Zum Hauptinhalt springen

Regionen im Umgang mit Krisen stärken BMI und BBSR starten Förderaufruf „Resiliente Regionen“

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und das
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) fördern Konzepte
und Maßnahmen zur Krisenvorsorge und -bewältigung in bis zu zehn
ländlichen Regionen mit jeweils bis zu 700.000 Euro. Die Regionen sind
aufgerufen, sich als Modellvorhaben beim BBSR zu bewerben und bis zum
16.01.2022 eine Projektskizze einzureichen.

Dr. Markus Eltges, Leiter des BBSR, betont: „Pandemien, Naturkatastrophen,
Cyberattacken und andere Krisen wirken sich massiv auf die Gesellschaft
und Wirtschaft aus – und bedrohen die Grundlagen unseres Wohlstands.
Städte und Regionen müssen das Unmögliche denken und sich wappnen, um in
Krisen handlungsfähig zu bleiben. Sie müssen mögliche Auswirkungen von
Krisen analysieren – etwa für die kritische Infrastruktur. Es gilt,
planerische Ansätze für eine wirksame Vorsorge zu etablieren, die
Risikokommunikation strategisch anzugehen und die Verwaltung so umzubauen,
dass sie im Krisenfall schnell handeln kann. Viele ländliche Regionen
haben dafür weniger Ressourcen als die Großstädte. Aus den Modellvorhaben
möchten wir Handlungsansätze ableiten, die auch auf andere ländliche Räume
übertragbar sind.“

Antragsberechtigt sind die Träger der Regionalplanung, Landkreise und
regionale Institutionen, die für die Erfüllung von Aufgaben der
Regionalentwicklung legitimiert sind (z.B. Kommunalverbünde, regionale
Entwicklungsagenturen, institutionalisierte interkommunale
Kooperationsinitiativen). Gefördert werden integrierte Maßnahmenpakete,
die folgende Bausteine enthalten:

•       Regionale Risikoanalysen (z.B. SWOT-Analysen),
•       die Entwicklung von Konzepten und Strategien zur Vermeidung,
Reduzierung von und Anpassung an Risiken einschließlich planerischer
Ansätze,
•       Maßnahmen zur Risikokommunikation und Etablierung eines
Risikodialoges unter Berücksichtigung bestehender bzw. in Neu-
Strukturierung befindlicher Prozesse (z.B. des Katastrophenschutzes) und
•       der Aufbau geeigneter Strukturen zur Bewältigung externer und
interner Krisen im Sinne einer Resilienzgovernance mit agilen
Verwaltungsstrukturen, um auf neue Krisen besser reagieren zu können, oder
die Etablierung weiterer, resilienzfördernder Elemente in der Region.

Das BBSR bietet hierzu im November und Dezember 2021
Informationsveranstaltungen für Antragsstellende an. Fragen zum
Förderaufruf können Interessierte an die E-Mail-Adresse resiliente-
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. richten.

Das BMI und das BBSR fördern die Modellvorhaben im Programm Region
gestalten. Das Programm zielt darauf ab, deutschlandweit gleichwertige
Lebensverhältnisse herzustellen – ein Kernanliegen der Heimatpolitik des
Bundes. Weitere Informationen sind unter www.regiongestalten.de abrufbar.

Förderaufruf:
<www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/aufrufe/aktuelle-meldungen/resiliente-
regionen.html
>

  • Aufrufe: 16

Antrittsvorlesung: Isabel Herguera – Neue Professorin für Animationskunst an der Kunsthochschule für Medien Köln

Die Künstlerin und Animationsfilmemacherin wurde 2019 als Professorin für
Animation an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen. Wegen der
Pandemie musste ihre Antrittsvorlesung mehrmals verschoben werden.
Begrüßung: Solveig Klaßen, Prorektorin für Lehre und Studium
Mittwoch, 24. November 2021, 19 Uhr
Aula der KHM, Filzengraben 2, 50676 Köln, Eintritt frei
Filmpräsentation und Vortrag in englischer Sprache

