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Neu: S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen

Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. wurde
im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die erste S3-Leitlinie zur
Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms erstellt. Ziel der
Leitlinie ist es, die Versorgung von Betroffenen in frühen und späteren
Erkrankungsstadien zu optimieren und somit eine verbesserte Lebensqualität
zu erreichen. Zudem wurden in die Behandlungsempfehlungen auch
psychoonkologische Maßnahmen integriert. Auf der Grundlage von
systematischen Evidenzsynthesen wurde somit erstmalig ein
Behandlungsstandard für diese seltene Tumorerkrankung geschaffen.

Die Erkrankung beeinflusst die Lebensqualität und Sexualität der
Betroffenen. Bereits mit Diagnosestellung sollen die Behandler die
Patienten deshalb angemessen aufklären: „Dazu gehört, die Patienten über
fertilitätserhaltende Maßnahmen, aber auch über soziale, finanzielle und
psychoonkologische Unterstützung zu informieren“, sagt
Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Oliver Hakenberg von der
Universitätsmedizin Rostock. Darüber hinaus sollen alle Patienten ein
Screening auf psychosoziale Belastungen erhalten.

Neben der Patientenaufklärung und psychoonkologischen Aspekten gibt die
Leitlinie zudem Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen
Erkrankungsstadien: „Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten,
stehen die lokale Tumorkontrolle und der Organerhalt im Vordergrund“, sagt
Hakenberg. Für die Behandlung des Primärtumors stehen verschiedene
Therapien zu Verfügung, etwa eine Operation, Laserablation,
Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie. Selbst in einem frühen
Erkrankungsstadium können sich in den Leistenlymphknoten Mikrometastasen
ansiedeln. Aufgrund der schlechten Prognose bei einem Lymphknotenrezidiv
sollten deshalb alle Lymphknotenmetastasen entfernt werden.

Das metastasierte Peniskarzinom stellt aufgrund der schlechten Prognose
und der begrenzten Studiendaten eine besondere Herausforderung dar. „Bei
einer fortgeschrittenen Erkrankung und auch im Falle einer multimodalen
Therapie sollte in jedem Fall ein interdisziplinäres Tumorboard zur
Therapieentscheidung herangezogen werden“, so Hakenberg.

Das Peniskarzinom gehört zu den seltenen Tumorerkrankungen. Laut dem
Robert Koch-Institut sind in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 950
Männern neu daran erkrankt. Im gleichen Jahr verstarben 197 Betroffene an
einem Peniskarzinom. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem HPV-
Infektionen, Vorhautverengungen, eine lange Vorhaut sowie eine mangelhafte
Genitalhygiene.

An der Erstellung der evidenz- und konsensbasierten S3-Leitlinie zur
Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms waren insgesamt 22
Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich sowie
der Schweiz beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite kostenfrei
abrufbar: https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/leitlinien/peniskarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Auch eine Patientenleitlinie mit laienverständlichen Inhalten zum Thema
wird aktuell federführend von der DGU erstellt.

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)

Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 28 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: www.leitlinienprogramm-onkologie.de

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)

Mit rund 7.000 Mitgliedern ist die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.
V. (DGU) die größte Vertretung deutscher Fachärztinnen und Fachärzte für
Urologie. Als medizinische Fachgesellschaft fördert die DGU Wissenschaft,
Forschung, Innovation, Fort- und Weiterbildung in der Urologie. Damit
schafft sie die Voraussetzungen für eine flächendeckende hochqualifizierte
Versorgung urologischer Patientinnen und Patienten in Deutschland. Das
eigene Wissenstransferzentrum UroEvidence ermöglicht die systematische
Evidenzaufarbeitung und organisatorische Unterstützung für
Leitliniengruppen innerhalb der Urologie.
Mehr unter: www.dgu.de

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Arzt-Patienten-Kommunikation: "Placebo-Effekte können den Verlauf von Krankheiten verbessern“

Professor Manfred Schedlowski
Professor Manfred Schedlowski

Trotz des medizinischen Fortschritts bei der Diagnose und Behandlung von
Krankheiten spielt eines oft nur eine untergeordnete Rolle: die
Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Doch was ist mit den
Bedürfnissen, Ängsten und Zweifeln der Patienten? Erst in den vergangenen
Jahren wurde mit der systematischen Untersuchung des Phänomens „Placebo“
ein Paradigmenwechsel angestoßen. Denn die positiven Effekte der Arzt-
Patienten-Kommunikation sind tatsächlich biologisch messbar.

