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Digitalisierung neben Gemeinwohlorientierung und Quartiersentwicklung Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme

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Globale Studienergebnisse belegen:

- Digitalisierungs-Optionen nehmen rasant zu und unterstützen bei der
Personalgewinnung und -bindung wie in der Pflege

- Quartiersentwicklung gilt global als ein entscheidender Hebel zur Lösung
gesellschaftlicher Herausforderungen

- Vorständin Dürig: „Die Sozialwirtschaft braucht ein Investitionsprogramm
für mehr Digitalisierung“

Digitalisierung ist neben Gemeinwohlorientierung und Quartiersentwicklung
Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Das zeigt eine aktuelle
Studie „Wirkungsvolle Zukunft der Wohlfahrtspflege“ der Steinbeis School
of International Business and Entrepreneurship (SIBE), Herrenberg im
Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg, die jetzt
den über 900 Mitgliedsorganisationen vorgestellt wurde. Die Studie
beleuchtet Lösungsansätze vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen
und Herausforderungen im Bereich der Wohlfahrtspflege, insbesondere im
Hinblick auf den demografischen Wandel, die zunehmende Digitalisierung und
den Fachkräftemangel. Dazu wurden 284 Mikrotrends aus insgesamt 29
Ländern, Impulse von 12 Expert*innen und 30 Seiten Tiefenanalyse zu
ausgewählten Themenstellungen ausgewertet.

Förderung von Digitalisierung in der Sozialwirtschaft ist zwingend

Sozialpolitische Vorständin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-
Württemberg, Uta-Micaela Dürig, unterstrich: „Mit der global angelegten
Studie haben wir wichtige Impulse zusammengetragen. Insbesondere zeigt
sich, dass die maßgeblichen Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der aktuellen
Herausforderungen Digitalisierung, eine verstärkte Gemeinwohlorientierung
und Quartiersentwicklung sind. Ein spezifisches Investitionsprogramm für
mehr Digitalisierung in der Sozialwirtschaft ist ein Muss, wenn wir
Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen, dem Personalmangel begegnen und
den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land stärken wollen.
Investitionen in die Soziale Arbeit sind Zukunftsinvestitionen.“ Daran zu
sparen, sei kontraproduktiv: „Die globale Studie zeigt, dass sich
Investitionen in Soziale Arbeit rechnen, weil auch gesellschaftliche
Folgekosten eingespart werden können. Der Social Return on Investment
(SRoI) ist messbar!“, so Dürig.

„Zur Nutzung der enormen Chancen durch den Einsatz von KI und
Digitalisierung in der Sozialen Arbeit braucht die Sozialwirtschaft aber
eine entsprechende Förderung: Ein Sozialer Digitalisierungs-Pakt ist für
die Sozialwirtschaft dringend notwendig. Mit der erforderlichen
finanziellen Unterstützung kann dann Digitalisierung verstärkt erprobt und
schneller eingesetzt werden, wie wir dies im Ausland längst sehen“, so die
Vorständin. Das kürzlich eröffnete zweite KI-Studio in Stuttgart sei ein
wichtiger Schritt zum Wissensaufbau, reiche aber nicht, um Digitalisierung
flächendeckend einsetzen zu können.

Dr. Ineke Blumenthal, Projektleiterin der Studie, sagte: „Die Studie zeigt
auf, dass die Digitalisierung die freie Wohlfahrtspflege vielfältig bei
der Zukunftsgestaltung unterstützen kann. Gleichzeitig legen die
Ergebnisse nahe, dass es weiterhin entscheidend auf den Menschen ankommt
und wie er neue Möglichkeiten der digitalen Infrastruktur einsetzt, um
Gemeinschaft aktiv zu gestalten. Es scheint nur konsequent,
Digitalisierungspotenziale gemeinsam mit den vielfältigen Akteuren der
freien Wohlfahrtspflege in verschiedensten Projekten zu erschließen."

Die Kernergebnisse und Beispiele der Studie sind:

Digitalisierung/Digitale Hilfsmittel:

- Digitale Hilfsmittel bieten insbesondere Potenzial, Akteure im
Wohlfahrtssystem zu entlasten, Personalgewinnung und -bindung zu fördern
sowie Rekrutierungsvorhaben zu unterstützen:

- Personalbindung und –gewinnung
- Die Onboarding-App aus Österreich insbesondere für neue mobile
Pfleger*innen in der ambulanten Pflege: Alle wichtigen Informationen sind
komfortabel über die App mobil erhältlich und direkte Hilfestellungen
abrufbar bzw. direkte Unterstützung erhältlich. Damit ist niemand
insbesondere in den ersten Wochen allein und Unsicherheiten werden gerade
zu Beginn der Tätigkeit minimiert, weil beispielsweise Wissensmanagement
bis Kontaktdaten zu allen Kolleg*innen direkt abrufbar sind.

- Attraktivität als Arbeitgeber:
- Der Einsatz von Virtual Reality zur Darstellung von Einrichtungen, der
reale Begebenheiten und Alltagssituationen erlebbar macht und ermöglicht,
teils auch schon in Kontakt mit dem jeweiligen Arbeitsteam in
Alltagssituationen zu kommen.

