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Kinder mit Krebs – geheilt, doch das Herz geschädigt?

Eine von der Herzstiftung geförderte Studie untersucht, ob sich bei jungen
Patienten Herzschäden nach einer Krebstherapie früher erkennen lassen.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 2.200 Patientinnen und Patienten
unter 18 Jahren an Krebs. Für die Kinder und Jugendlichen stellt die
Diagnose einen belastenden Einschnitt in ihr Leben dar – dennoch sind ihre
Aussichten überwiegend positiv: Rund 80 Prozent der Erkrankten können
heute geheilt werden. Die erfreulichen Heilungserfolge rücken nun
zunehmend die Lebensqualität und die Prävention von krankheits- und
therapiebedingten Spätfolgen in den Fokus, mit denen ein Großteil der
Betroffenen leben muss.   Denn der Behandlungserfolg geht mitunter
zulasten der Herzgesundheit. Betroffene sind etwa gefährdet, eine Herz-
Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln z. B. durch Schäden am Herzmuskel
(Kardiomyopathie) sowie an Herzkranzgefäßen und Herzklappen. Auch
Störungen der Erregungsleitung mit der Gefahr von Herzrhythmusstörungen
sind möglich.

Im Fokus der Kardio-Onkologie: Herz- und Gefäßkomplikationen nach
Krebstherapie
In einem Kooperationsprojekt wird nun untersucht, ob kardiale
Funktionseinschränkungen nach einer Krebstherapie frühzeitig zu erkennen
sind. Beteiligt an dem Forschungsvorhaben sind der Lehrstuhl für
Präventive Pädiatrie der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften
der TU München und die beiden Münchner kinderonkologischen Zentren – das
Dr. von Haunersche Kinderspital der Universität München und die
Kinderklinik München Schwabing der TU München. Die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler des Projekts wollen im Rahmen einer Studie auch eine
neuartige Diagnostik-Kombination einsetzen. Die Deutsche Herzstiftung
fördert diese Diagnostik-Studie mit einer Summe von rund 49.000 Euro.
„Dieses kardio-onkologische Forschungsvorhaben ist besonders wichtig, weil
es mögliche Folgeschäden für Herz und Gefäße nach einer Krebstherapie
bereits im Kindes- und Jugendalter im Blick hat“, betont der Vorsitzende
des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. med.
Hugo A. Katus. „Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind dank des
medizinischen Fortschritts gut behandelbar. Gleichzeitig werden wir jedoch
vermehrt mit kardiovaskulären Komplikationen als Folge von Krebstherapien
bei vielen dieser Patienten im Erwachsenalter zu tun haben. Dazu bedarf es
an innovativen Diagnose- und Therapieverfahren“, so der Heidelberger
Kardiologe.

Herzschäden als Spätfolge?
Die Schäden infolge einer Krebstherapie zeigen sich oft erst Jahre nach
einer Krebstherapie. Denn das Herz kann vermutlich behandlungsbedingte
Schädigungen zunächst kompensieren und eine normale Funktion über einen
gewissen Zeitraum erhalten. Eine Studie zeigt zum Beispiel, dass
Erwachsene, die als Kind an Krebs erkrankt waren, fast 40 Prozent häufiger
und sechs Jahre früher Bluthochdruck entwickeln im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung (1). Überlebende nach einer Krebserkrankung im
Kindes- oder Jugendalter haben insgesamt eine achtfach erhöhte Sterberate
aufgrund von Herzerkrankungen. Ursächlich für Spätfolgen sind vor allem
bestimmte herzschädigende Krebsmedikamente (Anthrazykline) sowie die
Auswirkungen einer Strahlentherapie im Bereich des Brustkorbs. Beide
Behandlungsmethoden tragen auf der anderen Seite wesentlich zu den guten
Heilungschancen bei – sind also unverzichtbar. „Wir erforschen eine
innovative diagnostische Methode zur Früherkennung von
Funktionseinschränkungen des Herzens bis zu fünf Jahre nach der
Krebstherapie”, erläutert die Sportwissenschaftlerin Dr. rer. medic.
Sabine Kesting von der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften
am Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie der TU München, die die Studie
leitet.  „Wenn wir Auffälligkeiten entdecken, können die Betroffenen ins
Deutsche Herzzentrum München geschickt und dort, falls erforderlich,
behandelt werden. Im optimalen Fall eröffnet somit eine frühe Diagnose die
Chance, gravierenden kardiovaskulären Problemen vorzubeugen.”

