Zum Hauptinhalt springen

Lifestyle

Schweiz:LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra & Chorus | Simon Rattle | Barbara Hannigan, 23. August 2014, besucht von Léonard Wüst

LUCERNE FESTIVAL ACADEMY OrchestraProgramm und Ausführende:

LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra | LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Chorus (James Wood Einstudierung) | Simon Rattle Dirigent | Barbara Hannigan Sopran

Paul Dukas (1865-1935) Fanfare pour précéder «La Péri»
Claude Debussy (1862-1918) Rondes du Printemps aus Images
Unsuk Chin (*1961) Le Silence des Sirènes für Sopran und Orchester
Uraufführung | Auftragswerk Roche Commission
Luciano Berio (1925-2003) Coro für vierzig Stimmen und Instrumente

Rezension:

Im Januar 2013 gab Sir Simon Rattle bekannt, dass er seinen im Jahr 2018 auslaufenden Vertrag mit den Berliner Philharmonikern nicht mehr verlängern werde.

Sir Simon Rattle, Chefdirigent

 

In Luzern leitete er nicht sein Stammorcheser sondern das LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra, das normalerweise unter der künstlerischen Leitung von Pierre Boulez steht, der krankheitsbedingt dieses Jahr nicht am Festival teilnehmen kann.

Mit Luciano Berio`s spätavantgardistischem Monumentalwerk „Coro“ für Chor und Orchester setzte Rattle die Latte sehr hoch, zumindest für das Publikum, dem diese Komposition wohl grossmehrheitlich unbekannt gewesen sein dürfte. Für diesen einen Abend liess Rattle auch extra einen 4o Sängerinnen umfassenden Chor „casten“, der diese Partitur unter der Leitung von James Wood einstudierte.

Komponistin Unsuk Chin

 

Der Reihe nach: im ersten Konzertteil je ein kurzes Werk von Paul Dukas (1865 – 1935) und Claude Debussy (1862 – 1918), dann überraschte uns ein klarer a capella Sopran wie aus dem Nichts, der aus dem Bereich des hinteren Saalteiles erklang. Ihren Solopart weitersingend durchschritt die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan (artiste étoile des diesjährigen Festivals) den Konzertsaal, stieg auf die Bühne und gesellte sich zu Dirigent und Orchester. Es war der überraschende Auftakt des, von der südkoreanischen Komponistin Unsuk Chin (*1961, Composer in Residence dieses Festivals), geschriebenen Auftragswerk der Roche Commission: „Le Silence des Sirènes“ für Sopran und Orchester. Nach Textmotiven von Homers „Odyssé“ und „Ulysses“ von James Joyce verfasste Chin ihre Komposition auf eine Art, gegen Ende der Partitur fast unsingbar ,wie sie gegenüber Mark Sattler im Vorgespräch des Konzertes aussagte. Vor allem habe sie im Prinzip das Ganze phonetisch umgesetzt und sei dabei aber auch online in ständiger Verbindung mit Barbara Hannigan gestanden, hätte ihr auch immer wieder Partitur Auszüge übermittelt, die von der Sopranistin jeweils umgehend mit einem „no problem“ kommentiert worden seien.

Sopranistin Barbara Hannigan und Sir Simon Rattle

 

Zurück zum Konzert. Unglaublich wie klagend, apostrophierend, neckisch, ablehnend, jaulend, euphorisiert, manchmal fast trotzig und zornig die Kanadierin diesen Sprechgesang interpretierte. Auch das von der Interpretin ausgewählte wallende Outfit war perfekt abgestimmt zur visuellen Darstellung der Sirene, in Verbindung mit Dirigent und Orchester schlicht und einfach ein grandioses Gesamtkunstwerk, das wieder einmal klare Akzente in der Interpretation moderner Musik zu setzen wusste.

Das Publikum (ausverkaufter Konzertsaal) würdigte diese Darbietung denn auch entsprechend mit langanhaltendem stürmischem Applaus.

Nach der Pause dann das eingangs erwähnte 60minütige Pièce de Resistance dieses denkwürdigen Abends, der “Coro”, dem folkloristische Elemente verschiedener Kulturen und Textfragmente von Pablo Neruda zugrunde liegen.
Wie Luciano Berio bei früherer Gelegenheit mal aussagte, wurde der Auftakt der Komposition auch von den damaligen Konflikten in Nahost beeinflusst, daher zu Beginn die Sequenz, die akustisch stark einen massiven Bombeneinschlag andeutet.

