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Lifestyle

Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn

Mögen Sie Eulen, Big Bands und J.F.Kennedy? von Anna Rybinski

Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn
Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn

Wenn Sie die Frage mit ja beantworten, sind Sie bei uns an der richtigen Adresse!

Das nächste Konzert  von MusikWerk Luzern findet in MaiHof Luzern, am 4. November um 19.00 Uhr statt.

MusikWerk Luzern bietet seinem Publikum diesmal  ein spezielles Programm an:  Jungtalente der Hochschule Luzern werden  Musik von Igor Stravinsky und Leonard Bernstein zum Swingen bringen.

 

Igor Stravinsky in Hollywood,Foto Paul Sacher Stiftung
Igor Stravinsky in Hollywood,Foto Paul Sacher Stiftung

Diese Saison ist bei MusikWerk Luzern dem russischen Jahrhundertgenie Igor Stravinsky gewidmet. Im vierten MaiHof-Konzert erklingen Werke auch aus den späteren Jahren, in denen er  neue Musikrichtungen und Kompositionstechniken ausprobierte und aneignete.

Kaum ein Komponist, der so  unterschiedliche Phasen in seinem Schaffen durchlief, als Igor Stravinsky. Zwischen der russischen Periode, die von der Volksmusik stark beeinflusst war, und den amerikanischen Kompositionen, die im Exil entstanden sind, liegen Welten.

In seiner letzen Heimat, Kalifornien, war er vom allgegenwärtigen amerikanischen Sound, dem Jazz, umgeben. Stravinskys Beziehung zum Jazz fing jedoch schon in seinen frühen Pariser Jahren an. Mit seinem 1945 komponierten  «Ebony Concerto» erreicht seine Affinität zum Jazz einen Höhepunkt, zumindest so, wie  Stravinsky den Jazz für sich interpretierte.  Das Werk  bleibt allerdings in seinem Aufbau fast klassisch.

Nach Arnold Schönbergs Tod nähert er sich auch der Zwölftontechnik an, die er aber selbstverständlich anders auslegt als sein Erfinder: manchmal verspielt, manchmal virtuos.

Die Kompositionen «The owl and the Pussycat», sowie die «Fanfare for a new theatre» zeugen davon.

Schlüsselwerk von Stravinsky

MusikWerk zu Gast in Basel,Foto Benno Hunziker
MusikWerk zu Gast in Basel,Foto Benno Hunziker

Auch ein Schlüsselwerk von Stravinsky für grosses Bläserensemble wird an diesem Konzert erklingen: die «Symphonies d’instruments à vent».

Der Titel ist irreführend: es ist keine Sinfonie! Er meinte nur «zusammenklingend».

24 Blasinstrumente klingen hier zusammen und verschiedene musikalische Bausätze reihen sich aneinander, wie: Glockenmotiv, Choralmotiv, Tanzmotiv und russische Melodien. Diese Komposition hinterliess bei der Uraufführung im Publikum zunächst einen enttäuschenden Eindruck. Die Zuhörer erwarteten die sinnlichen Klänge eines Petruschka oder Feuervogels, stattdessen wurde ihnen ein herbes Musikkonstrukt präsentiert. Ein Kritiker behauptete, der Anfangsteil klänge nach den Schreien eines Esels.

Es leitete aber eine einschneidende Phase in seinem kompositorischen Schaffen ein, wie Stravinsky  selbst bestätigte.

Stravinskys «Elegie» zum Andenken an J.F Kennedy und das Werk «Prelude, Fugue and Riffs» von seinem amerikanischen Zeitgenossen, Leonard Bernstein ergänzen das abwechslungsreiche Programm.

 

MusikWerk in MaiHof,Foto Ingo Hoehn
MusikWerk in MaiHof,Foto Ingo Hoehn

Ob der Anfang der «Symphonies d’instruments à vent» an die Schreie eines Esels erinnert? Klingt das «Ebony concerto» wirklich jazzig?

Das Publikum möge es selbst entscheiden.

