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Frauenherzen verdienen besondere Aufmerksamkeit

Weltweit sterben nahezu doppelt so viele Menschen an Herz-Kreislauf-
Erkrankungen wie an allen Krebserkrankungen zusammen. In Europa sogar mehr
Frauen als Männer. Dies veranlasst das Universitätsklinikum Regensburg
(UKR) zum Weltfrauentag am 8. März zu einem fokussierten Blick auf die
Besonderheiten des weiblichen Herz-Kreislauf-Systems und die aktuellen
Entwicklungen in der Kardiologie. Professor Dr. Andrea Bäßler, Oberärztin
in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, informiert
über Symptome und Risikofaktoren von Herzerkrankungen bei Frauen.

Inmitten des hektischen Arbeitsalltags bemerkte Marie plötzlich eine
ungewöhnliche Erschöpfung. Ihr Arbeitspensum, das sie normalerweise locker
bewältigte, fühlte sich plötzlich unüberwindbar an. Selbst ein kurzer
Spaziergang besserte die Symptome nicht, sondern erschöpfte sie mehr als
sonst. Als sie zu Hause beim Abendessen von starken Schweißausbrüchen
überrollt wurde und Übelkeit sie überkam, beschloss Marie ärztliche Hilfe
aufzusuchen. Im Krankenhaus wurde bei ihr nach Schilderung der Symptomatik
der Verdacht auf einen Herzinfarkt gestellt und die weitere Diagnostik
veranlasst.

Biologisch ausgestattet mit zwei X-Chromosomen sowie spezifischer
Anatomie, Physiologie und Hormonregulation funktionieren weibliche Körper
anders als männliche. Frauen mit Herzinfarkt präsentieren sich häufig
nicht mit den klassischen Symptomen wie starken Brustschmerzen
ausstrahlend in den linken Arm. Diese können auftreten, häufig jedoch in
abgeschwächter Form und begleitet von vegetativen Veränderungen wie
Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbruch. Auch Schmerzen im Oberbauch und
Rücken, Kurzatmigkeit, geringere Belastbarkeit und außergewöhnliche
Müdigkeit stehen bei Frauen häufig im Vordergrund.

Diese geschlechterspezifischen Besonderheiten in der Medizin werden von
der Gendermedizin erforscht und zunehmend in der klinischen Praxis zur
Anwendung gebracht – eine Entwicklung, die derzeit in der Kardiologie,
aber auch in vielen anderen Bereichen der Medizin, hoch aktuell ist.
Professor Dr. Andrea Bäßler, Leiterin der kardiologischen Ambulanz und
Expertin auf dem Gebiet der Gendermedizin am UKR, erklärt die
Notwendigkeit einer geschlechterspezifischen Herangehensweise in der
Kardiologie: „In Europa verzeichnen wir eine höhere Sterblichkeitsrate bei
Frauen in Bezug auf Herzerkrankungen im Vergleich zu Männern. Die
Gendermedizin in der Kardiologie setzt genau hier an. Es ist essenziell zu
verstehen, dass Frauen und Männer nicht gleich sind. Ihre Unterschiede
betreffen dabei nicht nur die Hormone, sondern auch anatomische
Gegebenheiten und sozioökonomische Faktoren. Daher ist eine individuelle
Gesundheitsversorgung für Frauen von entscheidender Bedeutung.“

Frauenspezifische Risikofaktoren

Je nach Geschlecht zeigen Risikofaktoren für Herzerkrankungen
unterschiedliche Auswirkungen. Bei Frauen stellen Bluthochdruck,
Übergewicht und Diabetes noch bedeutendere Gefahren für das Herz dar.
„Während Männer mit einer solchen Erkrankung eine Risikosteigerung um den
Faktor 2-3 aufweisen, beträgt dieser bei Frauen 3-5,“ erläutert Professor
Bäßler.

