Mit seinem Fasnachtsmotto „Glöön“ hat der amtierende Heinivater Oliver Schnieper zusammen mit seiner Heinifamilie dazu beigetragen, dass Gross und Klein mit x-beliebigen, originellen Sujets die Soorser Fasnacht bereicherten. Das Fasnachtsmotto 2018 reiht sich nahtlos in die „einfach umzusetzenden“ Mottos ein und wird Soorsi eine Fasnacht bescheren an der sich Kinder, Familien, Freunde, Gruppen und Einzelmasken mit individuellen, tollen Sujets tummeln werden. Die Katze ist aus dem Sack, am Martinibot vom Freitag, 10. November gab Zunftmeister Peter Wyder das Motto „WÖUDE WÖUDE WESCHTE“ bekannt.
Heinifamilie mit Heinivater Oliver Schnieper, Heinimamme Ursi und den Heinigoofen Eugen und Rosa
Er schloss die Motto-Erklärung mit den Worten „welcher Zünftige sich hinter dem Motto verbirgt und somit unser Heinivater 2018 werden wird, bleibt bis zum Dreikönigsbot vom 6. Januar 2018 ein gut gehütetes Geheimnis. Wie an dieser Stelle üblich, begannen die ersten Mutmassungen unter den anwesenden Zünftigen, welcher Gleichgesinnte sich hinter dem Motto verbirgt.
Weiter wurden die Jahresrechnung sowie das Budget für das kommende Vereinsjahr beschlossen, über das Tätigkeitsprogramm des Fasnachtsjahres 2018 befunden, die Teilnahme am Städtlifescht 2018 besiegelt und Informationen aus den unterschiedlichen Komitees abgegeben. Doch was ist eine Fasnacht ohne neue Zunftgesellen. Auch hier kann für das folgende Jahr sozusagen aus dem Vollen geschöpft werden. Mit Pascal Bühler, Markus Reber, Martin Senn und Danny Uwiera stellen sich vier Gesellenanwärter für die Wahl ins „Probejahr“ als Geselle zur Verfügung. Sie werden am Dreikönigsbot zur Wahl aufgestellt. Ihnen steht der Austritt des ehemaligen Mitmeisters (MM) Tee Petersen gegenüber.
Auch unter Personelles, fanden Ersatzwahlen für drei Mitglieder des Zunftrates statt:
MM Bruno Meyer übernimmt das Amt des Säckelmeisters von MM André Baumgartner
AHV (Altheinivater) Beat Felder übernimmt das Amt des Beirats von AHV Urs Troxler
MM Giovanni Guglielmo gibt das Amt des Stubenmeisters ab. Ein Nachfolger konnte per Martinibot 2017 nicht aufgestellt werden, sodass die Stubenkommission die Verfügbarkeit und Termine des Stubenmeisters sicherstellen wird.
Last but not least stellte MM Damian Sidler als Chef des Plakettenkomitees die Fasnachtsplakette 2018 vor. Die neue Plakette einer 3er-Serie wurde vom Soorser Maskengestalter Roger Stalder entworfen. Das erste Sujet zeigt „s’Ondertor“, die darauffolgende „s’Rothus“ und die letzte sodann „de Diebetorm“. Mit der Abbildung der drei historischen und prägnanten Gebäude in „unserem Soorsi“ ist es Roger Stalder gelungen, einen echten Bezug zur Stadt herzustellen. Insbesondere die Bevölkerung sowie alle Fasnachtsgewaltigen werden sich mit der Plakette und deren Sujets identifizieren und ein Stück echte Geschichte erwerben können. Die Plakette wird wie gewohnt in den drei bewährten Ausführungen der Heini-, Gold- und Silberplakette erhältlich sein.
