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Leises Industriesterben in Deutschland

Leere Schaufenster und verwaiste Ladenlokale nehmen zu – immer mehr
Unternehmen schließen und scheiden aus dem Markt aus. Doch nicht nur
Handel, konsumnahe Dienstleister und Gastronomie müssen aufgeben. Auch das
Baugewerbe und das verarbeitende Gewerbe verzeichnen deutlich steigende
Schließungszahlen. Eine aktuelle Auswertung des ZEW Mannheim in
Zusammenarbeit mit Creditreform zeigt, wie stark die industrielle Basis im
deutschen Mittelstand schwindet.

Allein im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 176.000 Unternehmen
geschlossen. Die meisten davon still und leise, nur 11 Prozent der
Schließungen sind die Folge einer Insolvenz. Im Vergleich zu den
Schließungen im Jahr 2022 bedeutet dies einen Anstieg um 2,3 Prozent – und
zwar über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg.

Forschungsintensive Branchen fallen zurück

Alarmierend ist, dass damit nicht nur die industrielle Basis schrumpft.
Differenziert man innerhalb des verarbeitenden Gewerbes noch einmal nach
dem Innovationsgrad, so zeigt sich, dass die Zahl der Schließungen in den
forschungsintensiven Wirtschaftszweigen mit plus 12,3 Prozent deutlich
stärker zunimmt als in den nicht forschungsintensiven. „In Branchen wie
der Möbelherstellung oder der Produktion von Spielwaren und Sportgeräten
verzeichnen wir sogar sinkende Schließungszahlen“, berichtet Dr. Sandra
Gottschalk, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich
„Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. „In anderen Bereichen, wie
etwa der Chemie- und Pharmaindustrie, dem Maschinenbau und bei
technologieintensiven Dienstleistungen scheiden jedoch mehr Unternehmen
aus dem Markt aus“, so Gottschalk. Dort ist der Effekt zudem besonders
stark, weil den Schließungen stagnierende Gründungen gegenüberstehen.
„Wenn der Bestand nicht nachwächst, steigt die Zahl der Schließungen
überproportional“, erläutert die Expertin.

Sorgenkind Industrie

Der inhabergeführte Herrenausstatter, der Italiener um die Ecke oder der
Traditionsfriseur sind die sichtbarsten Opfer der sich verschlechternden
Wirtschaftslage. Im Jahr 2023 haben rund 37.000 Handelsunternehmen
aufgegeben. Bei den konsumnahen Dienstleistungen waren es gut 51.000
Betriebe. Das sind deutlich mehr als 2018, im Vergleich zum Vorjahr ist
der Trend im Handel (minus 0,8 Prozent) und bei den konsumnahen
Dienstleistungen (minus 0,5 Prozent) leicht rückläufig.

„Verwaiste Ladenlokale und leere Schaufenster treffen die Menschen in
ihrer Umgebung wirtschaftlich und auch emotional. Die Schließungen in der
Industrie aber treffen den Kern unserer Volkswirtschaft“, sagt Patrik-
Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. So
stieg die Zahl der Schließungen im Baugewerbe von 2022 auf 2023 um 2,4
Prozent auf 20.000 Unternehmen – im verarbeitenden Gewerbe um 8,7 Prozent
auf 11.000 Schließungen. Das ist der höchste Stand seit 2004.

Über die Methodik

Für die Untersuchung wird auf das Mannheimer Unternehmenspanel
zugegriffen. Es basiert auf der Unternehmensdatenbank von Creditreform und
ist die umfangreiste Datenbasis zur Gesamtheit der Unter-nehmen in
Deutschland. Aufgrund des hohen Detaillierungsgrads lassen die Daten auch
Einblicke in einzelne Branchen zu.

