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Neuer Professor der Hochschulmedizin Dresden nutzt Künstliche Intelligenz zur Entscheidungsfindung in der Medizin

Der Internist und Wissenschaftler Jakob Nikolas Kather besetzt ab 1. Juni
2022 die neue Else Kröner Professur für „Clinical Artificial Intelligence“
am EKFZ für Digitale Gesundheit der Technischen Universität Dresden. Der
mehrfach ausgezeichnete Arzt aus Aachen verstärkt mit seiner Expertise und
seinem Team an der Hochschulmedizin Dresden die Forschung zu Künstlicher
Intelligenz (KI) in der klinischen Praxis. Um den direkten Bezug zum
ärztlichen Alltag sicherzustellen, wird Prof. Kather in der Medizinischen
Klinik I am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden tätig sein und
versorgt dort Patientinnen und Patienten.

Mit der neuen Professur wird eines der Hauptanliegen des EKFZ für Digitale
Gesundheit umgesetzt – die über die medizinischen Disziplinen
hinausgehende Forschung sowie die Zusammenarbeit im Versorgungsalltag:
Ärztinnen sowie Ärzte lernen Programmieren und Forschende aus Informatik
oder technischen Fächern lernen im Gegenzug, relevante Probleme in der
Klinik zu identifizieren und zu lösen.

„Das Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit ist eine
einzigartige Institution in Deutschland. Hier wird die Interaktion
zwischen High-Tech und Medizin in interdisziplinären Forschungsteams
institutionalisiert und professionalisiert. Mein Team und ich möchten dazu
beitragen, die TU Dresden zu einem führenden Standort für KI in der
Medizin zu machen“, sagt Prof. Kather zu seinem bevorstehenden Wechsel.
Seine Forschung konzentriert sich auf die Anwendung von Künstlicher
Intelligenz bei Krebs in der klinischen Praxis. Mit seiner
Forschungsgruppe Computational Oncology schlägt er eine Brücke zwischen
verschiedenen Fachrichtungen. Ärztinnen und Ärzte erlernen das
Programmieren, während Forschende mit informatischem oder technischem
Hintergrund lernen, relevante Probleme in der Klinik zu identifizieren und
zu lösen. Konkret geht es darum, das Auswerten und Interpretieren
komplexer Bilddaten weiterzuentwickeln und damit Diagnose- und
Behandlungsansätze zu verbessern, beispielsweise bei Tumorerkrankungen wie
Darmkrebs oder Magenkrebs, aber auch bei entzündlichen Erkrankungen oder
in der Transplantationsmedizin. Ein wichtiger Partner wird das Nationale
Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC), das ebenfalls auf dem Campus des
Universitätsklinikums angesiedelt ist. Am NCT wird die Erforschung von
Krebserkrankungen und die Versorgung von Tumorpatienten so eng wie möglich
verknüpft. In seiner bisherigen Position am Universitätsklinikum der RTWH
Aachen konnte Prof. Kather bereits zeigen, dass es mittels „Deep Learning“
möglich ist, medizinische Handlungsempfehlungen aus routinemäßig
vorliegenden Daten abzuleiten.

Hintergrund der an der Dresdner Hochschulmedizin angestrebten
interdisziplinären Zusammenarbeit ist es, schnell von der Idee zum
Prototypen zu kommen und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, Diagnose
und Behandlung von Krebs zu verbessern. „Dank der umfassenden
Unterstützung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung und der damit
finanzierten Professur können die Medizinische Fakultät und das
Universitätsklinikum Maßstäbe in der patientennahen Forschung zur
digitalen Medizin setzen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand des Dresdner Universitätsklinikums. „Prof. Kather und sein Team
bilden einen weiteren wichtigen Baustein für den ersten wirklich
integrierten eHealth-Campus auf dem Gelände eines deutschen
Universitätsklinikums. Mit der hier von allen Akteuren gelebten
Praxisrelevanz und dem Patientenbezug sind die Voraussetzungen dafür
geschaffen, die Zukunft der Medizin entscheidend mitzugestalten.“

