Vor 28 Jahren, am 17.5.1990, strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität von ihrer Liste der psychischen Krankheiten. Seit 2005 findet an diesem Tag jährlich IDAHOBIT statt. Ist mittlerweile mit der „Ehe für alle“ alles erreicht? Nein!
Ja, der Name hat sich geändert. Aus dem IDAHO, dem „Tag gegen Homophobie“, wurde ein längeres Wort, das auch betont, wie vielfältig die Szene ist. Und das sollte keinen stören, sondern eher ermutigen, mitzumachen bei den zahlreichen Aktionen!
Vier Bilder der Ausstellung „Wir lieben“ der Künstlerin Lydia Dietrich hängen in den Fenstern des Dortmunder Rathauses – gleich- und gemischtgeschlechtliche Paare halten sich an den Händen und schauen sich innig in die Augen. „Es geht darum, dass Menschen sich verbunden fühlen, sich lieben – unabhängig davon, ob sie gleichgeschlechtlich lieben oder nicht“ sagt Susanne Hildebrandt, Leiterin der städtischen Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente.
In Dortmund wird anlässlich dieses Tages einiges geboten, um das Thema sichtbar zu machen, sich zu informieren und zu diskutieren.
„Der IDAHOBIT ist ein unglaublich wichtiger Tag, selbstbestimmt für die eigene Sichtbarkeit einzustehen und sich gegenseitig zu empowern“ findet Jasmine Klein, Leiterin vom Sunrise in Dortmund. Sunrise ist ein Treffpunkt mit Beratung für junge Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Queers bis 23 Jahre. „Nach wie vor erleben junge queere Menschen – so auch die Jugendlichen des Sunrise – häufig gesellschaftliche Diskriminierung, weil sie nicht in die heterosexuelle oder zweigeschlechtliche Norm passen.“ Jasmine Klein wünscht sich, dass alle, die ein Zeichen gegen Homo-, Bi- Inter- und Transnegativität setzten möchten, sich solidarisch zeigen.
Es geht auch darum, Menschen Mut zu machen, die ihr Coming-out noch vor sich haben.
Am Rathaus weht an dem Tag weit sichtbar die Regenbogenfahne.
Ab 16 Uhr präsentiert „Train of hope“ im sweet sixteen im Depot einen Film und eine Podiumsdiskussion zum Thema „Homosexualität und Religion“.
Um 19 Uhr veranstaltet das Team des Wohnzimmer-Slam im Partykeller des Dietrich Keunung-Hauses den Queerslam: Der Dortmunder Queerslam ist ein jährlich stattfindender Poetry-Slam, der eine öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit queeren Lebensrealitäten durch eine künstlerische Verarbeitung der Themen schafft. Queer gilt dabei als ein Sammelbegriff für alle Geschlechteridentitäten und Sexualitäten, die durch das Abweichen von der gesellschaftlichen Norm Diskriminierungserfahrungen erleben. 2015 startete der Dortmunder Queerslam als erster seiner Art im Ruhrgebiet. Bei der diesjährigen Veranstaltung kommt es erstmals zu einer Kooperation mit der städtischen Koordinierungsstelle.