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Magnetschwebebahn in Berlin: zu teuer und nicht energieeffizient

TU-Professor Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht zur Verständigung der schwarz-
roten Koalition auf eine Magnetschwebebahn in Berlin

Der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hat heute bekanntgegeben,
dass sich die schwarz-rote Koalition in der Hauptstadt auf den Bau einer
fünf bis sieben Kilometer langen Teststrecke für eine Magnetschwebebahn
verständigt hat. Laut Stettner sei eine Magnetschwebebahn vergleichsweise
günstig zu bauen und viel schneller realisierbar als etwa eine U-Bahn-
Linie. Die Bahn solle ohne Fahrpersonal betrieben werden und sowohl
Personen als auch Güter transportieren können. Die Kosten von rund 80
Millionen Euro will die Koalition über das sogenannte Klima-Sondervermögen
finanzieren.

Magnetschwebebahn und U-Bahn lassen sich nicht vergleichen

Dazu sagt Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets
Schienenfahrzeuge der Technischen Universität Berlin: „Die Kosten für den
Bau einer aufgeständerten Magnetschwebebahn denen für eine neue U-Bahn-
Strecke gegenüberzustellen, ist wie ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
Natürlich ist eine unterirdische Bahn teurer als eine aufgeständerte
oberirdische – aber das muss deshalb keine Magnetschwebebahn sein.“
Genauso gut und wesentlich billiger könne man auch eine ganz normale
Bahnstrecke aufständern.

Energieeffizienz bei Magnetschwebebahn ist schlecht

„Die Energieeffizienz einer Magnetschwebebahn ist sehr schlecht“, erklärt
Hecht. Deren Antriebsprinzip könne man sich als langgestreckten,
ausgeklappten Drehstrom-Elektromotor vorstellen. Beim Drehstrommotor
werden Magnetfelder periodisch so umgepolt, dass sich das resultierende
Magnetfeld dreht. Dadurch wird ein magnetischer Anker in eine Drehbewegung
versetzt. Der Antrieb der Magnetschwebebahn funktioniert ähnlich: Hier
werden Magnete an der Führungsschiene so periodisch umgepolt, dass der Zug
beschleunigt wird. Das resultierende Magnetfeld wandert also an der
Schiene entlang. „Der Abstand zwischen Anker und Magnetspule in einem
Elektromotor beträgt vielleicht einige Zehntel Millimeter. Wegen der
Unebenheiten der Fahrstrecke muss aber der Abstand zwischen
Führungsschiene und Zug bei der Magnetbahn mindestens einen Zentimeter
betragen. Dieser viel größere Abstand führt zu einem wesentlich
schlechteren Wirkungsgrad“, sagt Hecht.

Risiken bei der Zulassung eines neuen Konzepts

Zudem berge die Zulassung eines völlig neuen Konzepts für eine
Magnetschwebebahn in Berlin unkalkulierbare zeitliche und finanzielle
Risiken. „Nehmen Sie nur die Fluchtwege, die bei heutigen aufgeständerten
Schienenbahnen – wie etwa Teilen der Berliner S-Bahn – entlang der Strecke
realisiert sind. Hier können die Passagiere im Notfall jederzeit aus der
Bahn. Ich kenne aber keine Magnetschwebebahn, bei der dieses
Sicherheitskonzept momentan integriert ist.“ Solche Fragen seien aber für
eine Zulassung in vertretbarer Zeit essentiell.

Verkehrsbedarf sollte im Vordergrund stehen – nicht eine neue Technologie

„Auch dass die Magnetschwebebahn vollautomatisch und personallos verkehren
soll, ist für neue Nahverkehrssysteme heute Standard und keineswegs ein
Spezifikum einer Magnetbahn“, erklärt Hecht. Er resümiert abschließend:
„Ich wundere mich sehr, dass hier der Entscheid für eine neue Technologie
im Vordergrund steht und nicht die Frage, welcher Verkehrsbedarf in
Zukunft an welcher Stelle in Berlin befriedigt werden soll.“

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GEOMAR nimmt an der internationalen Klimakonferenz COP28 teil und unterstützt die „Dubai Ocean Declaration"