Das diesjährige Martinibot hatte also wiederum viel zu bieten und war mit 63 teilnehmenden Zünftigen äusserst gut besucht. Zunftmeister Peter Wyder schliesst die Generalversammlung traditionell mit den Worten „Glück auf, Heinivater 2017. Glück auf, Zunft Heini von Uri Sursee“
Die taiwanesische Meisterin der Tastenzauberei Shih-Wei Huang
Programm:
Shih – Wei Huang interpretiert Chopin & ein musikalisches Surprise-Menü
Rezension:
Allgemeines über die Künstlerin
Shih Wei Huang erhielt das gleiche Stipendium wie Lang Lang und studierte gegen den Willen ihres Vaters Musik. Der hätte sie lieber als Ärztin oder Rechtsanwältin gesehen.
Shih Wei Huang
Shih-Wei Huang, *1988 in Taipei, absolvierte ihr Bachelor-Studium am renommierten Curtis Institute in Philadelphia & erreichte ihren Master an der Yale University. Sie gewann zahlreiche Auszeichnungen in den USA, Italien & Taiwan, u.a. 2001 & 2004 Steinway Young Artist Compet., 2011 52. Sorantin International Competition for Piano in Alaska sowie den Dorothy MacKenzie Artist Recognition Award in NY & 2012 bei der National Talent Bank. Sie erzielte erste Preise beim internationalen Tastatur-Wettbewerb in NY, beim CHIMEI Artist Award, bei den Young Star Series Künstlern in Taiwan & beim Internationalen Mauro Paulo Monopoli-Klavierwettbewerb. Die Taiwanesin begeistert als Solistin & Kammermusikerin. Ausserdem konzertiert sie mit dem National Taiwan Symphony Orchestra & als Mitglied des Philadelphia Orchestras. Diese hochbegabte Tastenkünstlerin hautnah zu erleben, ist magisch & unvergesslich. Im Moment belegt sie den Meisterkurs Klassik an der Hochschule für Musik in Luzern (HSLU). Nebst ihrer Muttersprache spricht sie ausgezeichnet englisch und deutsch. Ebenso kann man sich mit ihr in Mundart austauschen. Berührungsängste kennt sie keine, ist offen, freundlich und nett zu jedermann, unterhält sich am Rande des Auftritts mit den begeisterten Zuhörern, posiert geduldig und immer gut gelaunt für unzählige Erinnerungsfotos und Selfies.
Andreas „Res“ Dolder erfüllte sich einen Herzenswunsch
Meylenstein Eventlocation
Dank guten Beziehungen, exzellenten Kontakten und seiner Hartnäckigkeit gelang es Andreas „Res“ Dolder, seinen Herzenswunsch, ein Konzert mit seiner Bekannten Shih Wei Huang für ihre immer zahlreicher werdenden Schweizerfans in einem intimeren Rahmen, abseits der grossen Konzerthallen, zu realisieren. Dies auch dank der Spontanität und Generosität seines Freundes Beat Meyerstein, dem er von dieser ausserordentlichen Pianistin erzählt hatte. Der hat, ohne zu zögern, seine elegante Location und zusätzlich das Catering zur Verfügung gestellt. So wurden denn die ca. 50 geladenen, ausgewählten Gäste äusserst herzlich willkommen geheissen im Foyer der Meylenstein Location an der Bellerivetrasse in Downtown Zürich. Die beiden Gastgeber und ihre Partnerinnen parlierten mit den nach und nach eintreffenden Freunden, Bekannten und andern Musikbegeisterten, stellten die Gäste einander vor, stimmten das gutgelaunte Publikum auf das folgende Konzert ein.
Das intime Konzert der Ausnahmekünstlerin
Meylenstein Eventlocation
Gastgeber „Res“ Dolder stellte die junge Pianistin kurz vor, erläuterte die Umstände seiner Bekanntschaft mit ihr (indischer Koch Event bei Lucette Achermann in Luzern), verwob das Ganze mit Zitaten von Igor Strawinsky, steigerte so geschickt zusätzlich die sonst schon grosse Spannung in Erwartung des Auftrittes. Das Werke, die aufgeführt würden, habe man zusammen abgesprochen, wobei die Künstlerin den Wunsch äusserte, die Strawinsky Komposition nach Beethoven, aber vor Chopin, zu spielen.
