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Video-Chat per analoger Karte? Neuer Ansatz kann Berührungsängste mit Tablets abbauen

Die SmartCards können verschiedene Funktionen aufrufen - zum Beispiel die Wetter-App starten  Julia Kortus
Die SmartCards können verschiedene Funktionen aufrufen - zum Beispiel die Wetter-App starten Julia Kortus

Analoge Bedienkarten können Seniorinnen und Senioren dabei helfen, an der
digitalen Welt teilzuhaben. Das zeigt ein Projekt der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Burg Giebichenstein
Kunsthochschule Halle (BURG). Das Team entwickelte sogenannte
"SmartCards", mit denen sich Tablets intuitiv und einfach bedienen lassen.
Im Praxistest hat sich gezeigt: Die Karten kommen gut an. Durch die
Tabletnutzung verbessern sich zudem die kognitiven Fähigkeiten der
Seniorinnen und Senioren, wie die Forschenden im Fachjournal "Healthcare"
berichten.

Das Prinzip ist einfach: Auf einer Karte steht jeweils ein Begriff, zum
Beispiel "Wetter", "E-Mail" oder "Fotos". Wird diese Karte an das Tablet
gehalten, startet das Gerät die gewünschte Applikation. "Gerade ältere
Menschen, die keine Erfahrungen um Umgang mit digitalen Geräten haben,
fällt es mitunter schwer, sich darauf einzulassen. Die Karten sollen
helfen, indem sie eine Brücke zwischen Bekanntem und Neuem darstellen",
sagt die Psychologin Prof. Dr. Gundula Hübner von der MLU.

Gestaltet wurden die Karten, eine passende Halterung für das Tablet sowie
eine Aufbewahrungsbox für die Karten von der Textildesignerin Julia Kortus
von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. "Uns war es wichtig,
gemeinsam mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern eine Gestaltung zu
entwickeln, die ihren Ansprüchen und Bedürfnissen entspricht. Dieser
Perspektivwechsel war sehr bereichernd", erklärt sie. Eingesetzt wurde
zudem eine Software der Exelonix GmbH, die auf handelsüblichen Tablets
funktioniert und mit den Karten arbeiten kann.

Anschließend wurde das neue System einem ausführlichen Praxistest
unterzogen: Daran teil nahmen 30 Männer und Frauen, die entweder in ihrer
eigenen Wohnung von einem Pflegedienst unterstützt wurden oder die in
einem Altenpflegeheim wohnten. Alle hatten zuvor keine Erfahrungen im
Umgang mit Tablets. Nach einer Einweisung in die Bedienung sollten die
Seniorinnen und Senioren die Tablets mit Hilfe der Karten für drei Monate
selbst ausprobieren. Davor und danach absolvierten sie zudem mehrere
Tests, mit denen die Psychologinnen der MLU untersuchen wollten, ob sich
durch die Tablets zum Beispiel das Wohlbefinden, die gefühlte Einsamkeit
oder die kognitive Fähigkeiten verbessern. "Andere Studien haben gezeigt,
dass der Umgang mit Tablets das Erinnerungsvermögen und die
Auffassungsgeschwindigkeit verbessern kann", sagt Hübner. Und tatsächlich
erzielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach drei Monaten leicht
bessere Ergebnisse als zuvor und auch im Vergleich zu einer
Kontrollgruppe, die die Tablets nicht nutzte.

Hübner zufolge profitierten vor allem die Menschen, die in ihrer eigenen
Wohnung lebten, weil sie Tablet und Karten am häufigsten nutzten. Eine
Teilnehmerin habe zum Beispiel Videotelefonate mit ihrer Tochter geführt,
die mittlerweile in Großbritannien lebt, so Hübner. Einige der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer kauften sich nach der Untersuchung sogar
ein eigenes Tablet. "Unsere Studie zeigt, dass analoge Schnittstellen zu
digitalen Geräten dabei helfen können, die Autonomie und Teilhabe der
Menschen im Alter zu verbessern", fasst Hübner zusammen.

