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Schnelltests: Vom Ja/Nein bei Corona zu differenziertem Gesundheitsstatus

IFNANO-Schnelltest zum Protein Interleukin 8  IFNANO e.V.
IFNANO-Schnelltest zum Protein Interleukin 8 IFNANO e.V.

Spätestens seit der Corona-Pandemie kennt man
Antigen-Schnelltests. Ein Rachenabstrich oder eine Speichelprobe reichen
aus, um schnell eine mögliche Infektion festzustellen. Doch wie lassen
sich Schnelltests für noch anspruchsvollere diagnostische Fragen in der
Medizin nutzen? Im Zentrum der Forschung an Instituten der Zuse-
Gemeinschaft stehen der Einsatz mehrerer Analyte und damit die
gleichzeitige Beprobung auf verschiedene gesundheitliche Fragestellungen
ebenso wie Möglichkeiten zum Nachweis sehr geringer Konzentrationen von
Substanzen.

Am Göttinger Institut für Nanophotonik (IFNANO) setzt man dafür auf die
Weiterentwicklung von Analyseverfahren, die mit Teststreifen
funktionieren, wie man sie nicht nur von Corona-, sondern z.B. auch von
Schwangerschaftstests kennt. Das Grundprinzip dieser Teststreifen: Die
Analyte werden in wässrigen Medien gelöst dann mit Markern gemischt und
auf ein Trägermedium gegeben, auf dem sie bis zur Test- und Kontrolllinie
wandern. Die Analyte, wie zum Beispiel das Corona-Virusmaterial, binden
sich einerseits an den Marker, der aus einer Farbmarkierung wie z.B.
Goldnanopartikeln und dem Antikörper besteht, und anderseits an den
Antikörper an der Testlinie. Die Antikörper sind so aufgebaut, dass sie
selektiv d. h. möglichst nur einen Analyten, wie das Corona-Virusprotein,
binden. Durch das Anreichern der Marker auf den Linien verfärben sich
diese und man kann den Test mit bloßem Auge auslesen.

Verstärkung des Lichtfeldes an der Oberfläche mit rosa-violettem Effekt
Aufbauend auf diesem erfolgreichen Grundprinzip haben sich die Ansprüche
an solche Schnelltests allerdings erhöht. Das IFNANO forscht aktuell
intensiv an optischen Verfahren, mit denen sich auch über Schnelltests
sehr niedrige Konzentrationen von Stoffen nachweisen lassen. Gefragt sind
solche Methoden nicht nur in der Human-, sondern auch in der Tiermedizin.
Bei ihrem neuen Ansatz bedienen sich die Göttinger Forschenden für die
Schnelltests der oberflächenverstärkten Raman-Spektroskopie. Das Signal
von Molekülen, die sich sehr nah an nanometergroßen Gold- oder
Silberpartikeln befinden, wird dabei enorm verstärkt. „Größe und Form der
Edelmetall-Nanopartikel sowie die Wellenlänge des eingestrahlten Lichts
sind entscheidend für diese Signalverstärkung“, erklärt IFNANO-
Abteilungsleiter Dr. Hainer Wackerbarth und erläutert: „Speziell bei Gold
und Silber ist die Erzeugung sogenannter Oberflächenplasmonen besonders
ausgeprägt, so dass die Verstärkung des Lichtfeldes an der Oberfläche
erfolgen kann.“ Mit der Größe der Partikel hängt es auch zusammen, dass
die Testlinien mit Goldnanopartikeln rosa-violett erscheinen.

