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Wie können wir die Qualität globaler Wassermodelle evaluieren?

In einer kürzlich in „Nature Water“ veröffentlichten Studie testet die
Arbeitsgruppe Analyse hydrologischer Systeme an der Universität Potsdam
gemeinsam mit einem internationalen Team, inwiefern globale Wassermodelle
untereinander und mit Messdaten übereinstimmen. Durch einen neuen
Evaluierungsansatz können die Forschenden zeigen, in welchen Klimaregionen
die Modelle übereinstimmen und wo sie voneinander abweichen. Das Projekt
wurde im Rahmen einer Alexander von Humboldt-Professur an der Universität
Potsdam sowie in Zusammenarbeit mit dem Inter-Sectoral Impact Model
Intercomparison Project (ISIMIP) durchgeführt.

Globale Wassermodelle sind unverzichtbar, um den Wasserkreislauf zu
verstehen – aktuell vor allem, wenn es um die Auswirkungen des
Klimawandels geht. Unsere Gesellschaft erfährt viele dieser Folgen in Form
von Wasserextremen wie zunehmenden Dürren und Hochwassern, die eine Gefahr
für Menschen und Ökosysteme darstellen. Aber es ändert sich auch die
generelle Wasserverfügbarkeit, zum Beispiel die landwirtschaftlich
relevante Bodenfeuchte, oder die Grundwasserneubildung, die für eine
nachhaltige Nutzung von Grundwasserressourcen von Bedeutung ist.

Allerdings sind Schlussfolgerungen zu diesen Veränderungen, die mithilfe
globaler Wassermodelle gezogen werden, im Moment noch unsicher, da die
Ergebnisse verschiedener Modelle dazu sehr unterschiedlich ausfallen.
Diese Unstimmigkeiten waren bislang unzureichend quantifiziert und
bisherige Evaluierungsansätze haben wenig Information darüber geliefert,
wie die Modelle verbessert werden können. Die neue Studie nutzt zum ersten
Mal großräumige Beziehungen zwischen klimatischen und hydrologischen
Variablen, unter anderem Niederschlag und Grundwasserneubildung, um
Unterschiede zwischen den Modellen und im Vergleich zu Messdaten
aufzuzeigen. Der leitende Autor Dr. Sebastian Gnann, der während seiner
Zeit in Potsdam an der Studie gearbeitet hat, sagt: „In Messdaten sehen
wir zum Beispiel einen starken Zusammenhang zwischen Niederschlag und
Grundwasserneubildung über dem afrikanischen Kontinent. Nicht alle Modelle
bilden diesen Zusammenhang korrekt ab und wir müssen verstehen, wie
realistisch verschiedene Modellergebnisse sind.“

Zusammenhänge zwischen klimatischen und hydrologischen Variablen –
sogenannte funktionale Beziehungen – geben einen Überblick darüber, wie
der globale Wasserkreislauf funktioniert. Wie sehr ist die
Grundwasserneubildung vom Niederschlag abhängig und wie stark ist der
Einfluss anderer Faktoren, etwa der Geologie? Antworten auf solche Fragen
sind enorm wichtig, aber sie fehlen für viele Gebiete der Erde, was sich
auch in den Unstimmigkeiten zwischen den Modellen widerspiegelt. Neben der
Grundwasserneubildung sind diese Unstimmigkeiten besonders groß bei
Prozessen, die den Energiehaushalt an der Landoberfläche beschreiben,
sowie generell in trockenen und kalten Regionen.

Prof. Thorsten Wagener, Ko-Autor der Studie, erklärt: „Wir suchen neue
Methoden zur Evaluierung dieser immens wichtigen Modelle, die zum einen
Entscheidungsträger darüber informieren, wie verlässlich die
Modellergebnisse sind. Zum anderen sollen sie aber auch den
Modellentwicklern dabei helfen, die Modelle zu verbessern. Wenn wir die
Belastbarkeit der Modellvorhersagen besser quantifizieren können, steigt
auch die Relevanz und der Nutzen dieser Modelle.“ Funktionale Beziehungen
bieten das Potenzial für grundlegende Fortschritte in der globalen
Hydrologie und sollten ein neuer Schwerpunkt der hydrologischen Forschung
sein, insbesondere der Modellevaluierung.

