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Hohe Erwartungen, unklarer Nutzen: Industrie 4.0 und der Wandel zu nachhaltigem Wirtschaften

Erwartete Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Nachhaltigkeit  IASS/Grischa Beier
Erwartete Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Nachhaltigkeit IASS/Grischa Beier

Unternehmensvertreterinnen und -vertreter erwarten, dass die
Digitalisierung zu einer besseren Umweltbilanz ihres Unternehmens
beiträgt. Ihre konkreten Erfahrungen zeichnen jedoch ein weniger positives
Bild: Bislang helfen die neuen Technologien kaum bei der Verbesserung der
Ressourceneffizienz. Um das Potenzial der Industrie 4.0 zu nutzen, braucht
es laut Forschenden auch politische Unterstützung.

Die industrielle Produktion muss grundlegend verändert werden, wenn die
UN-Nachhaltigkeitsziele erreicht werden sollen. Zwei Hauptziele stehen
dabei im Vordergrund: Dekarbonisierung und Dematerialisierung. Ziel der
Dekarbonisierung ist die Reduktion von klimaschädlichen Gasen, vor allem
CO2. Bei der Dematerialisierung geht es darum, wirtschaftliche Produkte
und Dienstleistungen mit einem Minimum an Materialeinsatz zu erzeugen und
so weit wie möglich auf umweltverträgliche Materialien oder Prozesse zu
setzen. Ein internationales Team um IASS-Forschungsgruppenleiter Grischa
Beier untersuchte die Potenziale von Industrie 4.0 für diese beiden Ziele
per Online-Umfrage unter Unternehmensvertreterinnen und -vertretern in
China, Brasilien und Deutschland, in einer Vielzahl von Industriesektoren
und in Unternehmen unterschiedlicher Größe.

Mit größerer Erfahrung sinken die Erwartungen

Die Mehrheit der Industrievertreterinnen und -vertreter – 53 Prozent in
Deutschland, 82 Prozent in Brasilien und 67 Prozent in China – erwarten
eine Verbesserung der Umweltwirkung ihres Unternehmens durch den Einsatz
von Industrie-4.0-Technologien. Besonders hoch ist dieser Anteil bei
Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitenden in Deutschland und Brasilien.

Große Unterschiede beobachteten die Forschenden in einigen Ländern
zwischen den Sektoren: In Brasilien sind die Erwartungen für den
Maschinen- und Anlagenbau besonders optimistisch (100 Pro-zent), in
Deutschland für den Elektronik-Sektor (75 Prozent) und den
Automobilbereich (58 Prozent). In China gibt es hingegen keine großen
Unterschiede zwischen den Sektoren.

Die bisherigen Erfahrungen, etwa in Bezug auf Ressourceneffizienz und
Energieverbrauch, stützen die hoffnungsvollen Erwartungen jedoch nur zum
Teil. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine zu hohe
Erwartungshaltung bei den Unternehmen gibt, die noch wenig Erfahrung mit
Industrie 4.0 haben. Je weiter das jeweilige Unternehmen mit der Umsetzung
war, umso moderater waren beispielsweise die Erwartungen für die
tatsächlichen Energieeinsparungen“, sagt Erstautor Grischa Beier. Auch
frühere Studien hätten wenig Hinweise darauf ergeben, dass es hier zu
erheblichen systematischen Einsparungen kommen würde.

Industrie 4.0 hilft, die Produktion an der Nachfrage auszurichten

Ein erfreuliches Ergebnis der Studie ist, dass Unternehmen mit einem hohen
Digitalisierungsniveau durchaus positive Potenziale für ihre Ökobilanz
verzeichnen: Je höher das derzeitige Industrie-4.0-Niveau der Unternehmen
ist, desto größer ist ihre Fähigkeit, ihre Produktivität an der Nachfrage
auszurichten. Zudem steigt ihre Bereitschaft, ihre Produktionszeiten
flexibel an die Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom anzupassen. Dies ist
laut den Forschenden eine wichtige Voraussetzung für die Stabilisierung
und effiziente Nutzung künftiger erneuerbarer Energiesysteme.