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Lasertechnologie für ein leichteres Fliegen der Zukunft

CO2-Lasersystemtechnik des Fraunhofer IWS ermöglicht effizientes Verbinden
großvolumiger Flugzeugstrukturen auf Faserverbundbasis

Einen entscheidenden Fortschritt auf dem Weg in Richtung neuer
ökologischer Flugzeugbaukonzepte hat das Fraunhofer-Institut für
Werkstoff- und Strahltechnik IWS erzielt. Ein Forscherteam aus Dresden
erbrachte innerhalb des EU-Programms Clean Sky 2 im Projekt
»Multifunctional Fuselage Demonstrator« (MFFD) den Nachweis zum spanlosen
Fügen von kohlenstofffaserverstärkten Bauteilstrukturen aus Thermoplast.
Der entwickelte automatisierte Verfahrensansatz verband die obere und
untere Hälfte des weltweit größten CFRTP-Flugzeugrumpfsegments. Die
neuartige Bauweise sowie das eingesetzte CONTIjoin-Verfahren ermöglichen
neben dem Einsparen von Arbeitsaufwand, wie etwa beim Bohren und Nieten,
massive Gewichts-, Material- und Zeitreduktion. Das soll die Produktion
zukünftiger Verkehrsflugzeuge schneller, umweltfreundlicher und
wettbewerbsfähiger gestalten. Die Forschenden präsentieren ihre Ergebnisse
und die Systemtechnik auf der Internationalen Luft- und
Raumfahrtausstellung ILA 2024 in Berlin.

Produktionstechnologien für den thermoplastischen Rumpf von morgen
erforscht ein internationales Konsortium unter der Leitung von AIRBUS. Im
Rahmenprogramm »Large Passenger Aircraft« (LPA) gelang es innerhalb des
MFFD-Projekts dem Team um Dr. Maurice Langer, Gruppenleiter Kleben und
Faserverbundtechnik am Fraunhofer IWS, erstmals weltweit unter Einsatz
einer CO2-Laserstrahlquelle das Schweißen langer Verbindungsnähte an
großvolumigen thermoplastischen Flugzeugfaserverbundstrukturen außerhalb
eines Autoklaven zu demonstrieren. Auf der linken Seite des MFFD erzeugte
der am Fraunhofer IWS entwickelte Verfahrensansatz die finale
Längsnahtverbindung zwischen der oberen und unteren Rumpfhälfte eines acht
mal vier Meter messenden Abschnitts des Flugzeugrumpfsegments aus »Carbon
Fiber Reinforced Thermo-Plastics« (CFRTP) – in Originalgröße. Das so
genannte CONTIjoin-Verfahren, eine Kombination aus CO2-Lasertechnologie
und hochdynamischer Strahlablenkung, regelte in Echtzeit die
Laserleistung, um die Temperatur in der Fügezone konstant zu halten und
ermöglichte zugleich die automatisierte Anpassung der Strahlfigur im
Schweißspalt.


Gewicht erheblich eingespart

Das neuartige Verfahren macht den Einsatz mechanischer Verbindungselemente
überflüssig und verzichtet zudem auf Materialdopplungen wie bei
klassischen genieteten Überlappverbindungen. Die Rumpftonne aus
geschweißtem, thermoplastischem Verbundwerkstoff wiegt somit deutlich
weniger als heute übliche Sektionen. Dies markiert einen wichtigen Schritt
im Flugzeugbau unter Einsatz neuartiger Hochleistungsmaterialien, da es
das Fügen von hochfesten und schweißbaren Faserverbund-Großbauteilen
ermöglicht. Die Herausforderung bestand darin, Materialien wie PAEK zu
verarbeiten, das eine für Kunststoffe vergleichsweise sehr hohe Wärmeform-
und Temperaturbeständigkeit aufweist. »Herkömmliche Fertigungsverfahren
für diese Materialien sind oft energieintensiv und aufwendig«, erläutert
Dr. Langer. »Wir haben deshalb gemeinsam mit dem Projektpartner AIRBUS
einen Verfahrensansatz entwickelt, in dem wir mittels einer gestuften
Schäftungstechnologie Bauteile außerhalb des Autoklaven miteinander fügen
können und zugleich hervorragende Festigkeitseigenschaften dieses
Verbundes erreichen.« Herkömmliche Verfahren seien in dieser Hinsicht
limitiert, insbesondere wenn es um hohe Produktionsraten und großvolumige
Bauteilstrukturen der Luftfahrt gehe. Dr. Langer betont: »Neue
Materialklassen erfordern innovative Fertigungsmethoden. Erklärtes Ziel
war es, am Multifunctional Fuselage Demonstrator das Rumpfgewicht um bis
zu eine Tonne zu reduzieren.« Über die Betriebsdauer des Flugzeugs hinweg
betrachtet ließen sich aufgrund des geringeren Gewichts und einer
verbesserten Integration der Systemarchitektur der Gesamtenergiebedarf,
der Treibstoffverbrauch sowie der Ausstoß von Luftschadstoffen wie
Kohlenstoffdioxid und Stickstoffoxiden signifikant senken. »Mit dem am
Fraunhofer IWS entwickelten CONTIjoin-Verfahren ist uns somit ein
wichtiger ökonomischer und ökologischer Schritt für die zukünftige
Flugzeug­entwicklung sowie angrenzende Anwendungen gelungen«,
unterstreicht Dr. Maurice Langer.