Dann bat er Shih Wei Huang, an den Konzertflügel. Diese erschien, gekleidet mit einem eleganten, langen schwarzen Abendkleid und griff sogleich energisch in die Tasten, setzte kraftvoll die Harmonien für den Auftakt in das Allegro von Beethovens Klaviersonate in C Moll. Dass sie auch sehr gefühlvoll einfühlsam kann, demonstrierte sie im darauf folgenden Adagio, besonders in den Intermezzi und den perlenden Läufen, ergänzte und schloss dann die Sonate mit dem schwungvollen, tänzelnden Rondo ab, das sie locker aus den Handgelenken schüttelte.
Besorgt, dass die Pianistin sich Knöpfe in die Finger spielt
Von links nach rechts Beat Meyerstein, Veranstalter, Suling Lin (Entdeckerin der Künstlerin), Dr. Res Dolder, Shih-Wei Huang, Lucette Achermann
Besonders bei den technisch unglaublich schwierigen Passagen in den drei Sätzen von Strawinskys „Petrouchka“ befürchtete ich ernsthaft, dass sie sich Knöpfe in die Finger spielt, vermochten doch meine Augen den flinken Fingern kaum zu folgen. (Strawinsky hatte diese Sätze extra für seinen Freund Arthur Rubinstein für das Pianoforte transkribiert, ist doch „Petrouchka“ eigentlich Ballettmusik, erläuterte Shih Wei, bevor sie das Werk in Angriff nahm). Mit der „Dance russe“ begann sie diese Trilogie fulminant mit einem Staccato von Strawinsky typischen Akkorden, besonders die rechtshändig untergriffigen, während die linke Hand de vier passenden Grundtöne dazu trällert. Etwas weniger expressiv ist der zweite Satz, dem das Geschehen in Petrouchkas Haus zugrunde liegt, bevor mit „La semaine grasse“, dem letzten Satz, wieder eine wahre Klangeruption folgt. Da fegt die Pianistin nochmals die Tastatur rauf und runter, reiht Lauf an Lauf, Staccato an Tremolo, lässt die Bässe düster stampfen, unterlegt mit Variationen im mittleren Spielbereich der 88 Tasten, setzt dann wieder perlende Läufe bis an den obersten Rand der Tastatur. Dies alles spielerisch leicht, völlig entspannt, als ob das die leichteste Sache der Welt wäre. Fasziniert, fast ungläubig lauscht das sachkundige Publikum diesem Musikgenuss den ich nur mit dem Prädikat „Weltklasse“ versehen kann. Wann hat man schon je die Gelegenheit, ausserhalb eines renommierten Konzertlokals, in einer passenden, stimmigen Location, solch ein Musikereignis zu erleben. Dementsprechend fiel dann auch der begeisterte Applaus der ca. 50 Personen aus, in etwa so laut wie in einem, mit ungefähr 1500 Leuten besetzten, „normalen“ Konzertsaal.
Die Liebe der Künstlerin zu technischen schwierigsten Herausforderungen
Shih-Wei Huang am Piano
Sie liebe grundsätzlich die technisch sehr schwierigen Kompositionen, die Herausforderung, fast unspielbare Partituren anzugehen, erklärte sie beim Small Talk nach dem Konzert. Dann, so mein Gedanke, freue ich mich schon auf das nächste Mal, vielleicht im Juni 2019 beim Solistenkonzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester der HSLU im KKL in Luzern, wenn möglicherweise Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 D Moll im Programm gelistet sein wird. Shih Wei wird ihren Meisterkurs an der HSLU im Sommer 2019 abschliessen und anschliessend ihre Karriere richtig lancieren.
