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Herbert Huber klärt auf: Wein degustieren im Restaurant – Showtime oder was?

Einführung in die Welt des Weins

Elegant öffnet der Kellner die weinflasche

 

Unsere ersten Wein-Degustationen erlebten wir in einer besonderen Atmosphäre. Damals in den 1960iger Jahren, als wir, mit Hotelfachschule-Ausbildung, auch vorbereitet sein mussten, um was es bei einer Weinverkostung geht.

Über 150 Wein Sorten haben wir in der Theorie in unsere «Hirni» gepresst – Herkunft, Traubensorten, Flaschenformen und passende Gläser. Und natürlich auch degustiert. Aber anders als im Burgund.

Im Weinkeller ab Fass

Wein degustieren im Restaurant
Wein degustieren im Restaurant

Und dann kam die Weindegustation ab «Fass». Ein wahres Ritual, in einem natürlichen Tuffsteinkeller im burgundischen Gevrey Chambertin. Hunderte von Fässern mit pieces à 228 lt gaben sich ein Stelldichein. Der Winzer degustierte ab pièce mit einem Glasröhrchen, einer sogenannten Vollpipette. Diese wurde beim Spundloch ins Fass getaucht. Durch Anheben des Fingers wurde der entnommene Wein in das Degustationsglas befördert. Diese Verkostung diente dem Patron, die Entscheidung zu treffen, wann der Wein in die Flasche zur weiteren Lagerung abgefüllt werden sollte.

Im Restaurant

Weindegustation
Weindegustation

Bei jungen Weinen, wie sie sehr oft in der Gastronomie ausgeschenkt werden, reicht es, die Nase ans Glas zu halten und einen kleinen Schluck zu probieren. Fehlnoten werden so schnell erkannt. Viele Weine, auch von hoher Qualität, haben heutzutage einen Schraubverschluss, hier kann kein «Zapfen» entstehen, höchstens ein Produktionsfehler. Aber das zu erkennen braucht einiges an Weinerfahrung und kommt zudem sehr selten vor. Viel wichtiger scheint mir, dass die Weintemperatur stimmt und zum Weisswein auch ein Kühler gereicht wird.

Beim Degustieren bitte keine «Ego Show» abziehen

Die Kenner testen mit viel Diskretion. Früher war dieses Ritual reine Männersache. Heute tun dies auch Frauen, welche oft das subtilere Sensorium beim Verkosten von Weinen haben.

Die Sinnesorgane sind gefordert

Rotwein mit Trauben und Korken
Rotwein mit Trauben und Korken

So wird mit den Augen, der Nase und dem Gaumen degustiert. Halten Sie das Glas gegen das Licht. Die Weinfarbe sollte in jedem Fall klar sein. Trübungen deuten auf Weinfehler oder auf mangelnde Sorgfalt beim Dekantieren eines Weines, der bereits ein Depot gebildet hat. Die Nase spürt den Aromen des Weins zuerst. Man riecht an dem Wein und schwenkt dann das Glas, damit die Aromen durch zusätzlichen Sauerstoff weiter entfaltet werden. Dann erst wird der Wein im Mund verkostet. Die Geschmacksknospen der Zunge nehmen die Aromen auf. Speziell an der Zungenspitze nimmt man die Frucht eines Weines am deutlichsten wahr, hinten und am Gaumen treten dann Säure und Gerbstoffe in den Vordergrund.

 

 

 

Wer degustiert im Restaurant?

Weindegustation inkl. Walliser Platte
Weindegustation inkl. Walliser Platte

Üblicherweise bekommt im Restaurant nur eine Person den Wein zur Degustation angeboten, die dann auch entscheidet, ob der Wein in Ordnung ist. Im Zweifelsfalle – manchmal gibt es Fehlnoten, die nichts mit dem Wein, aber zum Beispiel mit dem Glas zu tun haben – kann eine zweite Person aus dem Kreis um die Meinung gebeten werden.

Der Wein hat Korken

Französische Weine entdecken
Französische Weine entdecken

Nun sind alle Gläser eingeschenkt – «Uui der hat aber Korken», stellt die Tafelrunde fest! Das kann bei einem Naturprodukt passieren. In der Regel wird der Wein ohne grosse Diskussion ausgetauscht. Bei sehr teuren Weinen müssen Gastgeber und Gast eine einvernehmliche Lösung finden.