Prof. Isabel Herguera wurde Ende 2019 zur Professorin für Animation in der
Fächergruppe exmedia an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen. Wegen
der Pandemie musste ihre Antrittsvorlesung mehrmals verschoben werden. Die
vielfach ausgezeichnete Filmemacherin, die Animation als eine sich immer
wieder neu zu entwickelnde Kunstform versteht, in der handwerkliches und
gestalterisches Können ebenso gefordert sind wie der Wille zum Experiment
und zum künstlerischen Wagnis, wird in ihrer Antrittsvorlesung drei ihrer
preisgekrönten Animationsfilme „Blindman’s Bluff“ (2005), „Ámár“ (2010)
und „Under the pillow“ (2012) präsentieren. Außerdem zeigt sie Ausschnitte
ihres noch in Produktion befindlichen neuen Animationsfilm „Sultana’s
Dream” (72 min) und gibt Einblick in ihre Arbeitsweise, die sie in
Videodokumentationen festgehalten hat.

Prof. Isabel Herguera schreibt zu ihrem neuen Film: „'Sultana’s Dream' is
a book that fell into my hands while I was sheltering from the rain in a
bookstore in India. The cover depicted two women piloting a retro-
futuristic helicopter. I turned the book around and read about Ladyland, a
place where women are in command of politics and sciences, and men stay at
home and take care of the domestic chores. The story was written in 1905
by Begum Rokeya Hossein, a Muslim woman who grew up in a very traditional
household where women lived in confinement and without access to a formal
education. This ironic tale of a feminist utopia was written more than a
century ago, and yet the desire of women to feel safe and in command of
their lives felt very contemporary. Before I finished reading it, I knew
this was a film I wanted to make."

The filme programme:

„Blindman’s Bluff“, 2005, 7 min
A blind man accidentally loses his guide-dog. Alone in the dark in a big
city, he discovers that his strength lies in recognising his own
vulnerability.

„Ámár“, 2010, 8 min (Spanish with English Subtitles)
Inés travels to India to visit her friend Ámár, who has been living in a
mental institution for years. Inés remembers the last days they spent
together and her promise to return.

„Under the Pillow“, 2012, 8 min (in English)
The guitar, the dances, a trip out to sea, the cats Sweety and Kitty, and
the sisters who look after them are just some of the treasures and dreams
which the children keep hidden under the pillow.

„Sultana’s Dream“ (work in progress), feature animation film, 72 min
(excerpts & making of)
In the year 1905 the Bengali writer Rokeya Hossein dreamed of Ladyland, a
utopic land governed by women.  More than a century later, a young Spanish
artist unable to dream decides to set off on a journey of self-discovery
following the traces of Rokeya and looking for Ladyland.

Isabel Herguera studierte Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf
und Animation am California Institute of the Arts (Calarts) in den USA.
Sie arbeitete für mehrere Animationsproduktionsfirmen in Los Angeles,
bevor sie 2003 nach Spanien zurückkehrte, um das ANIMAC International
Animation Festival of Cataluña zu leiten und die Koordination und
Programmierung des Laboratory of Moving Image (LIM) im Center for
Contemporary Art „Arteleku“ in San Sebastián zu übernehmen. Sie hat
mehrere Kurzfilme inszeniert und produziert, darunter „La Gallina Ciega“
(2005), „Ámár“ (2010), „Bajo la Almohada“ (2012), „Amore d'inverno“ (2015)
und „Kutxa Beltza“ (2016). Ihre Filme haben über fünfzig internationale
Preise gewonnen, darunter eine Nominierung für den Goya Award im Jahr
2006. Seit 2005 lehrt sie regelmäßig am National Institute of Design (NID)
in Ahmedabad, Indien, und an der China Central Academy of Fine Arts (CAFA)
in Peking.