Flugzeughalbschalen per Laser geschweißt

Der Schlüssel zum Erfolg lag für das Team darin, die Ober- und Unterschale
des Flugzeugkorpus durch kontinuierliche Ablage mehrerer übereinander
angeordneter Laminatstreifen, so genannter »Straps«, schrittweise
miteinander zu verbinden. Die mit jedem Arbeitsschritt zunehmend von 60
bis 360 Millimeter breiter werdenden Streifen wurden hierzu automatisiert
in eine auf den Oberflächen der Halbschalen eingebrachte Stufengeometrie
(Schäftung) abgelegt. Die so erzeugten Überlappverbindungen stellen den
zunächst unterbrochenen Kraftfluss des Faserverbundmaterials zwischen den
Halbschalen wieder her und bilden einen verlässlich lastenübertragenden
Verbund. »Eine weitere Besonderheit für diesen Prozess stellt die
Wellenlänge des eingesetzten CO2-Lasersystems dar«, fügt Dr. Langer hinzu.
Das CONTIjoin-Verfahren biete den einzigartigen Vorteil, dass die
Wellenlänge von 10,6 Mikrometern in dem relevanten Kunststoffanteil des
Faser­verbund­materials eine deutlich höhere Einkopplung (Absorption) der
Laserstrahlung aufweist, als die herkömmlich eingesetzten Faserlaser mit
1,06 Mikrometern. »Dadurch lässt sich der erforderliche Energieeintrag im
Bereich der zu fügenden Grenzflächen zwischen den einzelnen Bauteilen auf
ein Minimum reduzieren, wodurch die heute typischerweise nachfolgenden
Prozessschritte vollständig entfallen.«

Technologien des Fraunhofer IWS machen den Unterschied

Ein weiterer essentieller Technologiebaustein stellt das ebenfalls am
Dresdner Institut entwickelte »ESL2-100-Modul« dar. »Damit können wir
verschiedenste Sensorsignale verarbeiten und daraus abgeleitet
entsprechende Steuerungsalgorithmen implementieren«, erläutert Peter
Rauscher, Gruppenleiter High-Speed Laserbearbeitung am Fraunhofer IWS.
»Das bietet sowohl die Möglichkeit der Überwachung als auch der adaptiven
Steuerung des Schweißprozesses in Echtzeit. Mit herkömmlicher
Ansteuerelektronik wäre dies nicht möglich. Damit gelingt es uns zum
Beispiel neben der Regelung der Schweißtemperatur entlang des
Schweißspalts auch die Position, Breite und Krümmung der
Flugzeughalbschalen zu berücksichtigen.« Das Setup bestand zudem aus zwei
zusammenwirkenden Bewegungseinheiten, den so genannten Endeffektoren. Die
Aufgaben des Straphandling-Endeffektors bestand darin, das aufzubringende
Laminat während der kontinuierlichen Ablage präzise zu führen und es
konturgetreu breitenabhängig an die Flugzeughalbschalen anzudrücken. Der
zweite Endeffektor ermöglichte die Laserstrahlführung sowie pyrometrische
Erfassung der Temperatur in der Fügezone. Jeder Endeffektor bewegte sich
dafür synchron zum anderen auf einem eigenen linearen Achsensystem, um die
Übertragung möglicher Vibrationen oder Verformungen durch das Andrücken
der Laminatstreifen von der optischen Strahlführung des Lasersystems zu
entkoppeln. Während die konzeptionelle Ausarbeitung und Umsetzung des
gesamten Anlagen- sowie Steuerungssystems inklusive Mensch-Maschine-
Schnittstelle auf einer vollständigen Eigenentwicklung beruhten, kamen bei
den sonstigen eingesetzten Systemkomponenten wie beispielsweise
Laserstrahlquelle, Pyrometer oder X-Y-Scannern, kommerziell erhältliche
Industriekomponenten zum Einsatz.