Die Studie fand im Rahmen des Projekts "tecLA - Zielgruppenorientierte
Entwicklung technischer Assistenzsysteme für selbstbestimmtes Leben im
Alter" statt, das durch das Land Sachsen-Anhalt und aus Mitteln des
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde.

Originalpublikation:
Studie: Müller S. M. et al. SmartCards as Analogous Tools to Operate
Tablet Computers for Elderly - A Feasibility Study. healthcare (2021).
doi: 10.3390/healthcare9091198
https://doi.org/10.3390/healthcare9091198

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Neue Studie: Weltkarte der wichtigsten Schutzgebiete zur Abwendung einer Klimakatastrophe

Eine Studie von Conservation International beschreibt die entscheidenden
Ökosysteme auf der Erde, die die Menschheit schützen muss, um eine
Klimakatastrophe zu vermeiden. Diese Ökosysteme enthalten so dichte
Kohlenstoffspeicher, dass sie bei Zerstörung und Freisetzung nicht
rechtzeitig wiederhergestellt werden könnten, um die gefährlichsten
Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Diese von den Forschenden als "unwiederbringlicher Kohlenstoff"
bezeichneten Speicher sind vor allem Mangroven, tropische Wälder und
Torfgebiete sowie alte Wälder in den gemäßigten Breiten. Der besondere
Schutz dieser entscheidenden Gebiete birgt noch einen Vorteil: Sie sind
auch Horte der Artenvielfalt. So kann der gezielte Schutz dieser
unwiederbringlichen Kohlenstoffspeicher gleichzeitig einen erheblichen
Beitrag zum Artenschutz leisten.

„Die Folgen der Freisetzung dieses gespeicherten Kohlenstoffs würden sich
über Generationen erstrecken und unsere Chance, das Klima der Erde auf
einem für die Natur und die Menschheit erträglichen Niveau zu
stabilisieren, untergraben“, sagte Johan Rockström, leitender
Wissenschaftler von Conservation International und Co-Direktor des
Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam, einem führenden Institut
für Klima- und Nachhaltigkeitsforschung. „Wir müssen jetzt handeln, um die
Fähigkeit des Planeten, als Kohlenstoffsenke zu dienen, zu bewahren, und
dazu gehört auch, diesen einzigartigen Ökosystemen Priorität einzuräumen.“

Artikel: Monica L. Noon, Allie Goldstein, Juan Carlos Ledezma, Patrick R.
Roehrdanz, Susan C. Cook-Patton, Seth A. Spawn-Lee, Timothy Maxwell
Wright, Mariano Gonzalez-Roglich, David G. Hole, Johan Rockström, Will R.
Turner (2021): Mapping the irrecoverable carbon in Earth’s ecosystems.
Nature Sustainability. [DOI: 10.1038/s41893-021-00803-6]

Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41893-021-00803-6#article-info

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Professor Rolf-Detlef Treede ist neuer Präsident der AWMF Digitalisierung des Leitlinienwissens wichtiges Zukunftsprojekt

Professor Dr. med. Rolf-Detlef Treede wurde
bei der letzten Delegiertenversammlung der Mitgliedsgesellschaften zum
neuen Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) gewählt. Neu im Präsidium
ist außerdem Professor Dr. med. Fred Zepp als stellvertretender
Vorsitzender sowie Professor Dr. rer. nat. Renate Deinzer als weiteres
Präsidiumsmitglied.

Ein Anliegen des neuen Präsidiums ist es, die Digitalisierung des
Leitlinienwissens in den kommenden Jahren weiter voranzubringen. Dieses
Expertenwissen soll künftig nicht nur in Apps und digitalen Endgeräten
verfügbar sein, sondern auch stärker in politische Entscheidungsprozesse
mit einbezogen werden.