Über eben diesen Placeboeffekt und auch seinen Gegenspieler, den
Noceboeffekt, seine Wirkung und aktuelle Erkenntnisse spricht Professor
Manfred Schedlowski, Direktor des Institutes für Medizinische Psychologie
und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen, in seiner
Keynote bei der geriatrisch-gerontologischen Online-Konferenz. Diese
findet vom 3. bis 5. September statt und wird von der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie (DGG) mit Beteiligung der Deutschen
Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) organisiert.

Die Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Entwicklung
vollzogen: Verfeinerte technische Untersuchungsmethoden erlauben
faszinierende Einblicke in die Funktion unserer Organe und des Gehirns,
zielgerichtete Medikamente können exakt in Krankheitsprozesse eingreifen
und Operationsroboter steigern die Präzision von Chirurgen. Doch in Zeiten
der „High-Tech-Medizin“ wird der Kommunikation zwischen Arzt und Patient
oft noch zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht – auch nicht in der
Wissenschaft. Forschungsansätze, die Vertrauen und Hoffnung der Patienten
oder die Wirkung von Mitgefühl in den Mittelpunkt stellen, werden oft als
„Wissenschaft light“ abgetan.

Messbare Effekte: Das Immunsystem wird beeinflusst, Schmerzen verbessert

„Placeboeffekte sind äußerst vielfältig und unterscheiden sich, je nach
Organ und Patient. Eine Zuckertablette, die Kopfschmerzen vertreibt, eine
Infusion mit Kochsalzlösung, die bei Parkinson hilft oder eine
vorgetäuschte Akupunktur, die Reizdarmsymptome lindert, sind nur einige
erfolgreiche Beispiele“, sagt Manfred Schedlowski. Placeboeffekte können
sich auf körperliche und psychische Symptome auswirken und damit den
Verlauf von Erkrankungen verbessern. Sie können das Immunsystem und den
Blutdruck beeinflussen oder den Erfolg von Operationen und medikamentösen
Behandlungen verändern. Der Körper reagiert positiv auf eine Behandlung,
obwohl er das eigentlich gar nicht dürfte – weil beispielsweise die
Tablette oder Infusion keinen Wirkstoff enthält oder die Akupunkturnadel
gar nicht in die Haut eindringt. Doch wie kann ein Scheinmedikament oder
eine Scheinbehandlung überhaupt eine Wirkung zeigen?

Der Glaube an Heilung: Das neuropsychologische Phänomen des Placeboeffekts

Placeboeffekte werden auf neuropsychologische Phänomene zurückgeführt, die
Selbstheilungskräfte aktivieren. Immer mehr Details dieser Wirkmechanismen
werden wissenschaftlich erforscht. Dabei spielen die Erwartungen der
Patienten eine zentrale Rolle. Vertrauen sie darauf, dass die Therapie
wirkt, oder haben sie eher Zweifel? Haben sie früher gute oder eher
negative Erfahrungen mit medizinischen Behandlungen oder Behandlern
gemacht? Schöpfen sie nach dem Gespräch mit dem Arzt Hoffnung oder löst
die Lektüre des Beipackzettels eher Ängste aus? Erfahrungen führen zu
Lernprozessen, die bewusst oder unbewusst ablaufen und große Wirkungen
entfalten können: positive Placeboeffekte, aber auch negative
„Noceboeffekte“. Je nachdem können sie die Heilung fördern – oder auch
verhindern.

