Das Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte – Stadtarchiv, Wittener Straße 47, lädt am Mittwoch, 11. September, von 17 bis 19 Uhr, zu den Vorträgen „Kortum-Variationen“. Dr. Dietrich Thier aus Hagen spricht über „Das Räuberwesen in der Grafschaft Mark – und Kortums Variation der Rumfordschen Suppe“ und Dr. Stefan Pätzold über „Carl Arnold Kortum in Bochum. Begegnung mit einem alten Bekannten“. Der Eintritt ist frei.
Von 1789 bis 1805 waren im Grenzbereich zwischen den Vereinigten Niederlanden und Frankreich ebenso wie in den deutschen Kleinstaaten zahlreiche Personen mit erheblichem kriminellem Potential unterwegs. Oftmals schlossen sie sich zu Räuberbanden zusammen. Ihre Untaten in der Grafschaft Mark sind durch die Berichte der sogenannten Immediat-Sicherheitskommission zu Bochum gut beschrieben. Der große Erfolg dieser Kommission füllte die Zellen des Bochumer Renteigebäudes mit vielen Gefangenen. Das war hinreichend Anlass für Carl Arnold Kortum, diesem Problem seine Aufmerksamkeit zu widmen. In der Schrift „Von dem Nutzen und von der Bereitung der Rumfordschen Suppe“ schlägt er die tägliche Verköstigung der Bochumer Gefangenen mit dieser immerhin nahrhaften Speise vor.
Gewiss, in Bochum kennt man Kortum gut, zumal man seinem Namen in der Stadt häufig begegnet. Gleichwohl soll, bevor sein Plädoyer für die Rumfordsche Suppe thematisiert wird, wieder einmal an den Arzt und Literaten erinnert werden. Das ist zugleich Anlass für eine Skizze der Verhältnisse in seiner Stadt im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert.
Abstieg in den Tunnel. Die steile Wendeltreppe führt zehn Meter bis zum Beginn des Tunnels.
In den Sommerwochen präsentieren die Stadt und ihre Gesellschaften einige stille Stars, die sonst eher nicht im Rampenlicht stehen: ihre verborgenen Orte. Manche schwer zu finden, manche nur schwer zugänglich – und doch spielen alle eine wichtige Rolle im vielfältigen Leben der Stadt. Im siebten Teil geht es um den verborgenen Weg unter der Zentraldeponie in Kornhapen.
Sommerserie „Verborgene Orte“
Verborgener Weg unter der Deponie
Revisionstunnel führt unter 55 Meter Abfall entlang
Bochum Sommer 2019. In der Zentraldeponie Kornharpen lagert Abfall aus fast drei Jahrzehnten. Seit 2005 werden dort keine Abfälle mehr deponiert. Die USB Bochum GmbH muss sich noch jahrzehntelang um das Bochumer Abfall-Erbe kümmern. Was die wenigsten wissen: Unterhalb des Abfalls führt ein Tunnel quer durch die Deponie. Dirk Mäder, USB-Mitarbeiter für Technische Überwachung, kennt den Tunnel in- und auswendig. Einmal in der Woche wird der Tunnel inspiziert. Dann macht er sich auf den 405 Meter langen Weg unter der 55 Meter starken Abfallschicht.
Der Tunnel beginnt bei einem unscheinbaren Gebäude auf dem Deponie-Gelände. In dem kleinen Häuschen befindet sich der Zugang in die Tiefe. Man hört das Geräusch eines Lüfters. „Bevor wir den Tunnel betreten, lüften wir die ganze Anlage zwei Stunden“, erklärt Mäder. Trotzdem nimmt er einiges an Schutzausrüstung mit. Der ehemalige Bergmann hängt sich einen Sauerstoff-Selbstretter um die Schulter und klemmt sich ein Gaswarngerät an. Im Tunnel könnte die Atemluft durch Methan, Kohlenstoffdioxid, Schwefelwasserstoff, Ammoniak oder Kohlenstoffmonoxid belastet sein. Begleitet wird er heute von Sigrun Kreulich, stellvertretende Abteilungsleiterin für Deponie und Wertstoffhöfe.
