doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche doxs! 2025: Programm veröffentlicht Duisburg
Wo finden wir Sicherheit in einer wechselvollen Welt? Was bringt uns Ruhe im ewigen Strom
der News, Reels und Streams? Halt lautet das diesjährige Motto von doxs!. Es kann als
Ausdruck von Ankommen und Geborgenheit verstanden werden – aber zugleich auch als ein
Ausruf, der zum Abbremsen und Reflektieren mahnt und Grenzen setzt. 31 aktuelle
Dokumentarfilme erzählen von Kindern und Jugendlichen, die in ihren Familien,
Freundschaften und gemeinsamen Hobbys Halt finden – und anderen, denen genau ein
solcher Anker fehlt.
Ob in Brüssel oder Bogotá, in einem Freibad in der Schweiz oder in den Unterwasserwelten
vor Kalifornien: Die Herausforderungen, mit denen sich die Protagonistinnen und
Protagonisten der diesjährigen Filme konfrontiert sehen, sind groß. Das können
traumatische Ereignisse sein, Erfahrungen von Zurückweisung, Ausgrenzung und
Fremdenfeindlichkeit, Krankheitsfälle im direkten Umfeld oder auch Veränderungen, die den
eigenen Körper und das emotionale Erleben betreffen. Nie verlieren die Kinder und
Jugendlichen dabei das Positive aus dem Blick, sondern gehen mutig ihren Weg.
„Das Programm spiegelt die Lebenswirklichkeit der heranwachsenden Generationen wider
und umfasst die Themen, die diese prägen und beschäftigen. Ein zentrales Motiv ist die
Gemeinschaft. In einer Welt, die so komplex, krisenhaft und überreizt ist wie die unsere,
werden verlässliche Verbindungen immer wichtiger und mit ihnen Orte außerhalb der
sozialen Medien, an denen sich junge Menschen begegnen und miteinander in Austausch
treten können. Dazu gehört auch ein Festival wie doxs!.“ Sina Musche, doxs!-Festivalleitung
Specials: Klanginstallation und Fotoworkshop
Im Freizeitprogramm freut sich doxs! über ein Wiedersehen mit den Taartrovers aus den
Niederlanden, die vor zwei Jahren das junge Publikum begeistert haben. Auch in diesem Jahr
laden sie Kita- und Grundschulkinder dazu ein, in einer liebevoll gestalteten Installation die
Welt der bewegten Bilder, Klänge und Geschichten zu entdecken.
„Ich finde es toll, dass das Festival in diesem Mitmach-Programm Klangerfahrungen mit
Bildern verknüpft und die Kreativität auch der jüngsten Besucherinnen und Besucher des
offenen Ganztags und der Quartiersarbeit fördert.“ Astrid Neese, Beigeordnete der Stadt
Duisburg für Bildung, Arbeit und Soziales.
Erstmals veranstaltet doxs! in diesem Jahr in Kooperation mit der Filmothek der Jugend
NRW einen Fotoworkshop, bei dem sich die Teilnehmenden auf dem Feld des Bildermachens
ausprobieren können. Neu ist auch die Partnerschaft mit dem Café EDeL., in dem das
Festival im Rahmen des Wochenendprogramms den Film „Stahlarbeiterin“ von Lea Schlude
zeigt, eine Produktion im Rahmen des DocuMasterclass Projektes. Mittlerweile ein fester
Teil des Programms ist das Format „Duisburger Klassik“, bei dem junge Menschen ihre
Auswahl aus dem Archiv der Duisburger Filmwoche präsentieren.
Volker Heckner, Leiter der Volkshochschule Duisburg: „Ich freue mich sehr, dass doxs! neue
Programminhalte und Kooperationen vorantreibt – aber auch Konstanten pflegt, wie die
gemeinsame Aktivität mit seinem Partnerfestival, der Duisburger Filmwoche.“
Einblick ins Programm 2025:
Wer bin ich und wie viele? –
Filme über das Kindsein und die Suche nach der eigenen Identität
Ein Mädchen ist in seinem Spiel versunken und folgt allein den Wegweisern seiner Fantasie.