Die Servietten sind dazu da, um während des Essens und dann vor dem Trinken den Mund abzuwischen. Fettränder gehören definitiv nicht ans Weinglas.

Text   www.herberthuber.ch

Fotos www.pixelio.de

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Haute Cuisine und feine Weine in der Schweiz

Weindegustation in Lavaux

Wein mit Essen

Weindegustation

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Gewisse Wunschkonzerte in der Beiz machen Herbert Huber allergisch

Allergien Was unseren Körper krank macht

Es betrifft etwa einen drittel der Bevölkerung

Wer kennt sie nicht, diese Allergien. Der eine Gast hat eine Nussallergie. Ein anderer verträgt keine Meeres­früchte. Wieder einer kriegt schon vom Wort Erdbeeren ei­nen Ausschlag. Dann kommen noch die mit dem hohen Blutdruck, also ohne Salz oder ämu nur «äs bitzeli».

Heutzutage ist der «Normal­gast» bald die Ausnahme – das «Wunschkonzert» die Regel. Auf‘s Essen projizierte Weltanschauun­gen, immer mehr Unverträglichkei­ten und Allergien sind eine Belastung für Küche und Service. Wie kann da ein Küchenorchester noch mit Begeis­terung spielen?

Ein fiktives Service Beispiel im Restaurant:

Unangenehm wenns juckt und brennt
Unangenehm wenns juckt und brennt

Am Tisch 14 bringt ein Vegeta­rier seine Wünsche an: „Keinen langweiligen Gemüseteller. Pilze esse ich nicht. Rosenkohl hasse ich. Die Köche sollen sich was einfal­len lassen. Aber nur frisches Gemüse und möglichst regional“.

Am Tisch 13 sitzen sechs Gäste. Da­runter ein Gast mit Zöliakie. Das muss man ernst nehmen. Weiss der Koch, welche Getreidesorten glutenfrei sind? Zum Glück weiss er es und zaubert, gleichzeitig mit fünf anderen Bestellungen von Tisch 13 und 10 (Sonderwunsch: ja keine Sup­pe aus dem Päckli) etwas Passendes auf den Teller. Weitere A-la-carte-Bestellun­gen türmen sich fast schon zu Eifel­turmhöhe. Chuchistress eben.

Tisch 20 kommt mit einem neu­en Spezialwunsch an den Service: „Können Sie bitte am Tisch nebenan sagen, sie möchten mit dem Hund ver­reisen, denn ich habe eine Hunde­haarallergie.“ Als ob das so einfach wäre, sind doch der Hund und sein Besitzer seit Jahren Stammgäste. Das Tier bellt nie, riecht nicht und liegt brav unter dem Tisch.

Am Tisch 7 sitzt eine Dame mit „sehr empfindli­chem Magen“, wie sie sagt. Auf der Karte findet sie nichts Passendes. Zufälligerweise arbeitet eine Diätköchin im Betrieb und stellt die Dame zufrieden.

Tisch 16: Zwei Gäste outen sich als „vegan“. Obwohl aktuell ein hoch gehandeltes Ernährungsthema, ist veganes Essen in einem Restaurant, das nicht auf diese Gäste speziali­siert ist, eine grosse Herausforde­rung. Doch die Küche schafft auch das noch knapp. Andere Bestel­lungen müssen dafür warten.

Verschnupft

Allergien trüben die Lebensfreude
Allergien trüben die Lebensfreude

Da kommt Tisch 11 gerade recht. Dort sitzt ein Gast mit Pollenallergie. Man sieht es ihm an. Er kann nichts essen. Der Arme. Er ist einfach «verschnupft», und die Köche sind es langsam aber sicher auch. Ebenso wie der Service. Erst recht, wenn die Mitarbeitenden mit der deut­schen Sprache Mühe haben, sind Misstöne programmiert. „Freundlich blei­ben, die Ruhe bewahren“ lautet das Gesetz der Gastronomie. Der Gast ist König. Jeder. Ausnahmslos.

Als einstiger Gastgeber bin ich für Lösungen der Prob­leme und schlage vor:

Auch die Kleinen sind nicht vor Allergien gefeit
Auch die Kleinen sind nicht vor Allergien gefeit

Wenn man als Gast schon weiss, was einem fehlt, kann man im Zeitalter der Digitali­sierung im Internet die Speisekarte vor dem Restaurantbesuch studie­ren. Allfällige Spezialwünsche bei der Reservation an­bringen. Ja, mit dem Küchenchef persönlich sprechen, was überhaupt drin liegt. Das hat kürzlich an einem Anlass glorios funktioniert. 4 Gäste wurden diskret mit ih­rem „allergiebedingten“ Extraessen beglückt. Ohne Gschtürm. So einfach wäre das, oder?