Das Ganze war nichts für zartbesaitete sensible Naturen. Auch durch die direkte Integration des Chores ins Orchester (d.h. neben 2 Musikern sass jeweils eine Sängerin) war man auch teilweise abgelenkt, leicht überfordert den Überblick zu behalten, da mal auf der linken Seite sich eine Sängerin erhob, dann wieder in der Mitte oder hinten, rechts, vorne usw.. Dass sich da aber Ausserordentliches ereignete, war irgendwie trotzdem allen Konzertbesuchern klar, wurden doch die Protagonisten mit wahren Applausorgien überschüttet. Ein aussergewöhnlicher, aber auch sehr anspruchsvoller und anstrengender Event, ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Festivals, immer offen für das Neue, dabei trotzdem die Tradition bewahrend und seine Wurzeln nie verleugnend.

Lucerne Festival Academy Chorus

 

 

Videotrailer von Sir Simon Rattle mit den Berlinern Philharmonikern:

http://www.berliner-philharmoniker.de/geschichte/sir-simon-rattle/

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch/

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch
www.irenehubschmid.ch www.gabrielabucher.ch  www.erwingabriel.ch, Paul Ott www.literatur.li

  • Aufrufe: 720

Schweiz:Lucerne Festival im Sommer 2014,Sinfoniekonzert 2, West-Eastern Divan Orchestra, Leitung: Daniel Barenboim,besucht von Léonard Wüst

West Eastern Diwan Orchestra

 

Besetzung: West-Eastern Divan Orchestra | Daniel Barenboim Dirigent | Peter Seiffert Tristan | Waltraud Meier Isolde | Ekaterina Gubanova Brangäne | René Pape König Marke | Stephan Rügamer Melot

Konzertprogramm:

Ayal Adler (Israel,*1968)
Resonating Sounds für grosses Orchester | Europäische Erstaufführung

Kareem Roustom (Syrien,*1971)
Ramal für Orchester | Europäische Erstaufführung

Richard Wagner (1813-1883)
Tristan und Isolde
Konzertante Aufführung des zweiten Akts

«O sink hernieder, Nacht der Liebe»: Wie der Überschwang der Gefühle und die hemmungslos entfesselte Ekstase klingen, das hat niemand eindrucksvoller demonstriert als Richard Wagner. Im zweiten Aufzug von Tristan und Isolde zelebriert er einen tönenden Liebesakt – und war am Ende über die Wirkungsmacht seiner Musik selbst erschrocken: «Ich fürchte, die Oper wird verboten», schrieb Wagner an seine Muse Mathilde Wesendonck. «Nur mittelmässige Aufführungen können mich retten! Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen.» Wundern Sie sich also nicht, wenn dieses Konzert Sie in den Wahnsinn treibt … Dass Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra indes auch ganz anders klingen kann, beweist der erste Teil mit Werken des Israelis Ayal Adler und des Syrers Kareem Roustom. Ganz im Sinne Richard Wagners: «Kinder! macht Neues!»

Daniel Barenboim, Dirigent

 

Grundsätzliches zum Orchester:Koexistenz und konstruktive Zusammenarbeit in Harmonie ist möglich, das beweisen Daniel Barenboim und seine Mitmusiker des West Eastern Divan Orchestra immer wieder eindrücklich aufs Neue. Wer ein Konzert dieses Orchesters besucht, kommt an vergangenen und aktuellen politischen Konflikten sowie kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten nicht vorbei, ist doch das Ensemble mit Musikern besetzt, die aus Ägypten, Syrien, Iran, dem Libanon, Jordanien, Tunesien, Israel, Palästina und Andalusien stammen. Da liest keiner dem andern die Leviten, da studieren alle gemeinsam die Partitur und interpretieren dann alles wie vom jeweiligen Komponisten gewünscht und vorgegeben. Da übertönt nicht brutal die Posaune den Streicher, da knüppelt nicht der Paukist einfach mal so die Querflötistin nieder. Hier zählt nicht die Lautstärke, sondern das gegenseitige Zuhören und Respektieren. Nur im Zusammenspiel aller gelingt es, das Ganze über die Partikularinteressen des Einzelnen zu stellen.

 

Rezension:

Zu Beginn wurden zwei europäische Erstaufführungen geboten, beides Auftragswerke des Orchesters, auch hier ausgewogen: das eine war die Komposition des Syrers Kareem Roustom, das andere ein Werk des Israeli Ayal Adler.

 

Nach der Pause, im zweiten Konzertteil erlebten wir

Überragende Gesangssolisten bei der Darbietung des zweiten Akts von Richard Wagner`s „Tristan und Isolde“.

Bei konzertanten Darbietungen von Opernwerken wirken die Sänger meist ein bisschen unbeholfen und hölzern in ihren Bewegungen und ihrer Mimik, dies wohl aufgrund des ungewöhnlichen Umfeldes, der relativ kargen Bühne, kein opulentes Bühnenbild, das Orchester nicht im gewohnten Orchestergraben sondern auf gleicher räumlicher Ebene.