Es spielen das Bläserensemble und     Dozente  der Hochschule Luzern – Musik.

https://www.musikwerkluzern.ch/

Text: annarybinski.ch/

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Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer

Luzerner Theater, Die schwarze Null Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, Première vom 6. Oktober 2017, besucht von Felicitas Kranich

Die schwarze Null,Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, v.l.n.r.Adrian Furrer, Maximilian Reichert, Wiebke Kayser Foto Ingo Höhn, Luzerner Theater

Die schwarze Null,Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, v.l.n.r.Adrian Furrer, Maximilian Reichert, Wiebke Kayser Foto Ingo Höhn, Luzerner Theater

 

Produktion und Besetzung:

Inszenierung: Ivna Žic Raum und Video: Martina Mahlknecht Kostüme und Objekte: Sophie Reble Reportagen: Erwin Koch Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Julia Reichert

 

Rezension:

Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer
Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer

Nach dem mutigen Unterfangen eine Novelle des 19.Jahrhunderts in ein zeitgenössisches Grusical umzugiessen, unternahm das Luzerner Theater ein weiteres Wagnis: Die Inszenierung von Reportagen von Erwin Koch. Der bekannte Luzerner Journalist liefert mit fünf ausgewählten Geschichten sowie einer eigens für den Anlass geschriebenen Anekdote den Stoff für einen «Totentanz aus der Agglomeration», so der Untertitel. Die Analogie von «schwarzer Spinne» zu «schwarzer Null» ergibt sich also aus der Verstrickung des Menschen in Schuld und Schulden als archaisches Muster der Conditio Humana.

Was das Leben übrig lässt                

Szenenfoto schwarze Null,  Wiebke Kayser und Maximilian Reichert
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert

Indem die Theaterbesucher mitten auf der Bühne Platz nehmen, im Bühnenbild der «schwarzen Spinne» sozusagen, werden sie selbst ein Teil des Welttheaters. Man sitzt auf dem Dorfplatz, mitten im Leben, es ist Fastnacht. Am Narrenbaum wirbeln bunte Bänder. Das Publikum ist vorbereitet auf die Geschichten, die diese Lebensfäden erzählen.

Rezitativer Einstieg in Erwin Kochs Geschichten

Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser

In Form einer Lesung beginnt die erste Geschichte von Erwin Schröter, dem «Robin Hood» aus Schötz. Er scheint unter einer Fastnachtsmaske selbst anwesend zu sein. Seine Tragik in der Definition des «schuldlos schuldig – Werdens» besteht in seiner Gutherzigkeit. Er wird die schwarze Null verfehlen, aus purer Güte. Die Lesung öffnet sich zum dramatischen Spiel und die musikalische Untermalung gewinnt theatralen Charakter. Erwin Schröter werden wir ganz am Schluss der Aufführung wieder begegnen. Ist das eine kleine Anspielung auf die fehlende Rahmengeschichte des Grusicals?

Beziehungskiste in vier Akten

Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert

Die Liebesgeschichte von Doris und Josef unterteilt die Regisseurin Ivna Zic in vier Sequenzen. Sie suchen sich per Internet, verlieben sich, vor der Hochzeit sind noch dringende Geständnisse fällig, existenzieller Art. Geständnisse, die über Ende oder Weiterbestehen der Beziehung entscheiden. Diese radikale Selbstauslieferung wirkt beschämend, anrührend. Doris, die 150 Kilo Lebendgewicht überzeugend gespielt von der grazilen Wiebke Kayser, besticht durch ihre Liebesfähigkeit, die erst klar Schiff machen muss, bevor sie ihren Josef zu heiraten wagt. Er soll wissen mit wem er es zu tun hat. Erst wenn er sie noch will, nachdem er weiss, dass sie in der Spinnwinde (Psychiatrie) war, kann sie mit ihm an den Altar treten. Sie sagt ihm von Anfang an, dass sie mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht hat. Maximilian Reichert verkörpert den abgründigen, grundtreuen Josef glaubhaft. Seine Schwäche für Lokunfälle, die er begeistert fotografisch dokumentiert, nimmt man ihm ebenso ab wie seine Kraft sich gegen die ehrabschneidende Entlassung auf raffinierte Art zu rächen. Er befreit sich von der erniedrigenden Last, er findet zur Tat.

