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Ausschreibung Bildungsmedienpreis 2024 gestartet

Seit 2012 verleiht das Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-
Institut (GEI) jährlich den Preis „Schulbuch des Jahres“. Mit dem Preis
zeichnet das Institut Herausgeber*innen und Autor*innen für die
Entwicklung und Umsetzung innovativer Bildungsmedien aus. Um der
zunehmenden Vielfalt der in der Schule genutzten Bildungsmedien gerecht zu
werden und deren unterschiedliche Formate – analog und digital – zu
berücksichtigen, wird der Preis ab 2024 umbenannt in: Bildungsmedienpreis.
Der Begriff der Bildungsmedien umfasst die gesamte Bandbreite der für den
schulischen Gebrauch produzierten Medien, von klassischen Printmedien bis
hin zu digitalen Medienformaten.

Ausschreibung Bildungsmedienpreis 2024 für die Grundschule gestartet.

Bis zum 15. September 2023 können Personen, Verlage oder Institutionen,
die Bildungsmedien produzieren oder nutzen, schulische Lehrwerke zur
Begutachtung als „Bildungsmedien des Jahres 2024“ vorschlagen.

Der Preis, verliehen vom Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-
Eckert-Institut würdigt Herausgeber*innen und Autor*innen von
Bildungsmedien, die den Mut zu inhaltlichen, didaktisch-methodischen und
gestalterischen Innovationen aufbringen und die den Anforderungen des
kompetenzorientierten und digitalen Lernens in besonderer Weise gerecht
werden.

In den Kategorien Sprachen, Sachunterricht und Mathematik wird jeweils ein
preisgekröntes Bildungsmedium für die Grundschule ausgezeichnet. Die
Auswahl der drei Preisträger*innen in jeder Kategorie erfolgt durch eine
Jury, bestehend aus Vertreter*innen der Wissenschaft, Bildungspraxis und
Verlagswesen. Der Preis wird auf der Leipziger Buchmesse im März 2024
vergeben und steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz.

Mit der Auszeichnung will das GEI die Diskussion über Bildungsmedien und
ihre Bedeutung im Unterrichtsalltag anregen. Sie soll das Bewusstsein für
die gesellschaftliche Relevanz von Schulbüchern und digitalen
Bildungsmedien schärfen und zu deren Verbesserung und Weiterentwicklung
beitragen.

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Umfrage: Berliner befürworten mehrheitlich Ausbau von Radwegen und Kiezblocks

Wissenschaftler der Hertie School haben die Berliner:innen zur
Mobilitätswende befragt. Neben Konsens finden die Ökonomen Prof. Dr.
Christian Traxler und Verwaltungsexperte Prof. Dr. Kai Wegrich auch starke
Polarisierung.

Berlin, den 20. Juli 2023. Wie stehen die Berliner:innen zu möglichen
Änderungen in der Verkehrspolitik, zu City-Maut und Parkgebühren? Diesen
Fragen sind Wissenschaftler der Hertie School nachgegangen. Die Autoren
kommen zu dem Ergebnis, dass sich 56% der Berliner:innen – entgegen den
aktuellen Entscheidungen des Senats – für den Ausbau des Radwegnetzes
aussprechen. Außerdem möchten sie weitere Kiezblocks, die eine
Verkehrsberuhigung von Wohnquartieren erreichen sollen. Preispolitische
Maßnahmen sehen die Berliner:innen dagegen kritisch. Nur etwa ein Drittel
der Befragten kann sich eine Erhöhung der Parkgebühren oder die Einführung
einer City-Maut vorstellen. Insgesamt erkennen die Autoren, Ökonom Prof.
Christian Traxler und Verwaltungswissenschaftler Prof. Kai Wegrich, eine
starke Polarisierung unter der Bevölkerung. Die Wissenschaftler fordern
deshalb eine bessere Kommunikation politischer Entscheider:innen, damit
Sinn und Zweck verkehrspolitischer Maßnahmen bei den Stadtbewohner:innen
ankommen. Ihre Ergebnisse haben die Autoren im Policy Brief "Einstellungen
zur Mobilitätswende" festgehalten.