Nächste Schritte: Technologiereife erhöhen und weitere Anwendungsgebiete
erschließen

Auf diese Weise gelang es, sowohl die Technologieentwicklung als auch die
Skalierung und Anwendung des Verfahrens anhand von Großstrukturen aus
thermoplastischem Faserverbundmaterial wie dem MFFD zu demonstrieren. Der
nächste Schritt besteht nun darin, das Technologie-Reife-Level (TRL) zu
erhöhen und somit einen weiteren Schritt in Richtung Qualifizierung der
Luftfahrttauglichkeit zu gehen. Dr. Langer erklärt: »Die entwickelte
CONTIjoin-Technologie ist nicht nur für den Flugzeugbau interessant,
sondern auch für andere Branchen. Die entwickelte Verfahrenslösung könnte
so neben der Luftfahrt auch für Anwendungen im Schiffs-, LKW- und
Aufliegerbau sowie im Schienenverkehr oder bei der Weiterentwicklung
moderner Windenergieanlagen interessant sein.« Eine Herausforderung
bestehe darin, die Akzeptanz und den Einsatz sowohl der thermoplastischen
Composite-Materialien als auch entsprechender Verfahren in den
unterschiedlichen Branchen zu etablieren.

Am »MFFD« beteiligte Projektpartner:
- Acroflight Ltd, Witham, UK
- Aernnova Aerospace S.A., Vitoria, Spanien
- Aeromechs srl, Aversa, Italien
- AIMEN – Asociación de Investigación Metalúrgica del Noroeste, O Porriño,
Spanien
- Airbus
- Aitiip Centro Tecnológico, Zaragoza, Spanien
- ALPEX Technologies GmbH, Mils, Österreich
- BCC – Brunel Composites Centre, University London, UK
- CETMA – Centro di Ricerche Europeo di Technologie, Design e Materiali,
Brindisi, Italien
- CT Engineering Group – Ct Ingenieros Aeronauticos de Automocion e
Industriales Slu, Madrid, Spanien
- CTI Systems, Lentzweiler, Luxembourg
- Diehl Aviation Laupheim GmbH, Laupheim, Deutschland
- Diehl Comfort Modules GmbH, Hamburg, Deutschland
- DLR – Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt, ZLP Augsburg,
Deutschland
- DLR – Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt, ZLP Stade, Deutschland
- Element Materials Technology, Sevilla, Spani
- FADA – Andalusian Foundation for Aerospace Development / CATEC – Center
for Advanced Aerospace Technologies, Sevilla, Spanien
- FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG, Fulda, Deutschland
- Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie
ICT, Pfinztal, Deutschland
- Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und
angewandte Materialforschung IFAM, Stade, Deutschland
- Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite-
und Verarbeitungstechnik IGCV, Augsburg, Deutschland
- Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und
Strahltechnik IWS, Dresden, Deutschland
- GKN Aerospace, Fokker Aerostructures BV, Papendrecht, Niederlande
- GKN Aerospace, Fokker ELMO BV, Hoogerheide, Niederlande
- HSLU – Hochschule Luzern, Luzern, Schweiz
- KVE Composites Group, The Hague, Niederlande
- LSBU – London South Bank University, London, UK
- NLR – Royal Netherlands Aerospace Centre, Marknesse, Niederlande
- Ostseestaal GmbH & Co KG, Stralsund, Deutschland
- Premium AEROTEC, Augsburg, Deutschland
- Rescoll, Pessac Cedex, Frankreich
- SAAB AB, Stockholm, Schweden
- SAM XL, Delft, Niederlande
- Techni-Modul Engineering, Coudes, Frankreich
- Technische Universität München, Lehrstuhl für Carbon Composites,
München, Deutschland
- Technische Universiteit Delft, Delft, Niederlande
- TWI – The Welding Institute, Cambridge, UK
- UPAT – University of Patras, Patras, Griechenland
- XELIS GmbH, Herford, Deutschland

