IG-BCE-Umfrage: Industriebeschäftigte in NRW gehen Digitalisierung selbstbewusst an, berichten aber auch von starker Arbeitsverdichtung
Die Industriebeschäftigten in Nordrhein-Westfalen gehen die Digitalisierung in ihren Branchen selbstbewusst an. Weder sehen sie durch den Wandel ihre Jobs in Gefahr, noch fühlen sie sich durch die wachsenden Anforderungen überfordert. Sie sind mehrheitlich offen für Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz. Gleichzeitig spürt jeder Zweite einen steigenden Arbeits- und Zeitdruck. Im Schnitt finden sie öfter die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung zu Themen der Digitalisierung als ihre Kolleginnen und Kollegen im Rest von Deutschland.
Das hat die regionale Auswertung des „Monitors Digitalisierung“ ergeben – eine der größten Umfragen unter Industriebeschäftigten, die in Deutschland bislang zu dem Thema durchgeführt wurde. Dazu hat die Stiftung Arbeit und Umwelt im Auftrag der IG BCE Beschäftigte aus den Branchen der Gewerkschaft befragen lassen – von Chemie- und Pharmaindustrie über Kautschuk- und Kunststoffbranche bis zu Energie- oder Zementwirtschaft.
An der repräsentativen Online-Erhebung haben sich in Nordrhein-Westfalen 7200 Beschäftigte beteiligt – darunter unter anderem Mitarbeiter der Chemieunternehmen Bayer, Covestro und Currenta in Leverkusen und des Spezialchemieunternehmens Evonik in Marl.
Einige Ergebnisse in Kürze:
71 Prozent der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen in den Branchen der IG BCE trauen sich zu, mit der Digitalisierung auch in Zukunft Schritt halten zu können (bundesweit: 71 Prozent).
59 Prozent haben keine Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren (bundesweit: 64 Prozent).
46 Prozent kritisieren eine wachsende Arbeitsverdichtung durch Digitalisierung (bundesweit: 47 Prozent).
54 Prozent sind offen für Veränderungen am Arbeitsplatz (bundesweit: 54 Prozent).
67 Prozent halten eine stringente Digitalisierungsstrategie ihres Betriebs für unabdingbar für dessen Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft (bundesweit: 66 Prozent).
49 Prozent haben darüber heute jedoch kein klares Bild (bundesweit: 56 Prozent).
31 Prozent geben an, im Betrieb die notwendigen Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung zu Themen der Digitalisierung vorzufinden (bundesweit: 25 Prozent).
„Die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen wollen die Digitalisierung aktiv mitgestalten – aber in vielen Betrieben ist noch unklar, wohin die Reise genau gehen soll“, sagt Harald Sikorski, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Westfalen. „Durch mehr Mitbestimmung, eine bessere Einbindung aller Beteiligten und mehr Engagement der Unternehmen in Fragen der Weiterbildung können wir auch in Zukunft gute Arbeit gestalten“, betont Frank Löllgen, Landesbezirksleiter Nordrhein.
Deshalb will die IG BCE in der im September startenden Chemie-Tarifrunde eine Qualifizierungsoffensive durchsetzen. Gleichzeitig fordert sie ein Zukunftskonto, das den Beschäftigten angesichts der stetig wachsenden Arbeitsbelastung Möglichkeiten für mehr Freizeit bieten soll. Die Verhandlungen finden im Landesbezirk Nordrhein am 30. September in Düsseldorf und im Landesbezirk Westfalen am 9. Oktober in Bochum statt.
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