Erwin Koch hält auch traurige Geschichten literarisch fest

Die Geschichte vom Selbstmord des Elfjährigen, der eines heiter-hellen Tages von der «hohen Brücke springt ohne Schrei» dürfte die bizarrste Geschichte des Abends und damit ihr dramatischer Höhepunkt sein. Hier wird der Leser von Erwin Kochs Reportagen diesen speziellen Duktus wiedererkennen, der seinen Stil kennzeichnet. Rekonstruierende staubtrockene Beschreibung, so distanziert, dass es bereits schmerzt, detailliert bis in den Nanobereich. Das Rätsel darüber, was Leben auch sein kann, im Extremfall offenbar der Wunsch zu sterben, wird in dieser Geschichte am deutlichsten. Wir blicken in einen Abgrund, dessen klaffender Spalt der Verstand nicht zu überbrücken vermag.

Komisch – tragische Dreieicksgeschichte

Szenenfoto schwarze Null, Maximilian Reichert und Wiebke Kayser
Szenenfoto schwarze Null, Maximilian Reichert und Wiebke Kayser

Albert T., Laura N. und Oskar D. führen eine Menage a trois. Dass da einer zu viel ist, leuchtet allen ein, bis auf den glücklichen, betrogenen Ehemann, der am Leben hängt, gutgläubig und unverwundbar, mehreren Mordversuchen zum Trotz. Einer dieser Mordversuche, der Knollenblätterpilz, spielt eine tragende Rolle. Wir sind wieder im Fastnachtstreiben angelangt, das so grotesk ist wie das Leben selbst.

Kein Wintermärchen auf dem Pilatus

Der letzte Erzählfaden, mit dem die vorigen Geschichten verschnitten sind, widmet sich der letzten Winterwartin auf dem Pilatus. Sie schuldet ihr bitteres «Winterwinterwinterleben» einem unbedachten trotzigen Ausspruch, den sie einst zur Beschwichtigung ihres Vaters geäussert hatte. Mit dem Versprechen, den ersten Mann zu heiraten, der auf den Berg komme, besiegelt sie ihr eigenes grausames Schicksal. Sepp hat nicht gesprochen.

Nach vielen «kalten Abenden», vielen Daten, Jahreszahlen, Uhrzeiten macht sich langsam eine gewisse Müdigkeit im Publikum breit, da fällt dem Erzähler noch jene Anekdote ein, die er auf Schweizerdeutsch zum Besten gibt. Felix G., Jurist und Millionär spart sich selbst zu Tode aus krankhaftem Sparzwang. Die Bezüge bedürfen keiner Erläuterung für den lokalen Theaterbesucher. Wir kehren zurück zu Erwin Schröters Lebensresten, den guten Menschen aus Schötz. Er schafft es nicht sich zu erschiessen.

Unwägbare Wirrungen in unserem Sein

Autor Erwin Koch
Autor Erwin Koch

Das Rätsel der Mechanismen des Lebens bleibt, wir können unzählige Geschichten ausbreiten, sie studieren und analysieren. Wieso sich der eine von seiner Last befreien kann, notfalls durch eine Schuld, während die Bilanz des anderen am Ende seines Lebens unausgeglichen bleibt, werden wir nicht ergründen. Es bleiben Reste, unüberbrückbare Abgründe, Unerklärbares. Ist das ein Plädoyer für das Weitererzählen, für das sich weiter Wundern?

Fazit der Rezensentin

Die Frage der Eignung von Reportagen zur Dramatisierung steht noch aus. Der mutige Inszenierungsversuch lässt Zeit zur Entstehung von dem, was beim Lesen an Intimität zwischen Protagonist und Leser entsteht. Auf der Bühne wird dieses meditative Moment bald zur Beklemmung. Beim Schlussapplaus wirkte selbst der anwesende Autor etwas beklommen neben dem vom Fastnachtstanz im Strohkostüm erschöpften «Josef». Wiebke Kayser hielt die federleichte Spannung bis zuletzt.