In La flor del camino / The Flower by the Road (GE/HU/PT/BE 2024, Regie: Giorgi
Parkosadze) ist die Erwachsenenwelt nur ein fernes Echo. Auch die Kinder in Ode hry ke
hře / From Play To Play (CZ 2024, Regie: Mikoláš Arsenjev) haben ihre eigenen
Gesetzmäßigkeiten und springen von Spiel zu Spiel. Wie aus einer Garage in der
Millionenstadt Bogotá ein magischer Ort für Kinder wird, erzählt der Film El Paraíso de
Ainara / Ainara's Paradise (DE/CO 2025, Regie: Esther Niemeier & Laura Espinel). Wie
können Kinder (auf-)wachsen ohne Angst und Druck? Wie viel Platz und Akzeptanz findet
ihr kindhaftes Bewusstsein?
Mit dem zunehmenden Alter der Protagonistinnen und Protagonisten verändern sich die
Fragen. Die Suche nach der eigenen Identität tritt in den Vordergrund. Wer bin ich und wo
gehöre ich hin?
Für die Wheelie Boys (BE 2025, Regie: Aisha Adepoju) sind ihre Bikes das Größte. Nur auf
den Hinterrädern radeln sie gemeinsam durch ihren Vorort von Brüssel. Doch der Wechsel
auf unterschiedliche weiterführende Schulen droht das Trio zu zerreißen. Ähnliches Bild in
einem Freibad in der Schweiz: Sechs Jugendliche an der Schwelle zur Pubertät verbringen
im Badi (CH 2025, Regie: Romana Lanfranconi) ihren Sommer. Zwei Jahre später treffen
sie sich am selben Ort wieder – und alles ist anders.
Einen Sommer der Verwandlung erlebt ein achtjähriges Mädchen in De zomer van Eloise /
Eloise's Summer (BE 2025, Regie: Lize Cuveele). Halb Belgierin und halb Kamerunerin findet
Eloise bei einer Friseurin endlich einen Zugang zu ihren Haaren und damit neues
Selbstbewusstsein. Auch die zwölfjährige Jools in Just Jools (BE 2025, Regie: Ezra
Verbist) sehnt sich nach mehr Bestätigung und größerer Stärke. Sie liebt es zu tanzen,
doch niemand traut es ihr zu. Mit Hilfe eines Choreografen öffnet sich für Jools ein Kosmos
der Bewegung, in dem sie endlich zu sich kommt. Der Weg zu einer stabilen Identität ist oft
voller Hindernisse und Kreuzungen. Mitsuki, die junge Frau, die im DocuMasterclass-
Projektfilm SPEARA (DE/US 2025, Regie: Florian Baron) porträtiert wird, ist ihn zu Ende
gegangen. Sie hat Japan nach vielen persönlichen Konflikten hinter sich gelassen und erlebt
in Kalifornien eine vorher nie gekannte Erfüllung.
Wo komme ich her und wo gehöre ich hin? –
Filme über Familienverhältnisse und den Umgang mit der Vergangenheit
Hallo, ich bin auch noch da! Mira, die 11-jährige Protagonistin in Seht ihr mich? (DE 2024,
Regie: Leah Meinhof), würde sich manchmal gerne einen Pfeil über den Kopf hängen, der auf
sie zeigt. Unfreiwillig hat sie in ihrer sechsköpfigen Familie eine Art Co-Elternschaft
übernommen, weil ihr Bruder wegen einer Erkrankung rund um die Uhr Unterstützung
benötigt. Auch Kamila in Nieznane życie kwiatów / The Secret Life of Flowers (PL 2025,
Regie: Jakub Wenda) fühlt sich zu wenig gesehen. Als vor drei Jahren ihr Vater starb,
geriet ihr Leben komplett aus dem Ruder. Keine Familie ist perfekt, doch die Kinder und
Teenager in Morfar har et ødelagt øye og Mamma er en adventure / Grandpa Has a
Broken Eye and Mom is an Adventure (NO 2025, Regie: Marita Mayer) haben einen
pragmatischen Umgang mit der Dysfunktionalität ihres Umfeldes gefunden.
