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Nutri-Score beeinflusst Kaufverhalten / ISM-Studien zeigen: Konsumenten wählen gesünder - aber Gefahr von Greenwashing

Prof. Dr. Jens Kai Perret lehrt am Campus Köln der ISM Statistik und Volkswirtschaft. Er ist Senatsmitglied und im Team Nachhaltigkeit der privaten Wirtschaftshochschule.
Prof. Dr. Jens Kai Perret lehrt am Campus Köln der ISM Statistik und Volkswirtschaft. Er ist Senatsmitglied und im Team Nachhaltigkeit der privaten Wirtschaftshochschule.

Wenn Lebensmittel mit dem sogenannten Nutri-Score gekennzeichnet sind,
entscheiden sich Käufer anders – so das Ergebnis einer Studie der ISM
unter Leitung von Prof. Dr. Jens Kai Perret. Auch wenn Experten aus der
Lebensmittelindustrie den Nutri-Score in seiner Funktion kritisch
beurteilen, denken die Befragten vor der Kaufentscheidung bei Produkten
mit Siegel eher darüber nach, ob ein Produkt gesund ist als ohne
Kennzeichnung. Nahezu ein Viertel entscheidet sich aufgrund des Nutri-
Scores für das vermeintlich gesündere Lebensmittel. Alter und Geschlecht
spielen keine Rolle.

Die guten Vorsätze vom Jahreswechsel sind zumindest noch im Hinterkopf
etlicher Verbraucher. Darunter ist der allseits beliebte Vorsatz, jedes
Jahr wieder eine gesündere Ernährung bzw. Lebensweise anzustreben. Und wer
sich darum keine Sorgen macht, möchte spätestens beim Thema Figur wieder
Fitness bis zum Sommer an den Tag legen.
Dabei spielt die Ernährung eine große Rolle.

Auch die Politik beschäftigt sich bereits seit Jahren damit, die
Bevölkerung bei einer gesünderen Lebensweise zu unterstützen. So soll bis
2025 der Anteil von Zucker, Fett und Salz in vielen Fertigprodukten
reduziert werden. Zu diesem Zweck wurde in Deutschland im Jahr 2020 der
Nutri-Score eingeführt, ein sogenanntes Front-of-Package Label, das
mittels einer fünfstufigen Farb- und Buchstabenskala einen Überblick über
die Nährwertbewertung eines Produkts geben soll. Aber welchen Einfluss hat
eine solche Kennzeichnung auf das Kaufverhalten der Konsumenten?

Nutri-Score hilft bei der Ernährungswahl

Die Studie unter Leitung von Prof. Jens Kai Perret zeigt klar: Das Siegel
beeinflusst die Kaufentscheidung in Richtung gesünderer Produkte. Bei der
Befragung wurde 296 Probanden ein Fragebogen mit insgesamt 24 Fragen
vorgelegt. Vorab wurden sie gefragt, ob sie den Nutri-Score kennen. Drei
von vier der Befragten (73 Prozent) gaben an, das Label bereits zu kennen
und über seine Bedeutung Bescheid zu wissen. Ergebnis der Befragung: Die
Teilnehmer legen offensichtlich Wert auf eine gesunde Ernährung. Sie
wählen das bessere bzw. gesündere Produkt, wenn sie die Bewertung über den
Score vorliegen haben (23,6 Prozent). Weder Geschlecht noch Alter haben in
diesem Fall einen signifikanten Einfluss auf die Kaufabsicht.
„Die Ergebnisse legen nahe, dass der Nutri-Score es schafft, die deutsche
Bevölkerung in ihren Ernährungsgewohnheiten deutlich zu beeinflussen, und
externe Studien belegen, dass er dies auch wesentlich besser vermag als
vergleichbare Front-of-Package-Label – die vereinfachte
Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite verpackter Lebensmittel“,
resümiert Perret.

Kennzeichnet der Nutri-Score wirklich gesunde Lebensmittel?

In einer weiteren Interviewstudie mit 23 Experten aus der
Lebensmittelindustrie und Konsumenten aus unterschiedlichen Generationen
wird die tatsächliche Relevanz des Nutri-Score als Kennzeichnung gesunder
Lebensmittel hinterfragt. Gerade Industrieexperten sprechen dem Nutri-
Score zwar eine Signalwirkung zu, betonen allerdings ganz deutlich die
Breite der Optionen, die sich Unternehmen bieten, um darauf Einfluss zu
nehmen und ein gutes Rating zu erzielen. So könnte daraus eine Art
Nutritional Greenwashing werden.
Nicht jedes mit einem guten Nutri-Score ausgezeichnete Produkt ist also
auch automatisch gesund. Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt.
Umgekehrt ist nicht jedes Produkt mit einem mittleren Nutri-Score
automatisch schlecht.

