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Wächter über Südbayerns Waldbäche: Der Grubenlaufkäfer

Der urige Grubenlaufkäfer ist ein europäischer Feuchtwaldbewohner  Michael Püls
Der urige Grubenlaufkäfer ist ein europäischer Feuchtwaldbewohner Michael Püls
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Der urige Grubenlaufkäfer ist ein europäischer Feuchtwaldbewohner  Michael Püls
Der urige Grubenlaufkäfer ist ein europäischer Feuchtwaldbewohner Michael Püls

Alle sechs Jahre führt die Bayerische Landesanstalt für Wald und
Forstwirtschaft (LWF) turnusmäßige Erhebungen zu den EU-weit geschützten
Waldarten und Lebensräumen durch. Ein ganz besonderer Schatz unter diesen
Arten ist der Grubenlaufkäfer (Carabus variolosus nodulosus). Dieser mit
etwa 3 Zentimetern Größe sehr stattliche Käfer ist in Deutschland
außerhalb Bayerns bis auf ein Vorkommen vollständig ausgestorben. In
Südbayern kommt der Grubenlaufkäfer jedoch noch an ca. 100 Standorten vor.
Daher hat Bayern eine ganz besondere Verantwortung für diese Art.
Folgerichtig liegen von den bundesweit 63 Monitoringpunkten nicht weniger
als 62 in Bayern.

Der Grubenlaufkäfer ist ein reiner Waldbewohner und kommt weltweit nur in
Europa vor. Nur wenn Wasserläufe intakt und gut vernetzt sind, sowie
naturnahe Laubwälder an ihrem Rand wachsen, findet der seltene Käfer einen
geeigneten Lebensraum. „Dieser Käfer ist daher ein Indikator für den
Zustand der Waldbäche und Waldquellen“, so Dr. Peter Pröbstle, Präsident
der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Ungestörte Waldbäche haben in unseren Wäldern aber auch wichtige
Funktionen für den Verbund von Lebensräumen anderer Tiere und Pflanzen
sowie die Regulation des Wasserhaushaltes.

In den immer trockener werdenden Landschaften versiegen diese Adern jedoch
zunehmen. Gleichzeitig spülen zunehmende Starkniederschläge die Bachläufe
zeitweise stark aus. Daher ist die Einbettung der Waldbäche in stabile
Laub- und Mischwälder besonders wichtig. Allerdings sind diese
bachbegleitenden Wälder durch das Eschentriebsterben und andere
eingeschleppte Baumkrankheiten zusätzlich gefährdet. Dies sind künftig
zusätzliche Herausforderungen für diese schützenswerten Lebensräume und
damit den Grubenlaufkäfer.

Die gute Nachricht: Die bayerischen Nachweiszahlen für den Grubenlaufkäfer
zeigen, dass die Bestände dieser gefährdeten Art derzeit stabil sind.
Knapp 2 Prozent der Vorkommen sind dabei in einem „hervorragenden Zustand“
(Stufe „A“), 56% im Zustand „gut“ oder „B“. Immerhin bei 42% der Vorkommen
ist jedoch der Lebensraum gestört: Sei es durch geringe Größe, durch
fehlende Puffer, durch einen schlechten Zustand des Bachlaufs oder auch
fehlendes Totholz als Winterquartier. In diesem Zusammenhang und
insbesondere angesichts der erheblichen Klimaveränderungen sehen die
Experten an der LWF erhebliche Verbesserungspotenziale.

Für die bayerischen Privat- und Kommunalwaldbesitzer stellt die
Forstverwaltung daher ein umfassendes Paket an Fördermaßnahmen bereit. An
erster Stelle steht dabei der Waldumbau an den Wasserläufen zu stabilen
und naturnahen Laub- und Mischwäldern.

Das Monitoring für den Grubenlaufkäfer führte die LWF bayernweit mit 20
speziell geschulten Mitwirkenden aus den örtlichen Forstverwaltungen und
Ehrenamtlichen durch. Auf diesem Wege wurden auch gleich Multiplikatoren
für den Schutz der Art vor Ort gewonnen, freuen sich die LWF-Spezialisten
Dr. Stefan Müller-Kroehling und Andreas Geisler, die die Erhebungen
koordinierten.

Mit ihrem Beratungs- und Förderangebot unterstützt die Bayerische
Forstverwaltung die Waldbesitzer und informiert sie über diese
bedeutsamen, naturnahen Waldstandorte. Die staatlichen Beratungsförster
weisen auf deren Schutz und die Notwendigkeit der behutsamen Pflege und
Bewirtschaftung hin. Der dafür erstellte Flyer informiert die Waldbesitzer
über die wichtigsten förderlichen Maßnahmen. Er zeigt aber auch die
Maßnahmen auf, die in diesen Lebensräumen besser nur nach sorgfältiger
Planung durchgeführt werden oder evtl. ganz unterlassen werden sollten.
Siehe:
https://s.bayern.de/faltblatt_holzernte_feuchtwald

Weitere Hintergrundinformationen: In Bayerns Wäldern liegt die
Verantwortung für die Natura2000 Schutzgüter und damit das FFH-Monitoring
bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Siehe auch: https://s.bayern.de/ffh-artenmonitoring.
Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und anschließend nach Bonn an
das Bundesamt für Naturschutz übermittelt, von wo aus sie an die EU-
Kommission in Brüssel übermittelt werden. Gemeinsam mit den Daten der
anderen EU-Mitgliedsstaaten werden dann die bayerischen Erhebungen durch
das European Topic Centre for Nature Conservation in Paris ausgewertet.
Auf diese Weise kann die EU abschätzen, ob sich das Europäische Naturerbe,
in diesem Fall der Grubenlaufkäfer, in einem günstigen Zustand befindet.
Die diesen Erhebungen zugrunde liegende Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
stammt aus dem Jahr 1992 und gilt in allen 27 Mitgliedsstaaten
einheitlich. Gemeinsam bilden sie das „Europäische Netzwerk Natura 2000“.