Klinische Daten mit Künstlicher Intelligenz auswerten

In der klinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten fallen
massenhaft Daten an, die aktuell nur teilweise für die klinische
Entscheidungsfindung genutzt werden. Insbesondere Bilddaten wie
pathologische oder radiologische Bilder enthalten sehr viele
Informationen, aber auch andere Datentypen wie Text oder Laborwerte werden
aktuell nicht komplett verwendet. Künstliche Intelligenz kann subtile
Muster in diesen Daten erkennen und sie daher nutzbar machen. Dies kann
Ärztinnen und Ärzten helfen, mehr Informationen aus vorliegenden Daten
abzuleiten, anhand derer bessere klinische Entscheidungen getroffen werden
können. Das betrifft einerseits die Diagnose von Erkrankungen, aber auch
die Einteilung in Subtypen oder Krankheitsstadien sowie die Vorhersage des
Krankheitsverlaufs. Ein Beispiel sind Tumorerkrankungen, deren Behandlung
in den letzten Jahren immer komplexer wurde. „Wichtig ist, dass die
verschiedenen Schritte optimal ineinandergreifen: Die Identifikation
klinisch relevanter Probleme, die Entwicklung von neuen KI-Methoden, und
die letztendliche klinische Erprobung und Entwicklung eines
Medizinprodukts. Dies funktioniert nur in einer interdisziplinären
Umgebung mit kurzen Wegen und einer gemeinsamen Vision“, so Prof. Kather.

Fächerübergreifende Ausbildung und Zusammenarbeit

Gerade diese fächerübergreifende Arbeit ist essenziell für die digitale
Transformation in der Medizin. „Mit Prof. Jakob Kather konnten wir einen
herausragenden Wissenschaftler für die TU Dresden gewinnen, der mit seinem
Team das lebt, wofür die TU Dresden steht: Interdisziplinarität. Medizin
kombiniert mit künstlicher Intelligenz ist ein zukunftsweisendes
Wissenschaftsgebiet, das wir auch in den neuen Studiengängen
Biomedizinische Technik und Medical Informatics adressieren“, so Rektorin
Prof. Ursula M. Staudinger. „Mit seiner bisherigen Forschung hat Prof.
Kather herausragende wissenschaftliche Anerkennung erlangt. Mit seiner
Expertise und seinem Team ist er ein großer Zugewinn für das EKFZ und das
Uniklinikum,“ sagt Prof. Jochen Hampe, wissenschaftlicher Sprecher des
EKFZ für Digitale Gesundheit sowie Direktor der Medizinischen Klinik I des
Universitätsklinikums Dresden.

In den nächsten Jahren soll ein Team von jungen und kreativen Köpfen auf
dem Campus der Hochschulmedizin aufgebaut und interdisziplinär ausgebildet
werden. „Mein Team und ich möchten dazu beitragen, dass das EKFZ für
Digitale Gesundheit und das Uniklinikum Dresden zum deutschlandweit
führenden Zentrum für Künstliche Intelligenz in der klinischen Praxis
werden. Dabei soll das ganze Spektrum klinischer Expertise abgedeckt
werden: die Entwicklung von Prototypen, klinische Validierung und
regulatorische Aspekte. Der Bereich Clinical AI bringt sich hierbei in das
gesamte Spektrum ein“, erläutert Prof. Kather abschließend.

Zusatzinformationen

Biografie: Prof. Dr. med. Jakob Nikolas Kather besetzt die neu geschaffene
Else Kröner Professur für Clinical Artificial Intelligence am EKFZ für
Digitale Gesundheit der TU Dresden. Er ist Facharzt für Innere Medizin und
interdisziplinärer Wissenschaftler, mit zwei universitären Abschlüssen in
Medizin und in Medical Physics (MSc). Seit 2018 ist er an der Uniklinik
Aachen tätig und seit 2021 an der RWTH Aachen Juniorprofessor. Dort leitet
er die Forschungsgruppe „Computational Oncology“, die KI-Methoden für den
Einsatz in der Klinik entwickelt. Für seine herausragenden
Forschungsleistungen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, unter
anderem 2021 mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF). Zudem fördert die Deutsche Krebshilfe seine
Forschungsarbeit. Seine jüngsten Veröffentlichungen sind unter anderem bei
Pubmed aufgeführt.