Zwei Personen sind Pflicht bei Arbeiten im Tunnel. Ein Sicherheitsposten steht am Eingang. Handys und Funkgeräte funktionieren Untertage nicht und sind sogar verboten. „Wir halten Kontakt nach Draußen durch unsere Heulruftelefone“, erklärt Mäder. Das Heulruftelefon sieht aus wie ein historischer Telefonhörer. Mittels einer Klemme wird der Hörer an ein eigensicheres Schwachstrom-Kabel angesteckt, das durch das gesamte Tunnelbauwerk führt. Durch einen Heulton wird ein Gespräch angefordert. Der Sicherheitsposten kann die Botschaften aus der Tiefe empfangen. Sollte nach verabredeter Zeit der Kontakt unterbleiben, wird die Rettungskette in Gang gesetzt. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk üben regelmäßig am Tunnel.
Abwärts geht es eine steile Wendeltreppe, bis der Tunnelboden in etwa zehn Meter Tiefe erreicht ist. Der Tunnel selbst ist erstaunlich geräumig und gut beleuchtet. „Man nimmt kaum wahr, dass wir uns unter 55 Meter Abfall befinden“, erklärt Sigrun Kreulich. Die Luft wirkt frisch; Staub und Geruch sind kaum wahrnehmbar. Sigrun Kreulich ist als stellvertretende Abteilungsleiterin unter anderem für Großprojekte an der Deponie verantwortlich. Aktuell steht die Vorbereitung zur Oberflächenabdichtung der gesamten Deponie an. Gewaltige Mengen Erde werden derzeit auf das Höhenplateau der Deponie gefahren. „Der Blick in die Tiefe darf dabei natürlich nicht verloren gehen. Denn hier unten kommt schließlich das Sickerwasser an“, so Kreulich.
Das Sickerwasser ist Regen, der auf die Deponie gefallen ist. Dieses Wasser hat sich auf eine lange Reise durch den Abfall gemacht und wird unten in einer Drainage aufgefangen. 24 geschlitzte Rohre durchziehen die Deponie. Alle enden im Revisionstunnel, den Dirk Mäder und Sigrun Kreulich inspizieren. „Auch wenn draußen Dürre herrscht, sehen wir in unseren Wassersystemen ständig Bewegung“, erklärt Dirk Mäder. Zwei bis drei Monate dauert es, bis das Wasser zur Drainage durchgedrungen ist.
Im Tunnel liegt ein großes Rohr, in dem das Sickerwasser aus der Deponie zur Aufbereitung geführt wird. Auf dem Weg durch den Abfall hat das Wasser biologische und andere Abbaustoffe aufgenommen und ist belastet. In riesigen Aktiv-Kohle-Filtern wird das Sickerwasser auf das Niveau von „haushaltsüblichem“ Schmutzwasser gereinigt und dann in eine Kläranlage abgegeben.
„Wir müssen dafür sorgen, dass dieses System ständig intakt bleibt“, so Kreulich. Deswegen kommen einmal im Jahr Experten von Außerhalb, die sich jedes Drainagerohr mit einem Kamera-Roboter vornehmen. Wie die Forscher in der Cheops-Pyramide lassen die Experten den Roboter das Rohr entlangfahren und schauen sich um. Sind die Drainage-Schlitze noch offen? Halten die Verbindungen der Rohrstücke? Entspricht etwas nicht den Vorgaben, muss repariert werden.
In etwa sieben Jahren wird der Abfall durch die Abdeckung vor neuem Regenwasser geschützt sein. Das Sickerwasser wird dann langsam abnehmen. Versiegen wird es noch viele Jahre nicht. Und deshalb wird Dirk Mäder und später auch seine Nachfolger Woche für Woche unter den Abfall steigen, um dafür Sorge zu tragen, dass alles sicher bleibt und nichts Schädliches in die Umwelt gelangt.
Nächste Folge der Serie „Verborgene Orte“ am 6. September 2019, Planetarium Bochum.
Die Volkshochschule stellt in einer dreiteiligen Gemeinschaftsveranstaltung mit der Wohnberatung des Amts für Soziales und Wohnen neue Wohnformen vor. Der erste Termin findet am Montag, 9. September, von 19 bis 20.45 Uhr im Stadtfenster an der Steinschen Gasse 26 in Duisburg-Mitte statt.