Gemeinsam mit anderen führenden Einrichtungen aus
Wissenschaft und Interessenvertretung präsentiert sich das GEOMAR auf der
diesjährigen Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Das GEOMAR beteiligt
sich am Ozean-Pavillon, der den Austausch zu Meeresforschung und
ozeanbasierten Lösungsansätzen im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt.
Die Koordination liegt bei Woods Hole und der Scripps Institution. Mit
ihrer „Dubai Ocean Declaration“ fordern die Partner Staats- und
Regierungschefs auf, den Schutz des Ozeans zu verbessern und Möglichkeiten
für die Ozeanbeobachtung auszubauen – eine Grundlage für wissenschaftliche
Erkenntnisse als Richtschnur des weiteren Fortschritts.

Der Ozean-Pavillon kehrt zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen
(Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten
Nationen über Klimaänderungen, COP28) zurück, um die Rolle des Ozeans für
unser Klima zu unterstreichen. Er dient als zentrale Anlaufstelle für
Konferenzdelegierte, um Ideen zum Kampf gegen den Klimawandel mit Hilfe
von Erkenntnissen aus der Meereswissenschaft auszutauschen – zum ersten
Mal mit Unterstützung des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung
Kiel. Zu der Konferenz werden vom 30. November bis zum 12. Dezember 2023
mehr als 70.000 Delegierte in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate,
erwartet, darunter Staatsoberhäupter und führende Politiker:innen aus
aller Welt. Von der Konferenz wird erwartet, im Konsens gemeinsame
Fortschritte bei Klimaschutzmaßnahmen von 197 Ländern, der Europäischen
Union und Tausenden von Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen,
Jugendgruppen und anderen Akteur:innen zu ermöglichen, die sich für die
Erreichung der im Übereinkommen von Paris festgelegten Ziele einsetzen.

Während der zweiwöchigen Konferenz wird der Ozean-Pavillon mehr als 80
Veranstaltungen, Treffen und ausführliche Diskussionen anbieten, die sich
mit einer Reihe von Konferenzthemen befassen, darunter
Meeresspiegelanstieg, Klima und Leben im Meer, Blue Economy und
Finanzierung. Besucher:innen werden auch die Möglichkeit haben, mehr über
die Arbeit der Partner des Ozean-Pavillons zu erfahren und mit
Wissenschaftler:innen, Vordenker:innen und Studierenden zu sprechen, die
an der Suche nach Lösungen für einige der dringendsten Herausforderungen
der Welt beteiligt sind. Der Ozean-Pavillon und sein Programm werden von
der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) und der Scripps
Institution of Oceanography koordiniert. Als einer der 35 Partner des
Pavillons koordiniert das GEOMAR zwei Veranstaltungen im Pavillon und
trägt zu mehreren weiteren Veranstaltungen bei. Der Schwerpunkt liegt
dabei auf dem Kohlenstoffkreislauf und der Kohlenstoffaufnahme, dem
Sauerstoffgehalt der Ozeane sowie digitalen Ozean-Zwillingen als
Instrument für eine wissenschaftsbasierte Entscheidungshilfen.

„Mit unseren Beiträgen zum Ozean-Pavillon stellen wir den Ozean – unseren
stärksten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel – in den Mittelpunkt
der Klimakonferenz in Dubai“, sagt GEOMAR-Direktorin Professor Dr. Katja
Matthes. „Der Ozean hilft uns, den Klimawandel abzumildern – während wir
auf der anderen Seite auch dafür sorgen müssen, dass sich Menschen auf der
ganzen Welt an die Veränderungen im Meer anpassen und Risiken für ihr
Leben und ihre Lebensgrundlagen abbauen. Dies erfordert tiefgreifende
wissenschaftliche Kenntnis und einen starken Willen zum Handeln. Der
Ozean-Pavillon und die damit verbundenen Aktivitäten seiner Partner zielen
darauf ab, relevante Informationen bereitzustellen, Dialoge zu erleichtern
und zu Veränderungen anzuregen.“

In ihrer heute vorgestellten „Dubai Ocean Declaration“ rufen die Pavillon-
Partner Staats- und Regierungshäupter in aller Welt dazu auf, den Schutz
des Ozeans zu verbessern – beginnend mit einer Ausweitung der
Möglichkeiten für die Ozeanbeobachtung als Grundlage für wissenschaftliche
Erkenntnisse, die den Fortschritt leiten. „So kann die Gesellschaft die
Risiken, die der Klimawandel für den Ozean mit sich bringt, von dem wir
alle abhängen, besser verstehen und besser eindämmen“, heißt es in der
Erklärung.

Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen
(United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) ist das
höchste Entscheidungsgremium der Welt in Klimafragen, und seine jährliche
Konferenz der Vertragsparteien ist eine der größten internationalen
Tagungen der Welt. Die Konferenz ist der einzige Ort, an dem Staats- und
Regierungschef:innen und Klimaexpert:innen aus fast 200 Ländern sowie
Fachleute und Führungskräfte aus Industrie, Handel, Verkehr, Finanzen,
Arbeit und anderen Bereichen zusammentreffen, um gemeinsam die im Rahmen
des Pariser Abkommens eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Im Rahmen
dieses Abkommens aus dem Jahr 2015 haben sich die Länder verpflichtet,
ihre Treibhausgasemissionen gemeinsam so weit zu reduzieren, dass die
Erwärmung des Planeten im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht mehr
als 1,5 bis 2 Grad Celsius beträgt.

Wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen, wird auf der COP28 zum ersten Mal
eine globale Bestandsaufnahme stattfinden – eine umfassende Bewertung der
Fortschritte im Hinblick auf die Klimaziele. Die Präsidentschaft der
Vereinigten Arabischen Emirate wird einen Prozess anführen, in dem sich
alle Parteien auf einen klaren Fahrplan einigen, um den Fortschritt durch
eine pragmatische globale Energiewende und einen Ansatz zu beschleunigen,
der niemanden zurücklässt. Nach den meisten Einschätzungen ist der Planet
aktuell auf dem Weg, diese Grenzen zu überschreiten, selbst bei einem
vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und anderen Quellen von
Treibhausgasen.

Infolgedessen sprechen sich viele Fachleute aus Wissenschaft und Politik
zunehmend für die Entwicklung und den Einsatz von Methoden aus, mit denen
mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt werden kann, als durch
menschliche Aktivitäten erzeugt wird – zusätzlich zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen. Dieser „netto-negative“ Emissionspfad setzt
voraus, dass das Wissen über den Ozean und die potenziellen Auswirkungen
des fortschreitenden Klimawandels sowie über alle vorgeschlagenen Lösungen
durch verbesserte Ozeanbeobachtungsnetze und -technologien erheblich
verbessert wird.

Bessere Kenntnisse über den Ozean und ein verstärkter Kapazitätsaufbau
können auch dazu beitragen, ein viel breiteres Spektrum von
Herausforderungen anzugehen, mit denen Menschen auf der ganzen Welt
konfrontiert sind, darunter die zunehmenden Wetterextreme, die
Ernährungssicherheit, die Energieerzeugung, die Wasserwirtschaft, der
Verlust der Artenvielfalt sowie das nachhaltige Wachstum. Aus diesem Grund
tragen die Partner des Ozean-Pavillons ihre Botschaft von der Bedeutung
des Ozeans für alle menschlichen Aktivitäten und die Gesundheit des
Planeten weiter.

GEOMAR auf der COP28:

01. Dezember 23, 11:00-12:00 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Carbon Sequestration in Seabed Sediments: Prospects and Perils”,
koordiniert vom National Oceanography Centre, mit Professor Dr. Andreas
Oschlies

01 December 2023, 15:30-16:30 Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Ocean Research Coalition: Scientific Coordination to Inform Ocean
Sustainability Decisions”, koordiniert von CNRS, mit Dr. Toste Tanhua
(tbc)

01. Dezember 2023, 17:00-18:00 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“The North Atlantic Carbon Observatory – A Needed Starting Point for
Climate Strategies and Climate Mitigation Solutions”, koordiniert vom
GEOMAR, mit Dr. Toste Tanhua