Der Placeboeffekt beeinflusst jede medizinische Behandlung

Eine Wirkung erzielt also nicht das Placebo selbst, sondern die an eine
Behandlung geknüpfte Erwartung der Patienten. Placeboeffekte beeinflussen
demnach jede Art von medizinischer Behandlung, sei es die Wirksamkeit und
Verträglichkeit von gut erforschten und bewährten Medikamenten, der
Ausgang einer Operation oder Gesprächstherapie – oder eben die Wirkung
einer Zuckertablette. Echte Placebobehandlungen, beispielsweise zum Test
der Wirksamkeit eines Medikaments, sollten jedoch weiterhin nur unter ganz
bestimmten Voraussetzungen, wie beispielsweise in klinischen Studien
stattfinden.
In seiner Konferenz-Keynote fasst Professor Manfred Schedlowski seine
Forschungsergebnisse zur Thematik zusammen und gibt einen spannenden
Überblick über die neuen und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum
Phänomen Placebo- und Noceboeffekt. Da gerade ältere Patienten häufig
Noceboeffekten in der Kommunikation ausgesetzt sind, ist dieses Thema
besonders für Geriater interessant und relevant.

Zur Person

Professor Manfred Schedlowski ist Direktor des Institutes für Medizinische
Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. Im
Lauf seiner Karriere absolvierte er Forschungsaufenthalte an der
University of Newcastle und der La Trobe University in Melbourne,
Australien sowie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH)
Zürich. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der Analyse der
funktionellen Verbindungen zwischen dem Nervensystem, dem Hormonsystem und
dem Immunsystem. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Professor
Schedlowski mit seiner Arbeitsgruppe im Rahmen der Placeboantwort mit dem
Phänomen der Klassischen Konditionierung von Immunfunktionen und
analysiert die neurobiologischen und biochemischen Mechanismen sowie die
klinische Bedeutung der Placebo- und Noceboantwort.

Termin:

Prof. Manfred Schedlowski
Keynote-Lecture: „Der Placebo-Effekt: Viel Lärm um viel mehr als Nichts“
Geriatrisch-gerontologische Online-Konferenz
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
Samstag, 5. September 2020
10:30 bis 11:10 Uhr

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Metabolischer Fingerabdruck fördert Verständnis von Krebs

Neues Gerät für die Stoffwechselforschung mittels Kernspinresonanz-Analyse
am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und an der
Hochschulmedizin Dresden / Umfangreiche Analyse von Stoffwechselprodukten
liefert wichtige Grundlage für Forschung im Bereich der personalisierten
Medizin, vor allem bei Krebserkrankungen

Wie reagiert unser Organismus auf Krankheiten und Therapien? Die Analyse
von Stoffwechselvorgängen liefert wichtige Antworten auf diese Fragen.
Wissenschaftler am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden
(NCT/UCC) und der Hochschulmedizin Dresden können für ihre Forschung ab
sofort ein hochmodernes Gerät für die Kernspinresonanz-Analyse (auch NMR-
Analyse – Nuclear Magnetic Resonance Spectroscopy) nutzen. Das NMR-Gerät
misst die Konzentration zahlreicher Stoffwechselprodukte – beispielsweise
in Blut-, Urinproben oder Zellkulturen –, indem es wie bei einer
Magnetresonanztomografie das Verhalten von Wasserstoffatomen in einem
starken Magnetfeld registriert. Das Gerät zur Kernspinresonanz-Analyse ist
Teil der Metabolomics-Plattform des Instituts für Klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin (IKL) der Hochschulmedizin Dresden. Dort bietet es im
Zusammenspiel mit weiteren metabolomischen Analyseverfahren beste
Voraussetzungen, um die Rolle des Stoffwechsels bei verschiedenen
Erkrankungen – vor allem Krebserkrankungen – und Therapien weiter zu
erforschen. Das Gerät sichert zudem die Qualität der Proben, die in der
BioBank Dresden für klinische Forschungsprojekte eingelagert werden.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