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick

*** Geschützte Radwege: 56% der Berliner:innen befürworten einen Ausbau;
29% lehnen ihn ab
*** Kiezblocks: 51% der Befragten wünschen sich weitere lokale,
verkehrsberuhigte Zonen, 31% lehnen dies ab
*** Tempo-30-Limit: Eine Ausweitung an Hauptstraßen befürworten 43%,
wohingegen 42% die Begrenzung ablehnen. Unter Personen ohne eigenes Auto
liegt die Zustimmung bei 56%, mit eigenem PKW bei 36%.
*** Parkgebühren: Etwa 33% stimmen einer Erhöhung der Gebühren für
Kurzzeitparken und Anwohnerparkausweis zu, 46% lehnen eine
Gebührenerhöhung ab.
*** City-Maut innerhalb des Rings: 36% befürworten sie, 48% lehnen sie ab

Christian Traxler, Professor für Ökonomie an der Hertie School, sagt:
„In unserer Erhebung spricht sich eine Mehrheit für weitere geschützte
Radwege und Kiezblocks aus. Gleichzeitig sehen wir eine starke
Polarisierung der Berliner Bevölkerung, vor allem bei der Bepreisung von
Parkraum oder einer City-Maut. Um die Gräben zu schließen, sollte die
Politik die Ziele und positive Wirkung von verkehrspolitischen Maßnahmen
besser erklären.“

Kai Wegrich, Professor für öffentliche Verwaltung und öffentliches
Handeln, ergänzt:
„Ein Beispiel, das die Polarisierung greifbar macht, ist eine mögliche
City-Maut innerhalb des Rings. Nur ein Drittel fände es sinnvoll, sie
einzuführen. Würde die Politik kommunizieren, dass die
Verhaltensreaktionen auf eine City-Maut nicht nur zu weniger Emissionen,
sondern auch zu weniger Staus und einem besseren Verkehrsfluss führen,
fände die Maut vermutlich mehr Zustimmung.“

Polarisierung entlang Bildungsniveau, Autobesitz, Wohnsitz und
Parteipräferenz

Insgesamt stellen Traxler und Wegrich eine hohe Polarisierung hinsichtlich
der erhobenen Politikmaßnahmen fest. Wichtigste Dimensionen der Spaltung
sind Bildungsniveau, Autobesitz und politische Orientierung. Ein
niedrigeres Bildungsniveau und/oder der Besitz eines Autos geht mit einer
tendenziell ablehnenden Haltung gegenüber den Politikmaßnahmen einher, ein
höherer Bildungsabschluss und/oder das Fehlen eines Autos mit einer
progressiveren Haltung. Wähler:innen der Grünen, SPD und der Linken
verkörpern eine progressivere Haltung, FDP-, CDU- und AfD-Wähler:innen
stehen den Maßnahmen ablehnender gegenüber. Die Umfrage zeigt auch: Der
Wohnsitz-Bezirk einer Person prägt die eigene Haltung nicht per se,
progressive versus konservative Haltungen sind jedoch innerhalb und
außerhalb des S-Bahn-Rings erkennbar.

Methodik

Für die Erhebung befragten die Wissenschaftler 1.500 Berliner:innen ab 16
Jahren aus allen Bezirken. Die Fragen umfassten die fünf Bereiche 1)
geschützte Radwege, 2) Ausbau von Kiezblocks, 3) Ausweitung Tempo 30 km/h
an Hauptstraßen, 4) City-Maut und 5) höhere Parkgebühren. Die Befragung
wurde im Juni 2022 online erhoben und in Kooperation mit dem
Meinungsforschungsinstitut Bilendi durchgeführt.