Ihre Schlussfolgerung ist, dass Industrie 4.0 nur mit politischer
Unterstützung zu Umweltverbesserungen führen wird. „Unsere Studie zeigt,
dass die Umsetzung des Konzepts Industrie 4.0 vor dem Hintergrund der UN-
Nachhaltigkeitsziele kritisch hinterfragt werden sollte: Die reine
Digitalisierung von Unternehmensprozessen wird für einen Übergang zu einer
nachhaltigen Wirtschaft nicht reichen. Damit das volle Potenzial der
Digitalisierung für die Nachhaltigkeit genutzt wird, braucht es ergänzend
eine Kombination aus Regulierung und Anreizen, wozu auch die Festlegung
verbindlicher Ziele für die Einsparung von Energie und Material gehört“,
erklärt Grischa Beier. Auch wenn die Ergebnisse ein gemischtes Bild
zeichnen, werde doch deutlich, dass die breite Umsetzung von Industrie 4.0
Chancen für mehr ökologische Nachhaltigkeit von Unternehmen bietet.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Grischa Beier
Telefon: +49 331 28822 380
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Beier, G., Matthess, M., Guan, T., Grudzien, D. I. d. O. P., Xue, B.,
Lima, E. P. d., Chen, L. (2022): Impact of Industry 4.0 on corporate
environmental sustainability: Comparing practitioners’ percep-tions from
China, Brazil and Germany. - Sustainable production and consumption, 31,
287-300.
https://doi.org/10.1016/j.spc.2022.02.017

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Sozial und klimafreundlich: Vorlesungen über geförderten Wohnungsbau

Diese Anlage im mittelfränkischen Herzogenaurach ist ein Beispiel dafür, wie die Joseph-Stiftung die Wohnsituation von Menschen mit geringem Einkommen verbessert. Foto: Sebastian Kolm
Diese Anlage im mittelfränkischen Herzogenaurach ist ein Beispiel dafür, wie die Joseph-Stiftung die Wohnsituation von Menschen mit geringem Einkommen verbessert. Foto: Sebastian Kolm

Die Joseph-Stiftung aus Bamberg stiftet einen Lehrauftrag an der
Hochschule Coburg. Thema ist der geförderte Wohnungsbau.

Die Bundesregierung will mehr bezahlbare und klimaneutrale Wohnungen
schaffen – ein wichtiges Thema, das auch die Joseph-Stiftung aus Bamberg
und die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Coburg beschäftigt. Im
Sommersemester 2022 gibt es dazu eine besondere Form des
Wissensaustauschs: Das kirchliche Wohnungsunternehmen aus Bamberg stiftet
einen Lehrauftrag an der Fakultät Design in Coburg. Initiiert hat das
Projekt der 41-jährige Architekt Christian Müller gemeinsam mit seiner
Kollegin Nicole Rose. Er ist Absolvent der Hochschule Coburg und nach
Stationen bei renommierten Büros in Hamburg, Zürich und Berlin, ist er
heute als Planer bei der Joseph-Stiftung tätig. An seiner früheren
Hochschule hält Müller nun die Lehrveranstaltung zum geförderten
Wohnungsbau. Außer ihm berichten auch weitere Expertinnen und Experten der
Joseph-Stiftung aus der Praxis: Vorstand Andreas F. Heipp, Architektin
Michaela Meyer und Projektsteuerer Sven Hauser. Was sich hinter der
Vorlesungsreihe mit dem Titel „Geförderter Wohnungsbau – quo vadis?“
verbirgt, was die Studierenden erwartet, was sich das Unternehmen davon
verspricht und warum Nachhaltigkeit auch hier eine große Rolle spielt,
verrät der Initiator Christian Müller im Interview.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Lehrveranstaltung an der
Hochschule Coburg anzubieten und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Christian Müller: Zur Coburger Hochschule besteht ein guter Kontakt.
Gemeinsam mit Nicole Rose und unserm Vorstand Dr. Klemens Deinzer habe ich
den Bereich Planen und Bauen der Joseph-Stiftung im Rahmen einer
Lehrveranstaltung von Frau Prof. Ohliger im vergangenen Jahr vorgestellt.
Mein Studium in Coburg ist nun schon mehr als 15 Jahre her und ich war von
der Entwicklung der Hochschule positiv überrascht. Außerdem diskutieren
wir im Unternehmen schon länger über vielfältige Nachhaltigkeitsthemen und
deren Einfluss auf unsere Projekte und Produkte. Auf der Rückfahrt ist mit
meiner Kollegin Nicole Rose und unserem Vorstand Dr. Klemens Deinzer die
Idee entstanden, gemeinsam mit Studierenden der Architektur diese
Themenfelder zu bearbeiten. Bei der Hochschule Coburg kam die Idee sofort
gut an.