Früh kleinste Schwachstellen erkennen
Auswirkungen einer Krebstherapie aufs Herz bleiben lange ohne Symptome.
Üblicherweise erfolgt eine Herzuntersuchung im Rahmen der standardisierten
Nachsorgeprotokolle in der Kinderkardiologie zudem am liegenden Patienten
(EKG/Herzultraschall). Geringgradige Funktionseinschränkungen des
Herzmuskels fallen unter diesen Ruhebedingungen allerdings oft nicht auf
und entgehen so leicht der Aufmerksamkeit. Eine Ultraschalluntersuchung
des Herzens während körperlicher Belastung – quasi als Stressfaktor –
erhöht hingegen die Empfindlichkeit der Diagnostik. Insgesamt werden in
der geplanten Studie nun 40 Teilnehmer im Alter von 10 bis 25 Jahren im
ersten bzw. im fünften Jahr nach Beendigung einer Krebstherapie
untersucht. Zusätzlich wird die gleiche Untersuchung bei 40 gleichaltrigen
Gesunden durchgeführt, um mögliche Auffälligkeiten der Herzfunktion durch
die Krebsbehandlung einordnen und beurteilen zu können.

Innovative Diagnostik-Kombination
Die einmalige nicht-invasive Untersuchung beinhaltet neben einer
ausführlichen Anamnese eine Ultraschalluntersuchung des Herzens – einmal
in Ruhe zur Überprüfung der Tauglichkeit für eine Belastungsuntersuchung
und einmal auf dem Liegefahrradergometer unter submaximaler körperlicher
Belastung. Zeitgleich zu der Stressechokardiografie wird die individuelle
kardiopulmonale Leistungsfähigkeit auch über eine Spiroergometrie
(Bestimmung der Atemgase, um Belastbarkeit der Lunge und des
Herzkreislaufsystems festzustellen) gemessen. „Durch diese innovative,
wenig belastende und vergleichsweise kostengünstige Untersuchungsmethode
können wir möglicherweise früher Hinweise auf strukturelle Auffälligkeiten
und beginnende oder bereits vorhandene Funktionseinschränkung des Herzens
erhalten. Und damit könnte eine weitere Verschlechterung der Schäden
möglicherweise günstig beeinflusst werden“, hofft Dr. Kesting. Denn die
Erkenntnisse sollen z. B. auch dazu beitragen, spezielle
Bewegungsprogramme zu erarbeiten, mit deren Hilfe Herzschäden im besten
Fall vorgebeugt werden kann oder sich diese reduzieren lassen.

*Projekttitel: Früherkennung von kardialen Funktionseinschränkungen nach
einer potentiell herzschädigenden Krebstherapie im Kindes- und Jugendalter
– Eine Machbarkeitsstudie

(1) Burden of cardiovascular risk factors and cardiovascular disease in
childhood cancer survivors: data from the German CVSS-study;
https://doi.org/10.1093/eurheartj

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschung unter
www.herzstiftung.de/herzstiftung-und-forschung

Infoservice zum Thema Herzgesundheit nach Krebstherapie
Weitere Informationen zur Herzgesundheit im Zusammenhang mit
Krebstherapien bietet die Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute Ausgabe
1/2021 mit dem Titel „Die Balance halten: Krebspatienten vor Herzschäden
schützen“. Ein kostenfreies Probeexemplar ist unter Tel. 069 955128-400
oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

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Gesundheitswirtschaft international weitergeDACHT BioCon Valley® baut Zusammenarbeit mit China und der DACH-Region aus