In einigen Filmen ragt die Vergangenheit in die Gegenwart und wirft viele Fragen auf. In Att
skapa en ö / Constructing an Island (SE 2024, Regie: Ebba Gustafsson) bauen zwei
Schwestern eine Insel aus der Kindheit ihrer Mutter nach, um mit ihr endlich ins Gespräch
zu kommen – während die Regisseurin von What Happened To My Olive Tree? (DE 2024,
Regie: Sama Zuhair) sich auf die Suche nach dem Olivenbaum macht, den sie in ihrer
irakischen Heimat zurückgelassen hat. Einer jüngeren Version ihres Ichs begegnet die junge
Protagonistin in La filla d’elles / The Daughter of Both Women (ES 2024, Regie: Malena
Montiel, Nora Alberdi Odriozola, Iona E. Quesada, Alejandra López Puebla, Nhoa Carmona
Aguilar): einer wütenden, gegen die Welt wetternden Teenagerin.
Die Vergangenheit nicht nostalgisch wiederzubeleben, sondern sie neu zu besetzen – das
versucht Upload DDR (DE 2024, 8 Min., Regie: Merlin Rainer) entlang der Soundlinien des
Ost-Techno-Ablegers Hardtekk. Im Tanz und mit Hilfe einer Therapie versucht die
Protagonistin im dritten DocuMasterclass-Projektfilm Für Thea (IT 2025, Regie: Felix Rier)
wieder Kraft und Vertrauen zu finden. In dem animierten Film So ist das Leben und nicht
anders. (DE 2024, Regie: Lenia Friedrich) porträtiert die Regisseurin ihre alte Nachbarin,
deren Gedächtnis immer brüchiger wird.
Wie wollen wir leben? –
Filme über Politik und Widerstand
Aus dem nichts wird Regisseur Daniel Aguirre auf offener Straße politisch und homophob
diffamiert. In arg_gubbe.mov / angry_man.mov (SE 2024) macht er sich auf die Suche
nach dem „wütenden Mann“, um mit ihm ins Gespräch zu kommen jenseits von dumpfen
Ressentiments und unterschiedlichen politischen Überzeugungen. In Notes from Planet
Three (UK 2025, Regie: Simon Ellis) erklärt ein Junge seiner kleinen Schwester auf
wissenschaftlicher Basis das Sonnensystem, während parallel im Internet die
Verschwörungserzählungen wie Supernovas explodieren. Wie sich eine migrantische Familie
Sichtbarkeit in der eigenen Heimat verschafft, zeigt der Film Unser Name ist Ausländer
(CH 2024). Zusammen mit ihren Geschwistern verlegt Regisseurin Selin Besili Stück für
Stück ihr Wohnzimmer auf die Straße.
Dass selbst Städte keine sicheren Zonen sind, zeigt die Animation Nema Mjesta / No Room
(HR 2024, Regie: Jelena Oroz), in der Autos plötzlich Beine wachsen. Mit selbstfahrenden
Wagen beschäftigt sich der Film Their Eyes (FR 2025, Regie: Nicolas Gourault): Prekär
beschäftigte Clickworkerinnen und Clickworker in Kenia, Venezuela und auf den Philippinen
füttern die KI mit Daten aus dem Straßenverkehr des Globalen Nordens.
Wir gehören zusammen –
Filme über Mensch und Natur
In Le Lignon unweit von Genf kommen sich Natur und Beton ganz nahe. Habitants /
Inhabitants (CH 2024, 14 Min., Florian Geisseler & Charline Lefrançois) porträtiert den
riesigen Wohnkomplex mitten im Wald, wo die menschlichen und tierischen Bewohnerinnen
und Bewohner eine friedliche Koexistenz führen. In Exercise – Die kleinen Füchse (GB 2013,
Regie: Andrew Brand) erkunden Jungfüchse mitten in London ein Trampolin – während der
Film Zaunkönig – Wo baut er seine Nester? (DE 2024, Regie: Jens Hamann) einen kleinen
Vogel mit Superfähigkeiten vorstellt.
Außergewöhnliche Perspektiven und ästhetische Formen bietet unsere doxs! EXPANDED
Sektion – mit Kurzfilmen über Barber, Boxerinnen und Boxer und eine Geflüchteten-Familie
in einer Künstler-Residenz im schwedischen Nirgendwo.