Stoffwechselprodukte, so genannte Metaboliten, sind Substanzen, die als
Zwischenstufen oder als Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen des
Organismus entstehen. Mehr als 5.000 solcher kleinen Moleküle – darunter
Zucker, Aminosäuren, Fette – sind heute identifiziert. Die Messung von
Metaboliten gestattet weitreichende Aufschlüsse über Reaktionen des
Organismus auf Krankheiten und Therapien ebenso wie auf Ernährung und
Umwelteinflüsse. Für die Untersuchung von Stoffwechselvorgängen bei
Fragestellungen der Grundlagen- und klinischen Forschung, stehen
Wissenschaftlern am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden
(NCT/UCC) und der Hochschulmedizin Dresden besonders umfangreiche
analytische Möglichkeiten zur Verfügung. Hierzu zählt ab sofort auch ein
hochmodernes NMR-Gerät, das die Stoffwechselforschung an Patientenproben
sowie an Proben aus experimentellen Modellen ermöglicht.

Mithilfe des gut 1 Million Euro teuren NMR-Geräts, das aus Mitteln des
Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) für den NCT-Standort Dresden
finanziert wurde, lassen sich in Flüssigproben wie Urin oder Blut (Serum,
Plasma) in einer zwanzigminütigen vollautomatischen Messung zahlreiche
gängige Metaboliten in ihrer jeweiligen Konzentration nachweisen – bei
Urinproben sind es bis zu 150 Metaboliten. Auch die Untersuchung von
Gewebe, Zellkulturen und Organoiden ist möglich. Wissenschaftler erhalten
so einen charakteristischen Überblick über die in einer Probe enthaltenen
Stoffwechselprodukte, eine Art metabolischen Fingerabdruck. „Mithilfe
dieses Fingerabdrucks und weiterer metabolomischer Analysen können
Wissenschaftler künftig beispielsweise untersuchen, wie der Stoffwechsel
von Krebspatienten auf eine Chemotherapie reagiert. Dieses Wissen könnte
perspektivisch dazu beitragen, Nebenwirkungen zu minimieren“, erklärt
Prof. Triantafyllos Chavakis, Direktor des Instituts für Klinische Chemie
und Laboratoriumsmedizin (IKL) des Uniklinikums Dresden, an dem die
Metabolomics-Plattform angesiedelt ist, und Co-Direktor der BioBank
Dresden. Der metabolische Fingerabdruck könnte darüber hinaus dazu dienen,
neue charakteristische biologische Merkmale, so genannte Biomarker, zu
ermitteln, die Aufschluss über die Entstehung und den Verlauf bestimmter
Krebserkrankungen und weiterer Erkrankungen liefern. Die metabolomische
Analyse fungiert hier als wichtiges Werkzeug zur weiteren Erforschung der
personalisierten Medizin, bei der es darum geht, Patienten in immer
kleinere, individuellere Gruppen einteilen und sehr spezifisch behandeln
zu können. Da NMR-Geräte unabhängig von ihrem Standort sehr zuverlässige
Messresultate liefern, sind metabolische Profile von Proben weltweit
vergleichbar und lassen sich standortübergreifend für Forschungsvorhaben
nutzen.

NMR-Gerät sichert höchste Probenqualität für BioBank Dresden

Neben der Analyse von Proben für wissenschaftliche Fragestellungen kommt
das NMR-Gerät künftig auch im Rahmen der Qualitätssicherung in der BioBank
Dresden am NCT/UCC zum Einsatz – nur Proben, die den entsprechenden
Qualitätskriterien genügen, sollen dann für die Arbeit der Wissenschaftler
freigegeben werden. „Mithilfe der automatisierten Kernspinresonanz-Analyse
lässt sich beispielsweise sehr zuverlässig feststellen, ob Proben
verunreinigt sind oder die Lagerdauer bis zur Aufarbeitung zu lang war.
Bis zu 90 Proben lassen sich pro Tag messen“, so Dr. Heidi Altmann,
Koordinatorin des Flüssigmaterialteils der BioBank Dresden.