Cortisol-Test als Basis für weitere Entwicklungen
Im Veterinärbereich hat das IFNANO-Team mit seinem innovativen Ansatz
bereits Erfolg gehabt, nämlich beim Nachweis von Cortisol, dessen
Vorkommen je nach Konzentration Hinweis auf Wohlbefinden oder Stress bei
Rindern gibt. Das Muster der Farbintensität der rosagefärbten Test- und
Kontrolllinie korreliert mit der Cortisol-Konzentration.  „Hohe
Cortisolwerte geben Landwirt oder Tierarzt Hinweise darauf, dass die
Tiergesundheit im Auge behalten werden muss“, so Wackerbarth. Die
entwickelte Testmethode ist Ergebnis zweier vom
Bundeswirtschaftsministerium geförderter Projekte und wurde gemeinsam mit
den Unternehmen miprolab und inno-spec entwickelt. Dazu wird mit einem
Auslesegerät (Raman-System) der Test mit Laserlicht bestrahlt und das
rückgestreute Licht, das die Informationen enthält, mit einem Detektor
aufgefangen. „Anhand eines Cortisol-Tests konnte gezeigt werden, dass sich
das entwickelte Verfahren zur quantitativen Analyse sowie ebenfalls für
einen Test zum Nachweis verschiedener Analyte eignet“, betont Wackerbarth.
Gemeinsam mit inno-spec wurde das Auslesegerät entwickelt, mit dem das
Trägermaterial mit Test- und Kontrolllinie mit einen Linienstrahl statt
wie üblich einem Punktförmigen abgerastert wird. „Ziel dieses optischen
Aufbaus ist die Verbesserung der Nachweisgrenzen und eine höhere
Reproduzierbarkeit bei der quantitativen Bestimmung“, erklärt Wackerbarth.

Aufbauend auf diesem Erfolg hat sich das IFNANO das Ziel gesetzt, mit
Hilfe der oberflächenverstärkten Raman-Spektroskopie zusammen mit dem
Unternehmen miprolab und mit dem Tierärztlichen Institut der Universität
Göttingen einen praxistauglichen Test zur Bestimmung von Substanzen mit
einer Konzentration im Picogramm-Bereich, das entspricht einem billionstel
Gramm, zu entwickeln. Mit der gleichzeitigen Bestimmung mehrerer
ausgewählter Substanzen, darunter des Proteins Interleukin 8, wollen wir
Praktikern per Schnelltest vor Ort differenzierte Aussagen zum
Gesundheitszustand ermöglichen“, erklärt Wackerbarth. Das Vorhaben ist
Teil des „Südniedersachsen Point of Care Clusters“, einem Bündnis aus
Mittelständlern, einem Großunternehmen und wissenschaftlichen Partnern.
Die im Veterinärbereich gesammelten Erfahrungen sollen perspektivisch in
die Humanmedizin einfließen.

Diagnostik u.a. von Autoimmun-, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten
Ähnlich wie beim IFNANO, so steht auch am Forschungszentrum für
Medizintechnik und Biotechnologie in Bad Langensalza (fzmb) bei der Arbeit
an Schnelltests im Fokus, mehrere Analyten aus einer einzigen Probe zu
bestimmen. Dazu gehören die Diagnostik von Autoimmun-, Stoffwechsel- und
Infektionskrankheiten, Allergie- und Nahrungsmittelunverträglichkeitstests
sowie Krebsanalytik und Biomarkersuche. „Unsere Entwicklungsprodukte
bieten hervorragende Perspektiven für neue Wege in der individualisierten
Diagnostik und personalisierten Medizin“, erklärt fzmb-Geschäftsführer Dr.
Peter Miethe. Die Auswertesysteme des fzmb ermöglichen nach seinen Angaben
die automatisierte, kundenspezifische Analyse auf verschiedenen
Trägerformaten wie Mikrotiterplatten, Objektträgern, Membranen und
kundenspezifischen Biosensoren. Als konkrete künftige Einsatzgebiete für
die Schnelltests strebt das fzmb u.a. das Erkennen autoimmuner
Schädigungen von Gehirnfunktionen beim Menschen an. Hierzu läuft aktuell
ein Projekt mit drei Forschungspartnern bei dem Thüringer Institut. Dabei
sollen erstmals mehrere Autoantikörper gleichzeitig bestimmt werden, um
eine differenzierte Diagnose, individualisierte Therapieeinstellung und
Verlaufskontrolle bei Patienten mit autoimmunen neuronalen Erkrankungen zu
gewährleisten.

