungen wurden angepasst.

Aktualisierungen betreffen sowohl Empfehlungen zur Primär- als auch zur
Sekundärprävention. Die Kapitel „Klimawandel und UV-Strahlung“ sowie
„Berufsbedingter Hautkrebs“ sind neu in die Leitlinie integriert. Um
begriffliche Unklarheiten im Bereich Prävention, Früherkennung und
Screening zu beseitigen, ist darüber hinaus in einem weiteren
eigenständigen Kapitel eine begriffliche Einordnung ergänzt worden. In
dieser werden relevante Definitionen und Konzepte der Prävention
eingeordnet und voneinander abgrenzt.

UV-Strahlen – sei es durch Solarien oder durch natürliche
Sonneneinstrahlung – steigern das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.
„Solariumbesucher und -besucherinnen erkranken häufiger an Hautkrebs, dies
gilt auch für das besonders gefährliche maligne Melanom. Das
Erkrankungsrisiko steigt außerdem mit der Häufigkeit an Solarienbesuchen.
Je jünger der Solariennutzer beim ersten Besuch gewesen ist, desto höher
das Risiko“, sagt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Arbeitsgemeinschaft
Dermatologische Prävention e.V. Zusammen mit Prof. Dr. Andrea Bauer,
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e.V., koordinierte
er die Erstellung der S3-Leitlinie. In der Leitlinie sind beispielsweise
zielgruppenspezifische Empfehlungen zur Verhaltensprävention bei
künstlicher UV-Strahlung erarbeitet worden. „Um das Hautkrebsrisiko zu
reduzieren, empfehlen wir, generell auf Solariumbesuche zu verzichten“, so
Breitbart.

Neu in der Leitlinie ist unter anderem das Kapitel „Berufsbedingter
Hautkrebs“. Nach dem aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen
Kenntnisstand werden bestimmte Hautkrebsarten durch arbeitsbedingte solare
UV-Strahlungsexposition wesentlich mitverursacht und sind damit als
Berufskrankheit anerkannt. „Hierzu zählen Plattenepithelkarzinome der Haut
sowie die Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms, die aktinischen
Keratosen, wenn sie multipel sind. Das heißt, dass die aktinischen
Keratosen in einer Anzahl von mehr als fünf pro Jahr einzeln oder in einer
zusammenhängenden Fläche von größer als 4cm² auftreten“, so Bauer. Zur
Prävention sollten Arbeitgeber*innen daher für Mitarbeiter*innen, die im
Freien tätig sind, entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Wirksame
Maßnahmen sind zum Beispiel die Schaffung von Schattenplätzen, die
Vermeidung von Außenarbeiten unter freiem Himmel in der Mittagssonne und
die Ausgabe geeigneter Schutzkleidung.

In dem ebenfalls neu hinzugefügten Kapitel „Klimawandel und UV-Strahlung“
wird der aktuelle Wissensstand zu diesem Thema dargelegt. Die
Leitlinienautor*innen zeigen unter anderem städtebauliche Maßnahmen auf,
mit denen gesundheitliche Schäden durch Hitze und UV-Strahlung verringert
werden können.

Neben der Risikovermeidung (primäre Prävention) beschäftigt sich die
Leitlinie auch mit dem Thema der Früherkennung von Hautkrebs (sekundäre
Prävention). Gesetzlich Versicherte haben ab dem 35. Lebensjahr alle zwei
Jahre Anspruch auf ein Hautkrebsscreening. Die Leitlinienautor*innen
empfehlen neben dem standardisierten Hautkrebsscreening zudem die
Selbstuntersuchung der Haut.

Erstmalig liefert die Leitlinie zudem eine umfassende Aufarbeitung
gesundheitsökonomischer Bewertungen von primärpräventiven Maßnahmen sowie
ein systematisches Literaturreview zur Kosteneffektivitätsanalyse der
sekundären Prävention von Hautkrebs.

Zu den häufigsten Hautkrebsarten zählen das Basalzell- und das
Plattenepithelkarzinom (heller Hautkrebs). Laut der Gesellschaft der
Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) erkrankten im Jahr
2017 etwa 235.000 Menschen an hellem Hautkrebs und 40.455 am Malignen
Melanom.

An der S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs waren insgesamt 77
ehrenamtlich arbeitende Fachexpert*innen aus 46 Fachgesellschaften und
Organisationen beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/hautkrebs-
praevention/


Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 28 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP)
Der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.  setzt sich
aus Experten verschiedener Fachgebiete der Prävention zusammen.
Gründungsziel war es, den Gedanken der dermatologischen Prävention auf
breiter Basis sowohl medizinischen Laien als auch Ärzt*innen und
Wissenschaftler*innen nahezubringen. Neben wissenschaftlichen Projekten
führt die ADP auch bundesweite Interventionen zur Hautkrebsprävention
durch und ist mit anderen Akteuren auf dem Gebiet vernetzt. Die
Tätigkeiten werden ausschließlich durch eingeworbene Drittmittel
finanziert. https://www.unserehaut.de/de/

Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie
Die Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) ist in
der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zuständig für die
beruflichen und umweltbedingten Hautkrankheiten. Sie hat derzeit mehr als
900 aktive Mitglieder. Die ABD widmet sich und fördert die klinischen und
wissenschaftlichen Interessen dieser Gebiete. https://www.abderma.org/

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