EKFZ für Digitale Gesundheit: Das Else Kröner Fresenius Zentrum für
Digitale Gesundheit an der TU Dresden wurde im September 2019 gegründet.
Es wird mit einer Fördersumme von 40 Millionen Euro für eine Laufzeit von
zehn Jahren von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert. Das Zentrum
konzentriert seine Forschungsaktivitäten auf innovative, medizinische und
digitale Technologien an der direkten Schnittstelle zu den Patienten. Das
Ziel ist dabei, eine neue Generation von Ärzten mit umfassenden
technischen Kenntnissen und Fähigkeiten zu fördern und umgekehrt
Ingenieure mit einem umfassenden Verständnis für die Bedürfnisse von
Medizinern und Patienten auszustatten. Seit März 2022 erforscht Prof.
Gilbert am EKFZ, wie innovative Medizinprodukte schneller in der
Patientenversorgung ankommen können. Für die Professuren Clinical AI und
Regulatory Science sucht das EKFZ derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter
(m/w/d).

Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen
helfen: Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der
Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre
Projekte. Bis heute hat sie rund 2.200 Projekte gefördert. Mit einem
jährlichen Fördervolumen von aktuell über 60 Millionen Euro ist sie die
größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands.

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Vorbild Natur: Leistungsfähige bionische Leichtbauteile material- und kosteneffizient produzieren

Leichtbaukomponenten aus Faserverbundwerkstoffen (FVK) sind aus den
Branchen Transport und Mobilität nicht mehr wegzudenken, wenn es darum
geht, Materialeinsatz, Nutzlasten und Betriebskosten zu senken. Besonders
materialeffiziente Strukturen, die gleichzeitig leicht und
widerstandsfähig sind, sind in der Natur zu finden. Beispiele sind die
Wabenstrukturen in einem Bienenstock oder die Flügel einer Libelle.
Erkenntnisse aus der Bionik nutzen das Fraunhofer-Institut für
Produktionstechnologie IPT mit Partnern des Projekts »BioStrukt«: Sie
entwickelten eine neue Prozesskette zur Herstellung bionischer Strukturen
aus FVK und kombinierten dabei das Tapelegen, Thermoformen und
Hinterspritzen.

Hochleistungsmaterialien wie Kohlenstofffasern lassen sich in Kombination
mit einer Kunststoffmatrix in bionische Strukturen einbetten. Um
funktionalisierte FVK-Bauteile herzustellen, formte das Fraunhofer IPT
Organobleche thermisch um. Anschließend wurden die Teile vom
Projektpartner SK Industriemodell mit Kunststoff hinterspritzt. Ziel der
Forschenden war eine effiziente Materialverwendung durch optimale
Auslegung des Bauteils auf die jeweilige Belastung.

FVK-Bauteile durch gelenkte Fasern auf Belastung optimieren

Durch den Einsatz von Organoblechen mit gelenkten, also gezielt
ausgerichteten Verstärkungsfasern können die entstehenden Bauteile
flexibel und an die jeweilige Bauteilkontur angepasst hergestellt werden.
Kraftflüsse verlaufen im Bauteil, wie in der Natur, oft kurvenförmig. Das
Ablegen gelenkter Fasern in gekrümmten Tapebahnen, Fiber Steering genannt,
ist komplex. Die Komplexität erschwert es, den Prozess auf eine
Serienfertigung zu übertragen.

Mit angepasster Anlagentechnik das ganze Potenzial gekrümmter bionischer
Strukturen ausschöpfen

Hier setzte das Projekt »BioStrukt« an: Um das gesamte Potenzial
bionischer Strukturen auszuschöpfen und den Prozess auf ein industrielles
Niveau zu bringen, modifizierten die Projektpartner die zugehörige
Anlagentechnik. Die Experten betrachteten die gesamte Prozesskette samt
der Handhabung der entstandenen Halbzeuge. Damit die bionischen Strukturen
während des Thermoformens die gewünschten Faserausrichtungen bewahren,
müssen die Organobleche im aufgewärmten Zustand gezielt eingespannt
werden. Die drei Produktionstechnologien Tapelegen, Thermoformen und
Hinterspritzen kombinierten die Projektpartner zudem mit einem
Greifroboter, der die umgeformten Bauteile automatisiert in die
Spritzgussmaschine einsetzt. Eine kontinuierliche Qualitätsüberwachung,
die geometrische Ungenauigkeiten und Defekte detektiert, sichert Prozess
und Bauteil ab.