Peter Seiffert, Tristan, Tenor

„Tristan“ Peter Seiffert, stimmlich, als auch körperlich voluminös und „Isolde“ Waltraud Meier harmonierten perfekt mit dem brillanten Orchester, das von Daniel Barenboim mit Gestik und Mimik zu Höchstleistungen angespornt wurde.

Wagner`s Kompositionen fordern ja bekanntlich nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Zuhörer, die Wagnerianer wohl etwas weniger als die „Neutralen“, zu denen ich auch mich zähle.

 

 

Waltraud Meier, Isolde, Sopran

 

Der langanhaltende kräftige Schlussapplaus demonstrierte aber mehr als eindrücklich, dass sich alle Anwesenden einig waren, einem ebenso beeindruckenden, wie aussergewöhnlichen Konzert beigewohnt zu haben.

Videotrailer betreffend den mystischen Tristan Akkord:

https://www.youtube.com/watch?v=ZNxQJ8jQYm0

Und das ist er, der geniale, richtungsweisende Tristanakkord:

Der Tristanakkord

Der Tristanakkord

 

 

 

 

Homepage dieses einzigartigen Orchesterprojekts:

http://www.west-eastern-divan.org/

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.lucernefestival.ch/de/

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch
www.irenehubschmid.ch www.gabrielabucher.ch  www.erwingabriel.ch Paul Ott:www.literatur.li

  • Aufrufe: 680

Schweiz: 4o Jahre Jazz Festival Willisau

jazzwillisaulogoVom 27. bis 31. August 2014 findet die 40. Ausgabe des Jazz Festival Willisau statt. Anstelle von nostalgischen Jubiläumsfeierlichkeiten setzt das Festival auf aktuelle Musik in einmaliger Atmosphäre.

 

Eine Woche vor dem Start des Festivals laufen alle Vorbereitungen nach Plan. Laut Festivalleiter Arno Troxler entwickelt sich der Vorverkauf zufriedenstellend, sämtliche angekündigten Musikerinnen und Musiker werden wie angekündigt auftreten. Zu den Höhepunkten des diesjährigen Programms zählt Troxler das Konzert von Vera Kappeler und Peter Conradin Zumthor (Mi. 27. August, 20.00 Uhr). Die traditionelle Rollenverteilung von Piano und Perkussion heben die beiden auf und kehren sie gelegentlich sogar um. Kappelers subtiler und pointierter Anschlag wird von Zumthors melodiösen Schlagzeugspiel unterlegt. Heftig, laut und donnernd sind zuweilen die Konzerte von Sylvie Courvoisier (Do. 28. August, 20.00 Uhr). Die Schweizer Pianistin mit Wohnsitz New York ist eine der prägnantesten neuen Pianostimmen dieser Tage. Nebst den Konzerten in der Festhalle finden drei Konzerte unter dem Label „Intimities“ in der Stadtmühle Willisau statt.

Impressionen Jazz Festival Willisau 2013

Impressionen Jazz Festival Willisau 2013

Das Pocket Swing Orchestra (Fr. 29. August, 18.00 Uhr) pendelt zwischen alter Filmmusik und aktuellem Jazz, der junge Bieler Gitarrist Roman Nowka (Sa. 30. August, 11.00 Uhr) bietet musikalische Grenzerfahrung im freien Fall und das Westschweizer Duo Leon (So. 31. August, 11.00 Uhr) pendelt zwischen düsterem Soundtrack und Zeremonienmusik. Club-Musik gibt es jeweils um Mitternacht unter dem Titel „Late Spot“ im kleinen Festsaal: Beatie Bossy (Fr. 29. August, 24.00 Uhr) nennt sich eine All-Star Formation junger Schweizer Jazzmusiker, die sich den Songs der legendären New Yorker Hip-Hop Band Beastie Boys verschrieben hat. Stilechten Hip-Hop dann von Big Zis (Sa. 30. August, 24.00 Uhr), der Zürcherin mit der schärfsten Frauenzunge im Schweizer Rap.

Weitere Informationen finden Sie auf:

www.jazzfestivalwillisau.ch

  • Aufrufe: 455

High-Heels: Jede dritte Frau in Deutschland verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf Schuhe mit hohen Absätzen

High HeelsSie lassen die Beine länger wirken und verleihen Abendoutfits den letzten Schliff: High Heels sind für die meisten Frauen aus ihrer Garderobe nicht wegzudenken. Wie jetzt allerdings eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau" herausfand, verzichten nicht wenige Frauen aus gesundheitlichen Gründen auf hohe Absätze. Mehr als ein Drittel der weiblichen Befragten (37,2 %) betonen, sie würden "niemals" Schuhe mit hohen Absätzen tragen, weil das ungesund für ihre Füße sei.

Weiterlesen

  • Aufrufe: 695