Nutri-Score – eine Option für die Ernährungspolitik in Zentralamerika?

In Westeuropa ist die Kennzeichnung von Lebensmitteln durch den Nutri-
Score, ausgehend von Frankreich, bereits etabliert. Aber wie sieht es auf
dem amerikanischen Kontinent aus, zumal hier wesentlich mehr Menschen
unter Fettleibigkeit leiden als in Europa? In Belize zum Beispiel ist bald
jeder Dritte fettleibig, laut Angaben der Regierung aus dem Jahr 2023.

Das nahmen die Forscher der ISM als Basis für eine weitere qualitative
Studie über die Akzeptanz des Nutri-Scores in Belize – aufbauend auf der
Studie mit deutschen Teilnehmern. Gerade die Größe dieses kleinen Staates
erlaubt es, bereits mit kleinen Stichproben einen breiteren Teil der
Bevölkerung abzubilden. Es wurden elf Interviews mit Teilnehmern aus
verschiedenen Berufsgruppen geführt, die zeigten, dass ein allgemeines
Interesse an gesunder Ernährung vorhanden ist. So gaben zehn von elf
Befragten an, dass gesunde Ernährung eine wichtige Rolle in ihrem Leben
spiele, ungesunde Lebensmittel aber oft einfacher zugänglich seien. Ein
gesunder Lebensstil mit Sport und gesunder Ernährung ist den meisten nach
eigenen Angaben zwar wichtig, bei der Auswahl von Lebensmitteln
entscheiden die Befragten dann aber nach Verfallsdatum und Preis.

Die schnell erfassbare Farbgestaltung auf dem Label Nutri-Score könnte
helfen, gesundheitliche Aspekte der Lebensmittel besser zu erkennen und
diese zu kaufen. Finanzielle Nöte stehen der Wahl des gesünderen
Lebensmittels allerdings – mit oder ohne Label – entgegen. Aktuell wird
diese Studie auf größere Länder in Lateinamerika, wie Mexiko und
Kolumbien, ausgeweitet.
Zudem haben die Befragten nur ein mittleres Maß an Vertrauen in das Label,
da das Etikett die Lebensmittel gesünder aussehen lassen könnte, als sie
tatsächlich sind. Daher wäre es wichtig, dass die Verbraucher den
Nährstoffgehalt der Verpackung selbst überprüfen, anstatt einem Etikett
blind zu vertrauen.

Kennzeichnung der Lebensmittel überflüssig?

Studienleiter Prof. Dr. Jens Kai Perret widerspricht und betont: „Die
Studie in Belize verdeutlicht ein Problem, das auch in Deutschland und
Westeuropa vorherrscht: Ein großer Teil der Bevölkerung ist der Meinung,
dass er über genügend Wissen über gesunde Ernährung verfügt und daher kein
Siegel benötigt, um seine Essgewohnheiten zu steuern. Entwicklungen in den
Ernährungsgewohnheiten widersprechen dieser Wahrnehmung allerdings
deutlich.“

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HM24: Brennstoffzellensysteme unter Vibrationslasten testen und verstehen

Fraunhofer-Forschende bewerten in »multiPEM« die Systemzuverlässigkeit von Brennstoffzellen-Stapeln unter multiphysikalisch-chemischer Beanspruchung in Nutzfahrzeugen.  Grafik: Fraunhofer LBF
Fraunhofer-Forschende bewerten in »multiPEM« die Systemzuverlässigkeit von Brennstoffzellen-Stapeln unter multiphysikalisch-chemischer Beanspruchung in Nutzfahrzeugen. Grafik: Fraunhofer LBF

Die Steigerung der Akzeptanz von Wasserstoff durch seinen sicheren und
zuverlässigen Einsatz ist eine zentrale Herausforderung für die
emissionsfreie Mobilität und die Versorgungsinfrastruktur. Forschende am
Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässikgeit LBF
entwickeln neue Analyse-, Bewertungs- und Testverfahren, die zur
Beherrschung des komplexen Beanspruchungszustands von Wasserstoffsystemen,
wie Brennstoffzellen, Elektrolyseuren und Tanks aber auch einzelner
Komponenten beitragen, also deren Sicherheit und Zuverlässigkeit
verbessern. Mehr über aktuelle Projekte auf der HANNOVER MESSE | Hydrogen
+ Fuel Cells EUROPE, 22. bis 26. April 2024, Halle 13, Stand C47.

