Klimaanpassungsgesetz zum 1.7.2024 – VDI-Richtlinie 3787 Blatt 5 leistet
einen Baustein für die Stärkung der Klimaanpassung
(Düsseldorf, 26.06.2024) Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat im
Rahmen eines Pressegesprächs die neuesten Erkenntnisse und
Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des Stadtklimas durch lokale
Kaltluft vorgestellt. Dipl.-Ing. Matthias Rau und Dr. Valeri Goldberg,
beide renommierte Mitglieder des Fachbereichs „Umweltmeteorologie“ der
Kommission Reinhaltung der Luft, haben die wichtigsten Aspekte der
Richtlinie VDI 3787 Blatt 5 erläutert, die sich mit der Bedeutung von
Ausgleichsströmungen in bebauten Gebieten befasst.
Aufgrund des starken Versiegelungsgrads und der baulichen Verdichtung sind
Städte von den Auswirkungen des Klimawandels in hohem Maße betroffen. „Es
kommt zu einer häufigeren und länger andauernden, überwiegend sommerlichen
Überwärmung. Mit entsprechenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen für
die Stadtbewohner“, sagt VDI-Experte Matthias Rau. Im Pressegespräch wurde
betont, dass die verminderte nächtliche Abkühlung eine tragende Rolle
spielt. Denn Hitzetage (maximale Lufttemperatur ≥ 30 °C) in Verbindung mit
Tropennächten (minimale Lufttemperatur ≥ 20 °C) versetzen den Körper in
thermischen Stress. „Thermisch induzierte Ausgleichströmungen gewinnen
daher zunehmend an Bedeutung. Denn die Sicherstellung der Zufuhr kühlerer
Luft in den überhitzen Stadtkörper stellt eine wichtige Maßnahme im
Kontext einer nachhaltigen Stadtplanung dar, um dem Klimawandel zu
begegnen“, weiß Dr. Valeri Goldberg.
Vorrangiges Ziel der Kaltluftversorgung im Siedlungsbereich ist es, in
sehr warmen Nächten die aufgewärmten Wohngebäude zu kühlen, um die
Schlafqualität in den Innenräumen zu verbessern. Die Richtlinie VDI 3787
Blatt 5 „Lokale Kaltluft“ gibt Empfehlungen für die Einbeziehung des
Phänomens der lokalen Kaltluft bei der Stadt- und Regionalplanung mit dem
Ziel, das Klima innerhalb bebauter Gebiete für den Menschen zu verbessern.
Notwendige Anpassungsstrategien
Der VDI empfiehlt folgende fünf Maßnahmen:
1. Erhalt und Schaffung von Frischluftschneisen und Ventilationsbahnen:
Diese tragen wesentlich zur Durchlüftung und Kühlung urbaner Bereiche bei.
2. Grünflächenvernetzung und Bäume: Durch die Integration von Grünflächen
und Alleen kann die Verdunstungsleistung erhöht und die Überhitzung
reduziert werden.
3. Lokale Begrünungsmaßnahmen: Fassaden- und Dachbegrünungen mindern die
Gebäudeaufheizung und verringern den Kühlungsbedarf in Hitzeperioden.
4. Entsiegelung von Flächen: Maßnahmen wie die Entsiegelung von
Parkplätzen und Nebenstraßen erhöhen die Versickerungsleistung bei
Starkregenereignissen.
5. Verschattungssysteme: Diese reduzieren die Einstrahlung und tragen zur
Abkühlung bei.
Zur Kaltluftentstehung
Kaltluft bildet sich insbesondere in Strahlungsnächten mit wolkenlosem
Himmel und schwachem Wind. Bodennah strömt diese kühlere Luft in bebauten
Gebieten ab, wobei die topografischen Gegebenheiten eine wesentliche Rolle
spielen. In ebenem Gelände strömt Kaltluft durch Druckunterschiede
zwischen Freiland und Stadt in die urbanen Bereiche und sorgt dort für
thermische Entlastung.
Richtlinie VDI 3787 Blatt 5 zahlt auf Klimaanpassungsgesetz ein
Die Richtlinie VDI 3787 Blatt 5 bietet eine umfassende Darstellung der
Entstehung und Dynamik von Kaltluft sowie methodische Ansätze zur
Untersuchung und Modellierung von Kaltluftphänomenen. Sie dient als
Leitfaden für die Planung und Umsetzung einer von mehreren effektiven
Klimaanpassungsmaßnahmen in Städten. Das neue Klimaanpassungsgesetz tritt
am 1.7. in Kraft und bezieht sich unter anderem auf die Stärkung der
Klimaanpassung vor Ort. Für eine wirkungsvolle Vorsorge sollen möglichst
flächendeckend, vornehmlich auf lokaler Ebene, Anpassungskonzepte und
Maßnahmenpläne auf der Grundlage von Risikoanalysen erstellt werden. Die
technischen Lösungen des VDI zahlen direkt darauf ein.
Fachliche Ansprechpartnerin:
Dipl.-Geogr. Catharina Fröhling
Koordinatorin VDI-Fokusthema Klimaanpassung
Telefon: +49 211 6214-134
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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