Mit der „Grande Polonaise brillante“ hatte sie das geeignete Werk ausgewählt, um das Feuer, das sie mit der „Petrouchka“ entfacht hatte, am Lodern zu halten. Wie für sie komponiert wirkten die beidhändig entgegensetzt verlaufenden Läufe mit den fulminanten Über – und Untergriffen, die der polnische Komponist in seine Partituren geschrieben hatte und mit denen er die Pariser Damenwelt in deren Salons entzückte und begeisterte. Entzückt und begeistert von der Darbietung der Taiwanesin waren in der Location Meylenberg nicht nur die Damen, sondern auch die Herren und zusammen feierte man die Protagonistin mit einer stehenden Ovation, die diese strahlend genoss. Der ihr überreichte Blumenstrauss musste sie dann aber umgehend wieder hergeben, da sie ihre Hände für die vehement geforderte Zugabe brauchte. Diese gewährte sie in Form der „Fantasie Impromptu“ von Fréderic Chopin und das kam einem Schaulaufen gleich und wurde wieder entsprechend honoriert, sodass Shih Wie nichts anderes übrig blieb, als sich erneut hin zu setzen und nochmals in die Tasten zu greifen. Den endgültigen Schlusspunkt setzte dann die Nationalchinesin mit der Interpretation der Filmmusik aus „Pirates of the Carribean“, demonstrierend, dass sie nicht nur das klassische Repertoire perfekt beherrscht. Ein erneuter Applausorkan war ihr sicher und beschloss das Konzert. Anschliessend bedankten sich die beiden Veranstalter nochmals bei der Künstlerin, bei den Anwesenden, die den Anlass grosszügig monetär unterstützt hatten, sodass Beat Meyerstein der sichtlich erfreuten Pianistin eine stattliche, reichlich verdiente Gage in einem Couvert überreichen konnte. Man kanns kaum glauben, aber Shih Wei Huang ist, als Absolventin des Meisterkurses an der HSLU, immer noch Studentin, natürlich mit dementsprechend kleinem Einkommen. Im Anschluss wurden die Gäste noch mit einem Apéro riche verwöhnt und unterhielten sich noch angeregt, pflegten bestehende Kontakte und knüpften neue. Fazit: ein tolles, weil einmaliges Erlebnis in aussergewöhnlich stimmigem Ambiente, Weltklasse hautnah, nicht abgehoben, dargereicht von einer sympathischen, bodenständig geerdeten Persönlichkeit, mit einer grossen Ausstrahlung. Das Ganze organisiert von zwei ebensolchen Gastgebern, genossen von eingeladenen Glückspilzen.
Ludwig van Beethoven Violinkonzert D-Dur op. 61 Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Gil Shaham (Violine) Sir Roger Norrington (Ehrendirigent) Zürcher Kammerorchester
Rezension:
Verliebter Beethoven – unter diesem Motto stand das Konzert des Zürcher Kammerorchester vom 13. November 2017. Es schien das perfekte Thema, um den «Novemberblues» zumindest für einen Abend zu vergessen und im Publikum Frühlingsgefühle zu wecken. Für das ZKO war es ein ganz besonderer Abend, denn ihr langjähriger Principal Conductor Sir Roger Norrington kehrte für ein Gastspiel in die Schweiz und zu dem 1945 gegründeten Orchester zurück. Gespielt wird eine seiner Passionen, eine Beethoven-Sinfonie, sowie das Violinkonzert desselben Komponisten. Zumindest das erste Werk wird heute eher selten aufgeführt. Umso gespannter erwartet das Publikum das kommende Konzert.