Lab on a Chip-Technologie entwickelt
Kernkompetenz sind Schnelltests mit Hilfe der Bioanalytik auch bei Hahn-
Schickard. Neben klassischen Verfahren mit Teststreifen setzen die
Forschenden in Freiburg auf die „Lab on a Chip“-Technologie. Die von ihnen
entwickelte sogenannte LabDisk, das ist eine Kunststoff-Kartusche, die als
Träger für das Testmaterial dient und in ein mobiles Auslesegerät
eingeführt wird, hat sich nicht nur in medizinischen Anwendungen, sondern
auch in der Umweltanalytik, z.B. in der Qualitätssicherung von Wasser- und
Lebensmittelproben bewährt.

Fertigung wieder in Deutschland ansiedeln
Der Pharmabereich ist einer jener Sektoren, in denen Störungen von
Produktions- und Logistikketten, bedingt durch Lieferprobleme aus Fernost,
während und nach der Corona-Krise schmerzhaft spürbar wurde. „Die Arbeit
von Instituten der Zuse-Gemeinschaft ist ein Baustein, um in einigen
wichtigen Teilbereichen der Medizintechnik wieder mehr Souveränität zu
erlangen“, erklärt der Geschäftsführer der Zuse-Gemeinschaft, Dr. Klaus
Jansen.

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Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 "Anthropozän – Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?" ist eröffnet

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "Anthropozän- Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?" im Naturkundemuseum Stuttgart SMNS, Jan Potente

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 „Anthropozän –
Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?“ im Naturkundemuseum Stuttgart wurde
gestern von Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet und ist vom
13.10.2021 bis zum 19.06.2022 für die Besucherinnen und Besucher im
Schloss Rosenstein zu sehen.

Keine andere Spezies prägt den Planeten Erde so wie der Mensch. Wir haben
alle Bereiche zwischen Erdkruste und Atmosphäre weitreichend verändert –
und sind damit selbst zur Naturgewalt geworden. Unser immenser Einfluss
auf Flora und Fauna, auf Erde, Wasser und Luft ist so stark geworden, dass
sich existenzielle Fragen stellen: Die nach der Belastbarkeit der Erde
und, damit unmittelbar verknüpft, der Zukunft der Menschheit. Vor diesem
Hintergrund hat eine internationale Kommission von WissenschaftlerInnen
den Beginn eines neuen Erdzeitalters, des Anthropozäns, ausgerufen. Die
Große Landesausstellung 2021 im Naturkundemuseum Stuttgart widmet sich
diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – epochalen Thema. Die interaktiv
und lebensnah gestaltete Ausstellung beschäftigt sich mit den großen
Fragen unserer Zeit: Wie kam es dazu, dass der Mensch zum weltenprägenden
Wesen wurde? Wie haben wir den Planeten Erde bisher verändert? Und welche
zukünftigen Perspektiven gibt es für uns? Endgültige Antworten darauf hat
(noch) niemand, aber die Ausstellung bietet Orientierung.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Bei der Anthropozän-Diagnose
steht der Mensch als bestimmende Kraft einer neuen geologischen Epoche im
Mittelpunkt. Aber nicht im Triumph. Wir feiern keinen ,Sieg über die
Natur‘. Wir erkennen viel mehr, wie tief wir in das Wirkungsgefüge des
Planeten und in die Grundlagen unseres Lebens eingegriffen haben. Die
Große Landesausstellung zeigt uns eindrücklich, dass Politik und
Bürgergesellschaft neue Wege finden müssen, um mit dem postfossilen
Zeitalter umzugehen. Dies ist ein globales Projekt, für das sich die ganze
Menschheit zusammenschließen muss – mit einer neuen Kreativität auch in
der Zusammenarbeit der Völker und weg von herkömmlichen Konflikten und
Feindbildern.“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst Baden-Württemberg: „Welchen Einfluss hat der Mensch
auf die Entwicklung unseres Planeten? Die neue Ausstellung des
Naturkundemuseums Stuttgart widmet sich diesem hochaktuellen und
drängenden Thema, das uns nicht erst in diesem Jahr durch Flutkatastrophen
einerseits und Dürren andererseits unmittelbar vor Augen geführt worden
ist. Erstmals wird eine derart ganzheitliche, naturwissenschaftliche
Aufbereitung über das Zeitalter des Menschen – von seinen Ursprüngen bis
zu den Zukunftsperspektiven – in einem musealen Kontext präsentiert. Dabei
gelingt es dem Museum, in einem gekonnten Dreiklang von Forschung,
Sammlung und Wissenstransfer aktuellste Erkenntnisse zusammenzuführen und
sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Denn mit ihrem
interaktiven Ansatz nimmt die Ausstellung alle mit und lädt zum Mitmachen
und Mitdenken ein – Groß und Klein, Fachkundige und Laien. Besser könnte
das Haus seinem Auftrag als Forschungs- und als Bildungsort nicht
nachkommen.“