Über die Hertie School
Die Hertie School in Berlin bereitet herausragend qualifizierte junge
Menschen auf Führungsaufgaben im öffentlichen Bereich, in der
Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft vor. Sie bietet
Masterstudiengänge, Executive Education und Doktorandenprogramme an. Als
universitäre Hochschule mit interdisziplinärer und praxisorientierter
Lehre, hochklassiger Forschung und einem weltweiten Netzwerk setzt sich
die Hertie School auch in der öffentlichen Debatte für „Good Governance“
und moderne Staatlichkeit ein. Die private Hochschule verfügt über fünf
Kompetenzzentren, darunter das Centre for Digital Governance sowie
ergänzend das Data Science Lab. Die Hertie School wurde 2003 von der
Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet und wird seither maßgeblich von
ihr getragen. Sie ist staatlich anerkannt und vom Wissenschaftsrat
akkreditiert.

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Empa-Forschung als Grundlage für neue EU-Massnahmen: Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor fördern

Neufahrzeuge sind für rund zehn Prozent des Kunststoffbedarfs in der EU
verantwortlich, und der Automobilsektor ist Hauptverbraucher von
Rohstoffen wie Aluminium, Magnesium, Platingruppenmetalle oder
Seltenerdelemente. Ein neues Regelwerk, das die Europäische Kommission
letzte Woche zur Überarbeitung der EU-Altautorichtlinie vorgeschlagen hat,
soll die Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor stärken. Empa-Forschende
waren im Rahmen einer «Science-for-Policy»-Studie massgeblich an der
Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen beteiligt.

Jedes Jahr landen mehr als sechs Millionen Fahrzeuge in Europa auf dem
Schrottplatz. Ein unsachgemässer Umgang mit diesen Fahrzeugen führt zu
Wertverlusten und zu Umweltverschmutzung. Eine kürzlich durchgeführte
Überprüfung bestehender EU-Rechtsvorschriften in diesem Bereich hat
gezeigt, dass erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, um den
Automobilsektor in eine Kreislaufwirtschaft zu überführen und dadurch die
mit Herstellung und Entsorgung von Fahrzeugen verbundenen
Umweltauswirkungen zu verringern und die Nachhaltigkeit der Automobil- und
Recyclingindustrie zu erhöhen.

Neufahrzeuge in der EU sind für rund zehn Prozent des Kunststoffbedarfs
und neun Prozent des Kupferbedarfs verantwortlich. Zudem ist die
Automobilindustrie auf insgesamt mehr als 60 verschiedene Rohstoffe
angewiesen. Die Umstellung auf Elektroautos bringt zusätzliche
Herausforderungen mit sich, da sie den Bedarf an Palladium und anderen
Edelmetallen für eingebettete Elektronik sowie an Kupfer und
Seltenerdelementen, die in Permanentmagneten der meisten Elektromotoren
verwendet werden, erhöhen wird. Nach Schätzungen der EU wird die Nachfrage
nach den Seltenerdelementen Neodym und Dysprosium in Neuwagen auf etwa
4025 Tonnen bzw. 620 Tonnen ansteigen, ein Anstieg um das Zehn- bzw.
Siebenfache gegenüber 2020.

Andererseits werden derzeit weniger als 20 Prozent der aus Altfahrzeugen
gewonnenen Kunststofffraktionen recycelt; kritische Rohstoffe wie
Seltenerdelemente in Elektromotoren oder Palladium in eingebetteter
Elektronik werden meist gar nicht zurückgewonnen. Die Herausforderung
besteht daher darin, die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe und anderer
Materialien zu erhöhen, bevor die Altfahrzeuge geschreddert werden, wie es
derzeit gängige Praxis ist.