Die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) bietet ein anspruchsvolles
Studium an, das Praxen, Theorien und Reflexionen der Fächergruppen Kunst,
Film/Fernsehen, exmedia/Literarisches Schreiben und Kunst- und
Medienwissenschaften in einem Studiengang mit dem Titel „Mediale Künste“
verbindet. Im Zentrum des Diplomstudiums steht die individuelle
Entwicklung von künstlerischen Projekten, bei denen die Studierenden
fächerübergreifend betreut werden. An der KHM lehrt ein international
zusammengesetztes Team von Professor*innen und Mitarbeiter*innen, das
einem transdisziplinären Ansatz in der Lehre und Forschung folgt. Die
Fächergruppe exMedia integriert dabei die Schwerpunkte Animation/3D,
Experimentelle Informatik, Hybrid Space, Sound und Transformation Design
und das Literarische Schreiben.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Wir bitten Sie um vorherige Anmeldung (bis spätestens 23.11.) per Email
bei Maren Mildner: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Wir werden Sie am Vortag über die am Veranstaltungstag geltenden
Zugangsregeln informieren.

  • Aufrufe: 50

Nicht nur im Studium ehrgeizig und engagiert Studentin der Hochschule Bochum erhält bereits die zweite Auszeichnung in diesem Jahr

Nachdem Michelle Ganster im Februar 2021 ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes erhalten hatte, verlieh ihr nun der Bochumer Zonta Club den nach der New Yorker Unternehmerin, Politikerin und Frauenrechtlerin Jane M. Klausman benannten Award. Neben hervorragenden Leistungen im Studium würdigen beide Auszeichnungen auch das soziale Engagement der Preisträgerin.
"Wir freuen uns sehr, dass wir mit Frau Ganster eine hochqualifizierte und äußerst engagierte Studentin auswählen konnten", gratulierte Dr. Karoline Friemann, Präsidentin von Zonta-Bochum, der jungen Preisträgerin. Die Urkunde wurde jetzt im Beisein von Wirtschaftsdekanin Prof. Dr. Martina Meyer-Schwickerath an der Hochschule Bochum übergeben.

