Starker statistischer Zusammenhang zwischen der Covid-19-Impfquote und der Übersterblichkeit
In der Pressemitteilung vom 11. Januar 2022 hat das Bundesamt für
Statistik bekannt gegeben, dass im Jahr 2021 mit 1.016.899 Fällen erstmals
seit 1946 mehr als eine Million Menschen pro Jahr in Deutschland gestorben
sind und damit eine Übersterblichkeit zu den Vorjahren besteht, die sich
auch nicht durch die Alterung der Bevölkerung erklären lässt.
Forscher am Fachbereich Betriebswirtschaft der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH)
Jena haben nun den Zusammenhang zwischen der Impfquote und der
Übersterblichkeit in den Bundesländern anhand einer Korrelationsanalyse
untersucht.
Die Analyse beruht auf der Sonderauswertung des statistischen Bundesamtes
zu den Sterbefällen von 2016 bis 2021. Für das Jahr 2021 liegen demnach
aktuell die Sterbefälle bis zur Kalenderwoche 48 vor. Dementsprechend
wurde die Anzahl an Sterbefällen der Jahre 2016 bis 2019 und die im Jahr
2021 jeweils in den Kalenderwochen 1 bis 48 verglichen. Aufgrund strenger
Kontaktbeschränkungen und ähnlicher Maßnahmen wird das Jahr 2020 als nicht
repräsentativ erachtet und aus der Untersuchung ausgeklammert. Als
Indikator für den Impffortschritt wurde die Impfquote (vollständige
Impfung) nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom 8. Dezember 2021 (KW
49) genutzt. Der Verlauf der Impfkampagne und ggf. Boosterimpfungen finden
in der Untersuchung demnach keine explizite Berücksichtigung.
Relevant ist, dass die Übersterblichkeit innerhalb der Bundesrepublik
zwischen den Bundesländern stark schwankt. Es ergibt sich eine
hochsignifikante negative Korrelation von -0,88 (gewichtete Betrachtung
der Bundesländer nach Einwohnerzahl) bzw. -0,89 (ungewichtete Betrachtung
der Bundesländer), d.h. dass mit einer hohen Impfquote eine
vergleichsweise niedrige Übersterblichkeit einhergeht. Das Bundesland
Bremen hat mit der höchsten Impfquote von 80,9% eine Übersterblichkeit von
1,44%, während in Sachsen mit der niedrigsten Impfquote von 58,7% die
Übersterblichkeit bei 14,67% liegt.
Die Untersuchung legt nahe, dass die Übersterblichkeit zumindest teilweise
durch COVID-19 Fälle zu erklären ist und dass durch Impfungen Infektionen
verhindert oder ein milderer Verlauf bewirkt wurde. Die Analyse bezieht
sich auf Daten vor dem dominanten Auftreten der Omikron-Variante. Aussagen
über die zukünftige Entwicklung lässt die Analyse daher nicht zu.
Prof. Dr. Wöhner und Prof. Dr. Opuszko vertreten jeweils eine Professur
für allgemeine Betriebswirtschaft, insbesondere Wirtschaftsinformatik und
Prof. Dr. Stötzer die Professur für Volkswirtschaftslehre am Fachbereich
Betriebswirtschaft der EAH Jena. Die drei Professuren befassen sich sowohl
in der Lehre als auch in der Forschung mit der Anwendung von quantitativen
Methoden und Methoden der Data Science mit jeweils unterschiedlichen
Forschungsgegenständen. Die EAH Jena wurde 1991 als Fachhochschule Jena
und eine der ersten FHs in den neuen Ländern gegründet. Sie ist Thüringens
größte und forschungsstärkste Hochschule für angewandte Wissenschaften und
bietet Expertise in den Ingenieurwissenschaften, der Betriebswirtschaft
sowie den Gesundheits- und Sozialwissenschaften.