01. Dezember, 16:30-18:30 Uhr Ortszeit, Deutscher Pavillon
“From Science to Action: Overcoming Challenges in Implementing Carbon
Dioxide Removal (CDR) Pathways”, koordiniert von The Science Coalition,
mit Professor Dr. Andreas Oschlies

02. Dezember 2023, 08:00-09:00 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Ocean Alkalinity Enhancement: A Guide to Responsible, Transparent, and
Inclusive Research”, koordiniert von der Prince Albert II of Monaco
Foundation, mit Professor Dr. Andreas Oschlies

02. Dezember 2023, 09:30-10:30 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Climate Change, Deoxygenation and Biodiversity in the High Seas and Deep
Ocean: Interactions and Policy Opportunities”, koordiniert von der Scripps
Institution of Oceanography, mit Professor Dr. Andreas Oschlies

03. Dezember 2023, 14:00-15:00 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“One Ocean Science Congress: A UN Special Event (Nice, France, June
2025)”, koordiniert von CNRS, mit Professor Dr. Katja Matthes (virtuell,
tbc.)

09. Dezember 2023, 15:30-16:30 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Ocean Observations, Information and Advisory Services for a Sustainable
and Resilient Blue Economy” koordiniert vom Indian National Centre for
Ocean Information Services (INCOIS) mit Professor Dr. Martin Visbeck

10. Dezember 2023, 11:00-12:00 Uhr Ortszeit, Ozean-Pavillon
“Digital Twins of the Ocean: A Novel Tool for Science-Based Decision
Support”, koordiniert vom GEOMAR, mit Professor Dr. Martin Visbeck

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Bessere Behandlungschancen für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler

Herzstiftung fördert Aufbau eines Patientenregisters zur Herzschwäche bei
Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH): Wertvolle Daten für mehr
Sicherheit und neue Therapieansätze. Gefahr durch Komplikationen: Wie EMAH
von regelmäßiger Nachsorge, Prävention und Gesundheitsförderung
profitieren

Weltweit leben rund 50 Millionen Erwachsene mit einem angeborenen
Herzfehler, mehr als 360.000 allein in Deutschland. Damit ist die Zahl der
erwachsenen Patienten – Ärzte verwenden auch die Abkürzung EMAH –
inzwischen größer als jene der Kinder mit einem angeborenen Herzfehler
(AHF). Während vor 100 Jahren noch 70 bis 80 Prozent der jungen Patienten,
die einen relevanten Herzfehler hatten, verstorben sind, erreichen heute
dank des medizinischen Fortschritts in den Industrienationen etwa 95
Prozent das Erwachsenenalter, viele von ihnen mit einer hohen
Lebensqualität. Um diese ermutigende Erfolgsgeschichte fortschreiben zu
können, arbeiten EMAH-Spezialisten mehrerer deutscher Herzzentren mit
Unterstützung der Deutschen Herzstiftung am Aufbau eines
Patientenregisters zur Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Zudem bemühen sie
sich darum, mehr Betroffene für regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zu
motivieren und ihnen zu vermitteln, wie sie von Prävention und der
Gesundheitsförderung profitieren können. Darüber informiert die
Herzstiftung derzeit auch im Rahmen ihrer traditionellen Herzwochen im
November, die unter dem Motto „Herzkrank? Schütze Dich vor dem
Herzstillstand!“ stehen. Einer der Hintergründe: Angeborene Herzfehler
sind eine mögliche Ursache für den plötzlichen Herztod, der in Deutschland
jedes Jahr etwa 65.000 Menschen aus dem Leben reißt. Die Prävention dieses
dramatischen Ereignisses ist Schwerpunkt der diesjährigen
Aufklärungskampagne mit Infos unter https://herzstiftung.de/herzwochen.
Auch EMAH sind von dieser Problematik betroffen. Ein derartiges Ereignis
ist in sehr vielen Fällen die Folge einer schwerwiegenden
Herzrhythmusstörung. Aber auch im Rahmen anderer Ereignisse kann bei EMAH
ein plötzlicher Herztod auftreten, beispielsweise bei Thromboembolien,
Herzinfarkten oder Einrissen der Aorta (Hauptschlagader).