Michelle Ganster ist gebürtige Bochumerin, erwarb 2014 die Allgemeinen Hochschulreife am Märkisches Gymnasium in Bochum-Wattenscheid, bevor sie dann das Studium der Sozialwissenschaften an der Ruhr Universität aufnahm. "Das Fach und die Inhalte haben mir grundsätzlich gut gefallen, ich habe aber schnell festgestellt, dass mir eine konkrete Perspektive fehlte", so die heute 26-jährige: "Ich habe mich dann entschieden, erst einmal praktisch zu arbeiten, da ich auch finanziell unabhängig sein wollte."
Es folgten zweieinhalb Jahre Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement sowie eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin bei RWE/ innogy SE. Seit Anfang 2018 ist Michelle Ganster Angestellte im HR Controlling, zunächst bei innogy SE, die später als Westenergie AG Teil des E.ON-Konzerns wurde. "Personalwesen und Controlling haben mich sehr interessiert und in der täglichen Arbeit wurde mir bald klar, dass der richtige Zeitpunkt für ein Studium gekommen war." Im Oktober 2018 schrieb sich Michelle Ganster für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Bochum ein.
Auf ihre Arbeitstätigkeit wollte sie allerdings nicht verzichten. "Ich habe meine Stelle auf 60% reduzieren können, das entspricht 22 Stunden pro Woche", erläutert Ganster: "Das ist in Kombination mit einem Vollzeitstudium nicht einfach, aber mit Ehrgeizig durchaus machbar. Zudem kann ich durch ein Gleitzeitkonto im Semester auch etwas weniger arbeiten und dafür während der Semesterferien mehr." Für Prüfungen nimmt sie sich seither Urlaub, lernt in den Abendstunden und meist auch am Wochenende. "Zum Glück ist mein Freund ebenfalls ein Perfektionist", lacht die sympathische Studentin: "Wir sind im gleichen Semester des gleichen Studiengangs, arbeiten aktuell im gleichen Konzern und spornen uns gegenseitig an."
Engagement zeigt Michelle Ganster auch abseits von Job und Studium. "Ich habe in der 8. und 9. Klasse sehr unschöne Mobbingerfahrungen gemacht, die für meinen heutigen Charakter sicherlich prägend waren", so Ganster. Sie beschloss, aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen und sich für andere Menschen einzusetzen. So engagierte sie sich beispielsweise schon während ihrer Ausbildung bei dem Projekt "Sternschnuppe" für sozial benachteiligte Kinder in Essen und engagierte sich bei einem weiteren Projekt zur Flüchtlingshilfe.
Aufgrund ihrer hervorragenden Noten im Studium wurde Michelle Ganster Mitte 2020 von der Hochschule Bochum für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. Nach einem aufwendigen Auswahlverfahren und mehreren Runden, in denen sie sich mit zahlreichen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern einer Kommission stellen durfte, erhielt sie schließlich im Februar 2021 den positiven Bescheid. "Das war natürlich ein tolles Gefühl", erinnert sich die junge Preisträgerin. Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das älteste und größte deutsche Begabtenförderungswerk. Das Stipendium besteht in einer dauerhaften finanziellen Unterstützung für das Bachelorstudium und gegebenenfalls auch für ein anschließendes Masterstudium.
Der Klausmann-Award des Bochumer Zonta-Clubs ist ebenfalls mit einem Preisgeld verbunden. "Beide Förderungen beschränken sich aber nicht auf den finanziellen Aspekt", so Ganster: "Das gefällt mir sehr gut." Die Studienstiftung unterstützt auch ideell, das heißt im Rahmen sogenannter Sommerakademien oder auch durch ein Auslandssemester. Daneben werden viele weitere Veranstaltungen angeboten und ein weltweites Netzwerk an Studierenden und Ehemaligen steht mit Rat und Tat zur Verfügung. "Über die Kontakte, die mir durch die Studienstiftung und Zonta ermöglicht werden, komme ich mit vielen spannenden Menschen in Verbindung, von deren Wissen und Erfahrung ich in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung sicherlich profitieren kann."
Für ihre nähere Zukunft hat die zielstrebige Bochumerin bereits klare Pläne. "Ich werde das Bachelorstudium abschließen und wahrscheinlich auch danach meiner Heimatstadt treu bleiben." Der Masterstudiengang Finance, Accounting, Auditing, Controlling & Taxation an der Ruhr-Universität gefällt ihr inhaltlich sehr gut. "Es gibt noch viele spannende Dinge zu lernen", blickt die doppelte Preisträgerin optimistisch in die Zukunft: "Und ich freue mich darauf."

  • Aufrufe: 27

Kopf-Kacheln ohne Charisma auf dem Monitor

Prof. Jürgen Weibler von der FernUniversität sieht durch den Trend zum
Home-Office einen realen Verlust der spontanen Lebendigkeit vieler
Beschäftigter und die Blockierung von Energie, weil in leerstehenden Büros
Teams zerrissen und Kontakte vermindert werden. Vielen Beschäftigten
fehlen Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte, Videokonferenzen sind kein
ausreichender Ersatz für persönliche Kommunikation. Dennoch ist Weibler
aufgrund der unbestreitbaren Home-Office-Vorteile sicher, dass die Zukunft
der Arbeit hybrid sein wird. Viele Ratschläge, die der
Wirtschaftswissenschaftler und Psychologe Führungskräften für ihr Online-
Miteinander gibt, können auch Beschäftigten nützlich sein.

„Es ist nicht schön, auf Dauer alleine zu sein. Dadurch entstehen
Entfremdungsgefühle. Wer noch im Büro ist, fürchtet um die Bindungen zu
Kolleginnen und Kollegen und an die Organisation.“ Prof. Dr. Jürgen
Weibler von der FernUniversität in Hagen sieht durch den von der Pandemie
angeheizten Home-Office-Trend einen realen „Verlust der spontanen
Lebendigkeit vieler Beschäftigter und die Blockierung von Energie, weil in
leerstehenden Büros Teams zerrissen und Kontakte vermindert werden.