Infobox:

Clean-Sky-2- und Clean-Aviation-Projekt »MFFD«

Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts »Large Passenger Aircraft«
(»LPA«) hat die Fraunhofer-Gesellschaft in Stade mit internationalen
Projektpartnern jeweils eine maßstabsgetreue Ober- und Unterschale des
»Multi Functional Fuselage Demonstrator« (MFFD) durch automatisierte
Positionier- und Fügeprozesse miteinander verbunden. Das Verschweißen der
linksseiteigen Längsnäht der beiden acht Meter langen CFK-Halbschalen, die
einen Durchmesser von etwa vier Metern aufweisen, schloss die Herstellung
des größten thermoplastischen CFK-Flugzeugrumpfsegments der Welt
erfolgreich ab. Erstmals wurde in einem Forschungsprojekt ein Rumpfsegment
in Originalgröße aus thermoplastischen CFK-Werkstoffen hergestellt, um
Machbarkeit sowie ökologische und ökonomische Vor- und Nachteile
darstellen bewerten zu können.

Als Fügeverfahren zum Schließen des Thermoplast-Flugzeugrumpfs wurde
zusammen mit dem Projekt-Koordinator Airbus das CO2-Laserschweißen für die
linke sowie das Ultraschallschweißen für die rechte Längsnaht ausgewählt.
Im

Gegensatz zu aktuellen Nietverfahren bieten beide Verfahren den Vorteil
des staubfreien Fügens. Allerdings wurden sie bisher weder in der
Produktion noch in der Forschung bei derart großen CFK-Bauteilen und mit
den benötigten speziellen Qualitätsanforderungen angewendet. Der Bedarf
für ein staubfreies Fügen ergibt sich aus der erstmals durchgeführten
Vorintegration beider Schalen mit einer Vielzahl von ebenfalls
schweißtechnisch montierten Struktur- und Systemkomponenten, die ein
nachträgliches Entfernen von Staub und Spänen nicht zulässt.

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Plastikpartikel und Klimawandel als Treiber von Antimikrobiellen Resistenzen

EU-gefördertes Forschungsvorhaben befasst sich mit Plastikverschmutzung
und der Ausbreitung von Antimikrobiellen Resistenzen in aquatischen
Systemen

Mit Plastikpartikeln und dem Klimawandel als treibende Faktoren für die
Ausbreitung von Antimikrobiellen Resistenzen (AMR) in der Umwelt
beschäftigt sich ein Forschungsprojekt, das an der Universität Heidelberg
und am Universitätsklinikum Heidelberg angesiedelt ist. Die beteiligten
Forscherinnen und Forscher werden sozialökologische Wechselwirkungen in
aquatischen Lebensräumen untersuchen, die von Plastikverschmutzung,
Verunreinigungen mit Antibiotika und klimatischen Einflüssen betroffen
sind, sowie aus einer Planetary-Health-Perspektive die Auswirkungen auf
Umwelt und Gesundheit analysieren. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr.
Joacim Rocklöv, Humboldt-Professor am Interdisziplinären Zentrum für
Wissenschaftliches Rechnen und am Heidelberger Institut für Global Health.
Daran beteiligt sind elf Projektpartner auf der ganzen Welt, darunter das
Research Institute for Tropical Medicine im philippinischen
Gesundheitsministerium. Die Europäische Union fördert das internationale
Verbundvorhaben für einen Zeitraum von viereinhalb Jahren mit mehr als
sechs Millionen Euro.