Professor Dr. Rolf-Detlef Treede folgt als AWMF-Präsident dem im Frühjahr
verstorbenen Professor Dr. Rolf Kreienberg nach. Treede ist Inhaber des
Lehrstuhls für Neurophysiologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der
Universität Heidelberg und seit 2006 Mitglied des AWMF-Präsidiums. Die
Digitalisierung im Gesundheitswesen und insbesondere des Leitlinienwissens
ist dem Mediziner ein besonderes Anliegen – nicht zuletzt, weil er auch
einige Jahre Informatik studierte. Er setzt dabei auf die inzwischen
etablierte gute Kooperation der Fachgesellschaften mit dem G-BA und
anderen Akteuren des Gesundheitswesens.

Die durch die AWMF koordinierten Leitlinien enthalten die gesammelten
Erkenntnisse der wissenschaftlichen Medizin. Um dieses Wissen zukünftig
auch als Basis für digitale Gesundheitsanwendungen wie Apps,
Arztinformationssysteme oder Informationsangebote auf Plattformen
verfügbar zu machen, setzt die AWMF ein umfassendes Konzept zur
Digitalisierung des Leitlinienwissens um. Derzeit entwickelt sie hierzu
ein Leitlinienportal, in dem der gesamte Lebenszyklus der Leitlinie
abgebildet sein wird. Die konkrete Anwendung des Leitlinienportals soll im
Jahr 2022 starten.

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen beschäftigt derzeit alle Bereiche
der Medizin, weshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen der AWMF und der
Politik sowie anderen Institutionen im Gesundheitswesen unverzichtbar ist.
Nur so kann es uns gelingen, dass Früherkennung, Diagnostik und Therapie
aber auch Aus-, Fort- und Weiterbildung evidenzbasiert stattfinden“,
betont Treede. Im Rahmen ihrer Delegiertenkonferenz hat sich die AWMF
daher mit dem Leiter des Bundesinstituts für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM), Professor Dr. Karl Broich über die Chancen und
Herausforderungen der Digitalisierung ausgetauscht und die Rolle der
wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften dabei diskutiert. So
müssen beispielsweise auch digitale Gesundheitsanwendungen eine Prüfung
beim BfArM durchlaufen. „Die Qualität von Gesundheits-Apps und der
Patientennutzen sind dann hoch, wenn das dahinterliegende Wissen
evidenzbasiert ist. Dazu leistet das zukünftig digital und interoperabel
verfügbare Leitlinienwissen der AWMF einen entscheidenden Beitrag“, so
Treede.

Als neuer stellvertretender Präsidenten der AWMF wurde Professor Dr. Fred
Zepp, Kinder- und Jugendmediziner aus Mainz und bisheriges
Präsidiumsmitglied der AWMF gewählt. „Es wird Zeit, dass unser Land im
Umgang mit der Pandemie in einen geordneten, rationalen und
wissenschaftlich begründeten Handlungsmodus übergeht, den die in der AWMF
organisierten Fachgesellschaften kompetent begleiten können“, so Zepp, der
auch der Ständigen Impfkommission angehört und an der Erstellung der
COVID-19-bezogenen Leitlinien mitwirkt. In der Nachfolge von Professor
Zepp wählten die Delegierten die Psychologin Professor Dr. Renate Deinzer
aus Gießen, die als neues weiteres Mitglied des Präsidiums die
Positionierung der AWMF zu Wissenschaftlich¬keit, Interdisziplinarität und
sprechender Medizin verstärkt. Mit dem neu gewählten Präsidium ist die
AWMF gut aufgestellt für die bevorstehenden Zukunftsaufgaben. Der
stellvertretende Präsident Professor Dr. Dr. Henning Schliephake sowie die
weiteren Präsidiumsmitglieder standen turnusgemäß nicht zur Wahl und
bleiben daher in ihren Ämtern.