Die Ausstellung wird finanziert vom Land Baden-Württemberg und gefördert
durch die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und die Baden-
Württemberg Stiftung.

Anthropozän - der Begriff ist erst so alt wie dieses Jahrtausend. Mit der
Autorität des Nobelpreisträgers brachte ihn der Atmosphärenchemiker Paul
J. Crutzen im Jahr 2000 in die Diskussion. Die Ausrufung eines neuen
Erdzeitalters – das Zeitalter des Menschen – begründete er mit dem
gewaltigen Einfluss der Menschheit auf „ihren“ Planeten. Dieser Einfluss
verändere das Klima, Stoffkreisläufe und Ökosysteme so grundlegend, dass
er noch in Tausenden, wenn nicht Millionen von Jahren spürbar sein werde.

„Die Herausforderungen, die das Anthropozän mit sich bringt, werden immer
deutlicher: Forschungsergebnisse unserer WissenschaftlerInnen am
Naturkundemuseum und an Forschungseinrichtungen aus aller Welt belegen die
Auswirkungen des Menschen auf das Klima und die biologische Vielfalt. Auch
in unseren Forschungssammlungen, den Archiven des Lebens, sind Rückgang
und Aussterben verschiedenster Arten über die Zeit hinweg dokumentiert.
Mit der Großen Landesausstellung 2021 möchten wir unsere BesucherInnen für
diese Zukunftsthemen sensibilisieren und Perspektiven aufzeigen. Spannende
Exponate, interaktive Stationen und ein Rätselparcours für Familien
beleuchten das Thema von verschieden Seiten", so Prof. Dr. Lars Krogmann,
Interimsdirektor des Naturkundemuseums Stuttgart.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie den Blick von heute auf
vergangene und zukünftige Epochen weitet. Damit wird der Ist-Zustand in
einen größeren Kontext gestellt, werden Ursachen und Möglichkeiten
ausgelotet. Entsprechend steht am Beginn der Schau folgende Frage: Wie kam
es dazu, dass unsere Spezies die Welt so stark verändert? Wann wurden wir
zum Gestalter der Umwelt? Wenn wir unsere kulturelle Evolution betrachten,
dann springen hier gleich mehrere epochale Umbrüche ins Auge: Der bislang
wohl wichtigste war der Übergang vom nomadischen Jäger- und Sammlertum zu
Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Doch auch spätere Entwicklungen,
wie der Beginn der Metallverarbeitung, die Industrialisierung oder das
derzeitige Wirtschaftswachstum haben unsere Umwelt nachhaltig geprägt.

„Für uns war es wichtig, dass wir mit der Ausstellung nicht allein bei der
Frage verbleiben, ob das Anthropozän eine eigenständige geologische Epoche
darstellt. Wir wollten uns vielmehr dem Thema aus naturwissenschaftlicher
Sicht so ganzheitlich wie möglich annähern. Einen Schwerpunkt stellen die
Auswirkungen unseres Handelns auf Umwelt und Lebewesen dar. Wir zeigen
aber auch, wie es dazu kam, dass wir die Welt so stark prägen. Und wir
sprechen an, welche Perspektiven und Lösungsansätze es für aktuelle
Herausforderungen gibt“, sagt Petra Härtl, Dipl.-Prähistorikerin und
Kuratorin der Ausstellung.