Die Beiz ist kein Sanatorium

Volkskrankheit Allergie
Volkskrankheit Allergie

Allerdings hat mir kürzlich ein angesehener Gastgeber erzählt, dass ob der vielen Wünsche von Gästen schon oft masslos überfordert gewesen sei und er kürzlich sehr komplizierten Gästen gesagt habe, dass sein Restaurant in Gottes Namen kein Sanatorium sei….für Modeallergiker schon gar nicht. Recht hat er.

Text   www.herberthuber.ch

Fotos www.pixelio.de

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Pollenallergie ist weeitverbreitet

Pollenangriff auf unsere Nasen

Allergien betreffen diverse Körperteile

Allergie-der-Haut-besonders auffällig unschön und ärgerlich

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Projekte gegen die Einsamkeit im Alter und vieles mehr: Studiengang Industrial Design lädt zum Showcase ein

Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum.  uwid/BUW
Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum. uwid/BUW

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Ein Teil ihrer Menschen lebt im
Alter alleine, ist mit Krankheiten konfrontiert, die Einsamkeit verstärken
können. Welchen Beitrag kann Technologie leisten, Kommunikation zwischen
Alt und Jung ortsunabhängig zu fördern und beispielsweise Prozessen der
Demenz entgegenzuwirken? Dieser Frage gehen Industriedesignstudierende der
Bergischen Universität Wuppertal in ihren aktuellen Semesterprojekten
nach.

Ihre Ergebnisse – technische Prototypen – sowie viele weitere
Abschlussarbeiten, u. a. zum Thema nachhaltiges Produktdesign, stellen sie
und ihre Kommiliton*innen im Rahmen ihrer Semesterabschlussausstellung
„Showcase“ vor: Zur öffentlichen Finissage am Freitag, 8. März, sind alle
Interessierten ab 19 Uhr herzlich eingeladen.

„Hinter den Projekten, die sich speziell auf das Thema Einsamkeit im Alter
beziehen, steckt im Kern die Überlegung, gemeinsame Aktivitäten zu
schaffen, um darüber neue Gesprächsthemen zu entwickeln“, erklärt Fabian
Hemmert. Der Professor für Interface- und User Experience-Design ist mit
seinem Team aktuell Teil des vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung geförderten Projekts ZEIT, für das ein digitales System
entwickelt wurde, mit dem Senior*innen trotz räumlicher Distanz mit ihren
sozialen Kontakten interagieren können (siehe Infokasten). „Das Thema
eines solchen Forschungsvorhabens greifen wir auch für die Lehr-Lern-
Projekte unserer Studierenden auf. So entstehen neben der großen digitalen
Gesamtlösung viele weitere Prototypen, die das Ziel verfolgen,
zwischenmenschliche Verbundenheit zu fördern“, so Hemmert.

„Du bist nicht allein“

Im vergangenen Semester standen vermehrt proaktive Lösungen im
Vordergrund. Heißt: Durch einfach bedienbare Anwendungen wie ein
gemeinsames Spiel in virtueller Umgebung können Menschen direkt
miteinander kommunizieren. Aktuell arbeitet die nächste Gruppe von
Studierenden vorwiegend daran, Systeme zu entwickeln, die hintergründig
vermitteln sollen „Du bist nicht allein“. Ein Beispiel nennt Hemmert: „In
einem Projekt wird ein Windspiel konzipiert, das in der Wohnung des
Angehörigen hängen könnte. Immer, wenn ich an einem entsprechenden
Gegenstück, das wiederum bei mir zu Hause in der Wohnung installiert ist,
vorbeigehe, bewegt sich das Windspiel. Das kreiert ein Gefühl von Nähe“,
erklärt Hemmert. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit einer Bank, die
– weitergedacht – einmal vor einem Pflegeheim stehen könnte, und seine
Bewohner*innen einlädt, sich zu setzen, um mit der Außenwelt zu
kommunizieren. Neben der Möglichkeit, Verbindung zu einer Person auf einer
andernorts aufgestellten Bank herzustellen, ist dabei sogar denkbar und
technisch lösbar, die physische Präsenz des Gegenübers durch eine
Verformung der Bank zu suggerieren und das Gefühl der Nähe zu verstärken.