Wechselbad der Gefühle
Gil Shaham by Luke Ratray
Eingeleitet wird die Aufführung mit Beethovens einzigem Violinkonzert, das erst 38 Jahre nach seiner Uraufführung 1806 seinen Platz in der gängigen Konzertliteratur fand. Zum zweiten Mal hatte ich das Vergnügen, Gil Shaham als Solist erleben zu dürfen. Und wie schon vor zwei Monaten bei den Berliner Philharmonikern zieht er das Publikum alleine mit dem Betreten der Bühne dank einer mitreissenden Präsenz und seiner liebenswürdigen Ausstrahlung in seinen Bann. Kaum erklingt die erste Note des Werkes ist Shaham Feuer und Flamme. Mal strahlt er über beide Ohren, mal greift er sich während einer Orchesterpassage gerührt ans Herz. In seinen Solostellen entführt der Amerikaner das Publikum in berauschende Hochstimmung, herzerweichende Schönheit und berührende Melancholie. Nicht nur mit seiner musikalischen Interpretation, auch mithilfe von Gestik und Mimik kommuniziert der Solist mit dem Orchester, dem Dirigenten und den Zuhörern. Das Zürcher Kammerorchester erwies sich dabei als äusserst agile und feinfühlige Formation, die von stehenden Bläser gerahmt war. Belohnt werden Orchester und Solist mit tosendem Applaus und einer Standing Ovation. Auf seiner 1699er Stradivari spielte Gil Shaham als Zugabe ein Rondo von Bach und verabschiedet so das Publikum in die Pause.
Haydn on drugs
Sir-Roger-Norrington_Foto-Thomas-Entzeroth
Die schönste Musik sei jene, die sich selbst nicht zu ernst nehme. Diese und andere Anekdoten gab der preisgekrönte Dirigent Sir Roger als Einleitung der zweiten Hälfte des Abends zum Besten. Als Beethovens vierte Sinfonie geschrieben wurde, war der Komponist unsterblich in die Comtesse Josephine Brunsvik verliebt. Laut Zeitzeuge Ignaz von Seyfried sprühte Beethoven in dieser Zeit vor Lebensfreude und war für jeden Spass zu haben. Nachdem man die vierte Sinfonie gehört hat, besteht am Wahrheitsgehalt dieser Aussage kein Zweifel mehr. «Haydn hat schon viele Witze in seiner Musik untergebracht, aber Beethoven: das ist Haydn auf Drogen!», witzelt Sir Roger. Der Dirigent führt das Orchester mit ruhiger Hand durch eine gefühlvolle und inspirierte Interpretation der Sinfonie. Die Freude, ein solches Werk mit dem ZKO spielen zu dürfen, ist ihm sichtlich anzumerken. Zwischen den vier Sätzen nimmt der sympathische Brite jeweils Blickkontakt mit dem begeisterten Publikum auf und lässt genügend Zeit für Zwischenapplaus.
Rosafarbene Brille
Nach rund zwei Stunden war das Konzert zu Ende. Das Publikum war sichtlich begeistert und honoriert die Aufführenden mit einem lange anhaltenden Applaus. Den Abend ausklingen lassen konnten die Besucher im atmosphärischen Foyer der Maag Halle bei einem Apéro gemeinsam mit den Musikern. Ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige war, die Zürich nach dem Konzert durch eine rosafarbene Brille gesehen hat.
Manon ist eine Figur aus Abbé Prévosts Feder. «L’histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut» hiess der Roman, den der französische Komponist Jules Massenet vertonte. Das Stück, erstmals 1884 in Paris aufgeführt, wurde zum Standardwerk der französischen Oper und erfreut sich vor allem im französischen Sprachraum grosser Beliebtheit.
Schon mal vorneweg: Die Luzerner Manon von Jules Massenet ist ein musikalischer und visueller Hochgenuss. Zusammengeschnitten auf zwei Stunden mag da die Geschichte ein bisschen gar rasant vorangehen, musikalisch gesehen jedoch werden dem Publikum die Highlights der Oper auf höchstem Niveau präsentiert. Dies Dank einem wunderbaren LSO (Leitung von Yoel Gamzou) welches die emotionale, teils schon fast kitschige Musik Massenets mit der nötigen französischen Leichtigkeit interpretiert aber natürlich vor allem Dank der hochkarätigen Sängerinnen und Sänger und nicht zuletzt auch des reduzierten aber raffinierten Bühnenbildes.
