Gesundheitsmonitoring muss die Vielfalt der Bevölkerung berücksichtigen
Ausgabe 3/2019 des Journal of Health Monitoring stellt neue Daten zur
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vor und
geht auf die Fortschritte beim Aufbau eines migrationssensiblen
Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut ein. „Die Weiterentwicklung
von Methoden und die Gestaltung wissenschaftlicher Standards sind für die
Aufgaben des RKI von besonderer Bedeutung“, betont Prof. Dr. Lothar H.
Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.
Das RKI untersucht mit großen Surveys langfristige gesundheitliche Trends
in der Bevölkerung. „Ein solches Gesundheitsmonitoring muss die Vielfalt
der Bevölkerung abbilden“, unterstreicht Wieler, „daher ist es wichtig,
dass das Bundesministerium für Gesundheit Aktivitäten zur verstärkten
Einbindung von Menschen mit Migrationshintergrund in Gesundheitssurveys
unterstützt.“ In Deutschland haben mehr als 20 Prozent der hier lebenden
Menschen einen Migrationshintergrund, das bedeutet, dass sie oder eines
ihrer Elternteile ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurden. Unter
den Minderjährigen hat über ein Drittel einen Migrationshintergrund.
Menschen mit Migrationshintergrund sind eine sehr heterogene Gruppe. Es
ist eine große Herausforderung, diese Vielfalt zu berücksichtigen und
gleichzeitig eine Vergleichbarkeit verschiedener Datenquellen zu
gewährleisten. Menschen mit Migrationshintergrund nehmen auch seltener an
Befragungen teil, unter anderem aufgrund von Sprachbarrieren und Ängsten
vor sensiblen Fragen. Für eine bessere Beteiligung an Studien ist daher
ein migrationssensibles Vorgehen unerlässlich. Dies ist bei der in
Deutschland einzigartigen Studie zur Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen, KiGGS, sowohl bei der Basiserhebung 2003 bis 2006 als auch
der zweiten Welle 2014 bis 2017 gelungen.
Für die jüngste Analyse der gesundheitlichen Lage wurde nicht nur der
Migrationshintergrund der Kinder und Jugendlichen herangezogen, sondern
auch die Aufenthaltsdauer der Eltern in Deutschland, die zu Hause
gesprochene Sprache und der sozioökonomische Status. Im Journal of Health
Monitoring werden für die Altersgruppe der 11- bis 17-Jährigen Ergebnisse
aus vier Bereichen vorgestellt: Selbsteinschätzung des allgemeinen
Gesundheitszustands, Inanspruchnahme pädiatrischer und
allgemeinmedizinischer Leistungen, Übergewicht und Alkoholkonsum. Beim
allgemeinen Gesundheitszustand zum Beispiel gab es zwischen den
Teilnehmenden mit und ohne Migrationshintergrund keine Unterschiede. Die
große Mehrheit der Teilnehmenden schätzte ihren Gesundheitszustand als
sehr gut oder gut ein.
Auch bei den Gesundheitssurveys für Erwachsene werden Menschen mit
Migrationshintergrund zukünftig besser einbezogen. Grundlage ist das
Projekt IMIRA (Improving Health Monitoring in Migrant Populations,
www.rki.de/imira), das Ende 2019 abgeschlossen wird. Im Journal werden
Erfahrungen mit neuen Konzepten für ein migrationssensibles
Gesundheitsmonitoring vorgestellt. Machbarkeitsstudien zeigten z. B., dass
ein verstärkter persönlicher Kontakt und Videodolmetschen den Zugang zu
als schwer erreichbar geltenden Bevölkerungsgruppen verbessern.
Zwischen Migration und Gesundheit bestehen vielfältige Zusammenhänge. Neu
Zugewanderte haben oftmals einen besonders guten Gesundheitszustand
(„Healthy Migrant Effect“). Ungünstige Arbeitsbedingungen oder eine
schwierige sozioökonomische Situation können zu einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands führen.
Weitere Informationen: www.rki.de/journalhealthmonito