«Schweizer Ansatz» für Elektronik in Altfahrzeugen

Seit mehreren Jahren unterstützen Forschende der Empa-Abteilung
Technologie und Gesellschaft in St. Gallen unter der Leitung von Patrick
Wäger das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bei der Verbesserung des Auto- und
Elektronik-Recyclings durch verschiedene «Science-for-Policy»-Projekte.
Ein kürzlich abgeschlossenes Projekt untersuchte etwa die Möglichkeit,
eingebettete elektronische Geräte aus Altfahrzeugen zu entfernen und
separat zu recyceln, und zwar unter technischen, ökologischen und
wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Die Ergebnisse dieser sowie früherer Studien dienten als Grundlage, um zu
bestimmen, welche Geräte im Rahmen der kürzlich revidierten
schweizerischen Verordnung über Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung
elektrischer und elektronischer Geräte (VREG) separat entfernt und
recycelt werden sollten. Die neuen Bestimmungen sehen vor, dass
elektronische Geräte in Altfahrzeugen separat ausgebaut und
wiederverwertet werden sollen, falls dies wirtschaftlich tragbar und
ökologisch sinnvoll ist. Während die konkreten Vorgaben noch in
Ausarbeitung sind, ist die Schweiz damit Vorreiterin bei der Anpassung der
Gesetzgebung zur Förderung des Recyclings von elektronischen Geräten.

Auf dem Weg zu einer neuen Altautorichtlinie für die EU

Aufgrund ihres Knowhows und ihrer Erfahrung wurden die Empa-Forschenden
vom «Joint Research Center» (JRC) der Europäischen Kommission angefragt,
zusammen mit dem deutschen Öko-Institut e.V. und der schwedischen
«Chalmers University» an einer Analyse ausgewählter Massnahmen zur
Verbesserung der Kreislauffähigkeit kritischer Rohstoffe und anderer
Materialien in Personenwagen mitzuwirken. Das Ergebnis ist ein im Juni
veröffentlichter gemeinsamer Bericht, der eine sozioökonomische und
ökologische Bewertung jeder dieser Massnahmen sowie eine Reihe von
Empfehlungen enthält.

Den Empfehlungen des Berichts folgend, veröffentlichte die Europäische
Kommission dann am 13. Juli einen Vorschlag für eine neue
Altfahrzeugrichtlinie. Der Vorschlag enthält unter anderem Bestimmungen,
die darauf abzielen, das Recycling und die Wiederverwertung von Bauteilen,
die kritische Rohstoffe wie Seltenerdelemente, Kupfer oder Palladium
enthalten, in Neufahrzeugen zu erhöhen, und zwar sowohl bei Konstruktion
und Herstellung als auch in der «End-of-Life»-Phase.

Nach diesen Bestimmungen

- müssen Elektrofahrzeuge so konstruiert sein, dass ihr Elektromotor
ausgebaut werden kann, um ihn zu reparieren und wiederzuverwenden.
- müssen die Hersteller die Verwerter über die in ihren Fahrzeugen
verwendeten kritischen Rohstoffe informieren und bestimmte Bauteile, die
diese Materialien enthalten, kennzeichnen.
- muss der Elektromotor vor der Verschrottung eines Elektrofahrzeugs
ausgebaut werden.
- müssen bestimmte elektronische Komponenten (wie Infotainmentsysteme und
Wechselrichter) vor dem Schreddern eines Fahrzeugs entfernt werden,
entsprechend dem in der revidierten Verordnung über die Rückgabe, die
Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte
festgelegten Grundsatz.

«Eingebettete Elektronik aus Altfahrzeugen auszubauen und sie in
Elektroschrott-Recyclinganlagen wiederzuverwerten, bietet einen zweifachen
Vorteil für die Umwelt», sagt Empa-Wissenschaftler Charles Marmy, der die
JRC-Studie mitverfasst und Projekte zum getrennten Recycling von
eingebetteter Elektronik geleitet hat. «Es erhöht nicht nur die
Rückgewinnung von Metallen und Kunststoffen zur Gewinnung von
Sekundärrohstoffen erheblich, sondern begrenzt auch die Abfallmengen, die
verbrannt werden müssen, und senkt so die damit verbundenen
CO2-Emissionen.»

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Hochschule Coburg und Universität Bamberg gründen Institut Mensch & Ästhetik

Forschung zu Wechselwirkungen von Gesundheit und ästhetischer Gestaltung
steht im Mittelpunkt der neuen Einrichtung.