Hier gelangen Sie zum Konzeptpapier zur Digitalisierung des
Leitlinienregisters der AWMF: https://www.awmf.org/medizin-
versorgung/digitalisierung.html

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Zwei neue Expertinnen im Apollon Kuratorium

Das Kuratorium der APOLLON Hochschule hat zwei neue weibliche Mitglieder:
Prof. Dr. med. Andrea Morgner-Miehlke und Prof. em. Dr. Maria Blettner
ergänzen ab sofort das Team des zentralen Beratungsorgans der APOLLON
Hochschule der Gesundheitswirtschaft. Prof. Dr. med. Christoph Fuchs und
Prof. Dr. Gerd Glaeske verlassen das Kuratorium altersbedingt.

Die Aufgaben des APOLLON Kuratoriums sind vielfältig: Die Mitglieder
achten zum Beispiel darauf, dass die Studienangebote der APOLLON
Hochschule aktuellen Trends und neuen Entwicklungen im Gesundheits- und
Sozialwesen entsprechen, beraten und unterstützen aber auch im Rahmen der
Vernetzung der Hochschule in der Gesundheitswirtschaft. „Wir freuen uns
außerordentlich, dass wir mit den Professorinnen Andrea Morgner-Miehlke
und Maria Blettner zwei erfahrene und bestens vernetzte Expertinnen aus
der Gesundheitswirtschaft für unser Kuratorium gewinnen konnten“, so Prof.
Dr. Johanne Pundt, Präsidentin der APOLLON Hochschule der
Gesundheitswirtschaft. Auch der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr. Dieter
Cassel ist hocherfreut, dass insbesondere zwei renommierte
Persönlichkeiten dem Hochschulgremium mit ihrer Expertise zu Seite stehen.

Die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie sowie Absolventin
des Master-Studiengangs Health Management an der APOLLON Hochschule, Prof.
Dr. med. Andrea Morgner-Miehlke, ist seit 2016 kaufmännische Leiterin des
Zentrums für Onkologie und des Universitären Cancer Centers Hamburg (UCCH)
am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie seit 2017
Stellvertretende Direktorin des UCCH. Darüber hinaus ist sie als
Projektleiterin für Transformationsprojekte, als Stellvertretende
Kaufmännische Direktorin sowie als kommissarische kaufmännische Leitung
des Zentrums für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin am UKE tätig.
Prof. Dr. med. Morgner-Miehlke arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich in
Forschung, Lehre und Krankenversorgung in universitärem Umfeld. So war sie
etwa außerplanmäßige Professorin an der Medizinischen Fakultät der TU
Dresden sowie Harvard-Macy-Scholar for Innovations in Health Care in
Boston / USA. Darüber hinaus hatte sie mehrere Geschäftsführungspositionen
sowie Bereichsleitungen in verschiedenen Unternehmen der
Gesundheitswirtschaft inne.

Prof. em. Dr. Maria Blettner arbeitete nach ihrem Studium der Statistik
sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zunächst als
Wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung Statistik der Universität
Dortmund, später bei der International Agency for Research on Cancer
(IARC) in Lyon sowie als Expertin für Strahlungs-Epidemiologie am National
Cancer Institute in Bethesda / USA. Eine Lehrtätigkeit führte sie zudem an
die Universität Liverpool und ab 1989 arbeitete sie als Statistikerin und
Epidemiologin in der Abteilung für Epidemiologie des Deutschen
Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Nach ihrer Habilitation folgte ein
weiterer Forschungsaufenthalt bei der IARC sowie eine Professur für
Epidemiologie und Medizinische Statistik an der Fakultät für
Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Von 2003 bis 2018 war
Prof. Dr. Blettner Direktorin des Instituts für Medizinische Biometrie,
Epidemiologie und Informatik (IMBEI) an der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz. Darüber hinaus übernahm Blettner von Juni 1999 bis Mai 2001 den
Vorsitz der deutschen Strahlenschutzkommission und wurde im Jahr 2015 mit
dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Alle Kuratoriumsmitglieder sind zu finden unter: www.apollon-hochschule.de
/die-hochschule/die-hochschule/kuratorium/

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