Erfolgreicher Abschluss für Mecklenburg-Vorpommern auf der MEDICA

Mit zwei weitreichenden Vereinbarungen für die heimische Wirtschaft im
Gepäck kehrt die Landesgesellschaft BioCon Valley® GmbH von der weltweit
größten Fachmesse der Gesundheitswirtschaft, der MEDICA in Düsseldorf
zurück. Im Rahmen einer deutsch-chinesischen Vereinbarung ist gemeinsam
mit weiteren Branchennetzwerken eine „Deutsch-Chinesische Arbeitsgruppe
zur Förderung der Gesundheits- und Medizinindustrie“ beider Länder
gegründet worden. Darüber hinaus wollen über 15 Clusterorganisationen der
Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-
Region) ihre strategische Zusammenarbeit künftig noch intensiver ausbauen.
13 Unternehmen am Landesgemeinschaftsstand und vier weitere Unternehmen
als Einzelaussteller zeigten sich mit der internationalen MEDICA-Messe
zufrieden. Der Landesmessestand wird gemeinsam von der BioCon Valley®
GmbH, dem Netzwerk der Gesundheitswirtschaft für MV, und der
Wirtschaftsförderung Rostock Business organisiert.

„Mit den Absichtserklärungen wollen wir die einheimische
Gesundheitswirtschaftsbranche nicht nur bestärken, ihre
Internationalisierungsaktivitäten auszubauen. Durch direkte Kontakte
sowohl in Richtung China als auch in die DACH-Region soll zielgerichtet
wirtschaftliches Wachstum angekurbelt werden. Dies stärkt die im Land
vorherrschende klein- und mittelständische Wirtschaft und sichert
langfristig Beschäftigung in der Region. Mit einem Exportanteil von 5,7
Prozent an der Gesamtwirtschaft des Landes hat die Branche noch
Nachholbedarf“, sagt Lars Bauer, Geschäftsführer der BioCon Valley® GmbH.

// „Deutsch-Chinesische Arbeitsgruppe zur Förderung der
Gesundheitswirtschaft“ gegründet
Ziel der deutsch-chinesischen Arbeitsgruppe ist die Förderung der
Gesundheitswirtschaft beider Länder und langfristiger Kooperationen, um
neue Produkte und Technologien voranzubringen. Dabei soll die
Zusammenarbeit bei industriellen Investitionen verbessert, Ressourcen
beider Länder gebündelt und der Informationsaustausch zwischen den
Partnern intensiviert werden. An der Arbeitsgruppe sind Branchennetzwerke
der Gesundheitswirtschaft, führende Unternehmen Branchenexperten,
medizinische Einrichtungen und Berater aus China und Deutschland
beteiligt.
Der Vertragsschluss erfolgte zwischen der Investitionsförderungsagentur
der Volkrepublik China CIIPA - China International Investment Promotion
Agency und der BioCon Valley® GmbH sowie weiteren Branchennetzwerken
darunter Medical Valley EMN e. V. (Bayern), Life Science Nord (Hamburg),
WTSH - Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein und
medways e. V. (Thüringen).

// „Medizintechnik weitergeDACHt“
Um weitere Möglichkeiten zum Auf- und Ausbau internationaler Beziehungen
zu schaffen, beteiligt sich die BioCon Valley® GmbH an der „MedTech
Cluster Alliance D-A-CH“. Eines der Ziele der neuen Vereinigung, die aus
mehr als 15 Branchennetzwerken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
besteht, ist es, die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit
sowie Sichtbarkeit ihrer Unternehmen zu verbessern und gemeinsame
Strategien und Aktivitäten zu initiieren. Darüber hinaus soll der Wissens-
und Technologietransfer zwischen Unternehmen, akademischen Forschungs- und
Entwicklungspartnern sowie potenziellen Investoren ausgebaut werden. Mit
diesem Schulterschluss wird die Zusammenarbeit der deutschsprachigen
Branchennetzwerke weiter intensiviert.

// Erfolgreicher MEDICA-Abschluss für die Unternehmen der
Gesundheitswirtschaft
Die MEDICA bietet der Gesundheitswirtschaft von Mecklenburg-Vorpommern –
mit rund 150.000 Mitarbeitern die beschäftigungsstärkste Branche im
Bundesland – die international bedeutendste Plattform, um Innovationen aus
Medizintechnik, E-Health, Rehabilitation und Prävention made in
Mecklenburg-Vorpommern zu präsentieren. An vier Tagen haben über 46.000
Menschen die rund 3.033 Aussteller aus 150 Nationen besucht und neue
Kontakte und Kontrakte geschlossen.