„Es sind wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, um zu zeigen, wie die
Verschmutzung von Gewässern durch Plastik in Verbindung mit
Verunreinigungen durch Antibiotika zur Verbreitung von Antimikrobiellen
Resistenzen in der Umwelt beiträgt und die Gesundheit von Menschen, Tieren
und Ökosystemen bedroht – insbesondere in Zeiten des Klimawandels“,
erklärt Prof. Rocklöv, der das Climate-Sensitive Infectious Diseases Lab
(CSIDlab) leitet. Antibiotikaresistente Bakterien kommen im Meer, in
Flüssen, Teichen oder Seen vor; vor allem bei Menschen, die mit offenen
Wunden in solchen Gewässern baden gehen, besteht die Gefahr einer
Infektion. Gleichzeitig sind Wasserumgebungen zunehmend durch Mikro- und
Makroplastikpartikel verunreinigt. „Sie bieten Flächen für die Bakterien,
die hier siedeln, wachsen und ganze Kolonien bilden können – ein auch als
,Plastisphäre‘ bezeichnetes, einzigartiges Mikro-Ökosystem. Wenn die
Bakterien Gene austauschen, können darunter auch solche sein, die für
Antibiotikaresistenz verantwortlich sind“, sagt Dr. Marina Treskova. Sie
ist Nachwuchsgruppenleiterin am Interdisziplinären Zentrum für
Wissenschaftliches Rechnen und leitet die Forschungsarbeiten gemeinsam mit
Prof. Rocklöv. Plastikpartikel dienen wiederum als Träger, die Bakterien
über hydrologische Prozesse von einer Stelle zu einer anderen bewegen.

Nach den Worten von Dr. Treskova kann der Klimawandel die Ausbreitung von
Antimikrobiellen Resistenzen in aquatischen Lebensräumen weiter befördern,
etwa durch starken oder ausbleibenden Regen. „Um diese negative
Entwicklung zu stoppen und die Gesundheit auf unserem Planeten zu
schützen, müssen wir diese Vorgänge und ihre Wechselwirkungen verstehen,
um Lösungen für das Monitoring und die Prävention zu finden“, sagt die
Wissenschaftlerin. Ein wichtiges Objekt der Untersuchungen sind für die
Forscherinnen und Forscher Abwasseraufbereitungsanlagen, da sie Abwässer
aus Städten und Krankenhäusern sammeln und somit zum Reservoir für
Antibiotika, Bakterien und Plastikmüll werden.

Ein Hauptaugenmerk der Forschungsarbeiten im Rahmen des Projekts
„Community-based engagement and intervenTions to stem the spread of
antimicrobial resistance in the aqUatic environments catalysed by cLImate
change and Plastic pollution interactions” (TULIP) liegt auf sozialen und
politischen Faktoren. Ziel ist es, ganzheitliche Gegenmaßnahmen zu
entwickeln – auch solche, die von der Natur selbst inspiriert sind. Der
Forschungsansatz soll auf den Philippinen sowie in Italien erprobt werden.
„Mit TULIP wollen wir nicht nur wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu
den Wechselwirkungen von Plastikverschmutzung, AMR und Klimawandel
gewinnen, sondern diese auch in Empfehlungen für die Politik,
gemeinschaftliche Aktionen auf lokaler Ebene und gesellschaftliches Wissen
umsetzen. Dazu werden wir Daten vor Ort sammeln, aber auch Computermodelle
anwenden, um Indikatoren und Entscheidungshilfen zu entwickeln“, sagt
Joacim Rocklöv. Der Epidemiologe, Mathematiker und Statistiker forscht zu
klimasensitiven Infektionskrankheiten und ihren Auswirkungen unter sich
ändernden klimatischen Bedingungen auf die öffentliche Gesundheit – ein
interdisziplinärer Ansatz mit herausragender Bedeutung für Medizin,
Gesundheitsvorsorge, Klimawandelforschung und Politikberatung.

Das TULIP-Projektteam hat die Arbeiten zu Beginn des Jahres aufgenommen.
Die Heidelberger Wissenschaftler kooperieren mit Projektpartnern auf den
Philippinen, die wesentlich zur Umsetzung und Koordinierung der
Forschungsarbeiten und der Outreach-Aktivitäten beitragen. Hinzu kommen
Expertinnen und Experten aus Universitäten und Forschungseinrichtungen,
außeruniversitäre Partner, kleine und mittlere Unternehmen sowie
Nichtregierungsorganisationen in Deutschland, Italien, den Niederlanden,
Schweden, Spanien und Monaco. Die Europäische Union fördert das Projekt
TULIP im Rahmen von Horizon Europe; es ist Teil des Planetary Health-
Schwerpunkts der EU.

