Stadt Bochum Infos:Technischer Betrieb pflegt Stadtgrün – Sisyphos-Arbeit bei tropischen Temperaturen
Sonne und Regen – gerne im günstigen Wechsel – lassen Bochums Grün seit Wochen sprießen. Mit viel Körpereinsatz und Maschinenkraft versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt aktuell, Bäume, Sträucher, Hecken und Wiesen in Zaum zu halten. „Es wuchert“, beschreibt Achim Paas, stellvertretender Leiter des Technischen Betriebs, die Situation. Der Grund für das stark ausschlagende Grün: die Schönwetterperiode.
„Ist das grün hier“, hören Bochumerinnen und Bochumer von auswärtigen Gästen oft und gerne. Und es ist ja auch schön, wenn „alles grünt und blüht“. Der Technische Betrieb der Stadt, der den Grünschnitt auf den öffentlichen Flächen – in Parks, auf Spielplätzen und Friedhöfen, an Straßen und Gehwegen – macht, sieht das durchaus schon mal anders. „Wir haben im Moment den Johannistrieb“, erklärt Mechthild Schur, Leiterin der Abteilung „Grün“ beim Technischen Betrieb, diesen zweiten Austrieb nach dem klassischen Frühlingstrieb. „In diesem Jahr haben wir es schon sehr früh sehr warm gehabt. Es war noch viel Feuchtigkeit im Boden. Die Pflanzen haben also die besten Voraussetzungen gehabt. Wir haben dieses Jahr einen unfassbaren Blüten- und Fruchtansatz – zum Beispiel bei Obstgehölzen.“
Das Telefon steht seit Wochen selten still. 70 Leute kümmern sich in Mechthild Schurs Zuständigkeitsbereich um das städtische Grün – systematisch nach Einsatzplan, aber auch auf spontane Zurufe von Bürgerinnen und Bürgern hin. „Die meisten kann man überzeugen, dass wir uns kümmern“, sagt sie. Mit Kettensägen, Elektroheckenscheren, Grasschneidern und einem Fuhrpark aus unterschiedlichen Rasenmähern halten die Beschäftigten des Technischen Betriebs das Grün in Form. Aktuell genießen öffentliche Gehwege und Straßen absoluten Vorrang.
Damit die Verkehrssicherheit gegeben ist, wacht das Tiefbauamt darüber, dass Fußgänger, Rad-, Auto- und Lastwagenfahrer genug Platz in der Höhe und Breite haben, um sich oder ihr Gefährt durch Bochums Straßen zu bewegen. Rudolf Trumbach, verantwortlich für die Unterhaltung von städtischen Verkehrswegen in Bochums sechs Bezirken, spricht von „Lichtraumprofilen“. So hält die Stadt zum Beispiel 4,50 Meter in der Höhe frei von Ästen, damit LKW über Bochums öffentliche Straßen rollen können, ohne dabei Baumzweige zu streifen. „Bei Gehwegen sind es 2,25 Meter in der Höhe“, erklärt Rudolf Trumbach. „Und es gibt Sicherheitsabstände in der Breite.“ Für letztere sei entscheidend, ob es eine Hauptverkehrsstraße mit viel oder wenig Schwerverkehr sei.
Wenn Bäume, Sträucher, Hecken, Gras oder Unkraut von privaten Vorgärten zu weit in den öffentlichen Gehweg oder die Straße wuchern und so Fußgängern den sicheren Raum nehmen oder die Sicht von Verkehrsteilnehmern behindern, versucht der Technische Betrieb dies bei seinen wöchentlichen Kontrollen an Hauptverkehrsstraßen und zweimonatigen Kontrollen bei Nebenstraßen im Gespräch zu lösen. „Wir schellen und sprechen die Leute an“, sagt Thomas Lück. „Manchmal kommt man einfach nicht zum Schneiden. Man muss sich in die Betroffenen hineinversetzen.“ Arbeit, Urlaub, Regenwetter. Die meisten kommen der Bitte nach und greifen zu ihren Gartengeräten. Aber: „Wenn das Grün nicht zurück geschnitten wird und es eine Gefahrenstelle ist, schreiben wir die Anlieger an“, schildert Rudolf Trumbach. Kommen diese der Aufforderung zum Grünschnitt und auch der Erinnerung an diese nicht nach, kann das Tiefbauamt durch den Technischen Betrieb oder private Garten- und Landschaftsbaufirmen (GALA) den Wildwuchs zurückschneiden lassen und die Kosten dafür den Anliegern in Rechnung stellen. „Wir handeln mit Augenmaß, prüfen die Verhältnismäßigkeit“, versichert der Tiefbauamtsmitarbeiter.
Dies ist ebenso, wenn kranke oder beschädigte Bäume beschnitten oder gar gefällt werden müssen. Selbstverständlich gelten für die Stadt die Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz, das in der Schonzeit vom 1. März bis zum 30. September einen massiven Rückschnitt oder eine Rodung von Bäumen, Sträuchern, Hecken, Schilfbeständen und Röhrichten verbietet und nur leichte Formschnitte zur Pflege erlaubt, um brütende Vögel und Insekten zu schützen. Doch die Sicherheit von Fußgängern, Rad- und Autofahrern geht vor, wenn Äste abzubrechen oder Bäume umzufallen drohen. Daher hat der Technische Betrieb kürzlich zum Beispiel Platanen am Freigrafendamm eingekürzt.
Bei ihrem Kampf gegen „übergriffiges“ Grün verzichtet die Stadt übrigens seit Jahren freiwillig auf Unkrautvernichtungsmittel. „Das Ergebnis ist natürlich: Unsere Flächen verunkrauten schneller“, berichtet Mechthild Schur. Diese von Wildwuchs freizuhalten, ist in Bochum zeit- und personalintensive Handarbeit. Der Umwelt zuliebe.