Bei den 13 Ausstellern am Landesgemeinschaftsstand herrscht große
Zufriedenheit mit dem Verlauf der Messe: „Unser Eindruck von der MEDICA
2021 ist überraschend positiv. Wir hatten in der aktuellen Lage wenig
erwartet und sind überrascht, wie gut die Resonanz der Besucher war“,
bilanziert Josephine von Olleschik von der MBP - Medical Biomaterial
Products GmbH aus Neustadt-Glewe.
Die Tischlerei Tietböhl GmbH aus Rostock, Hersteller von individuell an
Kundenwünsche angepassten Therapiefahrzeugen, lobt die Möglichkeiten des
Landesgemeinschaftsstandes, der von der BioCon Valley® GmbH und Rostock
Business organisiert wird: „Die Betreuung war ganz hervorragend.
Unternehmen mittlerer und kleiner Größe können gar nicht besser aufgehoben
sein. Das gesamte Management wird einem abgenommen und man kommt zu einem
vorbereiteten Stand.“
Beide Unternehmen sowie ein Großteil der weiteren Aussteller erwarten in
den kommenden Wochen die Finalisierung von Geschäftsabschlüssen, die auf
der MEDICA angebahnt wurden.

Die Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern:
Wenn Gesundheit auf Wirtschaft trifft, entsteht die Erfolgsbranche
Mecklenburg-Vorpommerns. Rund 150.000 Arbeitsplätze, 6,2 Milliarden Euro
Bruttowertschöpfung: Die Gesundheitswirtschaft ist Wachstumsmotor und
Beschäftigungsgarant. Jeder Fünfte arbeitet in der Branche und jeder
siebte Euro an Bruttowertschöpfung entsteht hier.

Die BioCon Valley® GmbH:
Die BioCon Valley® GmbH ist das Netzwerk der Gesundheitswirtschaft für
Mecklenburg-Vorpommern. Die Landesgesellschaft ist zentraler
Ansprechpartner und Motor der Branche, stärkt Beschäftigung, Wachstum und
Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig im nationalen und internationalen Maßstab.
Gemeinsam mit den Akteuren der Branche erschafft das Cluster aus gesunder
Natur und innovativen Unternehmen DAS generationenübergreifende
Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern.
Weitere Informationen: www.bioconvalley.org

Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Technologieförderung Rostock mbH
(Rostock Business):
Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Technologieförderung Rostock mbH ist
der Dienstleister zwischen der Wirtschaft und der Hansestadt Rostock.
Standortinformationen, Beratung und Unterstützung erhalten Investoren aus
einer Hand. Rostock Business ist Initiator und Moderator von regionalen,
nationalen und internationalen Netzwerken. Aufgabe von Rostock Business
ist zudem die Erarbeitung, Koordination und Realisation des
Standortmarketings.
Weitere Informationen: www.rostock-business.de

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Wettlauf an die Grenzen des Planeten: 148 Länder auf dem Prüfstand

Kein Land der Erde erreichte in den vergangenen drei Jahrzehnten soziale
Mindestanforderungen, ohne dabei ökologische Grenzen zu übertreten. Das
fand ein britisches Forschungsteam unter Beteiligung der an der
Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien in Zusammenarbeit mit einem von
der Humboldt-Universität zu Berlin koordinierten Forschungsprojekt heraus.
Ihre Ergebnisse gehen sogar noch weiter: Kein Land steuert bis 2050
überhaupt darauf zu, soziale Grundbedürfnisse mit fairen
Ressourcenanteilen zu stillen.