Industrienaher Prototyp zum automatisierten Tapelegen

Um thermoplastische Tapes in Kurvenbahnen mit definierten Radien abzulegen
und so belastungsoptimierte Organobleche herzustellen, entwickelten die
Projektpartner das bereits am Fraunhofer IPT bestehende In-situ-
Tapelegesystem »PrePro®2D« weiter. Sie passten das System mechanisch und
steuerungstechnisch für das Fiber Steering an, sodass bionische
Organobleche automatisiert und daher effizient gefertigt werden können.
Der weiterentwickelte Legeprozess erlaubt es, die FVK-Bauteile zuverlässig
und kostengünstig in großen Stückzahlen herzustellen.

Im Sinne von Industrie 4.0: Alle Daten werden analysiert

Die Forscherinnen und Forscher erfassen, speichern und analysieren alle
Daten, die während der Herstellung des Bauteils gewonnen werden. So
konnten sie die Qualität des Halbzeugs und des produzierten Bauteils
untersuchen sowie die entwickelte Prozesskette wirtschaftlich und
technologisch ganzheitlich bewerten. Darüber hinaus prüften die Experten
die erzeugten Bauteile mechanisch im Rahmen von Druckprüfungen. Hier
zeigte sich, dass die bionische Verstärkung zu einer erheblichen Zunahme
der Bauteilfestigkeit im Vergleich zu einem nicht verstärkten Bauteil
führt. Der digitalisierte Produktionsprozess reduziert damit den
Materialeinsatz und ist besonders ressourceneffizient. Die hergestellten
Leichtbaukomponenten sind zudem deutlich leistungsfähiger als
konventionell hergestellte Bauteile.

Zum Projekt »BioStrukt«

Das Projekt »BioStrukt« wurde durch Mittel des Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung (EFRE) Produktion.NRW gefördert. Es lief von
November 2018 bis Februar 2022.

Beteiligte Forschungseinrichtungen und Industriepartner

- Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT, Aachen
(Projektleitung)
- Apodius GmbH, Aachen
- SK Industriemodell GmbH, Übach-Palenberg

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Energieträger der Zukunft auf Schiffen – Deutsches Maritimes Zentrum stellt Kraftstoff-Portfolio vor

Von fossilen zu regenerativen Energieträgern. Erste Gesamtübersicht zur
Transformation der deutschen maritimen Industrie.

Mit welchem Kraftstoff kann man heute, in zehn und in 25 Jahren ein Schiff
möglichst klimaneutral fahren?
Die Beantwortung dieser Frage ist zentral, um zu
Investitionsentscheidungen für neue Schiffe oder den Umbau von vorhandener
Tonnage zu kommen, egal, ob Binnenschiff, Küstenfrachter oder 22.000 TEU-
Containerschiff.

„Wir müssen wissen, welche Kraftstoffe und Energieträger (einschließlich
Verträglichkeit, Verfügbarkeit, Emissionspotenziale nach Schiffssegmenten)
für die Schifffahrt verfügbar sind. Hierzu hat das Deutsche Maritime
Zentrum 2021 eine Studie bei der Ramboll GmbH beauftragt“ erläutert Claus
Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 27. April auf einer Fachveranstaltung
vorgestellt.

Mit Fokus auf eine Flottenanalyse mit engem Bezug zur deutschen maritimen
Wirtschaft liefert die Studie einen Überblick über die alternativen
Kraftstoffe und Energieträger, die perspektivisch regenerativ erzeugbar
sind. Typenabhängige Schiffsdesigns, Versorgungspotenziale weltweit,
erforderliche und vorhandenen Regelwerke bis hin zu Handlungsempfehlungen
für Entscheidungsträger werden in einem Zusammenhang dargestellt.