Reale Belastungen von Energiespeichern und Wasserstoff-
Brennstoffzellensystemen sind vielfältig und treten überlagert auf. Für
eine schnelle und nachhaltige Markteinführung ist daher eine realitätsnahe
Erprobung während der Entwicklung mit überlagerten mechanischen,
thermischen und elektrischen Beanspruchungen entscheidend.

Für die Energiebereitstellung in mobilen Systemen werden Niedertemperatur-
Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzellen (NT-PEM-BZ) zu einem Stapel
kombiniert. Der Einsatz dieser Brennstoffzellen-Stapel in Nutzfahrzeugen
unterliegt einer Vielzahl von hochkomplexen und überlagerten
multiphysikalischen (mechanisch, thermisch und elektrisch) und chemischen
Belastungen. Die Auswirkungen dieser Beanspruchungen auf die Sicherheit
und Zuverlässigkeit der BZ-Stapel sind bisher wenig erforscht. Da sich BZ-
Antriebe für Nutzfahrzeuge noch in der Prototypenphase befinden, jedoch
eine mehr als dreimal längere Betriebsdauer im Vergleich zu PKWs
erfordern, ist eine zuverlässige und effiziente Gestaltung dieser
Systemlösungen für eine schnelle und nachhaltige Einführung in breiterem
Maßstab von entscheidender Bedeutung.

Erhebliche Beschleunigung in der Produktentwicklung

Das Fraunhofer LBF stellt dazu den komplexen Beanspruchungszustand aus der
Nutzung flexibel und zeiteffizient im Labor nach. Die Forschenden arbeiten
mit flexiblen Testumgebungen und können auf vielfältige Kundenbedarfe
reagieren. Die realisierbaren Testszenarien gehen weit über den Stand der
Technik hinaus. Mit diesen hocheffizienten und flexiblen Analysemethoden
erreichen die Experten erhebliche Beschleunigung in der Produktentwicklung
bei der optimalen Gestaltung von Energiespeichern und
Brennstoffzellensystemen bereits in der frühen Entwicklungsphase. Die
Ergebnisse resultieren dabei spürbare Wettbewerbsvorteile in dem stark
konkurrierenden Zukunftsmarkt der Elektromobilität.

Wertschöpfung im Technologiefeld von Wasserstoff und Brennstoffzellen
Die neuen Fraunhofer-Technologien sind wesentliche Voraussetzungen bei der
Etablierung von Wasserstoff als zukünftigen regenerativen Energieträger.
Alle Teile der Brennstoffzellen-Wertschöpfungskette im Kontext
Nutzfahrzeug können von den Ergebnissen profitieren: Hersteller und
Entwickler von Brennstoffzellen, Brennstoffzellmodulen und
Brennstoffzellsystemen, ebenso Entwickler und Systemausrüster für
Teststände. Dr. Matthias Enders, steht am Mittwoch, 24. April, ganztägig
für Presseinterviews zur Verfügung.

Highlight: Podiumsdiskussion »Wasserstoff & Brennstoffzellen«, Technical
Forum, Halle 13, Stand A30, Dienstag, 23.04.2024, von 11 bis 12 Uhr.
Fraunhofer-Insitute stellen ihren Beitrag zum Thema »Wasserstoff« vor.
Prof. Saskia Biehl aus dem Fraunhofer LBF spricht über »Hydrogen in
series: Electrolysis | Reformer | Reliability | Fuel cell.«

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Auftakt zum Projekt ZEP-Fittings

Bei der Auftaktveranstaltung Ende März trafen sich die Beteiligten im Projekt ZEP-Fittings mit Professor Marré (vorne links) und Professor Ujma (dritte Reihe rechts)  Abesalom Dabakhishvili  FH Südwestfalen
Bei der Auftaktveranstaltung Ende März trafen sich die Beteiligten im Projekt ZEP-Fittings mit Professor Marré (vorne links) und Professor Ujma (dritte Reihe rechts) Abesalom Dabakhishvili FH Südwestfalen

Mitte März fand am Standort Iserlohn der Fachhochschule
Südwestfalen die Auftaktveranstaltung für das Projekt ZEP-Fittings statt.
ZEP steht für Zinc Extrusion Products. Im Projekt geht es darum, mit
innovativen Werkstoffen wie Zinkknetlegierungen insbesondere in der
Sanitärbranche Lösungen für Ressourcenschonung und Energieeffizienz zu
entwickeln.

