HWG LU: Zehn Jahre dualer Studiengang Hebammenwesen und erfolgreicher Start des Studiengangs Hebammenwissenschaft
Die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG LU)
feierte zum Beginn des Wintersemesters das 10-jährige Jubiläum des dualen
ausbildungsintegrierenden Studiengangs Hebammenwesen und zugleich den
erfolgreichen Start des dualen praxisintegrierenden Studiengangs
Hebammenwissenschaft. Gesundheitsminister Clemens Hoch lobte die
Vorreiterrolle, die Ludwigshafen durch die frühe Etablierung des
Studiengangs Hebammenwesen in der Akademisierung des Berufsstandes
eingenommen habe und sprach anlässlich der Jubiläumsfeier von einem
„Paradigmenwechsel zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung“.
Am Donnerstag, dem 23. September 2021, gab es an der Hochschule für
Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG LU) gleich doppelten Grund
zum Feiern: Zum einen das zehnjährige Jubiläum des dualen Studiengangs
Hebammenwesen, der als zweiter ausbildungsintegrierender
Hebammenstudiengang deutschlandweit 2011 erfolgreich startete und bei der
Akademisierung des Hebammenberufs eine Vorreiterrolle einnimmt. Zum
anderen die Geburtsstunde des neuen dualen praxisintegrierenden
Studiengangs Hebammenwissenschaft zum Wintersemester 2021/2022, der den
durch das Inkrafttreten des neuen Hebammengesetztes 2019 veränderten
politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen Rechnung trägt.
Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft und Gesundheit des Landes
Rheinland-Pfalz, überbrachte das Grußwort des Landes und lobte die
Vorreiterrolle, die Ludwigshafen durch die frühe Etablierung des
Studiengangs Hebammenwesen in der Akademisierung des Berufsstandes
eingenommen habe ebenso wie die Konzeption des neuen Studiengangs
„Hebammenwissenschaft“. Die Ergebnisse des Akkreditierungsrates zeigten
deutlich, „welch gut durchdachtes Studienkonzept hier vorliegt“, so der
Minister. „Die Akademisierung der Gesundheitsberufe zählt zu den besonders
großen Herausforderungen in Deutschland. Umso besser, dass wir die
Hochschule Ludwigshafen an unserer Seite haben. Wir wissen, dass wir auf
ihre Erfahrung in der Lehre und praxisorientierten Forschung setzen können
und auch auf ihre gewachsene ‚Community‘, ihren starken Verbund mit den
Praxispartnern im Land und in Baden-Württemberg. Es sind Kliniken, die
über langjährige profunde Erfahrungen in der Hebammenausbildung verfügen“,
sagte der Minister.
Auch die Vorsitzende des Deutschen Hebammenverbandes e.V., Ulrike Geppert-
Orthofer, war in ihrem Festvortrag voll des Lobes für die Entwicklung der
jungen akademischen Disziplin Hebammenwesen/Hebammenwissensc
Ludwigshafen: „Als damalige Vorsitzende des Landesverbands Baden-
Württemberg habe ich die Entwicklungen in Rheinland-Pfalz sehr
interessiert beobachtet. Sie waren als Hochschule früh mit dabei und mit
beiden Studiengängen halten Sie an der Hochschule ein hervorragendes
Angebot bereit“. Sie sind auf dem richtigen Weg!“, so Ulrike Geppert-
Orthofer. Die Akademisierung des Berufsstandes sei längst überfällig
gewesen und ein wichtiger Schritt: „Sie stärkt die Profession, den
interdisziplinären Austausch auf Augenhöhe und ist ein Ausweg aus der
Bildungssackgasse des Hebammenberufs.“ Als Vorsitzende des Deutschen
Hebammenverbandes erhoffe sie sich außerdem durch die Akademisierung eine
größere Nachfrage an Hebammen und Geburtshelfern und damit einen positiven
Schub in Zeiten des Fachkräftemangels.
Die Frage, welche Bedeutung die Akademisierung von Hebammen für die
geburtshilfliche Praxis hat, wurde anschließend auf dem Podium diskutiert:
Studentin Theresia Collmer, Marielle Pommereau, Absolventin des 1.