Zusätzlich zu den allgemeinen Risikofaktoren sind Frauen von
geschlechterspezifischen Gefahren für das Herz betroffen. Beispielsweise
besteht im Zeitraum um die Geburt eines Kindes das Risiko einer
schwangerschaftsbedingten Herzschwäche. Diese wird mutmaßlich durch das
Stillhormon Prolaktin ausgelöst, dessen Abbauprodukt bei gewisser
Prädisposition das Herz beeinträchtigen kann. Diese Erkrankung, wenngleich
selten, stellt eine lebensbedrohliche Situation dar und kann innerhalb
weniger Wochen zu Herzversagen führen. Eine weitere Gefahr für das
Frauenherz findet ihre Ursache in Schwangerschaftskomplikationen wie
Diabetes oder einer Gestose. Diese erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen
im späteren Leben auch nach der Schwangerschaft um das Doppelte. Ebenso
ist nach Eintritt in die Menopause besondere Achtsamkeit geboten. In
diesem Zusammenhang ist der Rückgang des Östrogenspiegels verantwortlich
für eine Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da er mit
einem Anstieg der Cholesterinwerte, des Blutdrucks und einer Zunahme des
Körpergewichts einhergeht.

Tako-Tsubo-Syndrom: Wenn das Herz einer japanischen Tintenfischfalle
gleicht

Keine Herzerkrankung unterscheidet derart markant zwischen Mann und Frau
wie das Tako-Tsubo-Syndrom. Benannt nach dem japanischen Wort für
„Tintenfischfalle“ tritt diese Herzstörung in 90 Prozent der Fälle bei
postmenopausalen Frauen auf. Sowohl Symptome als auch Untersuchungsbefunde
wie Laborwerte, EKG und Herzultraschall ähneln jenen eines Herzinfarkts,
jedoch bei unauffälligen Herzkranzgefäßen. Bei dieser akuten Erkrankung
ist die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigt. Die Herzspitze sowie die
angrenzenden Wandabschnitte kontrahieren kaum mehr, wodurch das Herz eine
ballonartige Form annimmt, die an eine japanische Tintenfischfalle
erinnert. In den meisten Fällen sind die Auslöser psychische oder
physische Stressfaktoren, wie sie beispielsweise bei starken emotionalen
Belastungen auftreten, etwa dem plötzlichen Tod eines Angehörigen oder des
geliebten Haustiers. Aus diesem Grund wird diese Herzerkrankung auch als
Broken-Heart-Syndrom bezeichnet. Frauenherzen reagieren im Allgemeinen
sensibler auf psychischen Stress im Vergleich zu Männerherzen. Bei
schweren emotionalen Belastungen erhöht sich das Risiko für
Herzerkrankungen sogar drastisch.

Vorbeugen, auf Symptome achten und schnell handeln

Das Hauptproblem besteht nach wie vor darin, dass zu viel Zeit vergeht bis
Frauen bei einem akuten Herzproblem beim Arzt vorstellig werden. „Frauen
neigen dazu ihre Beschwerden zu verharmlosen, da sie sich oft zu viele
Sorgen darüber machen, ihre Symptome falsch einzuschätzen. Dabei zählt bei
einem Herzinfarkt jede Minute, denn Zeit ist Muskel. Je mehr Zeit vergeht,
desto mehr Herzmuskulatur kann Schaden nehmen und die Prognose der Frau
verschlechtern,“ erklärt Professor Bäßler. Nicht nur, dass Frauen viel
früher beim Arzt vorstellig werden sollten, auch eine hinreichende
Kenntnis der frauenspezifischen Symptome ist wichtig.

Angesichts des sprunghaften Anstiegs des Herzrisikos mit der Menopause
empfiehlt Professor Bäßler präventiv eine kardiologische Untersuchung
spätestens ab dem 50. Lebensjahr: „Es gilt, potenzielle Herzprobleme früh
zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“

Ungeachtet der Betonung der Menopause rät sie auch jüngeren Frauen
dringend, sich um ihre Herzgesundheit zu kümmern. In den letzten
Jahrzehnten wurde eine Zunahme von Herzproblemen bei Frauen unter 55
Jahren verzeichnet. Vor allem Übergewicht, Diabetes, Rauchen und
Alkoholkonsum spielen hierbei eine große Rolle und sollten aktiv bekämpft
werden, um das Herz bestmöglich zu schützen.