Umfangreiche Plattform für Stoffwechsel-Analysen

Das NMR-Gerät ist Teil der Metabolomics-Plattform, die allen
Wissenschaftlern der Hochschulmedizin Dresden und am NCT/UCC im Rahmen
ihrer Forschungsprojekte zur Verfügung steht. Zur Plattform zählen auch
Massenspektrometer, mit deren Hilfe sich die Masse der in einer Probe
enthaltenen Moleküle so genau bestimmten lässt, dass auf die Identität und
Menge der Metaboliten rückgeschlossen werden kann. Mit dieser Methodik
lassen sich mehrere tausend Stoffwechselprodukte in einer Probe nachweisen
oder einzelne Metaboliten eines bestimmten Stoffwechselwegs ganz gezielt
und in niedrigsten Konzentrationen quantifizieren. Einen Einblick in die
Dynamik von Stoffwechselprozessen liefert hingegen die so genannte
metabolische Flussanalyse. Bei dieser hochinnovativen Methode geben
Wissenschaftler zu einer Zellkultur-Probe einen markierten Ausgangsstoff
hinzu und verfolgen dessen Weg durch den Zellstoffwechsel. Auf diese Weise
wird sichtbar, in welchem Tempo Stoffwechselreaktionen ablaufen, das
heißt, sich ein Metabolit durch eine enzymatische Reaktion in ein anderes
Stoffwechselprodukt umwandelt.

Funktion Kernspinresonanz-(NMR-)Gerät:
Die Kerne von Wasserstoffatomen haben die Eigenschaft, sich um ihre eigene
Achse drehen zu können. Durch diese Kernspin genannte Drehung erzeugen sie
ein eigenes schwaches Magnetfeld. Dies sowie die Tatsache, dass
Wasserstoff das vorherrschende Element im menschlichen Körper ist, macht
sich die NMR-Methode zu nutze. Im Inneren des NMR-Geräts befindet sich ein
Magnet. Er erzeugt ein Magnetfeld, das viele Tausend Mal stärker ist als
das der Erde. Dieses Magnetfeld richtet die Wasserstoffatome wie
Kompassnadeln parallel zueinander aus – statt dass sie weiterhin
ungeordnet in alle möglichen Richtungen zeigen. Diese Ordnung wird dann
durch Radiowellen kurzzeitig absichtlich gestört. Bei der anschließenden
Neuausrichtung der Atomkerne im Magnetfeld geben diese die zuvor
aufgenommene Energie in Form von Radiowellen wieder ab. Diese Signale
registriert das NMR-Gerät. Wie schnell die Wasserstoffatome sich neu
ausrichten und wann sie welche Energie abgeben, ist bei verschiedenen
Molekülen und Geweben unterschiedlich. „Anhand der Signalverläufe kann das
NMR-Gerät unterschiedliche kleine Moleküle, Metaboliten, in ihrer
jeweiligen Konzentration messen“, so Dr. Alexander Funk, der das NMR-Gerät
wissenschaftlich betreut und vor etwa einem Jahr aus den USA (University
of Texas Southwestern Medical Center) nach Dresden wechselte.  Bei der
Magnetresonanztomographie, die auf dem gleichen Prinzip beruht, werden die
Messdaten zu Schnittbildern des menschlichen Körpers verrechnet.

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Corona wirkt sich auf die Versorgung von Leukämiekranken aus - freiwillige Stammzell- und Knochenmarkspender dringend gesucht!