Jahrgangs Hebammenwesen, und Absolventin Marie-Luise Israel mit mehr als
20-jähriger Berufserfahrung in der Geburtshilfe sind sich einig: Die
Akademisierung ist richtig und wichtig. „Die praktische Hebammentätigkeit
wissenschaftlich zu reflektieren, das eigene Tun oder tradierte
Handlungsweisen kritisch zu hinterfragen und aktuelle Studie einbeziehen
zu können, ergänzt die sehr gute praktische Ausbildung in Deutschland. Das
wissenschaftlich fundierte Handeln gibt mir ein Gefühl von Sicherheit“,
sagt Collmer, die kurz vor ihrem Abschluss steht. „Die Akademisierung
hilft, berufseigene Kompetenzen zu bündeln und politisch und
gesellschaftlich mehr Gehör zu finden“, zeigt sich Marielle Pommereau
überzeugt. Sich eigene Leitlinien geben zu können und eine
praxisorientierte Forschung aus der Perspektive der Hebammen zum Wohl der
Frauen, der Familien und der Kinder zu etablieren, seien weitere Gründe
für eine Akademisierung der Profession. Angst, dass durch die
Akademisierung die Praxiserfahrung zu kurz kommen könnte, haben die drei
nicht - im Gegenteil: Der Praxisanteil im Kreißsaal, in Geburtshäusern und
bei freien Hebammen sei insgesamt sogar größer als vorher; gekürzt habe
man lediglich die Praxisstunden in anderen Krankenhausabteilungen.
Im abschließenden Festvortrag „Retroperspektive und Perspektive – das
Hebammenstudium in Rheinland-Pfalz“ beleuchtete Prof. Nina Knape,
Studiengangleitung Hebammenwesen und Hebammenwissenschaft, den Weg von der
„Keimzelle der Akademisierung“ 2008 an der Hochschule Osnabrück über die
Anfänge in Ludwigshafen bis in die Gegenwart. „Die Hochschule Ludwigshafen
hat sich 2011 als zweite Hochschule deutschlandweit auf das Abenteuer
Akademisierung eingelassen, ohne eine Hebammenprofessur vorzuhalten“,
erinnert sie. Doch das Engagement eigentlich fachfremder Professorinnen
und Professoren – Prof. Dr. Eveline Häusler aus der Gesundheitsökonomie,
Prof. Dr. Karin Kersting aus den Pflegewissenschaften und der damalige
Dekan Prof. Dr. Hans Ebli aus der Sozialen Arbeit – hätten ebenso wie die
Hebammenschulen und Praxispartner die Entwicklung des neuen Studiengangs
mitgetragen, der sich dann durch die Vertretungsprofessorin Christine
Allgeier trotz „einiger Kinderkrankheiten“ sehr gut etabliert habe.
Zum jetzigen Wintersemester 2021/2022 startet die letzte Kohorte des
Studiengangs mit 32 Studierenden. Zeitgleich beginnen auch 46
Studienanfängerinnen den neuen, primärqualifizierenden Studiengang
Hebammenwissenschaft, der damit voll ausgelastet ist. Das Team um Prof.
Dr. Nina Knape ist dank der Unterstützung des Ministeriums und der
mittlerweile „soliden Rahmenbedingungen“ inzwischen deutlich gewachsen und
auch die Finanzierung und Einrichtung eines 900m2 großen Areals in der
Postbank als Skills Lab sind gesichert.
„Wir danken dem Ministerium wie auch den zahlreichen Kooperationspartnern
für die Unterstützung auf diesem spannenden und bisher sehr guten Weg“,
fasst es Hochschulpräsident Prof. Dr. Peter Mudra in seiner Begrüßung
zusammen. „Nach nur 10 Jahren hat der Bachelorstudiengang Hebammenwesen
selbst ein Kind geboren: den Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft“,
pointiert Prof. Dr. Hans-Ulrich Dallmann, Dekan des Fachbereichs Sozial-
und Gesundheitswesen, und ergänzt: „Sie sind Pionierinnen – nicht nur
innerhalb der Disziplin, sondern für die Akademisierung der
Gesundheitsberufe insgesamt!“
Musikalisch wunderbar begleitet wurde der Festakt von Luca Sestak,
Pianist, Sänger, Songwriter und Absolvent der Mannheimer Popakademie. Für
den Einbruch der Kunst und der Komik in die akademische Welt sorgte Agnes
Maier, ausgezeichnete Slam-Poetin und Hebamme aus Graz, mit ihren lyrisch-
pointierten Einlassungen aus der Erfahrungswelt der Geburtshilfe. Durch
den Abend führte charmant Prof. Dr. Monika Greening als Moderatorin.
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