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Vorratsboxen sollen Verdorbenes wittern: Mit künstlichen Sinnen gegen Lebensmittelverschwendung

Frischhalteboxen, die informieren, wie lange ihr Inhalt noch genießbar ist
und handliche Messgeräte, die im Supermarkt der Zukunft voraussagen, bis
wann Obst und Gemüse noch frisch sind: Dies sind konkrete Vorhaben eines
Projektes, bei dem das Forschungsteam der Experten für Sensorsysteme
Andreas Schütze und Christian Bur von der Universität des Saarlandes mit
europäischen Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammenarbeitet.
Ziel ist, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Auch
Nachwuchsforscherinnen und -forscher arbeiten hieran mit. Die Europäische
Kommission fördert das Projekt im Rahmen des EU-Rahmenprogramms Horizon.

Ist die Suppe vom Wochenende noch gut? Wie steht´s um den Schinken mit dem
abgelaufenen Haltbarkeitsdatum? Und die Himbeeren: verschimmelt oder noch
ok? Solche Fragen stellen sich millionenfach in Küchen rund um den Globus.
Um das Risiko unguter Folgen zu umgehen, wandern tonnenweise Lebensmittel
vorsorglich in den Müll. Ebenso ist es in Supermärkten – auch hier werden
etwa Obst und Gemüse in gewaltigen Mengen entsorgt. Könnte man nur
Expertenrat einholen und die Lebensmittel vor Ort schnell daraufhin prüfen
lassen, wie lange sie tatsächlich noch genießbar sind. – Nicht machbar,
sollte man meinen – aber tatsächlich arbeitet ein europaweites Team daran,
genau so etwas möglich zu machen.

„Wir entwickeln praxistaugliche Verfahren, um die Qualität von
Lebensmitteln zu überwachen. Konkret sind dies ein intelligenter
Vorratsbehälter, der seinen Inhalt kontrolliert, und ein Messgerät für
Supermärkte: Allein dadurch, dass es über die Kisten gehalten wird, soll
es genau angeben, wie lange unverpacktes Obst und Gemüse noch frisch
sind“, erklärt der Messtechniker Professor Andreas Schütze von der
Universität des Saarlandes. Dies würde helfen, dass weniger Nahrungsmittel
im Müll landen: Gibt die Vorratsdose grünes Licht für das Aufbewahrte,
wird es noch verzehrt. Im Supermarkt wird der Verkauf besser planbar und
Salat oder Beeren können etwa noch zum Aktionspreis verkauft werden, bevor
sie verderben.

Fachleute verschiedener Disziplinen aus Wissenschaft und Industrie
arbeiten zusammen an diesem Vorhaben. Zehn Partnerinstitutionen aus
Belgien, Deutschland, Italien und Spanien wirken am Projekt namens
„Serenade“ mit: die Universitäten Padova, Zaragoza, Leuven und des
Saarlandes, das belgische Forschungsinstitut VITO und fünf Unternehmen.
Sie entwickeln die smarten Hilfsmittel vom empfindlichen Sensorsystem bis
hin zu den nachhaltigen und spülmaschinengeeigneten Materialien.

Part der Saarbrücker Forscherinnen und Forscher um Andreas Schütze und
Christian Bur, promovierter Ingenieur aus Schützes Team, ist das
Gassensorsystem und die dazu gehörende künstliche Intelligenz: Sie sind
Spezialisten, wenn es darum geht, der Technik einen äußerst feinen
Geruchssinn zu verleihen und ihr beizubringen, aus dem Erschnupperten
Schlussfolgerungen zu ziehen. Schon seit Längerem forschen sie daran,
Reife und Verderb mit intelligenten Sensorsystemen zu erkennen. Ein
Vorgängerprojekt hierzu wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU) gefördert.