Reichere Länder verbrauchen wesentlich mehr Ressourcen als ihrem gerechten
Anteil (gemessen an der Bevölkerungszahl) entspricht, während ärmere
Länder ihre sozialen Ziele nicht oder zu langsam erreichen, so lautet das
Fazit der Forschenden. Insgesamt 148 Länder nahm das Team unter die Lupe.
Im Fokus: Elf soziale Grundbedürfnisse, darunter Ernährung,
Lebenserwartung, Einkommen oder demokratische Qualität, sowie sieben
ressourcenbezogene Faktoren wie CO2-Emissionen, Materialverbrauch oder die
Intensität der Landnutzung.
Die Studie misst und vergleicht erstmals, wie gut es einzelnen Ländern
gelingt die Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen und dabei nachhaltig
zu agieren.

Deutschland fällt dabei besonders auf: „Deutschland ist eines von vier
Ländern, die  2015 alle sozialen Grundbedürfnisse erfüllten. Gleichzeitig
überschreitet Deutschland aber durch hohen Konsum seinen fairen Anteil an
fast allen Ressourcen der Erde“, erklärt Nicolas Roux vom Institut für
Soziale Ökologie an der BOKU Wien. Er arbeitet im Rahmen des EU-
Forschungsprojektes zu globaler Nachhaltigkeit COUPLED (www.coupled-
itn.eu), koordiniert von der Humboldt-Universität zu Berlin. „Im
Durchschnitt verursacht der Konsum in Deutschland doppelt so viel
Umweltbelastung als das was der gerechte Anteil des Landes an globalen
Ressourcen erlauben würde“, so Nicolas Roux. Und das schon seit Beginn der
1990er Jahre, wenn nicht sogar länger.

Global gesehen lässt eine gute Nachricht aufhorchen: Auch wenn bei
kollektiven Zielen wie Gleichberechtigung und demokratischer Qualität
immer noch erhebliche Defizite bestehen, konnten die meisten Länder ihre
soziale Grundversorgung in den letzten dreißig Jahren insgesamt
verbessern. Der Anteil an Nationen, die ihren fairen Ressourcenanteil
überschreiten, steigt allerdings parallel dazu, insbesondere in Bezug auf
Kohlendioxidemissionen und Materialverbrauch. Erschwerend hinzu kommt,
dass viele Länder diesen gerechten Anteil schneller überbeanspruchen als
es ihnen gelingt die sozialen Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerung zu
erfüllen. „Das Ziel muss sein, soziale Mindestanforderungen zu erreichen
und dabei möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen“, so Roux. Reichere
Länder sollen deshalb ihren Ressourcenverbrauch drastisch reduzieren, um
eine kritische Zerstörung des Planeten zu vermeiden, während ärmere Länder
ihre soziale Leistung rasch beschleunigen sollen, um kritische menschliche
Entbehrungen zu beseitigen.
Globaler Spitzenreiter, obwohl diesem Ziel ebenfalls relativ fern, ist
derzeit Costa Rica mit drei überschrittenen ökologischen Grenzen.

„Jeder braucht ein ausreichendes Maß an Ressourcen, um gesund zu sein und
in Würde an der Gesellschaft teilzunehmen, aber wir müssen auch
sicherstellen, dass der globale Ressourcenverbrauch nicht so hoch ist,
dass wir Klima- und Umweltzerstörung verursachen“, so der Hauptautor der
Studie Dr. Andrew Fanning vom Sustainability Research Institute in Leeds
und dem Doughnut Economics Action Lab in Oxford. Dieser Übergang sei
allein durch technologische Ansätze zur Verbesserung der
Ressourceneffizienz kaum zu erreichen. Wohlhabende Länder müssen über das
Streben nach Wirtschaftswachstum als nationales Ziel hinausgehen und
stattdessen eine Politik verfolgen, die das menschliche Wohlergehen
verbessert, sowie die den Ressourcenverbrauch direkt reduziert, erklärt
Fanning weiter. Eine weitere Entwicklung wie bisher ist keine Option.
Die Ergebnisse zeigen, dass Wirtschaftssysteme umgedacht werden müssen –
weg von unendlichen Wachstumsparadigmen, hin zu weniger Konsum und mehr
globaler Gerechtigkeit.

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Der chinesische Dichter Yang Lian zu Gast am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Yang spricht in der Vortragsreihe „Sinophone Classicism. Chinese Cultural
Memories in a Global Space“ über die Ästhetik der modernen
chinesischsprachigen Lyrik.