Fittings sind beispielsweise T- oder Y-förmige Verbindungen von
Rohrleitungen, die in Häusern für Trinkwasser verbaut werden.
Üblicherweise werden diese aus Messing- oder Kupferlegierungen
hergestellt, die in der Regel auch Blei enthalten. Ziel des Projektes ist
es zum einen, diese bleihaltigen Legierungen zu ersetzen. Zudem ist die
Herstellung von Blei- oder Kupferfittings energetisch aufwendiger. Das
unter Leitung von Prof. Dr. Michael Marré und Prof. Dr. Andreas Ujma neu
zu entwickelnde Verfahren auf der Basis von Zinkknetlegierungen soll hier
helfen, Energie und letztlich auch CO2-Emissionen einzusparen.

„Im Projekt sollen hierzu zunächst Fittings in Zinkknetlegierung
umformtechnisch in jeglicher vorstellbaren Geometrie hergestellt werden“,
erklärt Professor Marré die verfahrenstechnische Idee. Hierzu wird ein
gegossener Zinkbolzen geknetet, sprich durch Strangpressen umgeformt.
Produkt dieses Prozesses ist ein Stab mit einem Durchmesser von zehn bis
40 Millimetern als Eingangsmaterial für den Schmiedeprozess, in dem dann
der Fitting entsteht. „Im zweiten Schritt wird der Fitting dann innen mit
Kunststoff beschichtet, indem er mit schmelzflüssigem Kunststoff
ausgefüllt und unmittelbar danach mit Gas ausgeblasen wird“, so Professor
Ujma.

So soll auf der Innenseite ein hauchdünner Kunststofffilm entstehen, damit
Trinkwasser im Fitting nicht mit der Zinkknetlegierung in Berührung kommt.
„Zinkknetlegierungen sind aufgrund ihres Aluminium-Anteils nicht für
Trinkwasseranwendungen zugelassen“, ergänzt Werkstoffexperte Marré.
Aufgabe der Kunststoffschicht sei deshalb die einer Sperrschicht, damit
das Metall nicht mit Trinkwasser in Verbindung kommt. Gelingt es auf diese
Weise, Fittings aus ZEP mit Kunststoffbeschichtungen für wasserberührende
Flächen zu entwickeln, ermöglicht das Verfahren eine Gewichtsreduktion und
steigert die Ressourceneffizienz entlang der gesamten Produktionskette im
Vergleich zu herkömmlichen Materialien.

Das Projekt sehen die beiden Professoren aus dem Iserlohner Fachbereich
Maschinenbau dann als einen Erfolg, wenn am Ende des Projektes ein
vermarktungsfähiges Produkt steht. „Dieses muss die zulassungsrechtlichen
Voraussetzungen erfüllen, zudem wirtschaftliche und ökologische Aspekte
wie CO2-Einsparung und Recylingfähigkeit“, so Ujma. Nach Ansicht von
Professor Marré sind letztere gerechnet auf den weltweiten Absatz von
Fittings erheblich: „Wir gehen davon aus, dass der Ersatz von etwa 20
Prozent des aktuellen Marktvolumens durch ZEP-Fittings so viel CO2
einspart, wie der Autoverkehr einer Großstadt ausmacht.“

Projektbeteiligte und Förderung
Im Projekt beteiligt sind das Labor für Massivumformung und das Labor für
Kunststoffverarbeitung der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn, der
Stifterverband Metalle e.V. aus Berlin, die Viega GmbH & Co. KG aus
Attendorn, die Wittmann Battenfeld Deutschland GmbH aus Meinerzhagen, die
Grillo-Werke AG aus Duisburg, die Metallpresswerk Hohenlimburg GmbH aus
Hagen, die Carl Bechem GmbH aus Hagen und die Risse & Co. GmbH aus
Warstein. Das Projekt wird mit rund 400.000 Euro durch die Deutsche
Bundesstiftung Umwelt gefördert und läuft über zwei Jahre.

