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Florierende Altstädte: Begrünte Gebäude gegen die Hitze

Bepflanzung von Gebäuden (hier in Leipzig) hilft, Folgen von zunehmenden Hitzewellen wegen des Klimawandels zu mildern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert ein Vorhaben des Bundesverbands Gebäudegrün zur effektiven Bepflanzung von Altbauten.  Copyright: Bundesverband Gebäudegrün
Bepflanzung von Gebäuden (hier in Leipzig) hilft, Folgen von zunehmenden Hitzewellen wegen des Klimawandels zu mildern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert ein Vorhaben des Bundesverbands Gebäudegrün zur effektiven Bepflanzung von Altbauten. Copyright: Bundesverband Gebäudegrün
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Hitzewellen könnten wegen des Klimawandels weiter zunehmen – mit großer
Gesundheitsgefahr besonders für alte und kranke Menschen. Der
Hitzeaktionstag morgen (Donnerstag) beleuchtet Methoden zum Schutz vor
hohen Temperaturen. Der Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) liefert bereits
eine Lösung: die kühlende Begrünung von Altbauten. Das Projekt wird von
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 135.000 Euro gefördert.

DBU fördert Leitfaden – Hitzeaktionstag

Osnabrück/Berlin. Hitzewelle durch West- und Mitteleuropa,
Rekordtemperaturen in Frankreich und Italien, und auch in Deutschland
kletterte im Mai die Thermometeranzeige weit über 30 Grad. Solche
Extremwetterperioden könnten wegen des Klimawandels weiter zunehmen – mit
großer Gesundheitsgefahr besonders für alte und kranke Menschen. Der
Hitzeaktionstag der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit morgen
(Donnerstag) beleuchtet Methoden zum Schutz vor derartig hohen
Temperaturen. Der Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) liefert bereits eine
Lösung: kühlende Dach- und Fassadenbegrünung für Altbauten. Das Projekt
wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 135.000 Euro
gefördert.

Bonde: Lösungen für Abkühlung im Alltag

Viele Städte stehen laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde durch den
Klimawandel vor einer großen Herausforderung: „Architektur, Aufbau und
Materialien sind in den Städten oft nicht für steigende Temperaturen
ausgelegt. Städte heizen sich in Hitzeperioden zunehmend auf und werden
zur Gefahr für die Menschen – besonders Senioren, chronisch Kranke, Kinder
und alle, die im Freien arbeiten.“ Bonde weiter: „Klimaanpassung im
urbanen Raum ist ein wichtiges Thema. Deshalb fördert die DBU
Quartierskonzepte, die Städte zukunftsfähig machen. Wir brauchen Lösungen
für Abkühlung im Alltag.“ Besonders Altstädte heizen sich aufgrund ihrer
oftmals engen Bauweise und versiegelter Flächen auf. Forschende des
Bundesverbands Gebäudegrün entwickeln derzeit Methoden zur Begrünung von
Altstädten, damit historisch wertvolle Bauwerke zum kühlen Zufluchtsort
werden und Hitzefolgen sich in Grenzen halten. Projektleiterin Rebecca
Landwehr: „Die Bepflanzung von Fassaden und Dächern kühlt Gebäude und
Straßen messbar.“

Schutz vor Hitze und Starkregen

Die häufig geäußerte Sorge, eine Begrünung könnte die bauliche Integrität
historisch wertvoller Gebäude beeinträchtigen, sieht Landwehr
differenzierter: „Bei denkmalgeschützten Gebäuden muss die Eignung einer
Begrünung immer individuell geprüft werden. Es gibt jedoch zahlreiche
erprobte Begrünungssysteme und Pflanzenarten, die die Bausubstanz nicht
beeinträchtigen. Sie schützen im Gegenteil vor Sonneneinstrahlung und
Witterung“, so die Projektleiterin. Ebenfalls verringere eine Bepflanzung
die Auswirkungen von Starkregen – auch eine zunehmende Folge der
Klimakrise. Der Bundesverband Gebäudegrün ist nun dabei, einen Leitfaden
für die stärkere Begrünung von Altstädten zu erstellen.

Historisch belegte Fälle von Stadtbegrünung

In enger Zusammenarbeit mit dem BuGG arbeitet ein ebenfalls DBU-
gefördertes Projekt der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof.
Dr. Oliver Sass an optimalen Methoden zur Begrünung von historischen
Bauten. „Alte Städte sind oft über Jahrhunderte aus unterschiedlichen
Materialien erbaut worden. Für verschiedene Varianten stellen wir deshalb
die besten Begrünungslösungen zusammen“, so Sass. Dabei würden besonders
Befestigung, Pflanzenarten und optimaler Hitzeschutz der Bausubstanz
untersucht. Die Ergebnisse fließen in den BuGG-Leitfaden ein. Sass gehört
zum Denkmalpflegebeirat, der den BuGG beim Vorhaben unterstützt. Landwehr
erläutert: „Für den Leitfaden sammeln wir historisch belegte Fälle von
Stadtbegrünungen – wirksame Maßnahmen sowohl zum Schutz vor Extremhitze
als auch von traditioneller Architektur.“ Historische Bauten würden zu
schattigen Rückzugsorten. „Ein Effekt, wie wir ihn bei Kirchen kennen, die
wegen massiver Bauweise selbst im Sommer kühl bleiben“, so Landwehr.

Leitfaden ebenfalls relevant für neue Gebäude

Nach Landwehrs Worten soll das Projekt dazu beitragen, die zuständigen
Landesämter für Denkmalpflege einzubinden und zur Gebäudebegrünung
weiterzubilden. „Denn grüne Dächer und Fassaden in Altstädten wirken sich
günstig aufs Stadtklima aus – mit positiven Folgen für die Menschen“,
betont die Projektleiterin. Die Biodiversität profitiere ebenfalls. Mehr
Gebäudegrün biete Insekten Nahrung und Lebensraum. Die im Leitfaden
festgehaltenen Ergebnisse seien auf Altstädte in ganz Europa anwendbar und
lieferten zudem Erkenntnisse über die Begrünung von Neubauten, so
Landwehr.

Brückenprojekt zwischen Denkmalschutz und Begrünungsbranche

DBU-Referentin Constanze Fuhrmann sieht im Vorhaben eine große Chance: „Es
gibt bis heute keine fundierten, praxisorientierten Leitlinien für den
Umgang mit Dach- und Fassadenbegrünung an historischen Gebäuden. Das kann
sich nun ändern.“ Die Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutz und
Begrünungsbranche zeige, „dass der Erhalt historisch wertvoller Bauwerke
und die Anpassung von Städten und Siedlungen an Klimaveränderungen sich
keineswegs ausschließen, sondern gemeinsam funktionieren können“. Fuhrmann
weiter: „Das Projekt schlägt damit eine Brücke zwischen Denkmalschutz und
Begrünungsbranche und zeigt, wie naturbasierte Lösungen denkmalgerecht
umgesetzt werden können – praxisnah, innovativ und im Dialog aller
Beteiligten.“