Vielen Beschäftigten fehlen ihre Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten.
Und auch der Smalltalk mit ihnen. „Das hat zu sozio-emotionaler Verarmung
geführt – auch bei Arbeitsbeziehungen“, erläutert der Inhaber des
Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalführung und
Organisation. „Darunter leiden viele.“

Unbestreitbar für den Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen ist, dass
es ein hundertprozentiges „Ja“ zum Home-Office-Arbeiten ebenso wenig gibt
wie ein „Nein“: „Es kommt auf die richtige und individuelle Mischung
zwischen Arbeiten zuhause und im betrieblichen Büro an.“

Andere nicht mehr riechen können

Auch wenn die heimischen Arbeitsbedingungen oft nicht optimal sind,
schätzt doch ein großer Teil der Beschäftigten die Vorteile der Arbeit
zuhause. Sie spart Zeit und schont unter gewissen Bedingungen die Umwelt.
Zudem kann man oft Berufs- und Privatleben besser miteinander verknüpfen.
Dafür nehmen sie einige Defizite in Kauf. Diese liegen – neben dem
Ausfransen der Grenze zwischen Berufs- und Privatleben, dem „Work-Life-
Blending“ – unter anderem in der zumeist schlechteren technischen
Infrastruktur, in langwierigeren Abstimmungen und teilweise holprigen
betrieblichen Abläufen. Schwierigkeiten bereiten zudem Fragen der
Cybersicherheit.

Wirklich möglich wird „entferntes Arbeiten“ erst durch Videokonferenzen.
Sie sind schnell organisierbar, aber kein vollwertiger Ersatz für
persönliche Begegnungen. „Bilder und Videos auf Monitoren haben keine
einnehmende Anmutung, schon gar kein mit Personen zu verbindendes
Charisma“, so Weibler, „denn im digitalen Raum hat unser Gegenüber zwar
ein Gesicht, aber keine vertraute Gestalt“. Dass nicht alle Sinne
gleichsam wie in einer Body-to-Body-Begegnung aktiviert werden, ist bei
der Informationsaufnahme durch die Nase am offensichtlichsten, aber
weitgehend unbekannt: Der oft überhaupt nicht bemerkte, aber dennoch
wahrgenommene Geruch anderer fehlt. Er kann bereits evolutionär wichtige
Signale wie zum Beispiel Dominanz oder Angst vermitteln.

Bilder und Videos auf Monitoren haben keine einnehmende Anmutung, schon
gar kein mit Personen zu verbindendes Charisma.

Lebenssinn durch „Resonanz“

In virtuellen Treffen fehlt es den Teilnehmenden kontinuierlich an
„Resonanzerfahrungen“. Der FernUni-Wissenschaftler bezieht als einer der
ersten seines Fachs diesen aus der Soziologie stammenden Begriff auf die
Führungsbeziehung (Jürgen Weibler: Digitale Führung. Beziehungsgestaltung
zwischen Sinnesarmut und Resonanz. München, 2021). Gemeint ist mit diesem
Beziehungsmodus hier unter anderem, dass sich Geführte wie Führende in
dieser Beziehung angesprochen fühlen, dass werthaltige Emotionen und
Einschätzungen ausgesprochen und „beantwortet“ werden können. Hierdurch
entsteht eine beidseitig wahrgenommene Verbindung, die der Beziehung
Lebendigkeit verleiht, was wiederum von jedem gespürt wird. Bleibt diese
Erfahrung hingegen aus, wird eine Beziehung schnell als technisch und kalt
empfunden, man entfremdet sich nun leicht voneinander.

Die Resonanztheorie lässt sich auf alle menschlichen Beziehungsformen
anwenden, das Streben nach Resonanzerfahrungen gibt es also ebenfalls für
laterale Beziehungen. Nur „resonanzhaftige“ Beziehungen können „unserem
Leben tieferen Sinn und Richtung“ geben, zitiert Weibler den Soziologen
Hartmut Rosa (2016).