„In der Studie wird die Erzeugung dieser Kraftstoffe einschließlich der
Energieeffizienzen ebenso betrachtet, wie die Kosten für die Energieträger
der Zukunft, sowie für den Neu- und Umbau der Schiffe. Lücken in der
Regulative wurden identifiziert und Vorschläge für das zukünftige
Regelwerk benannt“, so Thomas Rust von Ramboll.

Die Studie zeigt:
- In der untersuchten Flotte werden bisher kaum alternative Kraftstoffe
eingesetzt. Zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen werden nahezu
ausschließlich die entsprechenden Energieeffizienz-Ziele erfüllt. Ein
Einsatz von regenerativen Energieträgern ist bisher nur äußerst selten
vorgesehen.
- Das weltweite aktuelle Orderbuch für Neubauten zeigt ein analoges Bild.
Der überwiegende Anteil der Schiffe ist auf die Erfüllung der gültigen
IMO-Regeln zur Minderung der Schadstoffemissionen (Schwefel- und
Stickoxide) ausgelegt, unter Verwendung der etablierten (fossilen)
Schiffskraftstoffe.
-Es ist bisher nicht eindeutig absehbar, wie die technischen Lösungen in
30 Jahren aussehen werden.
-Ein genereller Trend, zu nur einem bestimmten regenerativ erzeugbaren
Kraftstoff, mit dem sich Versorgung und Speicherung an Bord sowie die
Umsetzung in Propulsionsleistung realisieren ließe, ist bisher nicht
erkennbar.
-Es fehlt ein gültiges internationales Regelwerk um die CO2-Emissionen der
regenerativ erzeugten Kraftstoffe, (auch für fuel blends).
In der Studie werden Handlungsempfehlungen vorgestellt, wie sich der
Übergang in die CO2-Neutralität in der Schifffahrt gestalten lässt und
welche flankierenden Maßnahmen, Gesetze und Regularien dafür notwendig
sind bzw. angepasst werden müssen.

„Wesentlich wird in Zukunft sein, eine tragfähige Aussage über die
CO2-Emission der alternativen Energieträger von der Herstellung bis zum
Tank an Bord machen zu können,“ erläutert der Projektleiter Ralf Plump,
Referent Schiffs- und Meerestechnik im DMZ.

Dieses Problem betrifft nicht nur die Schifffahrt, sondern die Umstellung
der globalen Energieversorgung insgesamt. Das Deutsche Maritime Zentrum
wird sich auch zukünftig mit Fragen der Dekarbonisierung und
Emissionsreduktion befassen.

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Neugründung des Forschungsbereichs „Gesellschaft“ im OFFIS

Digitale Technologien sind heute aus fast allen unseren Lebensbereichen
nicht mehr wegzudenken. Sie sind mit grundsätzlichen gesellschaftlichen
Fragen der Teilhabe an Gesellschaft, der Daseinsvorsorge, der
Gerechtigkeit und, wie wir es in diesen Tagen erleben wie selten zuvor,
auch der Demokratie verknüpft. Mit dem am 1. April 2022 neugegründeten
Forschungsbereich „Gesellschaft“ treibt das Informatikinstitut OFFIS eine
Digitalisierung mit der und für die Gesellschaft voran. Erforscht und
entwickelt werden innovative Technologien und Konzepte für einen
verantwortungsbewussten digitalen Wandel in allen gesellschaftlichen
Lebensbereichen.

Oldenburg. Die digitale Transformation vollzieht sich nicht nur auf
technologischer, industrieller und wirtschaftlicher Ebene – sie verändert
unser tägliches Leben; Werte und Gewohnheiten unserer Gesellschaft
verändern sich manchmal unmerklich. Die Digitalisierung ist einer der
großen Trends, der das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bestimmt und
verändert. Wie lebenswert unsere Gesellschaft ist, entscheidet sich nicht
zuletzt darin, wie wir die Digitalisierung gestalten.

Digitale Technologien tragen zu einer tiefgreifenden Veränderung unserer
Gesellschaft bei. Die Frage lautet heute nicht mehr, ob wir eine digitale
Gesellschaft werden, sondern wie wir diese Digitalisierung so gestalten,
dass sie ihre Versprechen für ein besseres Leben und eine lebendige
Demokratie für alle einlöst. Umso offensichtlicher wird, dass der
Informatik und den Informationstechnologien eine zentrale Verantwortung
zukommt.