Trailer mit Regisseurin Ivna Žic

http://www.luzernertheater.ch/dieschwarzenull

Trailer der Produktion

vimeo.com/237108022

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2017/10/06/luzerner-theater-die-schwarze-null-zentralschweizer-reportagen-von-erwin-koch-premiere-6-oktober-2017/

Text: Fee Kranich

Fotos: www.luzernertheater.ch,  Ingo Höhn

 

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anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon

Luzerner Teater, Tanz 25: Variationen des Seins Tanz. Musik. Box. Choreographie von Georg Reischl. Uraufführung, Premiere besucht von Gabriela Bucher – Liechti, 15. September 2017

anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon
anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon

Produktion und Besetzung:

Choreographie und Kostüme: Georg Reischl Bühne: Lea Burkhalter Auftragskomposition: Vincent Glanzmann

Tanz Luzerner Theater: Zach Enquist, Shota Inoue, Carlos Kerr Jr., Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Aurélie Robichon, Tom van de Ven, Andrea Thompson, Giovanni Insaudo, Sandra Salietti, Valeria Marangelli, Louis Steinmetz, Aurora Stretti

Rezension:

Aurelie Robichon, Dor Mamalia
Aurelie Robichon, Dor Mamalia

Das Luzerner Tanztheater sorgt immer wieder für neue Erfahrungen, so findet «Tanz 25: Variationen des Seins» in der «Box» statt, also auf kleinstem und engstem Raum. Der Choreograph Georg Reischl will, wie in «Tanz 22: Up/Beat», die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Tanz und Musik ausreizen. Musikalisch begleitet werden er und die Tänzerinnen und Tänzer des Luzerner Theaters wieder vom Schweizer Schlagzeuger Vincent Glanzmann. Dieser komponierte speziell für diese Produktion ein Werk für Schlagzeug und elektronische Musik, vermischt mit Alltagsgeräuschen.

Olivia Lecomte GP
Olivia Lecomte GP

Auf schwarzen Teppichläufern rund um eine schneeweise Fläche begeben sich die Besucher auf ihre Stühle, die um diese Fläche herum in zwei Reihen aufgestellt sind. Das weisse Rechteck ist wie eine Projektionsfläche, auf welcher jeder seine Erwartungen ausbreiten kann, direktere und beobachtende Erwartungen dadurch, dass man sich als Publikum gegenüber sitzt. Durch die noch offene Türe leuchtet der Nespresso-Namenszug, Autolichter blitzen auf, verschwinden, Passanten gehen vorbei. Der Alltag mischt sich auch visuell ein ins Geschehen.

 

Begegnungen aus nächster Nähe

Sada Mademowa
Sada Mademowa

Dann kommen die Tänzerinnen und Tänzer auf die Tanzfläche, in ihren selber ausgesuchten Kleidern, «outfits», wie die Tanzdramaturgin Selina Beghetto in ihrer Einführung erklärte: Ein rotes Hängerchen, ein buntes Hemd, ein Tanktop, ein bauchfreies Shirt, eine flatternde Bluse, verschieden farbige Socken. Sie setzen sich auf die Stühle, die auf der Tanzfläche stehen, massieren ihre roten, braunen, grünen Füsse. Dann beginnen sie ihre Reise, anfänglich alle gemeinsam, wie festgeklebt auf ihren Stühlen, stellen sich dem Publikum vor, stellen sich vor das Publikum, sehr nahe, so nahe, dass man nicht wegsehen kann. Sie bewegen sich im Raum, immer mit ihren Stühlen, bis sich einer nach dem anderen löst, ausbricht und sich selber erfährt, sich erfühlt in Bewegungen. Diese sind mal spastisch verkrampft, mal schlangenhaft fliessend, mal erratisch, mal kampfsportartig, dann wieder versonnen und träumerisch. Mal stehen sie zu dritt auf der Fläche und bewegen sich im Gleichklang, mal einzeln, mal alle zusammen, mal als Pas de deux aber immer irgendwie nur sich selber und allein. Besonders eindrücklich die Szene mit Sada Mamedowa und Giovanni Insaudo, wenn sie jede einzelne Note, jedes einzelne Geräusch tanzen, interpretieren und in Bewegung umsetzen, eine perfekte Symbiose von Musik, Geräusch und Tanz.