Link zur Publikation: Gnann, S., Reinecke, R., Stein, L. et al. & Wagener,
T. Functional relationships reveal differences in the water cycle
representation of global water models, Nat Water (2023),
https://doi.org/10.1038/s44221-023-00160-y

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Bundesamt für Strahlenschutz: Kinder, Schwangere und stillende Mütter sollten Paranüsse meiden

Apfel, Nuss und Mandelkern gehören zu den traditionellen Nikolaus-
Geschenken

Apfel, Nuss und Mandelkern gehören zu den traditionellen Nikolaus-
Geschenken. Wer Kindern in der Vorweihnachtszeit etwas Gesundes zum
Naschen geben möchte, sollte Paranüsse allerdings meiden. Denn Paranüsse
können ungewöhnlich hohe Mengen an radioaktivem Radium enthalten – ein
Sonderfall im Vergleich zu anderen, insbesondere heimischen Nussarten.
Auch für Schwangere und stillende Mütter sind diese Nüsse nach
Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) deshalb keine gute
Wahl.

Radium ist ein radioaktives Element, das natürlich in Böden vorkommt.
Paranussbäume können es mit ihren Wurzeln aufnehmen und bis in die Nüsse
transportieren. Die Heimat dieser Urwaldriesen sind die tropischen
Regenwälder Südamerikas. Dort gibt es zum Teil Böden, die große Mengen an
Radium enthalten.

Wer jetzt eventuell an die Folgen des Reaktorunfalls von Tschornobyl
(russisch: Tschernobyl) und an andere Nussarten denkt, kann beruhigt sein.
Im Zusammenhang mit dem Unfall spielt das radioaktive Cäsium die
Hauptrolle. Und das wird in Nüssen nur in geringen Mengen gemessen und
unterliegt zudem einem Grenzwert.

Radium lagert sich in Zähne und Knochen ein
Für Erwachsene ist es unbedenklich, Paranüsse in Maßen zu verzehren. Die
Strahlendosis, die dadurch für sie entsteht, ist gering. „Kinder,
Jugendliche, werdende und stillende Mütter sollten vorsorglich auf
Paranüsse verzichten“, empfiehlt BfS-Präsidentin Inge Paulini. Der Grund:
Bei Kindern kann die gleiche Menge an Paranüssen zu einer deutlich höheren
Strahlendosis führen als bei einer erwachsenen Person.

Das liegt nicht nur daran, dass sich der menschliche Körper und sein
Stoffwechsel mit dem Lebensalter ändern. Radium lagert sich wie Kalzium in
Zähne und Knochen ein – und die sind bei Kindern noch im Aufbau. Über
Plazenta und Muttermilch können ungeborene Kinder und Säuglinge den
radioaktiven Stoff aufnehmen.

Kinder vor unnötiger Strahlung schützen
„Wenn Kinder Paranüsse nur gelegentlich essen, geht es auch bei ihnen um
vergleichsweise kleine Strahlendosen. Deswegen mag der Rat zur Vorsicht
übertrieben klingen. Aber Kinder brauchen besonderen Schutz, auch vor
unnötiger Strahlung“, betont Paulini. „Kinder reagieren empfindlicher auf
Strahlung als Erwachsene. Anders als Erwachsene können sie sich oft auch
kein eigenes Urteil über das mögliche Risiko bilden und
eigenverantwortlich entscheiden.“ Von einem übermäßigen Verzehr von
Paranüssen rät Paulini auch Erwachsenen vorsorglich ab.

Strahlendosis durch Ernährung
Mit der Nahrung nimmt jeder Mensch in Deutschland natürlich vorkommende
radioaktive Stoffe auf. Bei durchschnittlichen Essgewohnheiten entsteht
dadurch eine vergleichsweise geringe jährliche Strahlendosis von rund 300
Mikrosievert. Bereits der regelmäßige Verzehr kleiner Mengen an Paranüssen
kann diesen Wert merklich erhöhen.

Wer als erwachsener Mensch zum Beispiel ein Jahr lang im Schnitt täglich
zwei Paranüsse isst, erhält eine zusätzliche Strahlendosis von rund 160
Mikrosievert. Würde ein Kind im zweiten Lebensjahr dieselbe Menge an
Paranüssen zu sich nehmen, läge die zusätzliche Strahlendosis unter
anderem wegen des deutlich anderen Körperbaus und des unterschiedlichen
Stoffwechsels bei rund 1.000 Mikrosievert – also etwa sechsmal so hoch.

Berücksichtigt man alle natürlich vorkommenden Strahlungsquellen, ist die
Bevölkerung in Deutschland einer durchschnittlichen Strahlendosis von
2.100 Mikrosievert im Jahr ausgesetzt. Je nach lokalen Gegebenheiten und
Lebensstil liegen die individuellen Werte zwischen 1.000 und 10.000
Mikrosievert im Jahr.