Rebecca Krinsky Cox, Jason Cox, Sarah Alexandra Hudarew, Bernt Ola Volungholen, Robert Maszl, Diana Schnürpel
Aber von vorne: Manon, 16-jährig, etwas zwischen Femme Fatale und Kindsfrau, kokett, genusssüchtig, lasziv und gleichzeitig träumerisch, wird von ihren Eltern ins Kloster geschickt. Aber bereits in Amiens, wo ihr Cousin Lescaut sie abholen soll, nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Die junge Frau verliebt sich Hals über Kopf in den Chevalier des Grieux und flieht mit ihm nach Paris, wo die Geschichte noch einmal eine andere Wendung nimmt. Manon verfällt Monsieur de Brétigny, der ihr ein Leben in Luxus bieten kann. Trotzdem kehrt sie später zu des Grieux zurück. Die beiden können weder miteinander noch ohne einander. In seinen Armen stirbt sie schlussendlich.
Faszinierende Bilder
Diego Silva
Regisseur Marco Štorman versteht die Luzerner Manon als Kammerspiel, weg von der Revue, hin zu einer klaren, reduzierten Aussage mit Fokus auf dem Liebespaar Manon/des Grieux. Die Bühne ist praktisch leer, der Boden schwarz glänzend, ein Tisch ein paar Stühle und ein Lichtobjekt, das raffiniert eingesetzt mal einen Stern, dann ein Glücksrad, dann ein Kreuz darstellt. Das grelle Licht dieses Objektes stellt die durchwegs schwarz gekleideten Sängerinnen und Sänger meist in den Schatten, der Fokus liegt nur auf Manon in ihrem leuchtend gelben Kleid oder auf dem Paar Manon/des Grieux. Ab und zu holt Štorman die Figuren aus dem Schatten und kreiert kunstvolle, perfekt arrangierte Gruppenbilder, die an riesige Schwarz-Weiss Fotografien erinnern. Das Bühnenbild ändert kaum, die Intimität der Pariser Wohnung wird angedeutet dadurch, dass sich Manon und des Grieux barfuss bewegen, ein paar Kissen symbolisieren das Bett. Erst ganz am Schluss, wenn sich alles auflöst, wenn sich die wahren Charakteren der verschiedenen Darsteller zeigen, erlöscht das Lichtobjekt, die Bühne wird sichtbar, grau in grau, die Figuren plötzlich ohne Glanz und Glamour. Die letzte Arie singen Manon und des Grieux am Bühnenrand, während hinter ihnen ein leicht durchsichtiger Vorhang fällt. Manon stirbt nicht in dieser Inszenierung, sie verschwindet im mittlerweile schwach erleuchteten Zuschauerraum.
Begeisternde Nicole Chevalier
Manon Nicole Chevalier
Nicole Chevalier singt Manon an der Premiere, ihre gewaltige Stimme kennt man aus der Traviata, sie beherrscht und moduliert sie zur Perfektion und bis in die höchsten Lagen. Ihre Bühnenpräsenz und Spiellust sind riesig. Sie imitiert perfekt die Mimik und Gestik eines jungen Mädchens, provoziert, tanzt ausgelassen und unstandesgemäss, verführt und wird verführt. Ihre wunderbare Stimme hat aber sehr viel Reife für ein 16-jähriges Mädchen und man kommt nicht umhin sich zu wünschen, auch Magdalena Risberg als bestimmt ganz andere Manon-Interpretin zu erleben. Ein kluger Schachzug…? Diego Silva als des Grieux ist stimmlich ein adäquater Chevalier, etwas verschämt, etwas verloren neben dieser leuchtenden Manon, Jason Cox als Brétigny hat etwas Verschlagenes, fast Teuflisches, und umwerfend und sichtlich in seiner Rolle aufgehend Bernt Ola Volungholen als Manons Cousin Lescaut, schleimig, spöttisch, von sich selber eingenommen.
Eine sehr konzentrierte Manon, nie langweilig und mit Fokus auf die Stimmen und die herrlichen Arien Massenets.