Experten-Netzwerk aus mehreren deutschen Kliniken erstellen Datenbank
In das neue EMAH-Patientenregister „Pathfinder-AHF“ für EMAH mit einer
Fehlfunktion der Herzkammer und/oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz), das
vor einem Jahr mithilfe einer Anschubfinanzierung der Deutschen
Herzstiftung in Höhe von 83.000 Euro ins Leben gerufen worden ist, sind
bereits die Daten von etwa 1500 Patienten mit sehr unterschiedlichen
Herzfehlern eingeflossen, die eine nicht normale Herzfunktion bis hin zur
Herzinsuffizienz oder eine entsprechende Präposition (Veranlagung) dafür
haben. Die Datenbank soll kontinuierlich wachsen und wertvolle
Erkenntnisse zu einer Vielzahl der zum Teil überaus komplexen Herzfehler
oder Herzfehler-Kombinationen liefern.
„Solche Register liefern valide Daten zum Langzeitverlauf – und damit
wertvolle Ansätze, um unsere Patientinnen und Patienten noch besser
behandeln zu können. Sie helfen uns unter anderem dabei,
Risikokonstellationen frühzeitig zu erkennen und die therapeutischen
Möglichkeiten besser zu bewerten“, erklärt Prof. Dr. Dr. Harald Kaemmerer,
Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, und
langjähriger Leiter der Ambulanz im Internationalen EMAH-Zentrum der
Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie (Direktor: Prof.
Dr. Peter Ewert) am Deutschen Herzzentrum München. Der renommierte
Wissenschaftler wirbt um weitere finanzielle Unterstützung für einen
Ausbau des Patientenregisters: „Es ist einer der Schlüssel, die
Versorgungsqualität für unsere Patienten weiter zu verbessern.“

Herzstiftungs-Experte: Viele EMAH verpassen Möglichkeiten der Vor- und
Nachsorge
Ein weiterer Sicherheitsaspekt für EMAH sind regelmäßige Vor- und
Nachsorgeuntersuchungen. Die Notwendigkeit erklärt Prof. Kaemmerer seinen
Patienten oft anhand eines Alltags-Beispiels: „Wenn Sie Auto fahren,
müssen Sie alle zwei Jahre zum Tüv. Wenn Sie einen Herzfehler haben,
sollten sie ebenso von Zeit zu Zeit zum Gesundheits-Tüv gehen. Nicht
deshalb, weil man unbedingt einen Schaden finden will, sondern um
sicherzustellen, dass man ruhigen Gewissens weiter durchs Leben steuern
kann.“ Das große Problem: Sehr viele EMAH nutzen diese Chance nicht. Nach
Daten der Deutschen Herzstiftung, die im Herzbericht 2022 veröffentlicht
wurden, stellten sich nur rund 30.000 der mehr als 360.000 Betroffenen zu
Kontrolluntersuchungen in den Ambulanzen der spezialisierten deutschen
EMAH-Zentren vor.
Oft verabschieden sich die Patienten bereits beim Übergang von der Jugend
ins junge Erwachsenenalter aus dem flächendeckend in Deutschland
verfügbaren Nachsorgesystem („Transition“). Wenn Kinder mit einem
angeborenen Herzfehler volljährig werden, blenden sie ihre Erkrankung aus
– oftmals, weil sie keine Beschwerden haben. Sie wollen dann
uneingeschränkt Sport treiben, eine Familie gründen, sich einen Beruf
suchen, ohne dabei an ihren angeborenen Herzfehler zu denken. „Doch das
kann fatale Folgen haben“, warnt Prof. Kaemmerer. „Mitunter landen die
Patienten dann als Notfälle in den Kliniken, und wir Ärzte stehen vor dem
Dilemma, dass wir ihnen dann nicht mehr gut helfen können.“