„Wo wir stehen“ lautet dann die Überschrift des umfangreichsten
Ausstellungsteiles. Dort zeigen Forschungsergebnisse aus allen
Fachbereichen des Naturkundemuseums Stuttgart, Beiträge von
Forschungseinrichtungen aus aller Welt sowie harte Fakten und plakative
Abbildungen, welche Folgen unser Handeln hat. Von der Überprägung der
Landschaft über Umweltverschmutzung und Klimawandel spannt sich der Bogen
bis hin zu den Folgen für Flora und Fauna. Konkrete Beispiele aus der
Region werden dabei mit globalen Entwicklungen verzahnt, abstrakte
Szenarien mit konkreten Erfahrungen verbunden. Zahlreiche spannende
Exponate aus den Sammlungen des Museums illustrieren dabei die neuesten
Forschungen zu anthropogenen Einflüssen auf die Lebenswelt unseres
Planeten.

Betrachtungen zu unserem Umgang mit Ressourcen und dem globalen
Müllproblem leiten über zur Frage nach unserer Zukunft: Welche Optionen
haben wir, als Einzelne und als Gesellschaft? Vor welchen
Herausforderungen stehen wir, und wie können wir ihnen begegnen? Werden
uns, wie schon mehrmals im Lauf der Geschichte, Erfindergeist und Technik
retten? Die Ausstellung zeigt mögliche Lösungsansätze, Grenzen und
Perspektiven. Ganz am Ende der Ausstellung erwartet dann noch ein
Highlight die BesucherInnen: Fiktive Gesteine und Fossilien geben eine
Ahnung davon, was in ferner Zukunft einmal von typischen Materialien
unserer Zeit bleiben wird.

„Für die Umsetzung der Inhalte der Ausstellung in einen BersucherInnen-
Parcours in den historischen Räumen von Schloss Rosenstein haben wir ein
Baugerüst als nachhaltiges Ausstellungssystem gewählt. Unterschiedliche
Ausstellungselemente ermöglichen eigene Zugänge zu den Themen:
Großgrafiken mit plakativen Fakten geben einen schnellen Überblick,
Reflexionsräume laden zum Weiterdenken ein, Visionskästen mit
künstlerischen Dioramen ermöglichen einen Zugang zu neuesten
Forschungsergebnissen“, so Dipl.-Des. Catherine François, eine der
verantwortlichen Ausstellungsgestalterinnen vom Stuttgarter Büro
raumhochn.

Die Ausstellung wird durch einen spannenden Kinderrätselparcours mit
vielen interaktiven Elementen abgerundet. Das Spiel „Rettet den Frosch!“
für Kinder und Familien führt mit Heft und Stift kreuz und quer durchs
Anthropozän, zu vielfältigen Rätselstationen. Überall heißt es schauen,
hören, checken, kombinieren, Entscheidungen treffen! Die Story: Der Frosch
droht heimatlos zu werden! Immer weniger Wasser im Teich, nie vorher
gesehene Riesenfrösche mit einem gewaltigen Maul und allerhand weitere
Gefahren machen das Leben für ihn richtig ungemütlich. Kann es überhaupt
noch ein Happy End geben? Die SpielerInnen haben es in der Hand!

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen,
Führungen und Workshops, das Sie auf der Website des Museums unter: www
.naturkundemuseum-bw.de finden. Am 24./25.03.2022 findet die Tagung
„Anthropozän – Menschgemacht“ im Rahmen der Ausstellung im Museum am
Löwentor statt. Am 10.04.2022 ist ein Aktionstag für Familien im Schloss
Rosenstein geplant.

Laufzeit der Ausstellung: 13.10.2021 - 19.06.2022
Ort: Naturkundemuseum Stuttgart - Schloss Rosenstein

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Historische Parks und Bauwerke als Klimaschützer sichtbar machen

Historische Bauten und Parks leiden unter dem Klimawandel. Dabei verfügt der Kultur- und Naturerbesektor über ein großes Klimaschutz-Potenzial. Wie diese zwei Seiten derselben Medaille angegangen werden können, diskutiert die DBU in ihrer Reihe DBUdigital  Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Historische Bauten und Parks leiden unter dem Klimawandel. Dabei verfügt der Kultur- und Naturerbesektor über ein großes Klimaschutz-Potenzial. Wie diese zwei Seiten derselben Medaille angegangen werden können, diskutiert die DBU in ihrer Reihe DBUdigital Deutsche Bundesstiftung Umwelt