Was erwartet die Studierenden in dieser Lehrveranstaltung?
Im Seminar werden Projekte des geförderten Wohnungsbaus durch einzelne
Planungsphasen geführt und hinsichtlich Nachhaltigkeitsaspekten
vorgestellt und analysiert. Die Themenschwerpunkte sind neben Städtebau,
gesellschaftlichen und demografischen Aspekten vor allem die Bereiche
Energie, Materialien, Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt Betrieb und
Nachnutzung. Die Aufgabe der Studierenden ist die Untersuchung eines
Projektes oder Quartiers des geförderten Wohnungsbaus. Als Grundlage der
Untersuchung dienen uns verschiedene Kriterienkataloge. Wir stellen sowohl
Bauprojekte der Joseph-Stiftung als auch die anderer Unternehmen vor.

Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit im Wohnungsbau und warum
liegt der Fokus des Seminars so stark darauf?
Wir befinden uns im Wandel. Ein Umdenken muss einsetzen, um die nationalen
und internationalen Zielsetzungen wie die Reduzierung der Erderwärmung,
CO2-Neutralität, Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die bessere
Wiederverwertbarkeit von Materialien sozial und nachhaltig umzusetzen. Es
müssen etablierte Standards hinterfragt und neue Wege gefunden werden.
Hierfür eignet sich eine solche Lehrveranstaltung außerordentlich gut. Für
Studierende sind außergewöhnliche Projekte wie Theater oder Museen
spannend. Der geförderte Wohnungsbau ist bei vielen eher nicht das
Lieblingsentwurfsthema. Wir wollen ihn etwas schmackhafter machen. Wohnen
betrifft jeden.

Und wie kann man nun ein Gebäude nachhaltig planen?
Es geht darum, das Ganze zu sehen: den Bau, den Betrieb und die
Nachnutzung, also die Frage, wie das Gebäude weitergenutzt werden kann,
wenn es nicht mehr für seinen ursprünglich gedachten Zweck genutzt wird.
Im Wesentlichen geht es hier um die Projektvorbereitung, in der klare
Zielsetzungen und Aufgabenstellungen für die Planung entwickelt werden.
Architekten müssen die Zeit nach Planung und Bau stärker mitdenken.

Können Sie das an einem Beispiel fest machen?
Wir können von einer Gebäudelebensdauer von 50 bis 80 Jahren ausgehen. Der
Betrieb eines Gebäudes, also die Zeit, in der es beispielsweise bewohnt
ist, ist die längste Phase dabei. Was passiert beispielsweise mit der
Wärmetechnik darin? Hier gibt es einen stetigen Wandel, den wir gerade bei
Gas oder Öl hin zu Wärmepumpsystemen oder Solarthermie beobachten können.
Wie plane ich also die technische Gebäudeausrüstung in einem Gebäude, um
auf diesen Wandel in den kommenden Jahrzehnten gut reagieren zu können?
Gleiches gilt für die Grundrisse. Hier ändert sich der Wohnbedarf auch
schneller als ein Gebäude steht. Ein Beispiel ist die Entwicklung hin zum
Homeoffice. All diese Themen sind bekannt, werden in der Praxis teilweise
zu wenig umgesetzt. Wir wollen mit unserer Veranstaltung auch hier
ansetzen.

Will die Joseph-Stiftung so eine Reihe künftig regelmäßig an der
Hochschule anbieten?
Ob in dieser Form, wird sich zeigen, eine kontinuierliche Zusammenarbeit
mit der Hochschule in Coburg ist angedacht. Die Joseph-Stiftung ist immer
am fachlichen Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen interessiert.
Als Unternehmen können wir daraus viel mitnehmen. Eine solche
Lehrveranstaltung ist keine Einbahnstraße, sondern sollte sowohl den
Studierenden als auch dem Unternehmen eine Weiterentwicklung ermöglichen.
Wir wollen nicht sagen, wie es gemacht wird, sondern gemeinsam Ideen
entwickeln, wie es besser gemacht werden kann. Wir erhoffen uns neue Ideen
und Denkansätze und klar freuen wir uns auch, wenn die Studierenden durch
den Austausch die Joseph-Stiftung für einen späteren Berufseinstieg in
Betracht ziehen.

