Immunzellen stärken die Knochen
Neuer molekularer Mechanismus bei entzündlichem Knochenschwund entdeckt
Osteoporose oder Knochenschwund bezeichnet den Verlust von Knochenmasse,
so dass die Knochen leichter brechen. Der erhöhte Knochenabbau entsteht
entweder durch ein hormonelles Ungleichgewicht oder als Folge von
entzündlichen Erkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis oder chronisch-
entzündlichen Darmerkrankungen. Ein Forschungsteam der Medizinischen
Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Georg
Schett) im Deutschen Zentrum Immuntherapie am Uniklinikum Erlangen der
Friedrich-Alexander-Universitä
Prof. Dr. Aline Bozec hat nun eine neue Funktion von Eosinophilen
Granulozyten, einer Gruppe von weißen Blutkörperchen, entdeckt.Sie sind an
der Aufrechterhaltung des Gewebegleichgewichts beteiligt, indem sie die
übermäßige Bildung und Aktivität von knochenfressenden Zellen hemmen.. Die
Ergebnisse haben die Forsch/-innen im renommierten Journal Nature
Communication veröffentlicht.*
Osteoporose betrifft rund 6,3 Millionen Menschen in Deutschland. Häufig
tritt der Knochenschwund aufgrund von Fehlsteuerungen im Immunsystem auf,
die zu einem Ungleichgewicht zwischen knochenbildenden, sogenannten
Osteoblasten, und knochenfressenden Osteoklasten führen. Die jüngsten
Forschungen haben jetzt ergeben, dass Eosinophile Granulozyten einen
tiefgreifenden Einfluss auf die Knochengesundheit haben. Sie befinden sich
in unmittelbarer Nähe von knochenzerstörenden Zellen, die für den Abbau
von altem Knochengewebe im Rahmen eines natürlichen Prozesses, dem
Knochenumbau, verantwortlich sind. „Wir konnten nachweisen, dass ein
niedriger Eosinophilenspiegel zu einem schnelleren Knochenabbau führt,
insbesondere unter Bedingungen wie der Menopause oder entzündlicher
Arthritis. Umgekehrt kann eine Erhöhung der Eosinophilenzahl dazu
beitragen, die Knochen vor diesen schädlichen Auswirkungen zu schützen,“
sagt Prof. Dr. Aline Bozec.
Eosinophile üben ihre knochenschützende Wirkung aus, indem sie die
Aktivität der Osteoklasten aktiv unterdrücken. Sie setzen eine Substanz
namens eosinophile Peroxidase frei, die die Fähigkeit der Osteoklasten
beeinträchtigt, zwei Schlüsselprozesse, die am Knochenabbau beteiligt
sind, in Gang zu setzen: reaktive Sauerstoffspezies zu produzieren und die
mitogenaktivierte Proteinkinase zu aktivieren.
„Interessanterweise haben unsere Studien am Menschen ebenfalls gezeigt,
dass der Eosinophilenspiegel bei gesunden Menschen sowie bei Patientinnen
und Patienten mit rheumatoider Arthritis mit der Knochenmasse korreliert.
Dies deutet darauf hin, dass Eosinophile auch beim Menschen eine Rolle bei
der Regulierung der Knochengesundheit spielen könnten,“ erklärt Prof. Dr.
Aline Bozec.
Diese Erkenntnisse haben erhebliche Auswirkungen auf die Behandlung von
Knochenerkrankungen. Durch gezieltes Eingreifen in die Funktion der
Eosinophilen können möglicherweise neue Therapien entwickelt werden, die
den Knochenschwund verhindern oder verlangsamen und so die
Knochengesundheit verbessern.
* https://doi.org/10.1038/s41467