Wenn der Chirurg eine Gallenblase entfernt, braucht es Zeit, bis man
wieder auf den Beinen ist. Aber Patienten haben Glück im Unglück, wenn sie
im Krankenhaus ein Zimmer mit Aussicht ins Grüne bekommen, statt auf eine
Backsteinwand des nächsten Krankenhausflügels starren zu müssen. „Ein
schöner Ausblick verkürzt die postoperative Aufenthaltszeit signifikant,
senkt den Schmerzmittelverbrauch und lässt sogar die Pflegekräfte
freundlicher erscheinen“, erläutern der Bamberger Philosoph Prof. Dr.
Christian Illies und der Coburger Ästhetik- und Designforscher Prof. Dr.
Michael Heinrich. Dies zeige unter anderem eine Auswertung von
Patientenakten eines Krankenhauses in Pennsylvania schon in den 1980ern.

Das Beispiel verdeutlicht: Architektur ist in Gestalt und ästhetischer
Erscheinungsweise von großer Bedeutung für die Gesundheit. Denn
ästhetische Qualitäten senken messbar und langfristig Stresslevel und
befördern Agilität und Resilienz. Das unterstreicht auch der Coburger
Psychologe und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Niko Kohls, der zu den
Gründungsmitgliedern des Instituts zählt. Diese komplexen Zusammenhänge
besser zu erfassen, das Wissen für Bauwelt und Design fruchtbar zu machen
und so einen Beitrag zur Gesundheitsförderung und Prävention zu leisten,
ist das Anliegen des neu gegründeten Instituts Mensch & Ästhetik der
Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg und der Otto-Friedrich-
Universität Bamberg. Am Dienstag, 18. Juli, unterzeichneten die
Präsidenten der beiden Einrichtungen einen entsprechenden
Kooperationsvertrag.

„Forschung an der Universität Bamberg zeichnet sich durch einen starken
interdisziplinären Zuschnitt aus. Die Aktivitäten des Instituts Mensch &
Ästhetik im Feld der Design-, Geistes- und Humanwissenschaften
veranschaulichen diese Ausrichtung in besonderer Weise und zeigen, wie
vielfältig Wissenschaft zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen
kann“, sagt der Präsident der Universität Bamberg Prof. Dr. Kai Fischbach.

Das neu gegründete Institut Mensch & Ästhetik stärkt den
Wissenschaftsstandort Oberfranken

Die Hochschule Coburg verbindet Hintergrundwissen aus verschiedenen
Disziplinen wie Psychologie, Neurobiologie und Design mit
anwendungsorientierter Forschung und Lehre in Architektur und Design. Der
Standort Coburg mit seiner Design-Fakultät ist in dieser Hinsicht
europaweit einzigartig. Prof. Dr. Stefan Gast, Präsident der Hochschule
Coburg, freut, wie sich diese Coburger mit den Bamberger Kompetenzen im
Bereich Philosophie ergänzen. „Die Kooperation hat außerdem eine weitere
besondere Dimension: Es ist das erste Mal, dass die Hochschule Coburg und
die Universität Bamberg in einem hochschulbergreifenden Institut
zusammenarbeiten.“ Die gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung verkörpere
dabei den Geist der TechnologieAllianzOberfranken (TAO). In diesem
Verbundprojekt haben sich die Universitäten Bamberg und Bayreuth sowie die
Hochschulen Coburg und Hof zusammengeschlossen, um Oberfranken als
Wissenschaftsstandort weiter auszubauen.

„Das Thema Gesundheit bestimmt die Lebensqualität der Menschen in
erheblichem Ausmaß und steht schon seit einigen Jahren im Fokus von TAO.
Aktuell läuft das TAO-Themenjahr „Gesundheit“, in dem die oberfränkischen
Aktivitäten in diesem riesigen Themenfeld beleuchtet werden. Die
Wechselwirkungen von Gesundheit und ästhetischer Gestaltung weiter zu
erforschen, ist das Anliegen des neuen Instituts, das seitens TAO nach
besten Möglichkeiten begleitet und unterstützt wird“, so Dr. Anja Chales
de Beaulieu, Leiterin der TAO-Geschäftsstelle.