- Digitalisierung in der Pflege
Insbesondere für die häusliche Pflege und Betreuung werden zunehmend
Services über digitale Anwendungen organisiert und intelligente Produkte
sowie vernetzte technische Systeme entwickelt wie z. B. Roboterlösungen;
Ziel dabei vor allem: den stationären Betreuungsbedarf zu reduzieren und
möglichst lange die Selbständigkeit bis ins hohe Alter zu fördern; dies
wird beispielsweise unterstützt durch ein vernetztes, intelligentes
Management der Schnittstellen zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
- Es gibt einen amerikanischen KI-Ansatz für einen intelligenten Schrank
für Demenzkranke oder auch virtuelle Assistent*innen für pflegende
Angehörige.‘
- Künstliche Intelligenz unterstützt bei Planung, Diagnose, Prävention;
KI-Anwendungen zielen beispielsweise darauf ab, das Wohlbefinden zu prüfen
und zu verbessern sowie Entscheidungen zu unterstützen und zu
beschleunigen; gerade auch Big Data-Anwendungen für verschiedene
Lebensphasen und Krankheitsbilder entstehen zur Zeit weltweit mit großem
Potenzial und in rasantem Tempo, insbesondere von Unternehmen aus dem IT-
Sektor, aber auch lokal, teils von gemeinnützig agierenden Initiativen,
die ganz pragmatische Ansätze gestalten und einführen.
- Der Zugang zu verschiedenen Ärzt*innen und Heilberufen wird durch
digitale Lösungen unterstützt und ortsunabhängig möglich.
- Echtzeit-Sprachübersetzung unterstützt die Integration und den
schnelleren Einsatz ausländischer Arbeitskräfte sowie bei der
Dokumentation in z.B. Pflegeeinrichtungen.

Gemeinwohlorientierung:
- Die Gestaltung der Wohlfahrt und die Lösung gesellschaftlicher
Herausforderungen werden zunehmend in vielen Ländern der Welt als
gemeinschaftliche Aufgabe einer Gesellschaft angesehen, somit im
Zusammenspiel aller Sektoren.

Quartiersentwicklung:
- Weltweit entstehen Lösungsansätze zur Entwicklung von
Unterstützungsnetzwerken im Quartier und spezifische Quartiersentwicklung,
um gesellschaftliche Herausforderungen trotz Fach- und
Arbeitskräfteentwicklung sowie demografischen Wandels begegnen zu können.

Mikrotrends geben Impulse für Veränderungen und Innovationen

„Ziel der Studie ist es nicht, die Zukunft vorherzusagen, sondern sich
systematisch und wissenschaftlich fundiert mit sogenannten Mikrotrends
auseinanderzusetzen. Dies sind erste konkrete Anzeichen für Trends, die
sichtbar werden in konkreten Anwendungsfällen. Letztlich hilft die
Auseinandersetzung mit Mikrotrends und durch Handeln in der Gegenwart, die
Zukunft zu gestalten, die wir uns wünschen“, sagt Heiko von der Gracht,
Professor für Zukunftsforschung, der den Projektprozess und die Methodik
der Studie begleitet hat.

Hintergrund zur globalen Forschungsstudie „Wirkungsvolle Zukunft der
Wohlfahrtspflege“

Die Erhebung der globalen Forschungsstudie wurde in der Zeit von Mitte Mai
2023 bis Ende Dezember 2023 erstellt. Auf Basis der Ergebnisse werden nun
ab Februar 2024 u.a. Zukunftslabore vom Paritätischen Landesverband mit
internen wie externen Experten u.a. vom baden-württembergischen
Landeszentrum für Pflege und Digitalisierung durchgeführt, um konkrete
Ableitungen und Vorgehensweisen zu definieren.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg - gegründet 1948 -
ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege. Er ist konfessionell, weltanschaulich und
parteipolitisch unabhängig. Er steht für Solidarität, soziale
Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer
Ausgrenzung. In den kommenden Jahren wird sich der Paritätische Baden-
Württemberg verstärkt drei Strategiefeldern widmen: - Zusammenhalt in
einer vielfältigen, inklusiven und offenen Gesellschaft - zukunftsfähige
Lebensräume - Soziale Innovationen. Ihm sind in Baden-Württemberg über 900
selbständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 2000 sozialen
Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 50.000 freiwillig
Engagierte und 80.000 Hauptamtliche. Weitere Infos unter https://www
.paritaet-bw.de

Die Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship (SIBE)
ist seit 30 Jahren kompetenter Partner für Business Management &
Leadership. Mit der Erfahrung aus über 5.000 realisierten Projekten
unterstützen wir Unternehmen dabei, Innovationsimpulse und -ideen zur
Umsetzung inkrementeller, radikaler und disruptiver Lösungen zu gestalten.
Die SIBE steht für eine erfolgreiche, lösungsorientierte Projektbegleitung
und Studienprogramme für ein nachhaltiges, bedarfsgerechtes
Talentmanagement. Weitere Infos unter https://www.steinbeis-sibe.de