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#FreiburgEntscheidetSich: Initiative zur Organspende startet

v.l.n.r): Dr. Christina Schleicher (Deutsche Stiftung Organtransplantation), Martin Horn (Stadt Freiburg), Prof. Dr. Frederik Wenz (Universitätsklinikum Freiburg), Burkard Tapp (Bundesverband der Organtransplantierten)  Universitätsklinikum Freiburg
v.l.n.r): Dr. Christina Schleicher (Deutsche Stiftung Organtransplantation), Martin Horn (Stadt Freiburg), Prof. Dr. Frederik Wenz (Universitätsklinikum Freiburg), Burkard Tapp (Bundesverband der Organtransplantierten) Universitätsklinikum Freiburg

Gemeinsame Initiative von Stadt Freiburg, Universitätsklinikum Freiburg,
Bundesverband der Organtransplantierten und mehr als 20 Akteuren aus
Sport, Wirtschaft und Gesellschaft wirbt für die Entscheidung in Sachen
Organspende

Eine Organ- oder Gewebespende kann nach dem Tod Leben retten. Doch noch
immer haben die Wenigsten festgehalten, ob eine Spende für sie in Frage
kommt. Das zu ändern, ist das Ziel der Initiative
#FreiburgEntscheidetSich, die am Montag, 8. April 2024, angelaufen ist.
Die Kampagne wird vom Universitätsklinikum Freiburg, der Stadt Freiburg
und dem Bundesverband der Organtransplantierten getragen. Mehr als 20
Akteure aus Sport, Wirtschaft und Gesellschaft haben sich der Initiative
angeschlossen. Gemeinsames Ziel ist es, möglichst viele Menschen dazu zu
bewegen, sich beim Thema Organ- und Gewebespende zu entscheiden, die
Entscheidung zu dokumentieren und mit anderen darüber zu sprechen.
Schirmherr ist Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn. Geplant sind
Aktionen, Info-Veranstaltungen, Social-Media-Aktivitäten und vieles mehr.
Die Kampagne läuft bis 30. September. Neue Partner sind jederzeit
willkommen. Aktuelle Informationen finden sich unter
www.freiburgentscheidetsich.de

„Wir wollen mit der Kampagne einen Denkanstoß geben. Denn das Thema
Organspende darf kein Tabu mehr sein. Jede und jeder sollte sich darüber
informieren und dann eine persönliche Entscheidung treffen. Das ist für
viele unserer Mitmenschen überlebenswichtig“, sagt Oberbürgermeister
Martin Horn.

Nach einer Umfrage der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) stehen 84 Prozent der Befragten einer Organspende offen gegenüber.
„Auf unseren Intensivstationen stellen wir leider fest, dass gerade einmal
jeder Siebte seinen Willen zur Organspende schriftlich festgehalten hat“,
sagt Prof. Dr. Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des
Universitätsklinikums Freiburg. „Eine klar dokumentierte Entscheidung
entlastet die Angehörigen und kann potenziell Leben retten. Darum gilt:
Entscheidend ist, dass sich jeder entscheidet. Hier kann das digitale
Organspenderegister eine wichtige Rolle spielen. Es ist ein starkes
Zeichen, dass die Kampagne #FreiburgEntscheidetSich von so vielen Partnern
aus Wirtschaft und Gesellschaft getragen wird.“

Burkhard Tapp vom Bundesverband der Organtransplantierten e.V.,
Regionalgruppe Südbaden, teilt seine persönliche Perspektive: „Mir hat die
Organspende bis heute 22 Lebensjahre geschenkt. In meiner monatlichen
Sprechstunde im Universitätsklinikum erlebe ich, dass die Entscheidung für
eine Organspende für schwer kranke Patientinnen und Patienten
überlebenswichtig ist. #FreiburgEntscheidetSich erinnert uns auch daran,
dass hinter jeder Statistik ein Leben steht, eine Familie, eine
Geschichte. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass mehr dieser
Geschichten ein glückliches Ende finden.“

Dr. Christina Schleicher, Geschäftsführende Ärztin der Region Baden-
Württemberg der Deutschen Stiftung Organtransplantation, spricht die
Dringlichkeit an: „Wir konnten die Organspendezahlen in Baden-Württemberg
dank des großen Engagements aller Beteiligten bei der Erkennung
potenzieller Organspender zuletzt zwar steigern, aber angesichts der
vielen Menschen auf den Wartelisten sind sie immer noch viel zu niedrig.
Die oft fehlende Dokumentation der Entscheidung bleibt nach wie vor eine
große Herausforderung für Ärzte und Angehörige gleichermaßen.“

Allein am Universitätsklinikum Freiburg warten rund 380 Menschen auf ein
oft lebensrettendes Spenderorgan, bundesweit sind es rund 8.400 Menschen.
21 Organspender*innen wurden im Jahr 2023 vom Universitätsklinikum
Freiburg erfolgreich vermittelt, bundesweit der höchste Wert. Insgesamt
konnten 2023 aus Baden-Württemberg 397 Organe bundesweit sowie im Ausland
transplantiert werden: 206 Nieren, 104 Lebern, 45 Herzen, 35 Lungen und 7
Bauchspeicheldrüsen.