Altern Nahrungsmittel, verändern sie bekanntermaßen neben Aussehen und
Geschmack vor allem ihren Geruch. Nicht umsonst riechen wir instinktiv an
Essen, dem wir nicht trauen. Riecht etwas süßlich oder gar erdig, vergeht
der Appetit schnell. Der Geruch hängt mit dem Werk von Mikroorganismen wie
Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen zusammen, die organische Substanzen
zersetzen und abbauen. Es fault und gärt, wird sauer oder ranzig. All dies
bleibt für die Umgebung nicht folgenlos: Flüchtige Moleküle geraten in die
Luft – wie Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Ethen oder Essigsäure – am
Anfang vereinzelt, im Verlauf mehr und mehr.

Menschliche Nasen können dies dank Millionen von Riechzellen wittern: Wenn
solche Geruchs-Moleküle sich an ihnen anlagern, senden die Riechzellen
diese Information zum Gehirn, damit es beginnt, zu deuten, was es hiermit
auf sich hat. Die künstlichen Sinnesorgane der Saarbrücker Forscherinnen
und Forscher im Team von Andreas Schütze kommen schon einzelnen Molekülen
unter Milliarden Luftmolekülen auf die Spur: Sie fischen aus einem ganzen
Universum an nebensächlichen Luftmolekülen und Gasteilchen die heraus, auf
die es ankommt. Dabei erschnuppern sie sogar mehr als menschliche Nasen:
„Unsere Sensoren erfassen auch Komponenten wie Ethen oder
Kohlenstoffdioxid, die Menschen nicht riechen können“, erklärt Andreas
Schütze. Das Sensorsystem bestimmt, worum es sich bei den Molekülen
handelt und in welcher Konzentration. Dafür sammeln die Sensoren über
einen bestimmten Zeitraum die Moleküle und messen anschließend deren
Menge. „Zum Einsatz kommen hierfür Halbleitergassensoren auf Metalloxid-
Basis, die Industriepartner im Projekt auch weiterentwickeln. Wir
erarbeiten auf dieser Basis das Sensorsystem. Im Laufe zahlreicher
Forschungsprojekte haben wir die Systeme und ihre Signalauswertung immer
weiter verfeinert“, erläutert Professor Schütze.

Damit wird es möglich, den Verlauf des Verderbs kenntlich zu machen – von
den ersten Anzeichen noch unproblematischer Reifeprozesse der Früchte
selbst bis zu dem Punkt, an dem die Zusammensetzung der gesammelten
Teilchen signalisiert, dass man das Lebensmittel nicht mehr essen sollte.
„Wir messen nicht einfach nur eine Konzentration der einzelnen Substanzen,
sondern vielmehr ihr Konzentrationsverhältnis in der Luft. Das macht einen
großen Unterschied, denn damit funktionieren die Messgeräte unabhängig von
der Menge der Geruchsmoleküle. Auch bei größerem Abstand zum Obst und
Gemüse messen sie dadurch zuverlässig“, erklärt Andreas Schütze.

„Gerüche hinterlassen in der Luft eine Art persönlichen Fingerabdruck, der
sich aus verschiedenen Konzentrationen verschiedener Stoffe
zusammensetzt“, sagt Christian Bur. „An den individuellen Geruchs-
Abdrücken, sogenannten Smellprints, wollen wir den jeweiligen Zustand der
Lebensmittel ablesen. Hierfür ordnen wir die einzelnen Smellprints den
verschiedenen Zuständen zu“, ergänzt der Ingenieurwissenschaftler. Die
Forscherinnen und Forscher bringen der Technik auf diese Weise bei, den
Zustand der Lebensmittel zu bewerten und ihren Verfall mittels künstlicher
Intelligenz vorherzusagen. Ein „technisches Gehirn“ wertet dabei alles
aus, ordnet das von den Sensoren Erschnupperte ein, zieht passende
Schlussfolgerungen und veranlasst entsprechende Aktionen – also zum
Beispiel, die Information „noch fünf Tage frisch“ auf einem Display
anzuzeigen. „Hierzu kombinieren wir die Mikrosensoren mit Mikroelektronik
und analytischen Komponenten sowie Methoden des maschinellen Lernens“,
erläutert Christian Bur.