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unatic Festival 2024

Am 31. Mai und 1. Juni 2024 verwandelt sich der Campus der Leuphana
Universität Lüneburg zum 20. Mal in eine bunte Festivallandschaft, auf der
neben guter Musik auch ein vielfältiges Kunst- und Kulturprogramm geboten
wird. Wie schon in den Jahren zuvor, werden die beiden Festivaltage
verschiedene Musikgenres bedienen: Das Spektrum reicht von Rap über
Amapiano, Punk und Indie bis Techno. Das Festival wird von Studierenden
der Leuphana organisiert. Sie legen großen Wert darauf, dass es bei der
Veranstaltung möglichst nachhaltig, inklusiv, barrierearm und
familienfreundlich zugeht.

In diesem Jahr stehen die folgenden Musiker*innen auf der lunatic-Bühne:
ok.danke.tschüss, Pöbel MC, Aaron, P.Vanillaboy, Hanna Noir, SERPENTIN,
TREPTOW, Goldy.mp3, DNPRI, ALICE DEE, REMOTE BONDAGE, STIELOW, Moodrich,
TINY WOLVES, MADANII, Liser, Rawdia, , Zandøly, JungleLady, Caipora,
Annca, NOA, Sounddrops, struggling femme, Happy Haken, Jini Piju, Litchi
with Vanilla, KOMMODDITY, maniaclina

Das Kunstprogramm wird von einer programmatischen Vielfalt geprägt:
Videoinstallationen werden ebenso zu sehen sein wie Malerei, Fotografie,
Illustrationen und Graffiti. Bei der Auswahl hat das Kunstteam Wert darauf
gelegt, besonders queere und People of Color-Perspektiven mit aufzunehmen.
Vielfältige und reizvolle Erfahrungen sollen auch für Besuchende geboten
werden, die eine haben.

Ein Highlight ist eine Videoinstallation von Josephin Böttger. Die
Hamburger Videokünstlerin – sie hat bereits mehrere großflächige
Fassadenilluminationen realisiert – wird während des lunatic Festivals mit
audiovisuellen Elementen arbeiten und die Fassade des Libeskind-Gebäudes
als Projektionsfläche nutzen. Die Videoinstallation ist frei zugänglich
und findet am Freitag, 31.05., von 21.45 - 23 Uhr statt.

Im Kulturbereich des Festivals geht es um gesellschaftliche Themen. Die
Bandbreite der Angebote reicht von interaktiven Workshops über
inspirierende Vorträge und Lesungen bis hin zu mitreißenden Tanz-
Performances. Teil des Kulturprogramms in diesem Jahr ist die Autorin,
Aktivistin und Theatermacherin Mirrianne Mahn. Sie setzt sich gegen
Diskriminierung und Rassismus ein und liest auf dem Festival aus ihren
Roman „Issa“.

Einlass am Freitag ist um 12 Uhr und am Samstag um 11 Uhr.
Tickets für das lunatic Festival gibt es im lunatic-Onlineshop und an
beiden Festivaltagen, soweit nicht ausverkauft, an der Abendkasse auf dem
Campus zu kaufen.

http://lunatic-festival.de/

HINWEIS FÜR DIE REDAKTIONEN:
Am 31. Mai findet in der Zeit von 12 bis ca. 12.45 Uhr ein Presserundgang
statt, zu dem Sie herzlich eingeladen sind. Treffpunkt ist am
Akkreditierungs- und Gästelisten-Zelt (Eingang zum Festival-Gelände) an
der Universitätsallee 1 in 21335 Lüneburg. Sie erleichtern dem
Organisationsteam die Planung, wenn Sie Ihren Besuch unter der Mailadresse
jorina-jasmin.happke@lunatic-festival.de anmelden.

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