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Forschung und Transfer: Innovationsforum zeigt Rolle der Hochschule Biberach im regionalen Innovationsökosystem

Im Rahmen des ersten HBC.Innovationsforums wurden die Forschungsprojekte auch in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert  Quelle: Foto: HBC/Camilla Frei
Im Rahmen des ersten HBC.Innovationsforums wurden die Forschungsprojekte auch in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert Quelle: Foto: HBC/Camilla Frei
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Die Hochschule Biberach (HBC) hat ihr erstes HBC.Innovationsforum
veranstaltet und dazu zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft,
Politik und Gesellschaft auf den Campus eingeladen. 35 Vorträge und
Workshops, Ausstellungen, Open-Lab-Führungen sowie Angebote der
Gründungsberatung boten Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und
Innovationsvorhaben der Hochschule.

In seiner Eröffnungsrede machte Rektor Prof. Dr.-Ing. Matthias Bahr
deutlich, dass Forschung, Transfer und Innovation für die
Handlungsfähigkeit moderner Gesellschaften zentral sind. Vor dem
Hintergrund sich überlagernder Krisen betonte er: „Ohne Forschung,
Transfer und Innovation werden wir weder lokal noch global zukunftsfähig
sein.“ Mit ihrem anwendungsbezogenen Profil wolle die HBC neue
ressourcenschonende Prozesse und Technologien entwickeln und damit einen
relevanten Beitrag zu technologischer Souveränität und Handlungsfähigkeit
leisten. Dabei bekenne sich die Hochschule „ausdrücklich zur
Wissenschaftsfreiheit“ und verbinde diese mit einem klaren strategischen
Rahmen, so Bahr. Beispielhaft nannte er die Orientierung der Forschung an
Innovationsprozessen und unternehmerischem Denken. Auch schaffe die HBC
geeignete Rahmenbedingungen – etwa durch das Zusammenspiel von Forschung
und Lehre als wirkungsvollem Kreislauf, in dem Studierende frühzeitig an
Forschungsprojekten mitarbeiten können und wissenschaftliche Erkenntnisse
in die Lehre zurückfließen. Hinzu kommen strukturierte Karriereangebote
für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis hin zur Promotion
sowie die Begleitung von Startup-Ideen bis zur Ausgründung. „So wirken wir
als Katalysator für Innovation“, so Bahr.

Cora Gottfreund vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Baden-Württemberg ordnete in ihrer Keynote die Hochschule Biberach in eine
längerfristige Entwicklung ein. Sie erinnerte daran, dass die
Fachhochschulen, heute Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW),
Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre bewusst „überwiegend im
ländlichen Raum“ gegründet wurden, um mehr jungen Menschen ein Studium zu
ermöglichen und Regionen zu stärken. HAWen seien mit einem klaren Profil
entstanden: praxisnahe Studiengänge, anwendungsnahe Forschung und enge
Kooperation mit Unternehmen. Heute seien sie „ein wichtiger Bestandteil
unseres Innovationssystems“, weil sie wissenschaftliche Erkenntnisse
besonders schnell in die Praxis überführen. Zudem verwies sie auf die
sogenannte Glückler-Studie, nach der jeder in Hochschulen investierte Euro
ein Vielfaches an regionaler Wertschöpfung auslöst: Hochschulen seien
damit nicht nur Bildungsinstitutionen, sondern wirtschaftliche Impulsgeber
ganzer Regionen.

