m EU-Projekt LUCRA wird ein einzigartiges Verfahren zur Umwandlung von
ungenutzten organischen Anteilen fester Siedlungsabfälle und Holzabfällen
in biobasierte Bernsteinsäure demonstriert. Zehn Industriepartner und
renommierte Forschungszentren aus sieben Ländern stellen mit dem Projekt
eine nachhaltige und kosteneffiziente Lösung für die biobasierte Industrie
zur Verfügung, um die steigende Nachfrage nach dieser vielseitigen
Plattformchemikalie in der Lebensmittel-, Pharma-, Kosmetik- und
Chemieindustrie zu decken.
Im Juli 2023 fiel im belgischen Gent der Startschuss für die erste Phase
des vierjährigen EU-Projekts LUCRA des Circular Bio-based Europe Joint
Undertaking (CBE JU). In LUCRA wird ein einzigartiges Verfahren zur
Umwandlung von ungenutzten organischen Anteilen fester Siedlungsabfälle
und Holzabfällen in biobasierte Bernsteinsäure demonstriert. Das Projekt
stellt der biobasierten Industrie eine nachhaltige und kosteneffiziente
Lösung zur Verfügung , um die steigende Nachfrage nach dieser vielseitigen
Plattformchemikalie in der Lebensmittel-, Pharma-, Kosmetik- und
Chemieindustrie zu decken.
Das Steinbeis Europa Zentrum ist Projektpartner und leitet die Aktivitäten
zur Kommunikation, Verbreitung und zum Engagement der Stakeholder. Zu den
Hauptaufgaben gehören die Strategieentwicklung und die Umsetzung der
Kommunikationsmaßnahmen sowie die Verbreitung Projektergebnisse zur
Förderung des Bewusstseins, des Engagements, der Akzeptanz und der
Übernahme durch verschiedene Interessengruppen auf lokaler und
europäischer Ebene. Darüber hinaus koordiniert das Steinbeis Europa
Zentrum die Zusammenarbeit mit anderen relevanten Projekten, Initiativen
und Aktivitäten.
Zwischenbausteine, die heute hauptsächlich auf fossilen Rohstoffen
basieren, sind wichtig für die Synthese anderer Chemikalien, Polymere,
Harze, Beschichtungen, Lösungsmittel und Weichmacher. Da strengere
Vorschriften erlassen werden und sich die Marktnachfrage sowie die
Verbraucherpräferenzen in Richtung nachhaltigerer Produkte bewegen, sucht
die chemische Industrie nach praktikablen und kostengünstigen Alternativen
zu fossilen Bausteinen wie der Bernsteinsäure.
Daher birgt die Herstellung von biobasierter Bernsteinsäure ein enormes
Marktpotenzial, und ihre Produktion aus organischen Abfällen erfüllt
sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Anforderungen.
Ein kooperativer und multidisziplinärer Ansatz für biobasierte
Bernsteinsäure
Zehn Industriepartner und renommierte Forschungszentren aus sieben
Ländern, welche die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum
Produkt abdecken, haben sich zusammengeschlossen, um die technische und
wirtschaftliche Machbarkeit der Umwandlung von organischen Abfällen in
Bio-Bernsteinsäure im vorindustriellen Maßstab zu demonstrieren. Durch die
Kombination modernster thermischer und enzymatischer Technologien sowie
innovativer Fermentations- und elektrochemischer Verfahren wird das
Konsortium unter der Leitung von Bio Base Europe Pilot Plant den Weg für
eine nachhaltige, ressourceneffiziente und kreislauforientierte
Bioökonomie ebnen.
"Wir freuen uns, mit dem LUCRA-Projekt einen wichtigen Beitrag zu einer
nachhaltigeren chemischen Industrie zu leisten", sagte Tanja Meyer, LUCRA-
Projektkoordinatorin und Senior Project Managerin bei Bio Base Europe
Pilot Plant. "Die Nachfrage unserer Kunden nach nachhaltigen biobasierten
Lösungen steigt kontinuierlich. Daher ist das LUCRA-Projekt für uns von
hoher Relevanz, da es Biomasse der zweiten Generation nutzt, um einen
relevanten Baustein für unsere Materialien zu produzieren", ergänzt Dr.