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Yang Lian zählt zu den renommiertesten chinesischen
Dichtern der Gegenwart. Seine Werke, die Gedichte, Prosagedichte und
Essays umfassen, sind innerhalb und außerhalb Chinas bekannt; sie wurden
in viele Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt. 1989 wurden seine Werke
wegen seiner Solidarität mit den Demonstranten am Tiananmen Platz
verboten. Seither lebt er im Exil, zunächst in Australien und Neuseeland,
seit 1993 in Europa, hauptsächlich in London und Berlin.

Zum englischsprachigen Vortrag von Yang Lian mit dem Titel „A Tower Built
Downward: The Creative Transformation of Chinese Classical Lyric
Aesthetic“ lädt das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-
Universität

am Freitag, 26. November 2021, 16 Uhr
ins Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
oder auf der Konferenzplattform Zoom unter
https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZMvcemgqD4pHtwbv3Xm1wsOHWP42K7I_RkN

sehr herzlich ein. Charakteristisch für Yangs Lyrik sind die Werke „Yi“,
„Where the Sea Stands Still“ (dt. 1996), „Concentric Circles“ (dt. 2013),
„Narrative Poem“ und „Anniversary Snow“. Er zeigt darin sein tiefes
Verständnis für die klassische chinesische Dichtung.

In seinem Vortrag thematisiert Yang die Ästhetik der modernen
chinesischsprachigen Lyrik vor dem Hintergrund der überlieferten
klassischen Dichtung. Diese stellt ein ganzheitliches begriffliches
Konstrukt mit vielen verschiedenen (philosophischen, stilistischen,
linguistischen) Dimensionen dar, dessen lyrische Formen in der Visualität,
der Musikalität und den bildlichen Assoziationen der chinesischen Sprache
wurzeln. Fremde, vor allem westliche Begriffe, die seit dem 20.
Jahrhundert in die Sprache eindringen, können einen Bruch zwischen den
Schriftzeichen und den Wörtern hervorbringen, die im klassischen
geschriebenen Chinesisch oft identisch sind. Die zeitgenössische Lyrik
baut auf diese, als tiefe Krise empfundene linguistische Realität auf,
indem sie sich auf die Klassik bezieht, sie tief „durchdenkt“ und kreativ
transformiert.

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Sinophone Classicism. Chinese
Cultural Memories in a Global Space“, die von Prof. Dr. Zhiyi Yang,
Professorin für Sinologie an der Goethe-Universität und derzeit Goethe-
Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften, entwickelt wurde. Die
Reihe lädt Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler dazu ein, anhand
von Fallbeispielen aus ihrer Forschung oder der Darstellung ihrer eigenen
ästhetischen Praxis die Bedeutung chinesischer Traditionen für das moderne
China und die chinesischen communities außerhalb Chinas herauszuarbeiten.

Die Vortragsreihe ist auf mehrere Jahre angelegt. Sie wird im YouTube-
Kanal des Forschungskollegs unter
https://www.youtube.com/c/ForschungskollegHumanwissenschaften/videos der
Öffentlichkeit und interessierten Studierenden auch im Nachhinein
zugänglich sein. Weitere Referenten im Wintersemester sind der Soziologe
Marius Meinhof (17.12.2021), der Kulturwissenschaftler Jeroen de Kloet
(21.1.2022) und der Filmwissenschaftler Markus Nornes (10.2.2022).

Teilnahme vor Ort
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und nur nach vorheriger Anmeldung möglich
(anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de). Sie erhalten eine
Teilnahmebestätigung.

Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung von Corona:
- “2 G Regel”: Vor Beginn der Veranstaltung ist ein Impf- oder
Genesenennachweis
vorzuzeigen.
- Die Kontaktdaten werden gesammelt.
- Das Tragen einer medizinischen Maske ist verpflichtend.
- Der Veranstaltungsraum wird auch bei kaltem Wetter gelüftet
(Stoßlüftung).

Teilnahme am Zoommeeting
Registrierungslink:
https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZMvcemgqD4pHtwbv3Xm1wsOHWP42K7I_RkN

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