Hintergrund:
Die Joseph-Stiftung ist als kirchliches Wohnungsunternehmen christlichen
Grundwerten verpflichtet. Stiftungszweck ist die Wohnungsversorgung
(insbesondere in der Erzdiözese Bamberg) für Menschen mit geringerem
Einkommen zu verbessern. Mit etwa 15.000 verwalteten Wohneinheiten ist die
Stiftung eines der größten Wohnungsunternehmen in Nordbayern – und immer
auch am Austausch mit der Wissenschaft interessiert. Mit der Hochschule
Coburg gab es beispielsweise bereits ein gemeinsames Forschungsprojekt zum
gesellschaftlichen Wert des Sozialen Wohnungsbaus. Dazu wurde der „Social
Return on Investment”-Ansatz herangezogen – SROI oder auch „Sozialrendite“
genannt: Soziale Projekte und Maßnahmen erzeugen einen gesellschaftlichen
Mehrwert und diese Vorteile werden in Geld bemessen, beispielsweise werden
Menschen in einer angemessenen Wohnsituation seltener krank als wenn sie
unter schlechten Bedingungen leben. Das vermeidet Kosten im
Gesundheitssektor. In dem interdisziplinären Projekt waren Studierende aus
den Studiengängen Soziale Arbeit und BWL beteiligt. Sie befragten
Bewohnerinnen und Bewohner von Sozialwohnungen der Joseph-Stiftung in
Nürnberg. Durch den Lehrauftrag beschäftigen sich nun Studierende der
Fakultät Design mit dem Thema Sozialer Wohnungsbau.

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Wasser nachhaltig sparen in der Autowaschanlage

Prof. Dr. Andreas Beyer (l.) und Richard Löffler (r.) von der Westfälischen Hochschule bereiten ein Forschungskonzept für eine verbesserte Wasseraufbereitung an Autowaschstraßen vor.  Westfälische Hochschule/BL
Prof. Dr. Andreas Beyer (l.) und Richard Löffler (r.) von der Westfälischen Hochschule bereiten ein Forschungskonzept für eine verbesserte Wasseraufbereitung an Autowaschstraßen vor. Westfälische Hochschule/BL

Gemeinsam mit dem Unternehmen Caramba Chemie in Duisburg will Prof. Dr.
Andreas Beyer von der Hochschulabteilung Recklinghausen das Waschwasser an
Autowaschanlagen besser als bisher reinigen und rückführen. Das spart
nachhaltig Wasser und fördert den Umweltschutz.