350 EMAH-Spezialisten in Deutschland verfügen über wichtige
Zusatzausbildung
Auch deshalb rät die Deutsche Herzstiftung zu regelmäßigen
Nachsorgeuntersuchungen bei einem EMAH-Spezialisten. „Eine Untersuchung
beim Hausarzt oder bei einem Kardiologen, der auf erworbene
Herzerkrankungen fokussiert ist, reicht oftmals nicht aus. Beide
Disziplinen sind für die oft sehr komplexe Betreuung von EMAH nicht
ausreichend ausgebildet – insbesondere, wenn es sich um komplexe
Herzfehler handelt, deren Betreuung fachlich extrem herausfordernd und
sehr zeitaufwendig sein kann“, erläutert EMAH-Experte Kaemmerer. Dies kann
aber in Deutschland von spezialisierten EMAH-Zentren sowie auch von
niedergelassenen Kardiologen und Kinderkardiologen übernommen werden, die
eine Zusatzausbildung auf diesem Gebiet der Herzmedizin erworben haben.
Die Adressen dieser rund 350 Spezialisten in Kliniken und Praxen finden
sich auf der Website der Deutschen Herzstiftung (Stichwort „Dein
Herzlotse“) unter  https://herzstiftung.de/dein-herzlotse
Gerade nach einer erfolgreichen Behandlung im Kindesalter verlieren
Patienten mit einem angeborenen Herzfehler mitunter aus dem Blick, dass
sie trotzdem mit dieser chronischen Erkrankung und ihren Folgen umgehen
müssen. Experten sprechen von Rest- und von Folgezuständen. Restzustände
entstehen dann, wenn ein bestimmter angeborener Herzfehler nur in Teilen
behoben wurde. Ein Beispiel: So wird bei bestimmten Verengungen der
Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose) die häufig ebenfalls fehlgebildete
Aortenklappe nicht mitbehandelt, weil sie (noch) keine Probleme verursacht
und den Eingriff nur komplizieren würde. Folgezustände sind demgegenüber
Einschränkungen, die durch einen Eingriff entstanden sind, etwa durch das
Einsetzen einer künstlichen Herzklappe oder einer Gefäßstütze (Stent).

EMAH-Patienten sind vor zusätzlichen Herzerkrankungen nicht gefeit
Rest- und Folgezustände erfordern eine lebenslange Kontrolle durch einen
EMAH-Spezialisten. Dieser kann seinen Patienten auch sehr individuell über
wichtige Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung beraten. „Bei
der EMAH-Nachsorge gilt es zu berücksichtigen, dass zusätzlich zu den
Problemen, die der angeborene Herzfehler mit sich bringt, auch
Komplikationen durch erworbene Herzerkrankungen entstehen können. Dazu
zählen beispielsweise die Koronare Herzkrankheit, erworbene Herzfehler und
Herzrhythmusstörungen“, erläutert Kaemmerer. Hinzu kommen auch andere
Organerkrankungen, zum Beispiel an Leber, Niere, Lunge, Nervensystem oder
Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder
Fettstoffwechselstörungen, die sich durch effektive Therapie heute gut
behandeln lassen. Voraussetzung sind allerdings in jedem Fall regelmäßige
Untersuchungen bei einem Spezialisten. Nicht selten ließen sich die
hieraus resultierenden Konsequenzen abmildern oder vermeiden, wenn
rechtzeitig entsprechende vorbeugende, gesundheitsfördernde Maßnahmen
ergriffen würden.

Service-Tipps
Über den plötzlichen Herztod bei EMAH berichten Prof. Kaemmerer und
Kollegen am Deutschen Herzzentrum München in dem Artikel „Gefahr schwer
einzuschätzen“ in dem Ratgeber „Herzkrank? Schütze Dich vor dem
Herzstillstand!“ (158 S.). Der Ratgeber kann kostenfrei per Tel. unter 069
955128-400 (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

Das Interview „Riskante Lücke“ mit Prof. Kaemmerer in der HERZ heute-
Ausgabe 3/2023 „Leben mit angeborenem Herzfehler“ widmet sich der
aktuellen Versorgungslage von EMAH. Ein Exemplar dieser Ausgabe kann
kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) angefordert werden.