Entfremdende Videokonferenzen

Selbst bei guter technischer Vernetzung, wofür gerade Videokonferenzen
stehen, droht Entfremdung statt einer Resonanzerfahrung: „Räumliche
Distanz schafft soziale Distanz und kann zu einem Verlust an Bindung
führen.“ Das gilt noch viel mehr bei der Kommunikation per E-Mail, in der
soziale Informationen, die sonst beiläufig im Gespräch signalisiert
werden, nur mehr schlecht als recht mit Emojis etc. vermittelt werden
können. In Telefonaten sind wenigstens noch „stimmliche Signale“ zu
erkennen.

Personen, die sich real sehen, können Reaktionen in der Mimik, Gestik oder
Körperhaltung der anderen schnell erkennen und sofort reagieren. Bei einem
Online-Meeting ist das umso schwieriger, je mehr Teilnehmende es sind.
Online-Konferenzen vermitteln, so Jürgen Weibler, eben nur „das Bild einer
Situation“. Die Teilnehmenden haben eine ganz andere „Anmutung“ von einer
virtuellen Zusammenkunft als von einer physischen. Sie sind eher
Beobachterinnen und Betrachter, die nicht wissen, wie sie – und das von
ihnen Gesagte – auf andere wirkt, weil sie deren Reaktion kaum oder gar
nicht erkennen können. Je größer die Zahl der Teilnehmenden und je kleiner
damit die Bildchen auf dem eigenen Monitor sind, desto größer werden die
Probleme.

Unnatürliche Kommunikation

Dazu gehört auch, dass man ja gar nicht in einer Runde zusammensitzt,
sondern sich einer Phalanx von oft ruckelnden, verschwommenen Portraits
auf pixeligen Mini-Kacheln gegenübersieht. Weibler: „Diese
Kommunikationssituation ist denkbar unnatürlich. Von ‚Aura‘ einer Person
kann da keine Rede mehr sein. Es hat schon seinen Sinn, dass wir den
evolutionären Wunsch nach ‚Tuchfühlung‘ haben. Wir wollen einander
unmittelbar in unserer Gesamtheit wahrnehmen.“

Selbst bei gesprochenen Worten fehlt oftmals vieles: sprachliche Nuancen
wie Pausen und Betonungen, die Worte mit Mimik, Gestik, Körperhaltung und
vielem mehr verbinden. Weibler: „Bei virtueller Kommunikation kann unser
Hörzentrum beispielsweise störende oder unwichtige Geräusche nicht so gut
ausblenden wie in natürlicher Umgebung. Zusammen mit der notwendigen hohen
Konzentration beim Verfolgen des Gesprächsverlaufs macht das richtig
Stress.“

Die Unnatürlichkeit der Situation wird aber oft erst dann bemerkt, wenn
das Gesehene und das Gehörte nicht gut zusammenpassen, „wenn wir uns
unbehaglich fühlen, aber nicht sagen können, warum“, erläutert Weibler.
„Das bezeichnen wird dann als ‚Bauchgefühl‘. Passen Form und Inhalt,
fühlen wir uns gut, ansonsten bleiben wir kritisch.“

Zusätzlich tragen noch überlastete Internetleitungen zu irritierenden oder
gar chaotischen Gesprächsverläufen bei – wegen unterschiedlicher
Verzögerungen bei der Übertragung. Und kommen konstruktive Rückmeldungen
zu spät an, ist die Diskussion schon ein Stück weiter. Frustrierend.