Ethik-Workshops: Nutzer*innen schützen

Es geht darum, ganz verschiedene Emotionen anzusprechen. Die Studierenden
führen dafür im Vorfeld ihrer Konzepterstellung Interviews, beschäftigen
sich mit Debatten zu sozialen und ethischen Fragestellungen: Welche
Gefahren kann ein solches System auch mit sich bringen? Mentale
Gesundheit, Daten- und technische Sicherheit stehen hierbei zum Beispiel
im Fokus. „Mit entsprechenden Workshops vermitteln wir unseren
Studierenden, wie wichtig es ist, ethische Komponenten von Beginn an in
die Gestaltung einzubeziehen. Technisch ist mittlerweile so Vieles
möglich, wir müssen die Nutzer*innen aber auch schützen“, betont Eva
Licht, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Industrial Design.

Showcase: Alle Arbeiten an einem Ort

Ihre Arbeiten stellen die Studierenden an der Bergischen Universität nun
auf dem Campus Grifflenberg in Gebäude I, Foyer Ebene 13 (Zugang über
Fuhlrottstraße 10) aus. Zur Finissage laden sie am 8. März ab 19 Uhr ein.
Von physischen Produkten bis hin zu immateriellen Dienstleistungen und von
Semesterprojekt bis Masterarbeit ist alles dabei. Manches, wie das Projekt
in Kooperation mit dem Unternehmen Abus, ist ein visionärer Blick in die
Zukunft; andere Inhalte suchen Antworten auf ganz aktuelle Fragestellungen
wie „Wie teilt ein Produkt eigentlich mit, dass es nachhaltig ist?“. „Für
unsere Studierenden ist der Showcase etwas Besonderes – hier können sie
ihre Ideen und Lösungen einem größeren Publikum zeigen. Unser Showcase ist
damit auch immer eine Plattform, um konstruktiv über gesellschaftliche
Themen und Herausforderungen zu sprechen“, sagt Prof. Hemmert.

Weiterführende Informationen zur Ausstellung veröffentlicht der
Studiengang auf der Veranstaltungswebseite: https://uwid.uni-
wuppertal.de/showcases.


Das Forschungsprojekt ZEIT

Ziel des Verbundvorhabens ist die Erforschung und Entwicklung einer
digitalen Gesamtlösung, die ein Gefühl der Verbundenheit schaffen kann,
wenn ältere Menschen von ihrem Freundeskreis oder Familien getrennt sind.
Dafür wurde ein Armstuhl mit einem programmierbaren Textil und
zusätzlichen Sensoren im Gewebe des Sessels ausgestattet. Eine zentrale
Rolle spielt hier ein Virtual Reality-System, mit dessen Hilfe
Erinnerungen – beispielsweise alte Fotos und Urlaubserinnerungen –
intuitiv navigierbar gemacht werden und gemeinsam mit Angehörigen neu
erlebt werden können, zu denen so eine stärkere und aktivere Beziehung
ermöglicht wird.

Der Studiengang Industrial Design von der Bergischen Universität kümmert
sich im Projekt vor allem darum, die Nutzer*innen einzubeziehen. Zentral
ist die Gestaltung eines Interfaces, das die komplexen Inhalte einfach
bedienbar macht.

Das Projekt befindet sich auf der Zielgeraden: Eine abschließende
Evaluation des Armstuhls durch weitere Tests mit Nutzer*innen soll
Aufschluss darüber geben, welche Aspekte bei zukünftigen Entwicklungen
dieser Art in besonderem Maße beachtet werden müssen.

Verbundkoordinator des Projekts ist das Institut für Textiltechnik der
RWTH Aachen. Weitere Partner sind das OFFIS – Institut für Informatik aus
Oldenburg, die Visseiro GmbH aus Berlin und die AWO Wohnen und Pflegen
Weser-Ems GmbH. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert
das Gesamtvorhaben mit rund 1,8 Millionen Euro.

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Textile Innovationen für die ambulante Gesundheitsversorgung

Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel.  Foto: BTU, Titus Martin
Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel. Foto: BTU, Titus Martin

Therapiewissenschaftler*innen der Brandenburgischen Technischen
Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) untersuchen den Einsatz von
Zukunftstechnologien für ein gelingendes Altern. In einem neuen Projekt
mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
und Fokus auf die Oberlausitz wirkt die Universität eng mit Unternehmen
zusammen.

