Opernhaus Zürich W.A. Mozart’s „La clemenza di Tito“, besucht von Marinella Polli

Musikalische Leitung: Marc Minkowski Inszenierung: Damiano Michieletto
Bühnenbild: Paolo Fantin Kostüme: Klaus Bruns Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger
Lichtgestaltung: Alessandro Carletti Dramaturgie: Kathrin Brunner
Besetzung: Tito Vespasiano Pene Pati Vitelia Margaux Poguet Servilia Yewon Han
Sesto Lea Desandre Annio Siena Licht Miller Publio Andrew Moore
Continuo Hammerklavier Enrico Maria Cacciari
Solo-Klarinette/Bassethorn Robert Pickup
Chor der Oper Zürich
Orchestra La Scintilla
Statistenverein am Opernhaus Zürich
‘La Clemenza di Tito’ ist noch bis zum 25. Mai (und vom 7. bis zum 21. März 2027) am Opernhaus Zürich zu sehen. Der weltberühmte Maestro Marc Minkowski kehrt mit dieser Neuproduktion in die Schweiz zurück, ebenso wie der in Zürich sehr geschätzte italienische Regisseur Damiano Michieletto.
Ein grossartiges ‘Orchestra La Scintilla‘ unter Marc Minkowskis Leitung
Unter der Leitung von Marc Minkowski spielt ein präzises, involviertes und involvierendes ‚Orchestra la Scintilla‘, die aus Musikern des ‚Orchester der Oper Zürich‘ besteht, 1998 gegründet wurde und, bekanntermassen, auf historische Aufführungspraxis spezialisiert ist. Alle Musiker spielen auch in dieser Produktion mit grosser Transparenz, aber auch intensiv; Ihnen gelingt es mühelos die kontrastreichen Akzente der Partitur wiederzugeben. Den ganzen Abend lang ist für das Zürcher Publikum eine Wonne, Tempi, Rhythmus und den Schönklang dieser einerseits profunden und andererseits einfach hinreissenden Mozartsoper geniessen zu können; man kann wohl von einem musikalisch tollen, unvergesslichen Abend sprechen.
Eine hochkarätige Besetzung
Ja, ein unvergesslicher Abend, und dafür sorgt auch das hochkarätige Sängerensemble, das allen Zuschauern eine lange Reihe von Emotionen schenkt. Margaux Poguet singt Vitellia, die intrigante Tochter des früheren römischen Kaisers Vitellius, die starke, zielstrebige, determinierte Frau schlechthin. Den barmherzigen, menschenfreundlichen Kaiser Tito wird von dem sowohl schauspielerisch als auch stimmlich sehr überzeugenden samoanischen Tenor Pene Pati gesungen. Den in Vitellia verliebten und daher zwischen Liebe für sie und Treue zum Kaiser hin und her gerissenen Sesto singt Lea Desandre, szenisch und stimmlich eine beeindruckende Interpretin, die alle Töne und Zwischentöne der Partitur meistert. Die junge französisch-italienische Mezzosopranistin spielt diese nicht einfache Hosenrolle mit grossem Einfühlungsvermögen und zeigt mühelos, wie ihre wunderbare Stimme auch differenziert klingen kann. Annio, der loyale römische Patrizier, Freund von Sesto, Geliebter von Sestos Schwester Servilia, und auch eine der wichtigsten Nebenfiguren in dieser Mozart Oper, wird sehr überzeugend von Siena Licht Miller interpretiert. Überzeugend ist auch Andrew Moore als Publio – für Damiano Michieletto der einzige wirkliche Machthaber – und, last but not least, tadellos in jedem Moment seiner Präsenz, der von Ernst Raffelsberger vorbereitete ‚Chor der Oper Zürich‘.
Eine visuell interessante Inszenierung
Für Damiano Michieletto, Tito, nachdem er allen vergeben hat, wird durch Publio getötet: am Ende der Oper, reicht dieser dem Kaiser ein Glas mit Gift, ein Finale, das vielen Zuschauern nicht gefällt. Publio wird vom Regisseur als einen von Anfang an den Staat mit allen möglichen technologischen Mitteln kontrollierenden Geheimdienstchef gesehen. Der milde, grosszügige Herrscher muss sterben, weil es in einem modernen, autoritären Staat für ihn keinen Platz gibt. Vom Regisseur muss man jedoch die bekannte sehr präzise, wirksame und differenzierte Führung der dramatis personae loben. Sehr einprägsam ist auch das aus einer Drehbühne und aus einem hölzernen Hintergrund bestehende Bühnenbild von Paolo Fantin, nicht zuletzt dank des ausdrucksstarken Light Design von Alessandro Carletti und der modernen Kostüme von Klaus Bruns. Am Ende der Aufführung applaudierte das Publikum den Solisten, Maestro Marc Minkowski und dem brillanten Orchestra La Scintilla mit enormer Begeisterung. Ein paar Buhs gab es für das Regieteam.
Marinella Polli
Fotos: Toni Suter www.opernhaus.ch
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