Die Forschungspartner arbeiten gemeinsam an den verschiedenen Gewerken,
die notwendig sind, damit am Ende des Projekts Vorratsbehälter und
Messgeräte serienreif sind. „Das reicht von der Bewertung des
Lebensmittelverfalls und seiner Vorhersage mit künstlicher Intelligenz
über Design und Installation neuartiger miniaturisierter
Gaschromatographen, die der Sensortechnik vorgeschaltet werden, um die
Luftgemische aufzutrennen, bis hin zu den verwendeten alltagstauglichen
Materialien“, schildert Christian Bur. Hieran arbeiten gezielt auch
Nachwuchsforscherinnen und -forscher mit. „Die Aufgabenstellung ist
international und fachübergreifend – ideal für interessante
Doktorarbeiten. Wir bilden im Netzwerk Doktorandinnen und Doktoranden an
der zukunftsträchtigen Schnittstelle von Lebensmitteln, Sensoren und
Werkstofftechnologien aus, die teils an der Universität und teils in der
Industriepraxis forschen“, erklärt Professor Andreas Schütze.

Die Forschung wird von der EU in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro
gefördert im Rahmen des HORIZON-Programms „Marie Skodowska-Curie Doctoral
Networks“.

Beteiligt am Projekt Serenade sind von deutscher Seite neben dem Team von
Andreas Schütze und Christian Bur an der Universität des Saarlandes das
Unternehmen BOSCH Sensortec GmbH sowie die Saarbrücker 3S GmbH. Aus
Italien sind beteiligt die Universität Padova und das Unternehmen Sirmax
S.p.a., aus Spanien die Universität Zaragoza sowie die Firma BSH
Electrodomésticos España, S.A., in Belgien die Universität Leuven, das
Flemish Institute for Technological Research VITO sowie das Unternehmen
Galloo.
<https://serenade-project.eu>
Sensors and Eco-fRiendly food-grade matErials for a sustaiNable and smArt
fooD storagE and quality monitoring (Serenade)
doi: 10.3030/101072846

Das Vorläuferprojekt SiVERiS „Sichere Vermeidung von Lebensmittelverlusten
durch Erkennung von Reife- und Verderbprozessen mit intelligenten
Sensorsystemen“, kurz SiVERiS, wurde von der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt DBU gefördert. In diesem Projekt legte Schützes Lehrstuhl gemeinsam
mit dem Projektpartner 3S GmbH die Grundlagen einer sensorikgestützten
Zustandsbewertung von Lebensmitteln zur Vermeidung von
Lebensmittelverlusten.
Die Saarbrücker 3S GmbH – vor über 15 Jahren aus dem Lehrstuhl von Andreas
Schütze ausgegründet – ist spezialisiert auf die Konzeption und Umsetzung
von Messsystemen im Bereich der Gassensorik und betreut im Projekt
Serenade gemeinsam mit dem Lehrstuhl eine Doktorandin, die die Erweiterung
der Sensorik mit einer gaschromatographischen Trennung erforschen wird, um
verschiedene Substanzen besser voneinander unterscheiden zu können.

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Wissen, Evidenz und Innovation in der Urologie: Präsident Gschwend setzt Schlüsselthemen auf dem 76. DGU-Kongress

Als amtierendem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
(DGU) obliegt Univ.-Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend die Leitung des 76.
Kongresses der wissenschaftlichen Fachgesellschaft vom 25. bis 28.
September 2024 in Leipzig. Mit seinem Kongressmotto „Wissen schafft
Evidenz, Heilung und Innovation“ bringt der Direktor der Klinik und
Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum rechts der Isar, der
Technischen Universität München die aus seiner Sicht maßgeblichen Säulen
ärztlichen Wirkens für das Wohlergehen urologischer Patientinnen und
Patienten auf den Punkt.