Sensorbasierte Schutz- und Monitoringsysteme für Vitalität und Mobilität
im Alter (SeSMoVit-A) ist der Titel des für den Gesundheitscampus
Senftenberg bedeutsamen Projektes, für das Prof. Dr. habil. Sven Michel,
Leiter des Fachgebietes Therapiewissenschaften II an der BTU, die
Federführung hat. Nach einem zweistufigen Auswahlverfahren stellt das BMBF
über die Programmlinie WIR! – Wandel durch Innovation in der Region dafür
in den nächsten drei Jahren 2,5 Millionen Euro bereit und zugleich eine
Anschlussförderung in Aussicht. Für die Forschung an der BTU stehen davon
rund 600.000 Euro zur Verfügung.

Um Patient*innen unabhängig von Praxisbesuchen im häuslichen Umfeld oder
auch in Pflegeeinrichtungen überwachen und schützen zu können, benötigen
Ärzt*innen konkrete Aussagen zu entsprechenden Vitalparametern, zum
Beispiel Herzfrequenz, EKG, Blutdruck, Blutzucker, Laktat oder
Körperkerntemperatur. Im Projekt SeSMoVit-A wird unter anderem erforscht,
was hierzu intelligente textile Produkte leisten können. Zahlreiche Fragen
müssen geklärt werden – zum Beispiel: Welche Art von Kleidung und
Stofffaser ist dafür geeignet? An welchen Körperteilen sollen und können
Sensoren platziert werden? Wie werden die erfassten Signale bearbeitet und
an wen werden diese übermittelt? Wie verhält es sich mit dem Datenschutz?
Was sind tatsächlich Notfall auslösende Signale?

„Vom Ansatz her, handelt es sich bei diesem Projekt um einen Verbund
zwischen Universität und forschender Industrie“, hält Professor Michel
fest. "Die Unternehmen Smart Textiles Hub GmbH (Dresden), FiberCheck GmbH
(Chemnitz), MeDConNet GmbH (Chemnitz) und das Sächsische
Textilforschungsinstitut e.V. (Chemnitz) haben sich dabei zu einem
Konsortium zusammengeschlossen und wollen mit der BTU textile Innovationen
praxisbezogen testen beziehungsweise in die Oberlausitz tragen."
Dabei nutzen sie ihr gut aufgebautes regionales Netzwerk und arbeiten mit
den dortigen Gesundheitsdienstleistern eng zusammen. Der Oberlausitz wird
dabei seitens des BMBF der Charakter einer Modellregion zugeschrieben, in
der insbesondere Gero-Technologien zur Verbesserung der Lebensqualität im
höheren Lebensalter entwickelt und erprobt werden sollen.

„Betrachtet man die leistungsdiagnostische Forschung der letzten 30 Jahre,
sind vielfältige sensorgestützte Messverfahren zur Beurteilung von Status
und Dynamik des menschlichen Körpers in unterschiedlichen Settings
erprobt, validiert und miniaturisiert. Gleiches gilt für die
Textilforschung, die nahezu unsichtbar Sensoren in und auf textile Fasern
bringen kann. Davon ist jedoch im Bereich der ambulanten
Gesundheitsversorgung einschließlich der Pflege kaum etwas anzutreffen.
Mehr als unsolide Herzfrequenzmesser, Notfallmeldesysteme oder
transportable EKG-Geräte sind hier kaum im Einsatz“, so Professor Michel
weiter. „Das muss sich ändern, insbesondere wenn wir von Digitalisierung,
Telemedizin oder gar künstlicher Intelligenz sprechen. Und genau daran
arbeiten wir!“

Dabei knüpfen die Therapiewissenschaftler*innen direkt an ihr letztes vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördertes
Forschungsprojekt an, in welchem zusammen mit der TU Dresden ein textiler
Schweißsensor entwickelt und evaluiert wurde (siehe:
https://www.b-tu.de/en/news/article/15600-was-der-schweiss-ueber-die-
eigene-fitness-verraet
). Dieser ist im Stande, Stoffwechselendprodukte im
Schweiß zu messen, um so verschiedene Aussagen zu Krankheitsstatus oder
der Ausdauerleistungsfähigkeit non-invasiv abzuleiten.

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