Klassische Familienstrukturen lösen sich immer mehr auf. Viele Menschen haben Sorge vor der Vereinsamung im Alter, andere suchen schon in jungen Jahren nach alternativen Lebensformen. Mittlerweile gibt es ein differenziertes Angebot neuer Wohnformen auch für ein Leben im Alter. Sie können nachbarschaftliches Wohnprojekt, Mehrgenerationenwohnen oder Gemeinsam Wohnen von Alt und Jung heißen. Den Teilnehmern werden verschiedene Ansätze und Konzepte sowie einige Projektbeispiele und Phasen einer Projektentwicklung vorgestellt.
Die beiden folgenden Termine finden jeweils montags am 23. September und 7. Oktober statt. Die Teilnehmer befassen sich mit Fragen zum Zusammenleben in einem Projekt, Gruppenbildung, Organisation und Finanzierung sowie welche Wohnform für den Einzelnen die Richtige ist, ob ein eigenes Projekt begonnen oder ein bestehendes gesucht werden soll.
Das Seminar leitet Sabine Matzke, freie Mitarbeiterin bei WohnBund-Beratung NRW GmbH. Das Teilnahmeentgelt beträgt zehn Euro. Um eine vorherige Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen gibt es telefonisch bei der VHS unter (0203) 283-3725.
Oberbürgermeister unterzeichnen Vertrag – Leitstellen erhalten einheitliche Technik
Örtlich heftige Unwetter mit überspülten Kellern und umgestürzten Straßenbäumen oder ein stundenlanger Großbrand – Einsätze wie diese, die viele Kräfte über Stunden oder möglicherweise sogar Tage binden, hat es in Bochum und Herne bereits gegeben und kann es durchaus jederzeit wieder geben. Aus diesem Grund haben die Städte Bochum und Herne eine ganz besondere Kooperation vereinbart: in beiden Städten entstehen die gleichen Leitstellen.
Am Donnerstag (29. August) haben die beiden Oberbürgermeister die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. „Das Projekt zeigt, dass interkommunale Kooperation in Großstädten funktionieren kann“, so Bochums OB Thomas Eiskirch. Hernes OB Dr. Frank Dudda ergänzt: „Die gute Zusammenarbeit findet auf allen Ebenen statt.“ Feuerwehr, Verwaltung und die Stadtspitzen ziehen an einem Strang. „Dieses Projekt interkommunaler Zusammenarbeit ist in Nordrhein-Westfalen einmalig“, so Bochums Stadtdirektor Sebastian Kopietz. Hernes zuständiger Dezernent Dr. Frank Burbulla betonte: „Für Bochum und Herne ist Kooperation kein Lippenbekenntnis. Wir machen Ernst.“
Ziel der Vereinheitlichung der Leitstellentechnik ist es, dass beispielsweise im Falle technischer Probleme jederzeit die andere Leitstelle übernehmen (Redundanz) oder Personal aus einer Stadt das der anderen bei Großeinsätzen Groß- und Flächenlagen unterstützen kann. So sollen durch die vereinheitlichte Ausbildung an der neuen Technik Synergie-Effekte und größere Einsatz-Flexibilität entstehen. Zudem halten die beiden Leitstellen für die Ausfallszenarien die notwendige Ausstattung und Datenbestände vor. Durch die dabei eingesetzte zeitgemäße Leitstellentechnik kann den Bürgern schneller und wirksamer Hilfe anboten werden.
„Grundsätzlich sind die beiden städtischen Feuerwehren gut ausgestattet. Künftig sind sie es zudem mit einer einheitlichen Technik in ihren Leitstellen“, freut sich Bochums Feuerwehr-Chef Simon Heußen. Der starke Vorteil: „Kommt es durch so genannte Großschadenslagen zu personellen Engpässen, können wir uns gegenseitig unterstützen. Und es ist gut zu wissen, dass die Kollegen da sind“, meint Andreas Spahlinger, Chef der Herner Feuerwehr.
Nach den Ablaufplanungen zu den technischen Anforderungen und Umsetzungen seit dem Kick-Off für die interkommunale Zusammenarbeit und der Unterzeichnung kann es nun losgehen: Während in Herne die Leitstellentechnik in den bestehenden Leitstellenräumlichkeiten erneuert wird, erfolgt in Bochum eine bauliche Veränderung der Räumlichkeiten der Leitstelle. Der komplette Umbau erfolgt während des laufendes Betriebes. 2021 soll die Leitstelle in Betrieb genommen werden.