Damit formuliert er zugleich das wichtigste Anliegen seiner
Präsidentschaft.

„Auch und gerade in diesen Zeiten disruptiver Veränderungen bedarf es für
die bestmögliche urologische Versorgung Wissen, Evidenz und Innovation“,
betont Prof. Gschwend gegenüber der DGU-Pressestelle. Wissen als die
wichtigste Grundlage der Wissenschaft müsse jeden Tag aufs Neue erarbeitet
und erweitert werden, insbesondere an den Universitätsklinika und
medizinischen Forschungseinrichtungen sowie kleinen und großen
Forschungslaboratorien. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die
zweite Säule – die Evidenz, die den Nachweis zwischen einer Maßnahme und
ihrer Wirksamkeit erbringt und damit Heilung oder zumindest Linderung von
Erkrankungen ermöglicht. Innovation entstehe, nach Worten des Urologen,
schließlich aus der Synthese von Wissen und Evidenz in allen Bereichen der
Medizin und der Wissenschaft. Notwendig dafür sei eine enge, wirkungsvolle
und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Berufsgruppen in der Medizin.

„Hierzu gehört natürlich die Urologie mit allen Berufsgruppen, die dieses
Fach ausmachen. Dazu zählen die ärztlichen Mitarbeitenden im klinischen
und translationalen Bereich, grundlagenorientierte Forscherinnen und
Forscher, aber auch die zum Patientenwohl Arbeitenden im medizinischen
Dienst und der Pflege. Und nicht zuletzt spielt eine sehr enge
Verschränkung der medizinischen Forschung mit der Pharmaindustrie und der
Medizintechnik eine tragende Rolle zur Weiterentwicklung neuer Methoden,
die auf die Heilung und Linderung von Erkrankungen ausgerichtet sind“,
sagt der DGU-Präsident.

Notwendig: die Allianz mit der Gesundheitspolitik und den Kostenerstattern

Damit nicht genug, brauche es für den großen Rahmen dieser Kooperation
aber auch die administrativen Strukturen der Gesundheitspolitik und der
Kostenerstatter. Diese Institutionen sollten die drei Säulen aus
Wissenschaft, Evidenz und Innovation durch die hierfür notwendigen
Strukturen befördern und nachhaltig unterstützen. Hierzu sei es
insbesondere auch erforderlich, ausreichende finanzielle Spielräume an den
Forschungseinrichtungen und Kliniken zur Verfügung zu stellen, mahnt Prof.
Jürgen Gschwend. Zu der Erfolgsgeschichte dieser Kooperation zählt er
moderne Entwicklungen in der Onkologie wie die Immuntherapie, oder
Antikörper-gerichtete Chemotherapien, bis hin zu Ansätzen zur Vakzinierung
gegen bösartige Tumorerkrankungen. In der Medizintechnik gehörten moderne
Bildgebung, wie MRT und PET-basierte Diagnostik, sowie innovative und
hocheffektive Ansätze zur Behandlung gutartiger und bösartiger
Erkrankungen, etwa in der Endourologie mittels moderner Lasertechniken,
dazu.

„Mein Anliegen ist es deshalb, diese Zusammenhänge transparent und klar zu
formulieren und insbesondere die jungen Forschenden auf unserem Kongress
in Leipzig zu motivieren, sich für diese Säulen stark zu machen“, so der
renommierte Uro-Onkologe.