Verloren im Detail

Olivia Lecomte, Carlos Kerr, Valeria Marangel li, Andrea Thompson
v

Die unglaubliche Nähe der Tänzerinnen und Tänzer hat etwas Faszinierendes, lenkt aber auch ab. Man verliert sich in der Betrachtung einer muskulösen Schulter, eines flatternden Armes, einer zarten Wirbelsäule, man beobachtet fasziniert, wie unterschiedlich ein Fuss aufgesetzt werden kann, wie sich Arme und Beine auf beinahe rätselhafte Weise verschlingen, wie sich ein Körper schlangenartig und mit einer unglaublichen Elastizität (Carlos Kerr Jr.) auf dem Boden bewegt.

Man müsste dieses Stück wohl, drei, vier Mal sehen, wie es auch Beghetto erwähnte, um alle «Variationen des Seins» der verschiedenen Tänzerinnen und Tänzer erfassen zu können. Nach diesem ersten Mal bleiben vor allem das Staunen und die Begeisterung über die unglaubliche Leistung, die Beweglichkeit und die Körperbeherrschung der Tänzerinnen und Tänzer. Direkter und näher kann Tanz wohl selten erlebt werden.

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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leonardwuest.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn

Luzerner Theater, Die schwarze Spinne, Ein Grusical nach Jeremias Gotthelf, Premiere 29. September 2017, besucht von Léonard Wüst

Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn
Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn

Produktion und Besetzung

Inszenierung: Barbara-David Brüesch Bühne: Alain Rappaport Musikalische Leitung: Knut Jensen Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Hannes Oppermann Dramaturgie: Anita Augustin Kostüme: Geraldine Arnold Video: Georg Lendorff

Verena Lercher (Christine) Lukas Darnstädt (Grüner / Erzähler) Christian Baus (Pfarrer) Thomas Douglas (Ritter von Stoffeln) Jakob Leo Stark (Hornbachbauer) Sofia Elena Borsani (Elsi) Alina Vimbai Strähler (Bäuerin) Yves Wüthrich (Hans) Hannes Junker (Live Musik) Statisterie des LT

Anlässlich der Einführung erläuterte Dramaturg Hannes Oppermann, dass man sich u.a. durch den Kult Horrorfilm „Sleepy Hollowdes Regisseurs Tim Burton und die Spielweise und Mimik von Buster Keaton inspirieren liess. Gotthelf habe ja durchaus die „Schwarze Spinne“ im Stil eines Howard Phillips Lovecraft oder Edgar Allan Poe (1809 – 1849)  verfasst. Lovecraft (1890 – 1937), der amerikanische Schriftsteller, gilt bis heute als einer der weltweit einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen und anspruchsvollen Horrorliteratur.

Rezension:

Christine als Spinne (Verena Lerche)
Christine als Spinne (Verena Lerche)

Klassiker umzuschreiben kommt selten gut, ausser man postuliert das Ganze als Parodie und inszeniert es dementsprechend. Im Stückbeschrieb tönt es gut, sogar sehr gut, dass man die Parabel auch in die heutige Zeit umdeuten könne. Ist es das Fremde, das uns das Unglück bringt? (Bei Gotthelf in den Personen der Christine, die aus dem fernen Lindau am Bodensee ins Emmental kam und des herrschenden, nicht einheimischen Lehnherrn Ritter von Stoffel). Oder ist es bloss die Angst vor dem Fremden unbekannten, die Argwohn und Unbehagen auslöst und die Einheimischen verstört? Man kann es wenden und drehen wie man will, im gedanklichen Hintergrund lauert immer die Spinne, die einem, auch wenn man nicht unter einer ausgeprägten Arachnophobie leidet, als etwas Unheimliches und Gefährliches präsent ist. Entweder man bleibt bei Gotthelf und inszeniert dramatisch, oder man parodiert und  macht einen Horrorklamauk daraus. Am Luzerner Theater macht man weder das eine, noch das andere, sondern versucht einen Mittelweg einzuschlagen, wie sich erweisen wird, ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Der Teufel, alias der Grüne, rettet alles