DBU-Online-Salon zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Kultur- und
Naturerbe
Für das Weltkulturerbe ist der Klimawandel eine der größten,
aber bisher unterschätzten Risiken. National bedeutsame Bauwerke,
Kunstobjekte in Kirchen und Schlössern sowie alte Baumbestände in
historischen Parks leiden unter Hitzesommern, anhaltender Trockenheit und
Starkniederschlägen. Dabei verfügt gerade der Kultur- und Naturerbesektor
über ein immenses Klimaschutz-Potenzial, etwa durch Gebäudesanierung,
Kreislaufwirtschaft und als Kohlenstoffspeicher. Ob und wie es ihm
gelingt, diese zwei sprichwörtlichen Seiten einer Medaille gleichzeitig
anzugehen, diskutiert morgen (15.10.) die Deutsche Bundesstiftung Umwelt
(DBU) mit Fachleuten aus Forschung und Politik in ihrer Reihe DBUdigital.
Wer möchte, kann beim Online-Salon mit dem Titel „Kulturerbe und
Klimawandel – wo stehen wir?“ von 13:30 bis 15 Uhr live dabei sein:
https://www.dbu.de/@OnlineSalonKulturerbe.

33 Prozent des Weltnaturerbes massiv vom Klimawandel bedroht

„Die Auswirkungen des Klimawandels auf unser Kultur- und Naturerbe sind
heute deutlicher denn je“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.
„Gleichzeitig gibt es ein immenses Potenzial, über diesen Sektor den
Klimaschutz voranzutreiben und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen und
klimaresistenten Gesellschaft zu unterstützen.“ Trotz entsprechender
Berücksichtigung in politischen Grundsatzdokumenten wie den Zielen der
Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung habe der Zusammenhang von
Klimawandel und Kulturerbe nach Bondes Worten bisher wenig Beachtung im
globalen Klimadiskurs gefunden. Hinzu kommt: Nach Angaben der
Weltnaturschutzunion (IUCN) sind 33 Prozent des Weltnaturerbes massiv vom
Klimawandel bedroht – ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber 2017. Bereits
heute seien, so der DBU-Generalsekretär, alte Baumbestände in historischen
Gärten durch Extremwetter massiv geschädigt. Doch gerade die
landschaftlich wertvollen Parkanlagen verfügen nicht nur über eine hohe
Artenvielfalt, sondern binden in Boden und Bäumen auch Kohlenstoff, der
ansonsten als Kohlendioxid freigesetzt zur Erderwärmung beitragen würde.
„Die Herausforderungen im Kultur- und Naturerbe-Bereich, aber auch der
Mehrwert müssen in der aktuellen Klimapolitik sichtbar gemacht werden“, so
Bonde.

Belange des Kulturerbes in der internationalen Klimaagenda berücksichtigen

„Außerdem benötigen wir für die Arbeit in der Praxis mehr Austausch und
Forschung zu Schadauswirkungen und Schutz- und Anpassungsmaßnahmen“, sagt
Constanze Fuhrmann, Leiterin des DBU-Referats Umwelt und Kulturgüter und
Moderatorin des Online-Salons. Hier setzt ein von der Stiftung fachlich
und finanziell gefördertes Projekt des Internationalen Rats für
Denkmalpflege (Icomos), der Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur
und Kommunikation der Vereinten Nationen (Unesco) und des Weltklimarats
(IPCC) an. Um Belange des Kulturerbes in der internationalen Klimaagenda
zu berücksichtigen, erarbeitet ein internationales Team erstmalig
strategische Empfehlungen. Außerdem sollen die Projekterkenntnisse in die
zukünftige Weltklimarat-Berichterstattung einfließen. Zwei beteiligte
Expertinnen werden auch beim Online-Salon referieren: Dr. Johanna
Leissner, Wissenschaftliche Repräsentantin der Fraunhofer-Gesellschaft und
Forschungsallianz Kulturerbe, Fraunhofer-EU-Büro Brüssel, sowie Dr.
Birgitta Ringbeck, Leiterin der Koordinierungsstelle Welterbe im
Auswärtigen Amt. Zudem wird eine der führenden Autorinnen des fünften
IPCC-Sachstandsberichts, Prof. Dr. Daniela Jacob, Direktorin des Climate
Service Center Germany, Helmholtz-Zentrum Hereon, bei der virtuellen
DBUdigital-Veranstaltung über neue Herausforderungen mit Blick auf
Klimaprognosen informieren.