Mit dem Online-Suchdienst „Dein Herzlotse“ bietet die Kinderherzstiftung
in der Deutschen Herzstiftung unter https://herzstiftung.de/dein-herzlotse
einen zuverlässigen und aktuellen Arzt- und Klinikfinder.
Informationen für EMAH bietet die Herzstiftung kostenfrei unter
https://herzstiftung.de/emah-ratgeber

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Der kalte Drache: Ausstellung zu Salpeter in Alchemie, Büchsenmeisterei und Feuerwerkskunst

Eine neue Ausstellung in der Universitätsbibliothek Augsburg widmet sich
in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Umwelt und dem Lehrstuhl
für Geschichte der Frühen Neuzeit vom 22. November 2023 bis 25. Februar
2024 dem Stoff Salpeter. Dieser war für die ersten Feuerwaffen, die
Alchemie und die Feuerwerkskunst von zentraler Bedeutung. Zu sehen sind
Bücher und Druckgrafiken des 16. – 20. Jahrhunderts sowie Gegenstände, die
das Handwerk des Salpeterers erlebbar machen.

Salpeter ist auf den ersten Blick eine unscheinbare Substanz, die sich in
Kellern und Ställen bildet. Wirft man sie aber auf glühende Kohlen, sieht
man, was in ihr steckt. Aufgrund des in ihm enthaltenen Sauerstoffs ist
Salpeter (Kaliumnitrat) wichtiger Bestandteil des ältesten Explosivstoffs,
des Schwarzpulvers. Mit dem Ausgang des Mittelalters begann das Zeitalter
der Feuerwaffen.

Weil Schwarzpulver für die Kriegsführung unerlässlich wurde, war die
Beschaffung von Salpeter bald ein vorrangiges Ziel von Regierungen. Die
Tätigkeit der Salpeterer, die den Stoff sammelten und aufbereiteten, war
daher von großer Bedeutung. Eine zentrale Rolle spielte Salpeter daneben
in der Feuerwerkskunst, die in der Frühen Neuzeit häufig für
Repräsentationszwecke genutzt wurde. Nicht zuletzt war Salpeter
unverzichtbar für die meisten alchemistischen Operationen: Aus ihm ließ
sich das sogenannte Scheidewasser (Salpetersäure) gewinnen, das Silber
löst, aber Gold belässt. Auch für die Bereitung von Königswasser, mit dem
sich auch Gold auflösen lässt, ist Salpetersäure notwendig. Für die
Alchemisten hatte die Substanz daher einen enormen Nimbus und wurde
umfangreich verrätselt und umschrieben.

Ausstellung mit Büchern und Druckgrafiken des 16. – 20. Jahrhunderts

Die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Augsburg zeigt, wie man mit
dieser strategisch höchst bedeutsamen Substanz umging und wie das
rätselhafte, zugleich äußerst eindrucksvolle Verhalten des Salpeters
gedeutet wurde. Zu sehen sind Bücher und Druckgrafiken des 16. – 20.
Jahrhunderts, vorwiegend aus dem Altbestand der Universitätsbibliothek
sowie einer Privatsammlung, aber auch einige Gegenstände, die das Handwerk
des Salpeterers erlebbar machen. Daneben veranschaulicht ein Ausblick ins
20. Jahrhundert, dass der Salpeter, nunmehr vollsynthetisch und
großindustriell hergestellt, seine Bedeutung keineswegs verloren hat.

Die Ausstellung basiert auf Forschungsarbeiten zum Salpeter und zu
Salpeternutzungen in der Frühen Neuzeit, die am Lehrstuhl für Geschichte
der Frühen Neuzeit und am Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität
Augsburg durchgeführt wurden.

Ort: Universitätsbibliothek Augsburg (Zentralbibliothek, Schatzkammer),
Universitätsstraße 22
Dauer: 22. November 2023 bis 25. Februar 2024
Öffnungszeiten: Geöffnet Montag bis Freitag: 8:30 – 21:00 Uhr sowie
Samstag: 9:30 - 16:00 Uhr
Eintritt: kostenfrei

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