Der Grüne (Lukas Darnstädt) im Mondschein. (Bild Ingo Hoehn)
Der Grüne (Lukas Darnstädt) im Mondschein. (Bild Ingo Hoehn)

„The Castle is ready, the Castle is nice, aber es isch z’heiss“ lautet die Begründung von Schlossherr von Stoffel (Thomas Douglas), weshalb die Dorfbewohner 100 Schatten spendende Buchen auf den Schlosshügel bringen sollen.

Rettet der Teufel in Gotthelfs Parabel die Dorfgemeinschaft vor den unmöglichen Forderungen und den drohenden Repressalien ihres Lehnherrn, des Ritters von Stoffel, ist es bei dieser Adaption und Umsetzung als „Grusical“ das ganze Stück, ja der Theaterabend, der durch die Verkörperung von Lukas Darnstädt in der Rolle des fiesen, hinterlistigen, und trotzdem auf teuflische Art charmanten Jägers (des Grünen) zu verdanken, dass das Ganze nicht in einem Desaster endet. Wenn schon als „Grusical“ deklariert, sollte es mich auch gruseln, oder, wenn als Parodie angedacht, sollte es so karikieren, dass ich zumindest schmunzeln, gar lachen kann. Leider bewirkt es weder das eine, noch das andere. Die Rezitate, die den Schauspielern in den Mund gelegt werden, mal auf Englisch, hochdeutsch oder im Dialekt zu platt, vorhersehbar, ohne Wortwitz. Es ist sicher nicht einfach, einen hochdramatischen Stoff wie die „Schwarze Spinne“ umzufunktionalisieren, deshalb sollte man das besser sein lassen. Wie wärs nächstesmal mit einem von Grund auf selbstverfassten Ur – Emmentaler Spiderman (angewandter Geschlechterrollentausch), statt Gotthelfs Spinne abzuschlachten?

Zur Musik: Die Formation: Keyboard (Kenneth Niggli), Schlagzeug (Hannes Junker), Kontrabass (Madlaina Küng) und Hackbrett (Nayan Stalder). Die Kompositionen von Knut Jensen erinnern mal an Andrew Lloyd Webber Melodien, mal hat man den Eindruck, dass der Landamme tanzt.

Keine Profilierungsmöglichkeiten für die Schauspielerinnen

An den Schauspielern liegt es nicht, zu wenige Gelegenheiten, um wirklich zu agieren und rezitieren. Nebst dem Teufel noch etwas in Erscheinung traten Verena Lercher als unangepasste, selbstbewusste Emanze Christine, Christian Baus als Bibelverse zitierender, Respekt einfordernder Pfarrer und der mal rüpelhafte, mal weinerliche Thomas Douglas  als Burgherr von Stoffel mit seiner kläffenden Schar von Wachhunden, dazu das gesamte Ensemble bei einer kurzen Sequenz in angedeuteter Zeitlupe mit brillantem Lichtdesign, das für kurze Zeit Hoffnung aufkeimen liess, dass doch noch etwas Spannendes passieren würde.

Entsprechend verhalten denn auch der Schlussapplaus eines Publikums, das schon während der ganzen Vorstellung unruhig und verstört wirkte.

Fazit des Experimentes:

Für ein „Grusical“ zu wenig gruusig, kein Gänsehautfeeling, für ein „Musical“ zu wenig spritzig, fast kein Gesang und ohne Tanz. Der einzige Gewinner der Inszenierung ist Lukas Darnstädt, der sich schon fast in Klaus Maria Braundauer Manier sensationell als Emmentaler „Mephisto“ profilieren konnte.

 

Text: leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2017/09/30/luzerner-theater-die-schwarze-spinne-ein-grusical-nach-jeremias-gotthelf-premiere-am-29-september-2017/

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