Geplante Aktivitäten (Auszug):
• 13. April: Infostand des Bundesverbands der Organtransplantierten in der
Freiburger Innenstadt, Kaiser-Joseph-Straße / Schiffstraße
• 25. April, 18.30 Uhr: Abend der Entscheidung(en): Kurzvorträge und
Podiumsgespräch mit Betroffenen, Transplantierten und Ärzt*innen des
Universitätsklinikums Freiburg im Hörsaal der Universitäts-Frauenklinik,
Hugstetter Straße 55, Freiburg
• 27. April: Zahlreiche Aktivitäten rund um den Spieltag des SC Freiburg
gegen den VfL Wolfsburg
• 1. Juni: Tag der Organspende auf dem Platz der Alten Synagoge,
bundesweite Hauptveranstaltung in Freiburg, weitere Infos folgen
• 3. Juli, 17 Uhr–18.30 Uhr: Infoabend „Organspende für Hausärzt*innen“ im
Hörsaal der Universitäts-Frauenklinik durch das Universitätsklinikum
Freiburg und die Bezirksärztekammer Freiburg, Anmeldung erforderlich,
weitere Infos folgen
• 16. Juli, 19 Uhr: Ethik und Transplantationsmedizin: Podiumsdiskussion
über Leben, Tod und Organspende. Weitere Infos und Anmeldung über www
.katholische-akademie-freiburg.de

Patientenbeispiel 1:

Anita Singh-Carl (40) litt bereits als Kind unter Nierenversagen. Über ein
Jahr musste sie auf eine Spenderniere warten, auch weil ihr
Gesundheitszustand teilweise so schlecht war, dass eine Transplantation
nicht möglich war. Am 14. Mai 1992 konnte schließlich ein passendes Organ
gefunden werden und Singh-Carl wurde mit 11 Jahren nierentransplantiert.
24 Jahre lang funktionierte die Spenderniere einwandfrei. Doch seit 2016
muss die Krankenpflegerin wieder mehrmals wöchentlich zur Dialyse und
steht wieder auf der Transplantationsliste: „Jeder Anruf kann der eine
Anruf sein, auf den ich warte.“

Patientenbeispiel 2:

An einem Freitag im Juni 2018 kehrte ein bis dahin gesunder und sportlich
aktiver 51-jähriger Mann von einer Radtour nach Feierabend nach Freiburg
zurück. Zu Hause erlitt er einen Schlaganfall und verlor kurz darauf das
Bewusstsein; drei Tage und mehrere Schlaganfälle später wurde der
irreversible Hirnfunktionsausfall, auch Hirntod genannt, festgestellt. Die
Angehörigen suchten nach einem Organspendeausweis, einem Testament oder
einer Patientenverfügung. Doch nichts davon lag vor. Mehrere Angehörige
mussten schließlich eine gemeinsame Entscheidung treffen, in der sie sich
auf der Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen für eine
Organspende aussprachen. Herz, Leber und Nieren wurden erfolgreich und
dauerhaft transplantiert. Ein Organspendeausweis hätte die Angehörigen
deutlich entlastet.

Alle Partner der Kampagne #FreiburgEntscheidetSich (Stand 8. April 2024):
• AOK – Die Gesundheitskasse Südlicher Oberrhein
• Artemed (Lorettokrankenhaus / Josefskrankenhaus)
• Aufklärung Organspende Freiburg – AG der Fachschaft Medizin (OFAMED)
• Badenova
• Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO)
• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
• Bündnis 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg
• Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
• Evangelische Hochschule Freiburg
• Evangelisches Diakoniekrankenhaus Freiburg
• Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V.
• Freiburger Verkehrs AG (VAG)
• Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg
• Landesapothekerkammer Baden-Württemberg
• Pädagogische Hochschule Freiburg
• PTSV Jahn e.V.
• Selbsthilfebüro Freiburg
• Sport-Club Freiburg e.V.
• Stadt Freiburg
• Stadtbibliothek Freiburg
• Tag der Organspende
• Theater Freiburg
• Universität Freiburg
• Universitätsklinikum Freiburg
• z'Friburg in der Stadt e. V. – Aktionsgemeinschaft für Handel und
Gewerbe in der Freiburger Innenstadt

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