Weitere Informationen: www.bfs.de/paranuesse

Bundesamt für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des
Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert
die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des
Strahlenschutzes. Die über 550 Beschäftigten bewerten Strahlenrisiken,
überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen
Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im
medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und
strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind
weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde
betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen
Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

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Leopoldina-Weihnachtsvorlesung: Bernhard Schölkopf spricht zu künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird als Werkzeug in Arbeitsprozessen immer
wichtiger. Expertinnen und Experten gehen von einer „kybernetischen
Revolution” aus: Maschinelles Lernen, bei dem Computer darauf trainiert
werden, selbstständig aus Daten und Erfahrungen zu lernen, werden viele
Arbeitsprozesse erleichtern. In der Leopoldina-Weihnachtsvorlesung am
Donnerstag, 7. Dezember 2023, in Halle (Saale) spricht der Physiker,
Mathematiker und Informatiker Prof. Dr. Bernhard Schölkopf über die
Entwicklungen und Erfolge des maschinellen Lernens sowie über grundlegende
Herausforderungen.

Leopoldina-Weihnachtsvorlesung
„Die kybernetische Revolution: symbolische, statistische und kausale
künstliche Intelligenz“
Donnerstag, 7. Dezember 2023, ab 18:30 Uhr
Hauptgebäude der Leopoldina
Jägerberg 1, 06108 Halle (Saale) und online

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ wird im Zusammenhang mit modernen
Technologien verwendet und ist eine wörtliche Übersetzung aus dem
Englischen für „Artificial Intelligence“ oder kurz „AI“. In der Informatik
beschreibt er den Versuch, menschliches Denken und Lernen auf Computer zu
übertragen. Methoden des maschinellen Lernens haben inzwischen die zweite
Phase dieser Entwicklung eingeläutet, indem sie Informationsquellen in
unstrukturierten Datenmengen erschließen. Von Übersetzungsprogrammen bis
hin zu ChatGPT gehen moderne Technologien auf diese Methoden des
maschinellen Lernens und damit auf künstliche Intelligenz zurück. In der
diesjährigen Leopoldina-Weihnachtsvorlesung erörtert Bernhard Schölkopf,
wie mit den Vor- und Nachteilen des maschinellen Lernens umgegangen werden
kann, um eine positive Entwicklung der Methoden aktiv zu fördern.

Bernhard Schölkopf ist seit 2011 Gründungsdirektor am Max-Planck-Institut
für Intelligente Systeme in Tübingen und seit 2016 Mitglied der
Leopoldina. In seinem Forschungsgebiet, dem maschinellen Lernen,
entwickelt er Algorithmen, mit denen Computerprogramme flexibel auf
verschiedene Situationen reagieren können. Im Ergebnis hat Schölkopf
anerkannte Methoden für maschinelles Lernen etabliert, von denen
unterschiedliche Disziplinen wie Biologie, Medizin sowie Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften profitieren. Maßgeblich hat er mit seinen Arbeiten
das Gebiet der intelligenten Systeme vorangebracht. Für seine Forschung
wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2019 mit dem
Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und 2018 mit dem Gottfried
Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Veranstaltung ist kostenfrei und richtet sich an alle fachlich
Interessierten. Sie wird auch im Livestream auf dem YouTube-Kanal der
Leopoldina übertragen. Eine Anmeldung für die Teilnahme vor Ort ist
erforderlich. Den Link zur Anmeldung, zum Livestream sowie weitere
Informationen zur Veranstaltung:
https://www.leopoldina.org/veranstaltungen/veranstaltung/event/3124/

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Leopoldina-Newsletters
spricht Bernhard Schölkopf über neuronale Netze und Supermächte der KI:
https://newsletter.leopoldina.org/mag/0160814001698309765/p16

Journalistinne oder Journalisten, die an der Veranstaltung teilnehmen
möchten, melden sich bitte per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. an.

Die Leopoldina auf X: www.twitter.com/leopoldina

Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina:
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina
unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich
relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre
Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In
diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu
entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die
Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten
ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche
Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der
wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat
rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus
nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur
Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die
Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl
verpflichtet.

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Auszeichnung für Innovation zur Detektion von PFAS-Verbindungen

Der Einsatz von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) ist längst
nicht nur umstritten, sondern steht vor einem möglichen EU-weiten Verbot.
Die damit einhergehenden Herausforderungen für Hersteller, die darauf
angewiesen sind, Chemikalien künftig aufwendig zu prüfen, sind
vielschichtig. In einer Kooperation zwischen dem MikroTribologie Centrum
µTC und dem Thüringer Startup Kompass GmbH wurde nun ein innovatives
Messsystem entwickelt, das bisherige Geräte zur Detektion von PFAS-
Verbindungen in Handlichkeit, Flexibilität und Genauigkeit weit
übertrifft. Am 16. November wurde das System mit dem Lothar-Späth-Award
ausgezeichnet, der für besonders wegweisende Innovationen vergeben wird.