„Lebenswerte Architektur und Innenarchitektur berücksichtigen Ästhetik,
Sinneswahrnehmung, Funktionalität, Ergonomie und Nachhaltigkeit. Sie
schaffen eine einladende Atmosphäre, fördern persönliche Entfaltung,
Gemeinschaft und Zugehörigkeit im Gebäude- und Quartierskontext“,
kommentiert Annette Brunner, Vorstandsmitglied der Bayerischen
Architektenkammer und Vorsitzende des Bundes Deutscher Innenarchitekten
(BDIA) in Bayern. „Unser Ziel sollte immer eine Architektur sein, die
Wahrnehmung mit Nutzen verknüpft und dadurch unsere Resilienz und
Lebensqualität sichert. Das Institut für Mensch und Ästhetik ergänzt die
Bildungslandschaft der Architektur- und Gestaltungsausbildung um einen
wichtigen Baustein, den ich mir schon lange gewünscht habe.“

Buchprojekt „Shrines of Wisdom“: durch Gestaltung von Orten ganzheitliches
Lernen fördern

Die feierliche Unterzeichnung des Kooperationsvertrags fand dem Inhalt der
Forschungsaktivitäten des Instituts entsprechend im ästhetisch
außergewöhnlichen Rokoko-Saal des Alten Rathauses in Bamberg statt.
Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke griff diesen Umstand in seiner
Begrüßung auf und verwies darauf, wie wichtig die Forschungen des
Instituts für die Stadt Bamberg sind: „Die Lebensqualität in einer Stadt
wird auch durch die räumliche Umgebung beeinflusst, das Wohlbefinden und
das soziale Verhalten der Menschen hängt davon ab. Daher ist es ein
spannendes Forschungsfeld mit Relevanz für die künftige Stadtgestaltung,
die Planung und das kommunale Handeln vor Ort. Als Oberbürgermeister der
Stadt Bamberg ist es mir eine besondere Freude, dass die Otto-Friedrich-
Universität Bamberg und die Hochschule für angewandte Wissenschaften
Coburg interdisziplinär zusammenarbeiten. Klar, ich erhoffe mir
konstruktive Impulse für unsere Welterbestadt, weil die Ästhetik hier den
historischen Bezügen besonders oft begegnet.“

Bereits vor der Vertragsunterzeichnung haben Christian Illies und Michael
Heinrich mit ihren jeweiligen Teams zusammen zu Ästhetik und deren
Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden und die Lebensqualität
geforscht. Im neu gegründeten Institut, das die beiden gemeinsam leiten,
möchten sie ihre bereits begonnenen Aktivitäten nun intensivieren und
ausbauen. Eines davon ist „Shrines of Wisdom“, ein Konferenz- und
Buchprojekt der Universitäten Bamberg und Cambridge sowie der Hochschule
Coburg. Es beschäftigt sich mit der Zukunft von Bibliotheken in Zeiten von
Digitalisierung und Wissensexplosion und erforscht unter anderem, wie
durch Gestaltung von Orten ganzheitliches, gesundheitsbewusstes Lernen
gefördert werden kann.

Die in diesen und anderen Projekten erworbenen Erkenntnisse sollen
unmittelbar in die Lehre der am Institut beteiligten Einrichtungen
einfließen, sodass Studierende in die Lage versetzt werden, eigene
Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Architektur, Design, Ästhetik,
philosophischer Anthropologie und Psychologie anzufertigen. In Bamberg und
Coburg sind zudem gemeinsame Lehrveranstaltungen und ein Master-Kolleg an
der Coburger Fakultät Design geplant. Ab 2024 begleitet das Institut erste
Promotionen, die interdisziplinär zwischen Design und
Geisteswissenschaften angesiedelt sind.

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