„Die Zukunft wird hybrid sein“

„Bis auf weiteres bleibt also noch die persönliche Begegnung das Ideal“,
so Weibler. „Je wichtiger die Informationen sind, um die es geht, desto
anspruchsvoller sollte die eingesetzte Technologie sein“, betont er, „denn
umso relativ besser können die Situation, die Stimmung oder auch nur das
Minenspiel des oder der anderen erkannt und interpretiert werden.“ Dort wo
dies weniger wichtig ist, gibt es auch offensichtliche Vorteile durch die
Kommunikation im Netz: bei einer kurzen fachlichen Absprache, einem
schnellen Informationsaustausch zwischen den Teammitgliedern oder einer
Nachfrage von der Teamleitung zum Beispiel. „Aber wir wissen auch, dass es
schwieriger wird, initiative Vorschläge zu erhalten, kreativ zu arbeiten
oder für den anderen da zu sein.“

Dennoch ist Weibler aufgrund der ebenfalls unbestreitbaren Vorteile der
Arbeit im Home-Office sicher: „Die Zukunft wird hybrid sein, soweit die
Aufgaben dies ermöglichen!“ Mindestens die Hälfte der Jobs könnte völlig
oder teilweise im Home-Office erledigt werden, stützt sich er sich unter
anderem auf Aussagen des ifo-Instituts. Online-Kommunikation und digitale
Führung werden also dauerhaft zum Arbeitsleben gehören.

Wichtig ist, allen Beschäftigten, die nicht im Büro arbeiten, Zugang zu
optimalen Technologien und bestmöglichen Internetzugängen zu ermöglichen.
Technologien müssen so weiterentwickelt werden, dass die Kommunikation
immer natürlicher wird. Diese könnte in absehbarer Zeit zum Beispiel von
fast natürlich wirkenden Konferenz- oder Meetingräumen mit intuitiven
Bewegungsmöglichkeiten bis hin zum Einsatz handlungsbegleitender oder
-anregender Künstlicher Intelligenz (KI) führen, die in Echtzeit die
Teamleitung auf das Wegdriften des Teams bei ermüdenden Monologen
hinweist. Heute könnte sie sich schon die individuellen Redezeiten während
einer Besprechung anzeigen lassen.

Wird es in sehr natürlich wirkenden virtuellen Gesprächsrunden in Zukunft
vielleicht sogar die Möglichkeit geben, sich unterbewusst tatsächlich
riechen zu können? Weibler: „Wer weiß, was wir alles erfahren und wissen
werden. Wir stehen ja erst am Anfang einer rasanten Entwicklung, die wir
nur ungenügend aus dem Hier und Jetzt beurteilen können. “

Empfehlungen – nicht nur für Vorgesetzte

Viele Ratschläge, die Weibler Führungskräften auf der Basis seiner
theoretischen Forschungsarbeit zur Digitalen Führung gibt, können auch
Beschäftigten fachliche und eher persönliche Gespräche untereinander
erleichtern:

•       Mindestens zu Beginn einer Videokonferenz sollten alle einmal
sichtbar sein. Gelegenheiten zu einem kurzen fachlichen Smalltalk sollten
immer wieder einmal gegeben sein.
•       Je wichtiger und diffiziler ein virtuelles Gespräch ist, desto
weniger Personen sollten teilnehmen.
•       Sich zurückzunehmen und dialogbereit zu sein, motiviert die
anderen Teilnehmenden und ermöglicht ihnen, Selbstwirksamkeit durch
Teilhabe am Geschehen zu erfahren.
•       Das gelegentliche Ansprechen mit Namen fördert die Einbindung.
•       Virtuelle Beziehungen sollten nicht auf die Spitze getrieben,
sondern mit analogen Lösungen kombiniert werden, sofern dies sinnvoll ist
und sich einrichten lässt.
•       Beschäftigte sollten sich besonders dann, wenn sie im Home-Office
sind, Zeit für ihre Kolleginnen und Kollegen nehmen, etwa für informelle,
private Dies-und Das-Gespräche, wie sie bei zufälligen Begegnungen
entstehen (Büroflure, Teeküchen etc.).
•       Beziehungen gelingen, wenn sie lebendig sind, was sich
idealerweise in sinnbasierten Resonanzerfahrungen ausdrückt. Dann fühlt
man, dass man geschätzter Spieler in einem wichtigen Match ist, dessen
Ausgang man mit beeinflussen kann und nicht nur einfach der Spielball all
der anderen. Dann steht man auch morgen gerne wieder auf dem Platz.

  • Aufrufe: 17