Typisierungs-Set
Typisierungs-Set

Seit einigen Monaten herrscht in Deutschland Ausnahmezustand. Nicht nur das Blutspendewesen ist durch Corona schwer getroffen, auch der Bereich der Stammzell- und Knochenmarkspende kämpft mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Doch wie müssen sich Menschen fühlen, die an einer schweren Krankheit wie Leukämie (Blutkrebs) leiden und vergeblich auf einen lebensrettende Knochenmark- oder Stammzellspende warten? Pro Jahr erkranken allein in Deutschland rund 14.000 Menschen an Leukämie, darunter ca. 600 Kinder und Jugendliche. Für die meisten Patienten ist eine Transplantation von gesundem Knochenmark oder Blutstammzellen die einzige Chance, die Krankheit zu besiegen.

Die Westdeutsche SpenderZentrale (WSZE) ist eine gemeinnützige Datei für freiwillige Knochenmark- und Blutstammzellspender. Sie ist die Spenderdatei des DRK-Blutspendedienst West und des Universitätsklinikum Essen. Die Spenderdatei hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Erkrankungen des blutbildenden Systems Hoffnung auf Leben zu geben und für sie einen passenden Knochenmark- oder Stammzellspender zu finden. Durch die internationale Vernetzung stehen die Spender weltweit Patienten zur Verfügung, die auf eine Stammzelltransplantation angewiesen sind.

In den meisten Fällen ist eine Stammzellspende in der Verwandtschaft leider nicht möglich. Bei Geschwistern liegt die Wahrscheinlichkeit als Spender infrage zu kommen bei 25%. Für den Großteil der Patienten muss ein Fremdspender gefunden werden. Deswegen ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als Stammzell- bzw. Knochenmarkspender registrieren lassen.

Doch hier beginnen gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie die Probleme. Die Bereitschaft, sich als Knochenmark-/Stammzellspender registrieren zu lassen, lässt nach. Zudem scheiden fast täglich zahlreiche potenzielle Spender aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres Alters aus der Datei aus. Allein im Jahr 2020 werden über 5.760 Spender aus Altersgründen ausscheiden müssen.

Um weiterhin so vielen erkrankten Menschen wie möglich einen Knochenmark- oder Stammzellspender zur Verfügung zu stellen, bittet die WSZE die Bevölkerung um Mithilfe. In diesen schwierigen Zeiten müssen wir zusammenhalten. Geben Sie Leukämie-Patienten Hoffnung auf Heilung – Lassen Sie sich registrieren!

Wer zwischen 18 und 40 Jahren alt und gesund ist und noch nicht in einer anderen Datei als Knochenmark-/Stammzellspender registriert ist, kann sich gerne telefonisch oder auf der Internetseite (www.wsze.de/spender/registrierung.php) ein Typisierungsset kontaktlos nach Hause liefern lassen.

Die Typisierung kann entweder über einen Abstrich der Mundschleimhaut oder über eine Blutprobe (ca. 6 ml) durchgeführt werden. Die Blutentnahme kann durch einen Hausarzt erfolgen sowie im Rahmen einer Blutspende beim DRK-Blutspendedienst West oder bei der Blutspende im Universitätsklinikum Essen. Über diese Proben werden die Gewebemerkmale des potenziellen Spenders in einem Labor bestimmt.

Nur wenn die Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) bestmöglich übereinstimmen, ist eine erfolgreiche Stammzelltransplantation möglich. Andernfalls können Abstoßungsreaktionen und immunologische Komplikationen beim Patienten ausgelöst werden. Da es Millionen verschiedener Kombinationen dieser HLA-Merkmale gibt, erhöht jeder neu registrierte Stammzellspender die Heilungschancen der Leukämiepatienten.

Die Bestimmung der Gewebemerkmale verursacht Kosten, für die in unserem Gesundheitssystem leider keine Finanzierung vorgesehen ist. Die WSZE ist somit auf beides angewiesen: Menschen, die sich in der Datei registrieren lassen, und Menschen, die sie finanziell unterstützen! Infos für Spender jeglicher Art findet man unter www.wsze.de 

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