Recklinghausen/Duisburg. Das Unternehmen Caramba in Duisburg verdient sein
Geld unter anderem damit, Autowaschstraßen und Autowaschportale mit
Waschchemie zu beliefern und ist daher ganz nah dran an den Betreibern.
Dabei fiel es Dr. Holger Evers, Chemiker und Leiter der Forschungs- und
Entwicklungsabteilung von Caramba, auf, wie unterschiedlich
Waschstraßenbetreiber die Abwasserreinigung umsetzen. „Beim Autowasch
werden je nach Waschstraße 50 bis 200 Liter Wasser je Auto verbraucht.
Zwar ist seit längerem die Nutzung eines Wasserkreislaufs Pflicht, das
wird aber nur selten auf optimalem Niveau betrieben. Über eine sinnvolle
Abwasserreinigung und Rückführung des Wassers in den Waschzyklus kann die
Umwelt geschont, der Wasserverbrauch nachhaltig gesenkt und an den
Abwassergebühren gespart werden“, so seine Idee. Gedacht – gemacht: Evers
nahm Kontakt zu Professor Dr. Andreas Beyer an der Hochschulabteilung
Recklinghausen der Westfälischen Hochschule auf, wo Beyer im Fachbereich
Ingenieur- und Naturwissenschaften unter anderem im Studiengang für
„Nachhaltige Biologische und Chemische Technologien“ Molekulargenetik
lehrt. „Es gibt einige Ansätze zur biologischen Aufbereitung, der optimale
Zustand und die Verfahrensweise bleiben jedoch im Alltag unverstanden“, so
Beyer. „Vielfach mangelt es in den Kreisläufen allein schon an Sauerstoff.
An den Autos kleben auch Insektenschmutz und Huminsäuren aus Dreckschlamm
und Erde. Beim Waschen kommen organische Verbindungen aus den Waschmitteln
hinzu. Hierfür böte sich eine effizient konzipierte biologische Abbaustufe
an. Eine solche fehlt jedoch in den allermeisten Fällen.“ Ein
anzustrebendes Ideal, so Beyer, könnte eine standardisierte
Wasseraufbereitung sein, die so hoch effizient ist, dass der Autowaschgang
statt 200 Litern nur noch zehn Liter Frischwasser benötigt, weil diese
Menge unvermeidbar durch Verdunstung und Verschleppung verloren geht.
Beyer: „Im Prinzip wären wir dann frischwasserfrei.“ Doch, so räumt er
ein, sei es bis dahin noch ein mehrjähriger Weg: „Unser Nahziel ist die
Wassereinsparung.“ Zurzeit entwickelt er gemeinsam mit Caramba das
betreffende Forschungskonzept, um in eine Labortestphase gehen zu können.
Dabei hilft auch Richard Löffler, Masterstudent an der Westfälischen
Hochschule, der damit seine Abschlussarbeit bestehen und nach Möglichkeit
anschließend den Doktorgrad anstreben will. Es folgt eine Feldstudie, zu
der Caramba seine Kunden als Praxispartner gewinnen will.

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Open Educational Resources für die Musikwelt von morgen: Open Music Academy startet

Kampagnenmotiv zur Open Music Academy: Beteiligung erwünscht!  HMTM/Open Music Academy
Kampagnenmotiv zur Open Music Academy: Beteiligung erwünscht! HMTM/Open Music Academy

Die offene digitale Plattform »Open Music Academy« (OMA) steht ab sofort
allen Musikinteressierten weltweit unter https://openmusic.academy/
kostenlos zur Verfügung. Mit dieser Plattform für Open Educational
Resources (OER) im Musikbereich leistet die Hochschule für Musik und
Theater München (HMTM) einen grundlegenden Beitrag für zukunftsweisende
Musikausbildung, neue Wege in der Zusammenarbeit von Lehrenden und
Lernenden weltweit sowie für neue Impulse und Austausch in der Musikwelt
insgesamt. Die Open Music Academy wird von der Stiftung Innovation in der
Hochschullehre gefördert. Projektleiter an der HMTM ist Prof. Dr. Ulrich
Kaiser.

Mit der Open Music Academy verbindet die HMTM die Idee von Open
Educational Resources, die bereits großen Einfluss auf die Entwicklung der
bundesweiten und internationalen Hochschulausbildung hat, mit einer
umfassenden und hochwertigen Musikausbildung. Die OER-Plattform kommt
damit aktuellen Anforderungen im Lernen und in der Lehre entgegen und
fördert neue Kollaborationsformen und Innovation im Musikunterricht.
Gleichzeitig bietet sie Raum für Impulse und Diskurse zu verschiedensten
Themen der gesamten Musikwelt und öffnet damit allen Interessierten den
Zugang zu Musik als Kunstform.

Präsident Prof. Dr. Bernd Redmann: »Die Open Musik Academy ist ein
zukunftsweisendes Projekt für die Musikwelt von morgen und hat ein enormes
Potential für die künstlerische Musikausbildung, aber auch für die gesamte
Musikszene. Auf dieser neuen Plattform werden hochwertige und frei
zugängliche Lehr- und Lernmaterialien zur Verfügung gestellt, gleichzeitig
können aber auch ganz andere Formate entstehen, welche die Musik als
Kunstform zugänglich machen, Impulse geben, Wissen verbreitern, Diskurse
anregen. An unserer Hochschule erarbeiten wir in einem ersten Schritt
gezielt Inhalte mit Studierenden und Lehrenden für die Open Music Academy.
So möchten wir das große Potential für Open Educational Resources auch für
die künstlerische Hochschullehre heben und weiterentwickeln.«