„Hier werden wir ab sofort gestaltend aktiv“, so Prof. Dr. Susanne Boll,
OFFIS Vorständin und Sprecherin des neuen, vierten Forschungsbereichs
Gesellschaft im OFFIS. „Wir betrachten die Entwicklung neuer Technologien
im Wechselspiel mit gesellschaftlichen Entwicklungen, beobachten, wie sich
die Technik unmittelbar auswirkt und vor allem, wie sie neue
gesellschaftliche Realitäten schafft und wie wir diese Entwicklung im
Sinne einer offenen, teilhabenden und demokratischen Gesellschaft
gestalten können.“ Dr. Jochen Meyer, Leiter des neuen Bereichs, ergänzt:
„Für uns steht die proaktive Entwicklung von innovativen Technologien für
eine gemeinsame, verantwortungsvolle Gestaltung der digitalen Gesellschaft
im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, Informatiklösungen zu entwickeln, die
sich in den Alltag der Menschen einfügen, die sie verstehen und die sie
nutzen können und wollen.“

Der neue Bereich knüpft damit nahtlos an die bestehenden fachlichen
Kompetenzen und Vorarbeiten des Informatikinstituts OFFIS an, die bereits
über viele Jahre in den anderen drei Forschungsbereichen Energie,
Gesundheit und Produktion vorangetrieben wurden. Diese Innovationen und
Fragestellungen aus Anwendungsperspektive werden - wenn sie für die
digitale Transformation mit und für die Gesellschaft besonders relevant
sind - im neuen Bereich gebündelt und weiterentwickelt.

Vier Gruppen mit verschiedenen Schwerpunkten werden den neuen
Forschungsbereich mit Leben füllen:

Mixed Reality - Interaktion von Mensch und Technik in digitalen und realen
Räumen

·       In Zukunft werden wir nicht mehr nur mit einer Vielzahl einzelner
digitaler Geräte und Anwendungen interagieren, vielmehr werden wir uns in
großen digitalisierten Räumen bewegen, in denen die reale Welt nahtlos mit
der digitalen Welt verschmilzt. Wir entwickeln Technologien, mit denen wir
Menschen aus verteilten realen Räumen in digitalen Räumen auch über
Distanz emotional und sozial verbinden und einbinden können.

Human-Centered AI  - Menschenzentrierte Künstliche Intelligenz

·       Die Nutzung von künstlicher Intelligenz hat insbesondere durch die
breite Verfügbarkeit von Deep-Learning-Modellen und -Werkzeugen Einzug in
viele Anwendungsbereiche gehalten. In vielen Bereichen wird diese KI
unsere Leben allerdings klar beeinflussen und beispielsweise
Entscheidungsprozesse unterstützen oder Arbeitsabläufe verändern. Wir
entwickeln interaktive Technologien zur Interpretierbarkeit und Erklärung
der KI für den Menschen in Alltags- und Arbeitsumgebungen.

Personal Pervasive Computing - Digitalkompetenz und digitale Souveränität

·       Digitale Technologien haben mit unvergleichlichem Tempo und Maß in
unserem Alltag Einzug gehalten: wie wir unsere persönlichen und
gesundheitsrelevanten Daten lesen und verstehen, wie wir mit
digitalisierten Systemen in unserer Arbeitswelt umgehen, wie wir mit
digitalisierten Alltagsobjekten interagieren oder wie wir in einem
zunehmend digitalisierten Staat handeln. Wir entwickeln mobile
alltagsdurchdringende Technologien zur Förderung der digitalen
Souveränität und der digitalen Kompetenz in unterschiedlichen
Lebensbereichen.

Social Computing - Digitale Teilhabe und Partizipation

·       Digitale Technologien können für Bürger*innen ein wesentliches
Instrument für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft schaffen. Gerade
die Corona-Pandemie hat gezeigt, welche wichtigen Aufgaben digitale
Technologien übernehmen, um über Distanz in Kontakt bleiben und sich
austauschen zu können. Wir entwickeln innovative digitale
Beteiligungsformate für eine aktive Beteiligung an Demokratie.

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