Kontinuität bei den großen Herausforderungen

Die 76. Jahrestagung der DGU im Congress Center Leipzig werde nach seinen
Worten wieder alles im Programm haben, was in der Wissenschaft, Diagnostik
und Therapie gutartiger und maligner urologischer Erkrankungen neu und
wichtig ist. Kontinuität garantiert der DGU-Präsident etwa bei der
Stärkung der Interdisziplinarität. „Insbesondere im Bereich der Uro-
Onkologie ist eine enge Kooperation mit den Fächern der Bildgebung, der
Pathologie, der Onkologie und der Strahlentherapie der Schlüssel zum
Erfolg. Besonders, wenn es um Therapiesequenzen geht, ist die Koordination
von entscheidender Bedeutung für das Outcome unserer Patientinnen und
Patienten. 2024 werden wir daher das Motto des letztjährigen Kongresses
kontinuierlich fortsetzen und beispielsweise in einer großen Zahl
interdisziplinärer Tumorboards, wissenschaftlichen Foren und
Falldiskussionen die Interdisziplinarität in den Mittelpunkt stellen.
Hierfür haben wir in der Programmkommission große Unterstützung und es
haben sich interdisziplinäre Expertengruppen gebildet, die die
Interdisziplinarität als Lösung zum Erfolg widerspiegeln werden.“

DGU-Kongress erneut berufspolitisch geprägt

Stringent weiter thematisiert die DGU ebenfalls die Förderung des
ärztlichen und nichtärztlichen Nachwuchses. Diesen Schwerpunkt spiegeln
verschiedene Foren im Programm, die sich mit den Themen der Arbeitszeit
und den Arbeitsbedingungen, aber auch der Digitalisierung als Schlüssel
für eine Entlastung von administrativen Tätigkeiten beschäftigen. Erneut
auf dem Tableau stehen notwendigerweise die politischen Rahmenbedingungen
für die tägliche Arbeit in den Krankenhäusern und den Praxen. „Die
aktuelle Diskussion um eine umfassende Krankenhausreform und eine
Ambulantisierung der Medizin stellt uns vor neue und bisher noch nicht
vollständig absehbare Herausforderungen“, betont Prof. Gschwend.

Nachhaltigen Bedarf sieht er zudem beim Thema Frauenförderung,
insbesondere von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, und
Gleichberechtigung im Beruf, die heute innerhalb aller Berufsgruppen eine
Selbstverständlichkeit sein sollte. „Die Lösung liegt aus meiner Sicht
aber nicht in fixen Quoten oder streng paritätisch gesetzten Panels
innerhalb des wissenschaftlichen Programmes beim DGU-Kongress. Es geht
vielmehr darum, dass wir eine grundsätzliche Gleichwertigkeit der Leistung
von Frauen und Männern anerkennen und jeweils die besten Köpfe wählen, um
spezifische Themen zu adressieren. Und so darf ein Panel in einer
Moderation oder einem Forum gerne auch vollständig weiblich oder männlich
besetzt sein. Für mich ist die Exzellenz und das Können in jedem Fall mehr
als Geschlechterquoten“, sagt der amtierende DGU-Präsident, der auch in
puncto Umweltschutz Kontinuität auf den Kongress bringt. „Wir müssen daran
arbeiten, die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig und
gezielt einzusetzen, um einerseits den Fortschritt zu gewährleisten, aber
andererseits die Herausforderungen einer sich verändernden Umwelt zu
akzeptieren. Zum Thema einer zukunftsorientierten und nachhaltigen
Ökonomie und Transformation der Wirtschaft im Sinne der Umwelt wird es im
Plenum des Präsidenten einen exponierten Vortrag geben.“

Zum größten Urologie-Kongress im deutschsprachigen Raum lädt Prof.
Gschwend alle Urologinnen und Urologen, die Kolleginnen und Kollegen der
Nachbardisziplinen sowie alle Pflegenden, Patientenvertretende und den
urologischen Nachwuchs, ebenso wie die Medienschaffenden, herzlich im
September 2024 nach Leipzig ein.

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21.000 Bilder von Isolde Ohlbaum online ‒ Bayerische Staatsbibliothek startet Bildportal

Die ersten 21.000 Bilder der Fotografin Isolde Ohlbaum sind bereits online
– im neuen Bildportal der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Fotografin
Isolde Ohlbaum zählt zu den bekanntesten Chronistinnen des nationalen und
internationalen literarischen und künstlerischen Lebens. Sie ist seit den
1970er Jahren insbesondere auf Porträts von Schriftstellerinnen und
Schriftstellern spezialisiert. Unter https://fotoarchiv-ohlbaum.bsb-
muenchen.de können die Aufnahmen der Künstlerin ab sofort eingesehen,
recherchiert und lizenziert werden.