Die Open Music Academy bietet vielfältiges Material, das beim Hören,
Verstehen, Vermitteln und Selbermachen von Musik inspiriert. Interessierte
finden auf der Plattform Unterstützung beim Arrangieren von Musik,
pädagogisches Material zur Musikvermittlung in Schulklassen, Lernhilfen
zum Üben oder zum Umgang mit Audio- und Videotechnik sowie weitere Tools
zur Aufbereitung von Lernmaterialien (z.B. einen PDF-Viewer, in Kürze
einen interaktiven Videoplayer, Mehrspur-Audioplayer und vieles mehr).
Potentiell können Materialien aller Art hinzukommen etwa Interviews,
Lectures, Musikbeispiele u.v.m.

Sämtlicher frei zugänglicher Content steht unter einer Creative-Commons-
Lizenz (CC-Lizenz, die Standard-Lizenz der Open Music Academy ist CC BY-
SA). Durch eine CC-Lizenz werden Lernmaterialien zu Open Educational
Resources, welche eine rechtssichere Nachnutzung erlauben. Wer sich mit
einer Emailadresse registriert, kann existierende Dokumente bearbeiten
oder selbst Artikel mit Text, Noten, Tonaufnahmen, Bildern und Videos
einstellen. Darüber hinaus bietet die OMA ein Lernmanagementsystem mit
geschützten Räumen für die Musikausbildung. Einzig der Speicherplatz zum
Ablegen von Materialien für den privaten oder institutionellen
Musikunterricht wird für externe Nutzer*innen nach Ende der Förderlaufzeit
kostenpflichtig sein.

Die Open Music Academy greift auch auf Open Access-Angebote der Bibliothek
der HMTM zurück. Die Bibliothek der Hochschule verfügt bereits über eine
Digitale Sammlung (http://digital.bib-
bvb.de/collections/HMTM/#/collection/DTL-5354), über die sie u.a.
digitalisierte Schallplatten und CDs aus ihrem Bestand zur Verwendung in
freien Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt. Diese Digitalisate
entstanden seit 2014 in Zusammenarbeit der Bibliothek der HMTM, dem
Bibliotheksverbund Bayern (BVB) und Prof. Dr. Ulrich Kaiser. Über die
Verknüpfung der Digitalen Sammlung mit dem bayerischen Verbundkatalog und
der zentralen Speicherung beim LRZ München ist ein langfristiger Zugriff
und eine normierte, bibliographische Suche nach einzelnen Werken und
Interpreten gewährleistet.

Im Mai 2021 erhielt die HMTM eine Förderzusage für das Projekt »OER-
Lernplattform für Musik (OER Learning Platform for Music)« durch die
Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Mit diesem Projekt unter der
Leitung von Prof. Dr. Ulrich Kaiser geht die Hochschule entscheidende
Schritte in Richtung Digitalisierung der Hochschullehre und der
Musikausbildung. Damit ist sie eine von insgesamt vier bayerischen
Kunsthochschulen – neben der HMTM auch die Hochschule für Fernsehen und
Film München, die Hochschule für Musik Nürnberg und die Hochschule für
Musik Würzburg –, die sich mit ihren zukunftsweisenden Projekten bei der
bundesweiten Konkurrenz durchsetzen konnte. Ziel der Hochschule für Musik
und Theater München ist es nun, eine digitale Lernplattform unter offener
Lizenz aufzubauen, welche die Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden
an hochwertigen, aber kostenfreien Materialien zum Musiklernen fördert und
stärkt, um so durch Open Educational Resources (OER) einen wichtigen
Beitrag für eine zukunftsweisende Musikausbildung zu leisten.

Mit einer dreijährigen Förderung (bis Juli 2024) ermöglicht die Stiftung
Innovation in der Hochschullehre dem Projektteam um Prof. Dr. Ulrich
Kaiser den Aufbau der rundum benutzerfreundlichen Plattform. Zeitgleich
arbeiten Studierende und Lehrende der Hochschule für Musik und Theater
München bereits intensiv am Erstellen vielfältiger Angebote – viele sind
schon jetzt online.

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