PFAS sind eine Gruppe von Chemikalien, die aufgrund ihrer einzigartigen
wasser- und fettabweisenden Eigenschaften in einer Vielzahl von
industriellen Anwendungen verwendet werden. Oft finden sich diese
Substanzen in Produkten wie Imprägniermitteln für Textilien,
Lebensmittelverpackungen, feuerfesten Schaumstoffen und zahlreichen
Schmierstoffen. Neben ihrer Langlebigkeit, die erhebliche Folgen für die
Umwelt hat, bergen PFAS potenziell auch Gesundheitsrisiken.
Einschränkungen oder gar ein weitumfassendes Verbot des Einsatzes von PFAS
– wie in Deutschland bereits angestrebt – bedeutet, dass Hersteller,
Zulieferer und Kommunen vollumfängliche Tests durchführen müssen, die
kosten- und zeitintensiv sind.

Als Alternative zu herkömmlichen Messmethoden, die teuer und aufwendig
sind und auch nicht zum Einsatz im Feld taugen, wurde in einer Kooperation
zwischen der Kompass GmbH und dem MikroTribologie Centrum µTC ein
neuartiges Messgerät zur PFAS-Detektion entwickelt. Das System steht kurz
vor der Markteinführung und wird allen Sektoren dienen, die von einem
PFAS-Verbot betroffen sein werden. Ausgezeichnet wurde die Innovation am
16. November mit dem Lothar-Späth-Award, der besonders wegweisende
Innovationen aus der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft
würdigt.

Neuartiges Messgerät in länderübergreifender Kooperation entwickelt

Im Rahmen eines Auftrags des Weltskiverbandes (FIS) zur Detektion von
PFAS-Verbindungen in Skiwachsen wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem
in Thüringen ansässigen Startup Kompass GmbH und dem MikroTribologie
Centrum µTC, einem Zusammenschluss zwischen dem Fraunhofer-Institut für
Werkstoffmechanik IWM in Freiburg und dem Karlsruher Institut für
Technologie (KIT), ein Prototyp für einen einfach nutzbaren »PFAS-Tester«
entwickelt, der heute kurz vor der Markteinführung steht. Die enge
Zusammenarbeit profitierte stark von der Fachexpertise der jeweiligen
Partner: Die Arbeiten der auf Sensortechnologie spezialisierten Kompass
GmbH, die die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Sensorik
beinhaltet, wurde hierbei von der Expertise des MikroTribologie Centrums
µTC komplementiert, das über langjährige Erfahrung sowohl in den Bereichen
der Tribosystembewertung und -optimierung als auch der Werkstoffanalytik
verfügt.

»Bisherige PFAS-Detektionsmethoden, die beispielsweise auf der
Infrarotspektroskopie (FTIR) beruhen, sind meist nicht mobil einsetzbar.
Das bedeutet, dass PFAS-haltige Proben für die Analyse in Messlaboren nur
sehr aufwendig vor Ort untersucht werden können«, erklärt Prof. Matthias
Scherge, Leiter des MikroTribologie Centrums µTC und Leiter des
Geschäftsfelds Tribologie am Fraunhofer IWM. Ein weiteres Problem zeige
sich zudem in der Beschaffenheit der Proben: Die unterschiedlichen
Molekülschwingungen, die die in den Proben angeregt werden, können
überlagert sein, sodass die Auswertung in den FTIR-Analysen nach Energie
und Signalstärke nicht ausreichend ist. Die exakte Auswertung erfordert
daher die Implementierung eines Modells, welches verschiedene
charakteristische Peaks im Spektrum in Beziehung setzt.

Der neu entwickelte PFAS-Tester, im handlichen Handscannerformat, wird
diesen Herausforderungen gerecht. »Das Gerät nutzt einen Messkopf, der
Proben durch Infrarot- und Ultraviolettlicht anregt und Signale
aufzeichnet, die eine breite Palette von Energiebereichen abdecken«,
erläutert Prof. Scherge. Dabei werden Rauheitseffekte minimiert, indem der
Messkopf reflektierend und diffus in verschiedenen Richtungen zur
Oberfläche misst. Zusätzliche Sensoren kompensieren Effekte durch die
Probenfarbe. Die Vielfalt der Sensoren erfordert maschinelle
Datenverarbeitung mit Tools, die auf Künstlicher Intelligenz beruhen und
auf das maschinelle Lernen zurückgreifen. Die integrierte KI-Lösung ist
hardware-technisch codiert und ermöglicht durch Cloud-Anbindung den
Einsatz weiterer Algorithmen für eine umfassende Datenbank. Durch
geeignete Anpassung des Geräts mit Informationen aus Infrarot- und
Röntgenspektren sind nahezu alle PFAS-Verbindungen quantifizierbar.

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