Wofür die HBC als Hochschule für angewandte Wissenschaften steht, zeigte
sich im Programm des Innovationsforums: Forschende aus Biotechnologie,
Gebäude- und Energiesystemen, Architektur und Städtebau, Holzbau sowie
innovativem Bauen, Projektmanagement und Geo- und Umweltforschung
präsentierten, woran sie arbeiten. Die Themen reichten von KI-gestützten
Bioprozessen und medizinischer Biotechnologie über saubere Energie, smarte
Gebäude und klimaneutrale Einfamilienhausgebiete bis hin zu
bioökonomischer Stadtentwicklung, nachhaltigen Baustoffen aus Holz und
Lehm und der Baustelle der Zukunft, auf der digitale Technologien für
präzisere und effizientere Abläufe sorgen. Deutlich wurde: An der HBC
werden konkrete Fragestellungen aus Wirtschaft, Gesellschaft und
öffentlichem Sektor aufgegriffen und in gemeinsame Projekte überführt –
ein Kernelement des regionalen Innovationsökosystems.

Exemplarisch wurden im Rahmen des Forums mehrere größere
Forschungsvorhaben vorgestellt, die die Einbettung der HBC in dieses
Innovationsökosystem verdeutlichen. Dazu gehört das Projekt „InDeckLe“ am
Institut für Holzbau, in dem nachhaltige Deckenkonstruktionen entwickelt
werden, die den natürlichen Werkstoff Lehm mit Holz, Stahl und Beton
kombinieren und damit zur Bauwende beitragen. Das Institut für Gebäude-
und Energiesysteme bearbeitet mit „Transformation von
Einfamilienhausgebieten (EFH Trafo)“ die Frage, wie
Einfamilienhaussiedlungen klimaneutral werden können, ohne die Schaffung
von Wohnraum zu vernachlässigen. Im Bereich der Biotechnologie werden
unter anderem Fleischalternativen auf Basis von Pilzmyzel entwickelt, um
nachhaltige Proteinquellen zu erschließen. Hierzu wird eine
kosteneffiziente Fermentationstechnologie in einer Demonstrationsanlage
umgesetzt.

Die institutionellen Rahmenbedingungen für eine forschungsstarke HAW
wurden in den vergangenen Jahren laut Rektor Bahr weiter ausgebaut: Die
Hochschule verzeichne ein hohes Drittmittelaufkommen und ausgeprägte
Forschungsaktivitäten. Kombiniert mit starken Publikationsleistungen habe
dies dazu geführt, dass inzwischen sieben Professor*innen aus allen
Bereichen der HBC – (Holz-)Bau, Architektur, Energie,  Biotechnologie und
BWL – in den Promotionsverband der Hochschulen für angewandte
Wissenschaften in Baden-Württemberg aufgenommen wurden und damit
promotionsberechtigt sind. Parallel dazu baue die HBC ihre internationalen
Kooperationen in Lehre und Forschung sowie Startup-Kultur weiter aus.

Die Gründerinitiative der HBC präsentierte beim Innovationsforum mit
Start-ups, wie aus Forschungsergebnissen neue Geschäftsmodelle entstehen
und welche Unterstützung Gründungsteams von der Ideenphase bis zur
Umsetzung erhalten – eingebettet in den Verbund StartupSÜD und das
Innovations- und Transferzentrum ITZ Plus. Ergänzend präsentierten das
Institut für Bildungstransfer und die Akademie Angebote der
wissenschaftlichen Weiterbildung, mit denen sich Fach- und Führungskräfte
für Transformationsprozesse qualifizieren können.

Das erste HBC.Innovationsforum wurde von den Beteiligten als großer Erfolg
bewertet. Die Veranstaltung hat die Sichtbarkeit der Forschenden nach
innen wie nach außen deutlich gestärkt und zahlreiche neue
Anknüpfungspunkte für Kooperationen aufgezeigt. Die Verantwortlichen –
Prorektorin Prof. Dr.techn. Heike Frühwirth und IAF-Leiter Prof. Dr.-Ing.
Patrik Aondio – sind sich einig: Das HBC.Innovationsforum hat sich als
Plattform für Wissenstransfer bewährt, nun soll es künftig regelmäßig
stattfinden und die Rolle der Hochschule Biberach als regionalem
Innovationsmotor weiter festigen. Das nächste HBC.Innovationsforum ist für
April 2027 geplant.