Neben dem genannten Beispiel fördert die DBU seit Langem
Forschungsprojekte und innovative Modellvorhaben zur Bewahrung des
nationalen Kultur- und Naturerbes. Im Online-Salon der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt referieren außerdem Prof. Dr. Michael Rohde,
Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-
Brandenburg, und Dr. Ulrike Wendland, Geschäftsführerin des Deutschen
Nationalkomitees für Denkmalschutz bei der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien. Eine Diskussion mit den
Teilnehmenden schließt sich an.

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THD-Professor für bessere psychosoziale Gesundheitsangebote

Das Herz am rechten Fleck und manchmal auch auf der Zunge: Prof. Dr. Karsten Gensheimer.  Dr. Jörg Kunz  THD
Das Herz am rechten Fleck und manchmal auch auf der Zunge: Prof. Dr. Karsten Gensheimer. Dr. Jörg Kunz THD

Die Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften der Technischen
Hochschule Deggendorf (THD) wird weiter ausgebaut. Seit dem 1. Oktober ist
Prof. Karsten Gensheimer mit dabei. Er ist Experte für psychische
Gesundheitsförderung und psychiatrische Pflegepraxis. Der innovative und
zukunftsorientierte Ansatz der Deggendorfer Hochschule hat ihn nach
Niederbayern gelockt.

Psychische Belastungen und Störungen haben in der Pandemie nochmals
dramatisch zugenommen, ihr Auftreten ging allerdings auch vorher schon
spürbar nach oben. „Frühzeitige Hilfen sowie innovative Unterstützungs-
und Behandlungsangebote sind also notwendiger denn je“, erklärt der neue
THD-Professor Karsten Gensheimer. So müssen beispielsweise Kassenpatienten
in Deutschland im Schnitt ein halbes Jahr warten, bis sie einen passenden
Therapieplatz bekommen. An der THD glaubt Gensheimer einiges bewegen zu
können. Dabei liegt dem 41-jährigen insbesondere die Vernetzung und die
Integration sämtlicher Beteiligten im Gesundheitswesen bei der Schaffung
psychosozialer Versorgungsangebote am Herzen. „Genau deshalb freue ich
mich sehr darauf, die Praxispartner hier vor Ort kennenzulernen und mit
ihnen gemeinsam an nachhaltigen, kreativen Lösungen zu arbeiten“, sagt
Gensheimer. Auch sei das Einbeziehen der Patientinnen und deren
Bedürfnisse in Behandlungspläne und Therapie ganz wesentlich. „Gute
psychiatrische Pflege“, so der Pflegewissenschaftler, „ist bestimmt von
respektvollem Miteinander auf Augenhöhe.“

Die Studierenden an der Hochschule dürfen sich auf einen freundlichen,
aber auch fordernden Dozenten einstellen, der das Herz am rechten Fleck
und manchmal auf der Zunge hat: „Ich lege großen Wert auf inhaltliche und
methodische Richtigkeit, sie sind die Grundlage wissenschaftlich
fundierter Pflege.“ Gleichzeitig komme es dem examinierten Gesundheits-
und Krankenpfleger auf ein faires Miteinander an. Kontinuierliche und
unterstützende Begleitung der Studentinnen und Studenten seien für ihn
eine Selbstverständlichkeit. Sport, Berge und Natur sind Gensheimer
außerdem wichtig. Und so gibt es für den jungen Professor, der
ursprünglich aus Landau in der Pfalz stammt, in Darmstadt
Pflegewissenschaften studiert hat und dessen Promotion an der
Philosophisch Theologischen Hochschule Vallendar kurz vor dem Abschluss
steht, noch einen weiteren Grund für seinen Umzug nach Deggendorf: „Ich
kann dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.“

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