Vera Essmann, Laborleiterin für Forschung und Entwicklung von PUDs bei
Covestro.
Im Laufe des Projekts werden umfangreiche Validierungs- und
Demonstrationsaktivitäten an verschiedenen europäischen Standorten
stattfinden, um den Produktionsprozess im vorindustriellen Maßstab zu
optimieren, die Umweltauswirkungen und die Kreislauffähigkeit des
Prozesses zu bewerten und seine wirtschaftliche Machbarkeit zu prüfen. Die
Endprodukte, nämlich auf Bernsteinsäure basierende Polyester und Harze,
werden ebenfalls validiert, z. B. in Produkten für die Textilindustrie, um
sicherzustellen, dass die Produkte die erforderlichen technischen und
wirtschaftlichen Spezifikationen erfüllen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse
des LUCRA-Projekts werden dazu beitragen, gängige Abfall- und Reststoffe
in eine wertvolle Ressource für chemische Produkte zu verwandeln.
"Der Start des LUCRA-Projekts ist eine aufregende Entwicklung für die
europäische Chemieindustrie, da es den Wandel der Branche im Einklang mit
den Zielen des EU Green Deal unterstützen soll", erläutert Nicoló
Giacomuzzi-Moore, Exekutivdirektor ad interim des CBE JU. "Dieses Projekt
ist ein großartiges Beispiel dafür, wie vom CBE JU finanzierte Initiativen
nachhaltige und wettbewerbsfähige biobasierte Industrien fördern. Durch
den Aufbau innovativer biobasierter Prozesse und Wertschöpfungsketten wird
LUCRA das Potenzial nachhaltiger Biomasse erschließen und die
CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsmethoden
verringern, was zur Stärkung der Nachhaltigkeit in Europa beitragen wird."
Giacomuzzi-Moore hob auch die führende Rolle hervor, die kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) im Programm CBE JU spielen: "39 % der
Begünstigten unseres Programms sind KMU, und sie leiten Projekte, die von
der Grundlagenforschung bis zur industriellen Nutzung reichen. Durch die
Leitung des vom CBE JU finanzierten LUCRA-Projekts ist Bio Base Europe
Pilot Plant ein Beispiel dafür, wie kleine Unternehmen biobasierte
Lösungen näher an unseren Alltag heranbringen."
Das Projekt wird von dem Circular Bio-based Join Undertaking und seinen
Mitgliedern unterstützt und von der Europäischen Union finanziert.
Über Circular Biobased Europe (CBE JU)
Das Gemeinsames Unternehmen Circular Bio-based Europe (CBE JU) ist eine
mit 2 Milliarden Euro ausgestattete öffentlich-private Partnerschaft
zwischen der Europäischen Union und dem Konsortium der biobasierten
Industrie (BIC), die Projekte zur Entwicklung nachhaltiger und innovativer
Lösungen finanziert, welche den Übergang zu einer biobasierten
Kreislaufwirtschaft in Europa fördern. Durch Forschung, Entwicklung und
Implementierungsprojekte zielt CBE JU darauf ab, neue Wertschöpfungsketten
zu schaffen, Abfälle zu reduzieren und zu den Zielen der europäischen
Kreislaufwirtschaft beizutragen.
Die CBE JU wird im Rahmen von Horizont Europa, dem Forschungs- und
Innovationsprogramm der EU, für den Zeitraum 2021-2031 durchgeführt. Die
Partnerschaft baut auf dem Erfolg ihres Vorgängers, des Gemeinsames
Unternehmen der biobasierten Industrie (BBI JU), auf und stellt sich
gleichzeitig den aktuellen Herausforderungen der Branche.