Bei den Fotografien im Bildportal handelt es sich einerseits um
digitalisierte Abzüge oder Negative, die Isolde Ohlbaum im Laufe der Jahre
selbst digitalisiert hat. Andererseits sind digitale Aufnahmen enthalten,
da Ohlbaum ab 2010 auf die digitale Fotografie umgestiegen ist. Die
Aufnahmen entstanden zwischen 1975 und 2022. Sie zeigen deutsche und
internationale Autorinnen und Autoren im Einzelporträt sowie bei Lesungen,
Preisverleihungen oder Buchmessen. Darunter sind zahlreiche
Nobelpreisträger und Nobelpreisträgerinnen zu finden, unter anderem Peter
Handke, Herta Müller, Doris Lessing, Elfriede Jelinek, Heinrich Böll,
Günter Grass und Imre Kertész. Verschiedene Städteaufnahmen, Bilder von
Friedhöfen, Skulpturen und Blumen ergänzen die digitale Sammlung.

Die Recherche ist im Bildportal über die Volltextsuche sowie über Filter-
Facetten möglich. Neben der abgebildeten Person kann nach Aufnahmejahr,
Land, Ort, Sachbegriffen, Institutionen, Veranstaltungen, Farbe oder
Ausrichtung des Fotos gefiltert werden.

Die Bayerische Staatsbibliothek erwirbt bis Ende 2025 sukzessive das
gesamte fotografische Werk Ohlbaums, bestehend aus Schwarzweißnegativen,
Farbdias, Abzügen und Bilddateien. Zum Archiv zählen zudem ausgewählte
Korrespondenzen mit bedeutenden Personen des literarischen und kulturellen
Lebens, die Isolde Ohlbaum porträtiert hat.

Der Übergang des Archivs in die Bayerische Staatsbibliothek erfolgt in
vier Tranchen bis Ende 2025. Nach der ersten und zweiten Übergabe verwahrt
die Bayerische Staatsbibliothek aktuell neben den 21.000 digitalen Bildern
des Bildportals ca. 176.000 analoge Fotografien. Das Bildportal wird
kontinuierlich erweitert.

Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek: „Mit
dem Launch des Bildportals machen wir nun eines der europaweit
bedeutendsten zeitgeschichtlichen Fotoarchive nutzbar und verhelfen dem
einzigartigen Werk von Isolde Ohlbaum zu weltweiter Sichtbarkeit.“

Zum Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek
Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst über 19 Millionen
vorwiegend dokumentarische Aufnahmen mit zeitgeschichtlichem Schwerpunkt.
Es handelt sich um das größte Bildarchiv in öffentlicher Hand in
Deutschland. Den Hauptfonds macht das 2019 übernommene Fotoarchiv des
Magazins stern mit mehr als 15 Millionen Bildern aus. Das Bildarchiv in
Auswahl schrittweise digitalisiert.


Bildmaterial
Die Bilder werden im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über das
Fotoarchiv Isolde Ohlbaum durch die Bayerische Staatsbibliothek kostenfrei
zur Verfügung gestellt. Eine Verwendung in einem anderen Zusammenhang ist
genehmigungs- und ggf. kostenpflichtig. Eine Archivierung der Fotos ist
nicht gestattet.
Copyright: Isolde Ohlbaum / Bayerische Staatsbibliothek / Bildarchiv

Über die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V.,
ist mit 37 Millionen Medieneinheiten die größte wissenschaftliche
Universalbibliothek Deutschlands und eine der international bedeutendsten
Gedächtnisinstitutionen. Mit über vier Millionen digitalisierten Werken
verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen
Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet
vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an.
Sie agiert zudem als technischer und redaktioneller Betreiber des
Landeskulturportals bavarikon und des Literaturportals Bayern sowie als
technischer Betreiber der Verkündungsplattform des Freistaats.

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